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... Mike Hillenbrand über die vergangene und kommende PHANTASTIKA

Mike Hillenbrand... Mike Hillenbrand ...
... über die vergangene und kommende PHANTASTIKA

Anfang September ist es soweit: die PHANTASTIKA findet auch 2018 als familienfreundliches Event in Oberhausen statt. Dort wird dann auch wieder der Deutsche Phantastik Preis (DPP) vergeben.

2017 fiel ja der Startschuss und mit Mike Hillenbrand blicken wir zurück auf die Veranstaltung 2017 und die kommende zweite Auflage 2018 ...

Mike HillenbrandZauberspiegel: Hallo Mike, die erste PHANTASTIKA liegt nun ein Vierteljahr zurück. Die ersten Inhalte für das nächste Jahr sind bereits online. Wie sieht das Fazit der Veranstalter aus? Finanziell gesehen: Musst Du in den Schuldturm? Inhaltlich: Was hat geklappt, was nicht?
Mike Hillenbrand: Hallo zurück.  Die PHANTASTIKA 2017 war ein tolles Erlebnis. Extrem viel hat für das erste Mal gut geklappt, aber genauso viel lief organisatorisch nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Das haben wir in den letzten drei Monaten rekapituliert, kritisiert, analysiert und daraus Konsequenzen gezogen. Was aber das wichtigste überhaupt war: Alle haben sich wohl gefühlt! Besucher, Gäste, Helfer. Alle drei im gleichen Maße liegen mir, liegen uns, sehr am Herzen und das Feedback lässt darauf schließen, dass das rüberkam. Was das Finanzielle angeht: Macht Euch mal alle keine Sorgen.

Zauberspiegel: Wir haben ja an einigen Stellen über den Veranstaltungsort, das CC in Oberhausen/ Luise-Albertz-Halle geschrieben, der einige Probleme mit sich brachte. Wie kam es zu der Entscheidung, die PHANTASTIKA dort stattfinden zu lassen, welche Probleme zum CC habt ihr entdeckt, und wird der Ort bleiben? Wie wollt ihr Planung, Aufteilung etc ändern?
Mike Hillenbrand: Also, der Veranstaltungsort ist meiner Meinung nach prima. Darum bleibt er auch. Die Arbeit mit dem Team vor Ort, die Möglichkeiten, kleinere, mittlere und große Räume und Säle nutzen zu können und das Ambiente dieser Räumlichkeiten sind schlicht prima. Natürlich ist das CCO keine Ansammlung von Messehallen und natürlich ist es kein Hotel. Aber das alles soll es ja auch nicht sein und wie die PHANTASTIKA selbst ist das CCO etwas, dass es so in der Convention- und Messe-Szene noch nicht gab. Gab es Menschen, die sich verlaufen haben? Jau, aber wie Ian Beatty es so schön sagte, konnte man hinter jeder Ecke neue Sachen entdecken und verfiel nicht in einen Trott. Ich selbst sehe das CCO als meine eigene Tardis an: Innen viel größer…
Dennoch ändern wir etwas: Es sind 1,5 Dutzend große Monitore angebracht worden, die unter anderem immer wieder Wegweiserfunktionen übernehmen werden, aber auch unsere ausgehangenen „Sie sind hier“-Schilder werden mehr und größer werden.

Zauberspiegel: Ein weiteres Problemfeld unseren Beobachtungen nach war offenbar, dass manche Stände abseits der Publikumsströme lagen und nur schwer gefunden wurden. Ich entdeckte die Sinclair-Merchandiser nur, als ich auf der Suche nach einem Ausgang zum Rauchen war. Wie wollt ihr dieses Problem angehen und ist es an dem Veranstaltungsort überhaupt möglich?
Mike Hillenbrand: Ja, wir haben uns bei der ersten Veranstaltung etwas verkalkuliert, was die Annahme der Besucherströme betrifft. Das Haupt- und ein Nebenfoyer fielen aus dem Raster. Man kann zwar nie etwas garantieren, aber dennoch werden wir bei den Betroffenen eine Art „Wiedergutmachung“ leisten und haben den Standplan für 2018 grundlegend überarbeitet.

Zauberspiegel: Uns ist aufgefallen, dass der große Saal eines der Kernprobleme war. Bei Lesungen und Panels verloren sich die Besucher da. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass dort ein Kreisligaspiel in einem Bundesligastadion stattgefunden hat. Auch bei der Verleihung des DPP war der Saal nur halb gefüllt. Seht Ihr das ähnlich - und wenn ja, wie geht ihr das mit leeren Saal an? Könnt Ihr Euch vorstellen, die Zuschauerplätze zu verkleinern und den Rest des Saals zum Beispiel für Ausstellungen zu nutzen? Gibt es zum Beispiel auch die Möglichkeiten durch quasi „bauliche Möglichkeiten“ wie Vorhänge oder Stellwände den Saal zu verkleinern?
Mike Hillenbrand: Der große Saal, ja, über den haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht und ihn betrifft eine der größten Veränderungen, die wir beschlossen haben. Denn wenn 200 Leute bei einem Literaturpanel waren, ist das im Vergleich extrem viel, aber trotzdem wirkte der Saal sehr leer. Die Atmosphäre wird dort verbessert. Was die DPP-Gala angeht: Ich hab jetzt schon alles gehört – von 200 Besuchern bis halbvoll. Um das mal zu dokumentieren: Wir hatten über 650 Besucher plus die Eltern und Kinder vom Chor. Es waren also über 700 Besucher zu Gast. Wenn man die ganzen Auguren bedenkt, die bei einer Eintrittskarte von 6,- € weissagten, dass niemand kommen würde, dann bin ich echt zufrieden. Zumal ich ja aus nächster Nähe die meisten der vorhergegangenen zehn Verleihungen erlebt habe und hier sind unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen worden. Ich den Saal passen wirklich über 1300 Zuschauer, aber wir brauchen auch Luft nach oben. Anders wär nämlich schlecht, wir wollen uns ja steigern.

Zauberspiegel: Die DPP-Verleihung wurde von euch als eine abendfüllende Gala angekündigt, lief dann relativ zäh. Insbesondere manche der Pausennummern zwischen den Verleihungen der einzelnen Kategorien waren eher nicht sehr lebendig. Hätte man nicht zum Beispiel die Kinder und Jugendlichen mit ihren schmissigen Gesangsnummern öfter als „Pausenfüller“ einsetzen können? Die waren echt gut und hätten dem Ganzen viel Leben verliehen. Leider wurden sie zu wenig gewürdigt, wie es uns schien. Überhaupt fehlte für eine Gala unserer Ansicht nach ein bisschen Flair. Welche Änderungen denkt ihr da an? Wie wäre es mit Häppchen, einem kleinen Stehempfang zuvor, einer Vorstellung von Ehrengästen, um den ganzen den Hauch eines Galadinners zu verleihen?
Mike Hillenbrand: Das sind alles interessante Vorschläge, und wenn du dich organisatorisch mit einbringen willst, meld dich doch einfach.  Ansonsten muss jeder mit dem leben, was wir zustande bringen und das war schon ziemlich gut an dem Abend. Geschmack macht bekanntlich einsam und vielleicht meiner besonders, aber die Unterbrecher waren an den fünf Themenwelten orientiert und machten einen guten Job. Natürlich haben auch wir Kritikpunkte und zwar jede Menge, aber die lauten anders. Es war zu lang. Schlicht und ergreifend. Die Jugendlichen waren super, aber mit ihnen begann die Verspätung. Das wir 90 Minuten nicht halten könnten, war uns klar, aber mehr als 120 Minuten sollte es nicht werden. Es sind 170 Minuten geworden, was mich sehr nervt, ich aber nicht ganz unschuldig bin, weil ich den erfolgreichen Weltrekordversuch moderiert habe. Die Trailer waren in den ersten Reihen zu laut, die Moderationen der großartigen Luci van Org und meinem höchsttalentierten Freund Hermann Ritter alle sehr gut, aber auch hier müssen wir kürzen. Die „After Show Party“ war entsprechend spät und zu wenig präsent, das machen wir alles 2018 anders.
 
Zauberspiegel: Das Feedback auf Facebook war ja eher positiv, auch sonst war eine Menge Gutes zu hören. Unser Feedback im Zauberspiegel war, bei aller Kritik und Genörgele, dass der erste Schritt in die richtige Richtung gemacht ist. Wie sah das mit dem Feedback der Aussteller, Walking Acts etc aus? Werden die wiederkommen?
Mike Hillenbrand: Lassen wir uns überraschen. Abgesehen von Eurer Kritik konnte man negatives Feedback an einer Hand abzählen und das positive war überwältigend. Die PHANTASTIKA 2017 war der Versuch, eine Mischung der phantastischen Inhalte in Deutschland anzubieten und das hat funktioniert. Wir hatten abgerundet 2.500 Besucher an beiden Tagen, wobei der Sonntag leider deutlich abgefallen ist. Daran müssen wir arbeiten. Die Helfer waren toll und haben sich wohlgefühlt, aber Kommunikation ist einer unserer größten Baustellen, die wir für uns entdeckt haben und stark verbessern wollen. Wir haben von Ausstellern Feedback erhalten, dass es die erfolgreichste Messe für sie war, bei anderen war das aber wohl nicht so. Das tut mir wirklich leid, aber wir arbeiten dran, es noch attraktiver für alle zu machen.

Zauberspiegel: Nach der PHANTASTIKA ist vor der PHANTASTIKA. Die ersten Gäste für 2018 sind bereits angekündigt. Gibt es schon weitere Punkte oder auch Veränderungen zur ersten Auflage der Veranstaltung, die anzukündigen sind?
Mike Hillenbrand: Dutzende. Wir haben vor allem unser Team sinnvoll ergänzt und die absolut schöne Veranstaltung, die auch mit insgesamt einem ordentlichen Ergebnis aufwarten kann, erleichtert uns den Kontakt mit größeren Namen. Lasst Euch überraschen, schon im Januar 2018 werden wir zur neuen PHANTASTIKA einladen. Zuerst die Aussteller, dann die Besucher.
 
Zauberspiegel: Sicherlich wollt ihr die Besucherzahlen ausbauen. Wie sollen mehr Besucher zur 2018er-Auflage kommen, welche Anreize wollt ihr setzen? Zum Beispiel begegneten wir einer Gruppe von Steampunk Fans in voller Bekleidung, denen die PHANTASTIKA bei einem Spaziergang nur zufällig auffiel. Wie finanziert man die Werbung für eine solche Veranstaltung, die noch in den Anfängen steckt?
Mike Hillenbrand: Der Comic-Salon Erlangen hat vor vielen vielen Jahren auch mit 2000 Besuchern begonnen und heute kommen mehr Touristen dorthin als Erlangen Einwohner hat. Wir wollen das Ruhrgebiet wieder etwas bunter machen und mit elf Millionen Einwohnern dort ist das gleiche Ziel wie beim Comic-Salon vielleicht etwas vermessen , aber wie sagen wir immer: Nur der Himmel ist die Grenze.
Was die Finanzierung angeht, verweise ich auf deine erste Frage bzw. meine Antwort: Macht Euch keine Sorgen. Es gab in den letzten drei Monaten so viele Theorien, positive wie rufmordende, dass ich hier kein Öl ins Feuer gießen werde. Die Besucher sollen Spaß haben, ein Wochenende lang träumen können und viele Dinge entdecken, die sie auf monothematischen Veranstaltungen eben nicht finden. Die PHANTASTIKA ist in Farbe und Bunt – und das wird sie bleiben.

Zauberspiegel: Was ich so bisschen vermisst habe waren Veranstaltungshits für Kinder, z.B. Prinzessin Lilifee (Coppenrath) oder andere Jugendmedienanbieter. Gibt es da Pläne, dieses Angebot auszubauen und somit die nächste Generation und deren Eltern verstärkt anzulocken? Wie geht man mit dem Risiko um, evtl einen Haufen Events zu planen und dann festzustellen, dass keine Kids/Jugendiche kommen?
Mike Hillenbrand: Ok, ich akzeptiere ja deine Meinung, aber ich respektiere deine Beobachtungen nicht. Neben Bernd das Brot, Mathe für Kids, Frisurenflechten, einem Kindertheaterstück, dem All-Ager „Mara und der Feuerbringer“ (ab 6. Jahren), den Lesungen aus dem Kinderkartonhaus und anderen Kinderbüchern, dem Basteln von Zauberstäben hatten wir noch viel mehr für Kinder zu bieten, wie den Spielebus der Stadt Oberhausen, Kinderschminken und so weiter und so fort. Große Medienanbieter für eine Erstveranstaltung zu begeistern, ist immer schwierig und wir sind in keinster Weise ein Konzept wie die der ComicCons. Bei uns gilt es auch mitzumachen und nicht nur zu konsumieren. Das muss jeder wissen, der kommt. Keine Messehallen, kein endloses Merchandise, aber eine Mischung aus allem, inkl. den Stars zum Anfassen und kostenlosen Autogrammen, sowie Vorträge, Workshops, Panels und allem möglichen mehr. Wir haben den Begriff „Festival“ ja nicht ohne Grund gewählt.

Zauberspiegel: Plant ihr – trotz des Wetterrisikos – den Außenbereich noch stärker einzubinden und so auch spontane Tagesbesucher zu gewinnen, die durch Oberhausens Innenstadt zu streifen?
Mike Hillenbrand: Nein. Niemand schlendert mal so da lang und denkt sich, „Ach, da gehen wir jetzt mal für zwei Stunden rein“. Der Bus und die Fahnen waren schon Tage vorher präsent, die Werbung sowieso, um die lokalen Besucher zu informieren, aber mehr wäre nicht sinnvoll.

Zauberspiegel: Wenn du einen Wunsch an den Zauberspiegel, seine Leser und/oder uns als Herausgeber äußern kannst. Was wäre das?
Mike Hillenbrand: Ihr macht schon gute Arbeit. Aber die eigenen Vorlieben sollten nicht Grundlage für ein Review eines Magazins sein, sondern der journalistische Ansatz. Was wollten die Veranstalter, was haben sie getan, wie haben sie es getan und wie wurde es angenommen, sind Fragen, bei deren Antworten wir eigentlich gut wegkommen müssten. Wenn Besucher XY nur Steampunk mag, kann er ruhig auf seiner Webseite oder sonstwo schreiben, dass er enttäuscht war. Aber der journalistische Ansatz sollte bemerken, dass Steampunkt im gleichen Maßstab vertreten war wie andere Subgenres der Phantastik und dabei weder über- noch unterrepräsentiert war und somit dem Konzept entsprach, das wir ja gebetsmühlenartig ein Jahr vor uns (und allen anderen) hingebetet haben. Auch die PHANTASTIKA 2018 wird wieder eine Mischung aus allen Welten. Wir ändern tatsächlich etwas in den Dosierungen der einzelnen Welten, aber ich hoffe, das kommt genauso gut oder besser allen an, seien es Medienvertreter oder Besucher.

Zauberspiegel: Besten Dank für das Interview. Wir sind gespannt auf das nächste Mal.
Mike Hillenbrand: Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit und Euren Besuch. Ich war leider voll in Action und hatte viel zu wenig Zeit für einzelne Gespräche, aber auch das wollen wir 2018 ändern.  Wir sind wieder dabei, es mit jeder Menge Herzblut zu planen und die Begeisterung wächst mit jedem Tag. Wir sind alle Phantasten im positiven Sinne und unser Motto für 2018 kam da wie von selbst: „If you can dream it, you can do it!“ Ich freue mich, wenn Ihr 2018 wieder dabei seid. Ihr und Eure Leser.

Horst Hermann von Allwörden

Horst Hermann von Allwörden



Die Fragen für den Zauberspiegel stellten:
Bettina Meister & Horst Hermann von Allwörden

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