Das war der Ernst Ellert-Con III

Das war der Ernst Ellert-Con III 

(11. April 2026 in München) 

der rührige Perry Rhodan Stammtisch München "Ernst Ellert" ist PR-Fans außerhalb Bayerns wohlbekannt durch die Organisation des Fan-Hochamts in Garching, das alle zwei Jahre zelebriert wird. bereits zum dritten Mal richtete der Stammtisch aber auch den EEC aus, wie er intern genannt wird. man referenziert dabei auf einen der frühesten Mitstreiter Rhodans, eben Ernst Ellert. der verfügte über die Paragabe der Teletemporation, konnte also mit seinen Gedanken in alle räumlichen und zeitlichen Epochen zu reisen. vor allem aber lebte und arbeitete er in den 1970er Jahren in - München! 

und damit hatten unsere Fans aus der Weißwursthauptstadt ihren Patron gefunden. da ich bei der großen "65 Jahre Perry Rhodan" Sause im September in Braunschweig (https://www.prfz.info/prtage.html) nicht dabei sein kann, habe ich eben beschlossen, diesen Samstag im Stadtteilkulturzentrum 2411 am Hasenbergl zu verbringen. nach vier Stunden Zugfahrt von Wien nach München musste ich mir vor Beginn unbedingt noch einen schönen Becher Kaffee aus der Bäckerei Wünsche im Edeka ums Eck holen. auf meiner Frage nach Pflanzenmilch wollte man mir da gleich mal Kondensmilch andrehen...

federführend beim EEC3 war Jürgen Müller, Mitglied des sechsköpfigen Garching-Kernteams und damit Convention-gestählt. und tatsächlich war für mich das Ganze auch wie ein Mini-Garching, halt eingedampft auf einen Tag, ohne Ausstellungs- und Händlerbereich oder Kulinarik. es gab aber sehr wohl
- einen kleinen Verkaufstisch mit Garching-Devotionalien 
- und einen mit 2Aliens-Merch (dazu gleich mehr),
- einen Autogrammtisch mit Tanja Kinkel, Uschi Zietsch und Josef Moser,
- und die Möglichkeit, beim Verleger Torsten Low das eine Buch oder den anderen Kalender mit Kurzgeschichten zu erwerben.

vor allem aber das Programm musste keinen Vergleich mit dem "großen Bruder" scheuen!

pünktlich - wir sind ja in Deutschland - um 11h30 wurde der Con-Opener abgespielt. ihr solltet dieses kleine Kunstwerk hier anschauen können:
- YouTube : https://www.youtube.com/watch?v=qxPIdnEo-Js
- Facebook : https://www.facebook.com/share/v/1Dz7iiHguT
natürlich wurde das mithilfe von KI hergestellt, und natürlich ist KI gerade für die Darstellung von Science Fiction sehr geeignet, dennoch finde ich diesen kleinen Film von Andreas Schmal vom Perry Rhodan Stammtisch Regensburg einfach wunderbar. Star ist hier natürlich Ernst Ellert. ich habe Andreas gefragt, wie lange er an dem Film gearbeitet hat. seine Antwort war, das könne man so einfach nicht sagen. die Bilder könne er relativ schnell machen, und auch relativ schnell animieren, aber nur, weil er die Modelle schon für sich erstellt hatte, und er halt schon seit 20-30 Jahren mit Grafiken arbeitete. also die Grundlagen geschaffen, die Vorarbeiten schon geleistet hatte, die eben Jahre in Anspruch genommen haben. am eigentlichen Film sei er dann zwei Stunden gesessen.



dann kam schon ein erster Höhepunkt. Dieter Wengenmayr organisierte 1996 den ersten GarchingCon, und rief im Januar 1997 den Münchener Stammtisch ins Leben. der von allen hier nur liebevoll "Dida" Gerufene wurde für 30 Jahre unermüdlichen Einsatz für das Fandom mit dem Preis "Ein Hauch Ewigkeit" ausgezeichnet. Stefan Friedrich, Michael Rauter und Jürgen Müller vom GarchingCon-Team überreichten die Urkunde und Kaffeetasse, Uschi Zietsch den Preis selbst. Herr Wengenmayer gibt jetzt die Stafette weiter und wird aus dem Orga-Team ausscheiden.

 

 

die Perry-Rhodan-Autorin Uschi Zietsch blieb gleich auf der Bühne, um "Jutta" vorzulesen, eine Geschichte aus der Anthologie "Unerwartete Begegungen". das ist der Band 1 von 3 der Werkausgabe gesammelter Stories von Frau Zietsch, die nicht im Perryversum spielen, und die sie in ihrem eigenen Verlag Fabylon herausgibt. leider hat die Stimme unsere arme Autorin zeitweise im Stich gelassen, das gereichte "Rülpsiwasser" hat sie verschmäht. "Jutta" war die Geschichte einer Beziehungskiste zwischen armer Junge und reiches Mädchen, die in einer nicht allzu fernen Zukunft spielt. romantisch? zynisch! teilweise sehr explizit, leicht humorig, und mit einem Ende, das für Lacher im Publikum sorgte.

 

die zweite Vortragende Tanja Kinkel fühlte sich dann später im Panel bei "Jutta" an die "Frauen von Stepford" erinnert. vor dieser kleinen Diskussionsrunde erleuchtete sie uns mit ihrem Vortrag zum Thema "Geschichte in der Zukunft: Arkon zwischen Rom und Byzanz" und zog Parallelen zwischen dem realen und dem imaginierten Imperium. Frau Kinkel ist ja bekannt für gut recherchierte historische Romane, die u.a. im Mittelalter, der Ära der Fugger oder zur Zeit Friedrichs des Großen spielen. dabei zerlegte sie en passant und mit viel Sarkasmus Edward Gibbons "Geschichte vom Verfall und Untergang des Römischen Reiches" und die Sicht der westeuropäischen Geschichtsschreibung auf Byzanz, eine Etikettierung, die den Charakter des Oströmischen Reiches aus der Sicht späterer Beobachter neu definiert hat, während die Betroffenen selbst sich einfach als Römer und damit in der Tradition des Römischen Reichs verstanden hatten. in der wirklichen Geschichte wurden erst die Germanen als Challenger der Römer angesehen, und dann insbesondere die (germanischen) Franken als Nachfolger; im Perryversum nehmen diese Stellung die Terraner ein, die Arkoniden werden mit den Römern gleichgesetzt. insbesondere die aktuelle Darstellung der römischen Welt in TV-Serien und Filmen wurde von der Autorin ins Korn genommen. besonders schön das Beispiel des Imperators Septimius Severus - Frau Kinkel zeigt uns ein Familienporträt des numidischen (!) Kaisers, seiner syrischen (!) Frau und seiner beiden Söhne, von denen man aber nur noch Caracalla sieht, der seinen Bruder Geta ermorden und dann von allen Darstellungen entfernen ließ.

 

dann war schon der Torsten Low mit seiner Lesung an der Reihe. er und seine Frau Tina widmen sich mit ihrem Verlag dem Schwerpunkt Phantastik. ursprünglich als reiner Selbstverlag gedacht, haben die beiden mittlerweile über 300 AutorInnen verlegt, insbesondere der Bereich Kurzgeschichten hat eine Heimat bei den Lows gefunden. und eine solche Kurzgeschichte hat uns Torsten gleich mal serviert, "Ein Spiegel meiner Seele", von Thorsten Küper: ein etablierter, kranker Autor trifft auf seinen jungen Klon... die Geschichte hat mir so gut gefallen, dass ich mir im Anschluss den Kalender 2026 kaufen mußte, wo noch elf andere Erzählungen drinnen waren. im Kalender 2024 waren nur Frauen am Start, 2025 nur Männer, 2026 kam zuerst das Bild, dann die Geschichte, zu der sich die AutorInnen inspirieren haben lassen. aus der Story-Olympiade 2017/18 ging die Anthologie "Maschinen“ hervor, hier durften wir den humorigen "Milchkrieg" von Christian J. Meier hören.



Josef Moser ist in der Szene als Raketenheftleser bekannt, der in seinem YouTube-Kanal Interviews mit AutorInnen und RedakteurInnen führt, und auch seine Rezensionen zu Science Fiction aber auch Grusel-Geschichten vorstellt. er selbst ist auch als Schriftsteller unter dem Pseudonym Kaspar Ritter bekannt, und publizierte u.a. im Bastei-Verlag bereits drei Gespenster-Krimis und einen Jerry Cotton Krimi. im Panel "Raketenheftleser meets Raketenheft-schreiberinnen" diskutierte er mit Uschi Zietsch, die für Perry Rhodan als Susan Schwartz schreibt, und Tanja Kinkel. es ging um Science Fiction im Allgemeinen, ob mensch Zukunftsbilder entwerfen kann ohne auf die Vergangenheit zu referenzieren (nein), ob SF die Aufgabe hat, eine bessere Zukunft als möglich zu zeigen (ja), etc. natürlich wurde es bei der Gelegenheit auch ein wenig politisch... interessant für mich als Perry Rhodan Leser: Susan Schwartz arbeitet aktuell am Band 3392; Bully wird eine seltsame Begegnung mit einem seltsamen und einsamen Wesen an Bord eines nur 20-30m langen Raumschiffs haben... darüber hinaus sind für Sommer und Herbst 2027 je ein Band im 3400er Bereich von ihr fix geplant. die Autorin hatte eine Auszeit eingelegt, und das "Durchschnaufen" habe ihr gut getan. dann scherzte sie noch mit "Schätzchen" Josef Moser herum, welcher Roman denn ihr erster Perry war - nun, der Band 1652 "Im Netz des Quidor", geschrieben 1992, veröffentlicht April 1993; gleich danach hat sie den Planetenroman "Chandris Welt" geschrieben, der wurde aber schon im Dezember 1992 publiziert. die zweiten werden die ersten sein... Anlass genug für mich, genau diesen Planetenroman von Frau Zietsch signieren zu lassen! interessant auch der Einblick, den uns Frau Kinkel gab. auch wenn sie für ihre Romane viel recherchiert, bleibt es doch eine literarische Schöpfung, und damit entscheidet sie selbst, wieviel verifiziertes Material und wieviel Phantasie sie einfließen lässt. sie meinte, sie sei da als Autorin ganz frei. und einen Tipp hatte sie auch parat, wie mensch historische Daten so einfließen lässt, dass man die Leserschaft nicht langweilt: Fakten mit Emotionen servieren, zB in Streitgesprächen, Diskussionen, etc.


danach kam wieder Kintopp zu Ehren. Thomas Zeug hat uns schon beim GarchingCon mit seinen durchgeknallten Animationskurzfilmen 2Aliens zum Lachen gebracht, auf dem EEC3 hat er mit der Episode "Meuterei auf der Bulldock" nachgelegt. über die Zielgruppe bin ich mir allerdings nicht ganz im Klaren; für Kinder aufgrund der sehr expliziten Ausdrucksweise ist das nicht gemacht, für Erwachsene die "Moral von der Geschicht" ein wenig gar simpel bzw. wird sie mit dem Holzhammer verabreicht; Jugendliche mögen das abgefahren finden. mir - und offenbar den Anwesenden - hat jedenfalls das Ideenfeuerwerk und die Ausführung sehr gut gefallen. mittlerweile sind der Captain Quiqueck und sein Co-Pilot Hämat schon so beliebt, dass es sie auch als Plüschfiguren gibt. schaut doch mal bei Filmzeugs rein, dort gibt's Trailer und Merch. der mit Herrn Zeug befreundete Kameramann Johannes Schärfke zeigte seinen Kurzfilm "The Artifact". besagter Kunstgegenstand stammt aus dem All und hilft einer jungen Frau dabei, sich gegen eine Bedrohung zu wehren. in diesem Realfilm, also mit echten Schauspielern, kamen auch ein paar SFX, also special effects vor, die eben von Thomas Zeug geschaffen wurden. darunter ein sehr gut gemachter Splattereffekt - ich sage nur don't lose your head... der Film war leidlich spannend und leidlich gut gespielt, die Handlung samt Pointe am Ende gut gemacht, wenn auch nicht originell. 


zurück zum Thema, forderte Erich Herbst, also zurück zu Ernst Ellert. das versierte Fan-Urgestein liest Perry Rhodan seit seinem 14. Lebensjahr, in der Szene bekannt wurde er u.a. durch die regelmäßige Herausgabe der Ellert Stammtisch Post, kurz ESPost, mittels der er von 1999 bis 2024 regelmäßig jeden Monat alle Informationen rund ums Perryversum zu den Fans brachte. mit Ausgabe 304 war dann Schluß, wie der Verlagsredakteur Klaus N. Frick alias Enpunkt hier schrieb. bereits im Buch des GarchingCon 13 begab sich Herr Herbst auf "eine Spurensuche" in sieben Teilen nach "Ernst Ellert in München". am EEC3 ging er unter dem Titel "Von München in die Unendlichkeit" nochmal ausführlich auf das Thema ein - akribisch, aber kurzweilig. und Herr Herbst hat uns einen ESPost-Sonderdruck mit seinem Vortrag in Aussicht gestellt...


erst um 16 Uhr dann die einzige Pause. mittlerweile wurden im Publikum mitgebrachte Sandwiches verzehrt und Rülpsiwasser oder Kaffee vom Bäcker Wünsche getrunken, und die eine oder andere Zigarette auf der Terasse des Kulturzentrums geraucht. obschon, das war auch eine Umbaupause für das folgende Konzert einerseits, und keine Pause für unsere SchriftstellerInnen Uschi, Tanja und Josef andererseits, denn im Foyer kamen jetzt die AutogrammjägerInnen zu ihrer Chance. jaja, ich geb es zu, auch ich ich zähle zu diesen Nerds...

 


letzter Höhepunkt des Nachmittags: die Band "No Space. Rocks!", bestehend aus Andreas Prodehl und Norbert Roschauer (beide u.a. auf Facebook), pflügten sich durch 1000 Bände Perry Rhodan. ok, das war jetzt übertrieben. tatsächlich hatte Herr Prodehl sich angesehen, welche Nummern denn gerade in der Hitparade besonders erfolgreich liefen, als diverse Eckpfeiler der Perry Rhodan Serie erschienen sind - eben bis Band 1000. von Uriah Heep über Fleetwood Mac bis Barclay James Harvest war da überraschend viel Stones dabei, ob da wohl persönliche Vorlieben eine Rolle gespielt haben mögen, *grins*. historische Unsäglichkeiten wie Schmidtchen Schleicher wurden nur kurz angespielt oder von Herrn Prodehl rezitativ zitiert. jedenfalls ging die Post ab, naja, das Publikum war ja auch eher jenseits der 50 verortet. Rock'n'Roll, sage ich nur.

 

à propos, von den knapp 60 Anwesenden waren immerhin 7 Frauen, hier jedoch schon mitgezählt sind die beiden Vortragenden, die Verlegerin und die Gesponse anderer Ehrengäste und Organisatoren.



krönender Abschluß war dann das Gruppenfoto mit den Ehrengästen, wie mensch es ja auch von Garching schon kennt. bei der Gelegenheit möchte ich mich für die mangelnde Qualität meiner eigenen Fotos hier entschuldigen. #ausGründen verwende ich ein Fairphone, und die Kamera ist da wirklich nicht erste Sahne. ich hoffe aber, dass die Bilder dennoch einen guten Eindruck von der Stimmung vermitteln. denn diese war - sorry, schon wieder ein Vergleich mit Garching - freundlich und familiär. wie's halt ist, wenn sich Nerds aus dem Perryversum zusammenfinden.

 

 



"berühmte letzte Worte", hieß es auf dem Con - mir fallen keine ein. daher an dieser Stelle einfach nur ein herzliches Servus, man liest sich!

 

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