Interview mit Peter Osteried über Immundula, das Schreiben und Stars
Interview mit Peter Osteried über Immundula, das Schreiben und Stars
„Interview mit Marilyn Monroe“ war mein erster Roman, direkt danach folgte „Mord in Geektown“. Du hast absolut recht, beide Geschichten sind sehr, sehr unterschiedlich. Tatsächlich habe ich für weitere Romane sehr unterschiedliche Ideen. Das mag jetzt nicht gar so wirken, weil gerade „Geschichten aus Geektown“ erschienen ist und in diesem Jahr noch „Geektown sehen und sterben“ erscheint, aber danach gönne ich mir Urlaub außerhalb Geektowns. Wahrscheinlich wird das nächste Projekt eine Komödie, die lose auf einer wahren Geschichte basiert. Künftig möchte ich es gerne so machen, jedem „Geektown“-Roman einen mit einem gänzlich anderen Setting und Geschichte folgen zu lassen.
Die Liebe zur Popkultur – die ist wie die Luft zum Atmen. Ohne geht es einfach nicht. Das Leben wäre zu langweilig.
Ja, das waren meine Frau Isi und meine Kollegen Uwe Raum-Deinzer und Jürgen Krainhöfner. Die Gründung des Verlags entwickelte sich aus der Insolvenz des Verlags, der zuvor die Magazine „Moviestar“, „TV Serien Highlights“ (heute „Streaming Serien Highlights“) und „DVD Blu-ray Special“ publiziert hat. Wir waren nicht bereit, diese Hefte aufzugeben.
Wir fingen im Januar 2023 an und ja, ich bin mit dem, wie sich die letzten gut drei Jahre entwickelt haben, sehr zufrieden. Wir haben im ersten und im zweiten Jahr mit „Moviestar Retro“ und „Serien Retro“ zwei neue Magazine gestartet, die bei den Lesern gut ankommen, im letzten Jahr sammelten wir uns etwas, in diesem wird es ein weiteres Sonderheft und den Start eines neuen Magazins geben.
Ich schreibe seit Ende der Neunzigerjahre Sachbücher – meist zu Themen, die mich wirklich packten, mitunter waren es aber auch Auftragsarbeiten. Der Spaß darin ist, sich in ein Thema zu vertiefen, ein Lieblingsbuch habe ich da aber tatsächlich nicht. Wahrscheinlich immer das aktuellste. In diesem Jahr kommt mit „Die Babylon 5 Chronik“ Band 6 der Abschluss dieser umfangreichen Reihe, dann pausiere ich im Hinblick auf Sachbücher erstmal und nutze die Zeit lieber für meine eigenen Geschichten.
Das hat ziemlich genau ein Jahr gedauert – sogar fast auf den Tag. Von September 2022 bis August 2023.
An Geschichten in der einen oder anderen Art habe ich fast schon immer getüftelt, aber bei dieser hier war es anders als bei jeder anderen. Als ob ein Schalter in meinem Kopf umgelegt worden wäre und ich gar nicht anders konnte, als in die Tasten zu hauen. Die Geschichte wollte erzählt werden! Sie offenbarte sich mir, als ich wie so oft in einer Pressevorführung saß. Man sieht da nicht nur Filme, die man sehen will. In diesem Job muss man auch Filme sichten, die dem persönlichem Geschmack zuwiderlaufen. Dieser hier – die Dokumentation „Moonage Daydream“ - war so einer. Es ist eine fast zweieinhalbstündige Dokumentation über einen David Bowie, die ich reichlich pompös und nichtssagend, vor allem aber immens langweilig fand. Nur die Bilder, die konnten gefallen, weil der Regisseur auch immer wieder damit experimentierte, ganz kurze Schnipsel alter Filme zu integrieren. Derweil war ich angeödet und mein Verstand ließ sich treiben. Er suchte nach einer Beschäftigung, etwas, das ihn davor bewahren konnte, einzugehen. Und da war sie: Die erste Szene von „Interview mit Marilyn Monroe“ (fürs Protokoll: Als ich mit dem Schreiben begann, trug der Roman noch einen anderen Titel). Ich sah Bela Lugosi vor mir, im Hier und Jetzt, wie er mit einem Mann spricht, der helfen will, ihn in der für ihn zukünftigen Welt einzugliedern. Zuerst hatte ich diese Szene, dann folgten im Verlauf des Films weitere und schließlich das Ende. Ich wusste in diesem Kinosaal, wie die Geschichte ausgehen würde. Sicher, ein paar Details änderten sich im Verlauf eines Jahres, in dem dieser Roman entstand, aber grundsätzlich war es da. Der Rest erschloss sich dann im Lauf der nächsten zwölf Monate.
Ich dachte hauptsächlich an die wirklich großen Stars des Hollywoods der Fünfziger- und Sechzigerjahre, garniert mit ein paar Stars, die erst in den letzten Jahren verstorben sind.
Eher Zufall, bewusst habe ich daran nicht gedacht. Ich wählte Personen aus, die mir in diesem Teil der Geschichte sinnig erschienen und sie vorantreiben konnten.
Ach, im Grunde gar nicht schwer. Wobei: Der Roman hätte den Weg vieler angefangener Geschichten gehen können. Ich habe davon einen ganzen Schwung. Vielleicht hätte ich mit diesem auch nicht weitergemacht, aber ich zeigte das erste Dutzend Seiten meiner Frau Isi, die so Feuer und Flamme war, dass ich gar nicht aufhören konnte. Sie forderte ein Ende der Geschichte ein.
Ja, ich wollte das bis ganz zum Schluss ausreizen. Es gibt Hinweise im Verlauf der Geschichte, die dürften die meisten aber wohl überlesen. Das Ende sollte dann auch überraschen.
Ich habe einiges an Interviews mit den Stars, die in dem Roman vorkommen, gelesen. Da bekommt ein bisschen einen Eindruck davon, wie diese Menschen waren. Es gibt auch Passagen im Roman, die sich direkt auf Interviews beziehen, beispielsweise, als John Wayne seine Meinung zu People of Color zum Besten gibt und dafür herausgefordert wird – das basiert auf einem Interview, das Wayne tatsächlich gegeben hat. Dass John Wayne und Maureen O’Hara eine Beziehung beginnen, liegt irgendwo zwischen Fakt und Fiktion. Es ist nicht gesichert, dass die beiden eine Affäre hatten, aber es gibt Bilder von gemeinsamen Auftritten, da kann man im Blick der beiden wirklich erkennen, dass sie einander anhimmeln. Vielleicht blieb ihre Liebe aber auch immer platonisch, Maureen O’Hara bezeichnete Wayne jedoch als Seelengefährten. Anderes ist natürlich einfach Gespür – ich glaube, dass diese Leute so gewesen sein könnten. Mit einer Ausnahme. Die Dame hat sozusagen das kurze Stöckchen gezogen. Doris Day wird in dem Roman zur fiesen Antagonistin, was ihrem wahren Charakter sicherlich nicht entspricht, aber ich brauchte jemanden, der exemplarisch für die Spießigkeit der Fünfzigerjahre stand.
Es freut mich, dass er dir gefallen hat.



