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... Irene Rodrian über Jerry Cotton, Tod in St. Pauli und ihre Barcelona-Krimis

Linda Stewart... Irene Rodrian ...
... über Jerry Cotton, Tod in St. Pauli und ihre Barcelona-Krimis

Während meiner Recherchen zu meiner »Jerry Cotton« - Artikelserie stieß auf die Internetseite von Irene Rodrian.

Daraufhin nahm ich Kontakt zu der Autorin auf, aus dem ein netter Email-Verkehr mit Frau Rodrian und nachfolgendes Interview entstand...

Zauberspiegel: Wie kam es in den 1960er Jahren zum Kontakt mit dem Bastei Verlag? Haben Sie sich damals auf eine Anzeige des Verlages beworben?
Irene Rodrian: Ja.

Zauberspiegel: Wann gaben Sie Ihr Jerry-Cotton-Debüt und wie hieß der erste Roman, den sie für die Krimi-Serie geschrieben haben?
Irene Rodrian: Ich weiß es nicht mehr. Fragen Sie bitte bei Bastei an. Manche werden ja nochmal aufgelegt.

Zauberspiegel: Gab es damals Anweisungen seitens des Bastei Verlages, an die sich die Autoren der Serie halten mussten?
Irene Rodrian: Jerry Cotton und die ständig auftretenden Personen waren genau festgelegt. Es gab auch Anweisungen in Bezug auf den FBI und die allgemeine Moral;-) Die Stadt New York musste genau stimmen, ich hatte mir einen Stadtplan mit allen Häusern etc besorgt. Analoges GoogleMap;-)

Zauberspiegel: Zwischen 1962 und 1964 schrieben sie zwölf Romane für die Krimi-Serie, die zwischen 1964 und 1966 veröffentlicht wurden. Wie lauteten die Titel dieser Romane?
Irene Rodrian: Das lässt sich sicher bei Bastei erfragen.

Anmerkung des Zauberspiegels.
Laut der Presseabteilung des Bastei Verlages - an dieser Stelle ein herzlichstes Dankeschön an Frau Rausch, die die Liste zur Verfügung stellte - wurden zwischen 1964 und 1966 folgende JC-Romane aus der Feder der Autorin veröffentlicht:

  • Die Falle auf dem Rummelplatz0345 Die Falle auf dem Rummelplatz (1964)
  • 0385 Ein Mörder saß am grünen Tisch (1964)
  • 0391 Sein Alibi zerbrach wie Glas (1964)
  • 0395 Menschenschmuggel in Manhattan (1965)
  • 0403 Nachts, als die Mörder kamen (1965)
  • 0406 Liebesbriefe in Sing-Sing (1965)
  • 0411 Ein Gangster kauft die Todesinsel (1965)
  • 0419 Die Klinik der tödlichen Träume (1965)
  • 0427 Sie entführten ihren Killer (1965)
  • 0431 Der Gentleman-Killer (1965)
  • 0451 Ich gegen Randy, den Toten (1966)
  • 0483 Das Girl, das zuviel wusste (1966)

Zauberspiegel: Warum hörten Sie 1964 beim Bastei Verlag auf?
Irene Rodrian: Irgendwann konnte ich Jerry Cotton nicht mehr ernst nehmen, und er geriet mir zur Karrikatur...

Zauberspiegel: Haben Sie neben Jerry Cotton auch noch an anderen Heftromanserien mitgeschrieben?
Irene Rodrian: Nein.

Tod in St. PauliZauberspiegel: 1967 wurde ihr Kriminalroman "Tod in St. Pauli" im Goldmann Verlag veröffentlicht? Wie kam es dazu?
Irene Rodrian: Ich hatte jahrelang die Post finanziert, indem ich ein Krimimanuskript an alle Verlage schickte und immer wieder zurückbekam. Ich wollte mir schon ein männliches oder englisches Pseudonym zulegen, da veranstaltete Goldmann den Edgar-Wallace- Preis.
Man reichte anonym ein. Ich schrieb zwei Krimis, einen so, wie ich schreiben wollte, Bis morgen, Mörder; einen so, als hätte ihn ein Mann geschrieben. Tod in St. Pauli. Der erste wurde mir zurückgeschickt und von mir sofort an Rowohlt weiter geschickt. Der zweite bekam den ersten Preis.

Zauberspiegel: Worum geht es in dem Roman?
Irene Rodrian: Die Barcelona-Krimis sind meine einzigen WhoDonIts. Also 'Detektivromane'. In allen meinen anderen Krimis geht es um die Frage, was bringt einen Menschen dazu, einen anderen zu töten, immer gerät ein 'Unschuldiger' in mörderische Umstände.

Zauberspiegel: Auf ihrer Seite habe ich gelesen, dass sie für "Tod in St. Pauli" zwar den ersten Preis des Edgar-Wallace-Preises des Goldmann Verlages gewannen, aber nicht die gesamte Summe in Höhe von 5.000 DM für den Preis bekamen, weil man Ihnen nicht glauben wollte, dass eine Frau diesen Roman geschrieben hat. Stimm das?
Irene Rodrian: Ja. Ich bekam 1.500 DM mit der Bemerkung, wir behalten das restliche Geld, für das nächste Jahr, wenn sich ein richtiger Schriftsteller beteiligt.

Zauberspiegel: Durch "Tod in St. Pauli" wurde Jürgen Roland auf Sie aufmerksam, der den Roman verfilmen wollte. Wurden die Rechte verkauft und kam es durch Jürgen Roland zur Verfilmung Ihres Romans?
Irene Rodrian: Die Rechte wurden verkauft, aber leider kam es nie zur Verfilmung.

Zauberspiegel: Vor der Veröffentlichung von "Tod in St. Pauli" hatten Sie mit "Prima prima Detektive" (1965), "Diebe mögen keine Sonne" (1966) und "Gut Freunde, tolle Abenteuer" (1967) im F. Schneider Verlag veröffentlicht. Wie kamen Sie auf die Idee Kinder- und Jugendbücher zu schreiben?
Irene Rodrian: Ich wollte immer schon Kinder- und Jugendbücher schreiben.

Zauberspiegel: Waren diese Bücher vorwiegend Kriminalromane für Kinder und Jugendliche?
Irene Rodrian: Ja.

Zauberspiegel: Danach erschienen von 1970 bis 1992 insgesamt 20 weitere Kriminalromane im Rowohlt Verlag. Darunter Titel wie "Wer barfuß über Scherben geht" (1970), "Finderlohn" (1971), "Küsschen für den Totengräber" (1974), "Der Tod hat hitzefrei" (1976), "Schlaf, Bübchen, schlaf" (1980), "Schlagschatten" (1984), "Das Mädchen mit dem Engelsgesicht" (1986) oder "Strandgrab" (1992).
Doch zwischen 1992 und 2002 veröffentlichten Sie keine Kriminalromane mehr. Warum diese lange Schreibpause?
Irene Rodrian: Mein Mann hatte einen Schlaganfall.

Tod in St. PauliZauberspiegel: 2002 kam es mit "Meines Bruders Mörderin" zum Comeback. Der Roman markiert den ersten Teil der vierbändigen "Llimona 5" - Reihe, der bis 2007 drei weitere Romane folgten, in der gleich fünf Ermittlerinnen agieren. Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Krimi-Reihe?
Irene Rodrian: Ich kannte und liebte Barcelona. Eine wunderschöne aber reine Machostadt. Dort fünf Frauen ermitteln zu lassen, schien mir sehr reizvoll. Und bei fünf Protagonisten kann man nie sicher sein, dass alle überleben.

Zauberspiegel: Das fünfköpfige Ermittlerteam besteht aus fünf unterschiedlichen Charakteren. Pia Cortes ist Mitte Dreißig, ehemalige Ermittlerin bei der Kripo, bis sie als Privatdetektivin ein neues Leben begann; Janet Howard, einer englischen Journalistin, Mitte Fünfzig; Dagmar Warwitz, Mitte Dreißig, eine etwas zerstreute, aber erfolgreiche Anwältin; Barbara Dyckhoff, Mitte Zwanzig, die einmal die beste Taschendiebin Barcelonas war sowie Anna Guzmann, gerade mal 17 Jahre alt.
Wie würden Sie die fünf Frauen beschreiben? Was sind Pia, Janet, Dagmar, Barbara und Anna für Menschen? Protagonistinnen mit Ecken und Kanten?
Irene Rodrian: Sie sind völlig verschieden und haben doch viel gemeinsam: Intelligenz, Neugier, Mut, ein Schicksal und Humor, sie genießen gern, und sie alle kommen nicht aus Barcelona. Ihr Blick auf die Stadt bleibt so in gewisser Weise ein Blick von außen.

Zauberspiegel: Die ersten beiden Romane der vierbändigen "Llimona 5" - Reihe erschienen noch im List Verlag. Danach folgte die Veröffentlichung der übrigen Kriminalromane der Reihe im Heyne Verlag. Warum der Verlagswechsel?
Irene Rodrian: Der List Verlag gehörte zur Bertelmanngruppe, es gab ein jahrelanges Verfahren wegen zu großer Konzentration, das den Verlag und alle Aktionen lähmte, dann wurde der Verlag an Bonnier verkauft und viele Autoren etc abgestoßen.

Zauberspiegel: Wie wählen Sie grundsätzlich die Themen zu Ihren Romanen aus?
Irene Rodrian: Ich erlebe, beobachte, lese etwas.

Zauberspiegel: Wie wichtig sind Recherchen für Ihre Bücher?
Irene Rodrian: Sehr wichtig. Krimis müssen realistisch wirken, glaubhaft sein.

Zauberspiegel: Wie sieht grundsätzlich Ihre Vorarbeit zu einem Roman aus?
Irene Rodrian: Ich habe eine Idee, wälze sie im Kopf, vergesse sie und finde sie wieder, spiele mit ihr. Das kann eine Personenkonstellation sein, ein reales Ereignis, eine Schlagzeile... alles ist möglich. Wenn die Idee gut ist, beißt sie sich fest.

Zauberspiegel: Wie lange schreiben Sie danach an einem Roman?
Irene Rodrian: Nach Abschluss aller Recherchen 4 bis 6 Monate. Als ich jünger war, gings schneller;-)

Zauberspiegel: Was unterscheidet Ihre Romane von anderen Kriminalromanen?
Irene Rodrian: Das Warum, die Psychologie steht im Vordergrund. Menschen wie du und ich, die nachvollziehbare Probleme haben und dazu in ausweglose Situationen geraten. Keine Serientäter, die motivlos aus reiner 'Lust' töten, keine überspitzte Brutalität

Zauberspiegel: Ab Mitte der 1970er Jahre starteten Sie neben Ihrer Karriere als Kriminalautorin auch eine erfolgreiche Karriere als Drehbuchautorin.
Sie schrieben Drehbücher für TV-Serien wie "Hamburg Transit" (1970-1975), "Onkel Bräsig" (1978), "Achtung Kunstdiebe" (1978), "Ein Fall für Zwei" (1982) und "Trotzkopf" (1983), "Wolkenstein" (1996) und " Sophie schlauer als die Polizei" (1997) sowie für "Tatort" und für einige Fernsehfilme. Wie kam es dazu?
Irene Rodrian: Theater, Film und Fernsehen haben mich immer sehr fasziniert. Ich schreibe eh sehr bildlich.

Zauberspiegel: Was ist grob gesagt der Unterschied zwischen einem Roman und einem Drehbuch?
Irene Rodrian: Im Roman kann ich die Gedankenwelt aufzeigen. Im Film habe ich das Bild, den Schauspieler. Das kann stärker sein als jeder Text.

Zauberspiegel: Wird irgendwann ein neuer Kriminalroman von Ihnen erscheinen? Ist in dieser Hinsicht irgendetwas von Ihrer Seite geplant?
Irene Rodrian: Es gibt einen Roman – Selfie aus dem Jenseits – der einen Verlag sucht. Im Moment schreibe ich Shortstories.

Zauberspiegel: Frau Rodrian, vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Ingo Löchel

 

Die Fragen für den Zauberspiegel stellte Ingo Löchel

 

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