Fantasy-Con Wien 2026 Teil 1

Fantasy-Con Wien 2026

(Teil 1, Samstag 25. April)

zum fünfjährigen Jubiläum habe ich es endlich mal geschafft, am Fantasy-Con teilzunehmen. die Veranstalter vom Verein Fantasy-Schmiede sagen übrigens nicht "der" sondern "die" Con(vention). 2022 ins Leben gerufen von Autor Wolfgang Kirchner, was dann im Februar 2023 auch zur Gründung des Vereins Fantasy-Schmiede geführt hat. das Programm war ein schöner Kessel Buntes, wie mensch sich das für eine(n) zweitägige(n) Fantasy-Con auch vorstellen darf - viele KünstlerInnen, viele Kreative, vor allem aber viele Nerds und viel Spaß. für mich war's wie gesagt das erste mal, und ich war belustigt, begeistert, beeindruckt!

aufgrund der parallel stattfindenden Indie-Buch-Messe kam ich erst Samstag Nachmittag dazu, und war gleich mal ob der Größe und professionellen Ausrichtung beeindruckt. gerne verweise ich dazu auf die eigentliche Webseite der Con, wo ihr alle KünstlerInnen und AustellerInnen aufgelistet findet. um die Bilder in voller Größe zu sehen, einfach draufklicken, sie gehen dann in einem neuen Browser-Kärtchen auf.

mehrere Bereiche buhlten um meine Aufmerksamkeit, ich begann im Hauptsaal - eine Sporthalle der Post - mit einem Rundgang durch die Künstlerallee oder Artist Alley, wie das hier auf Deutsch hieß, und in der immerhin um die 50 KünstlerInnen ihre Werke zur Schau stellten und natürlich auch feil boten.

da gab es von Zeichnungen über (Kunst)Handwerk und Mode bis Schmuck eine wahrhaft bunte Auswahl. die eine oder andere Standbetreiberin war fantasygerecht herausgeputzt, hier und da blitzten auch spitze Elfenohren unter den Haaren hervor. manches aus dem Bereich Romantasy machte mich schmunzeln, als älterer Mann fühlte ich mich da nicht so sehr angesprochen wie einige jüngere Damen, denen die Glückseligkeit ob der Darstellung diverser Animehelden ins Antlitz gemeißelt war. manches, vor allem im Bereich der Zeichnungen, fand ich einfach grandios, wie zB die dunklen Darstellungen von Cornelius Curant oder die schönen Prints von Erik Pekny. bei manchen KünstlerInnen konnte mensch das Wesen vorab gleich aus dem Namen lesen: Schmuckhexe, Fuchsgeistchen, Misses Charmy's Costumes, Crazy Pussycat Art, oder Wellenkind. in Summe eine schöne visuelle Einstimmung auf das Thema der Veranstaltung.

                    

aber ich bin ja bekennender Leser, also weiter in die AutorInnen Alley, wo sich über 35 AutorInnen, Kollektive und Verlage eingerichtet hatten.

 

mein erster Weg führte mich zu dem wundersamen Herrn Erik R. Andara. sein Pseudo ist eine Anspielung auf die Figur des Magiers Roderick Andara, Vater von Robert Craven, dem eigentlichen Helden der Bastei-Heftroman-Gruselserie "Der Hexer" von Wolfgang "Henry Wolf" Hohlbein. er hat den Impuls für den Österreichischen Phantastikpreis gegeben, den er auch kuratiert, womit er sich selbst als Fantasy-Autor selbstlos aus dem Spiel genommen hat. eigentlich schade, ich lese seine düstere Phantastik sehr gerne, den Preise hätte er sich sehr verdient. auf der Con durfte ich seine letzte Kurzgeschichtensammlung "Niemand erfüllt deine Wünsche" entgegennehmen, manu propria quasi, mein Exemplar trägt die schöne Nummer 100 (von 150). vor mir hatten ihn an jenem Tag schon drei andere scherzhalber mit Aquaman angesprochen - das Foto spricht wohl für sich. er nahm es mit Humor.

 

Michael Hirtzy schreibt Science Fiction, Phantastik und manchmal auch Horror, sein "Operation Helicon", der erste Sammelband seiner Military-Science-Fiction Serie VorTeks, war letztes Jahr auf der Shortlist des Österr. Phantastkpreises. sein Stand war ganz prominent beim Eingang in den Hauptsaal platziert, entsprechend groß der Andrang Interessierter. die VorTeks sind übrigens eine dieser vielen SUB (Stapel ungelesener Bücher), die geduldig auf meinem eLesegerät warten...

 

als Abonnent des in vielerlei Hinsicht wohl kleinsten, von Hand gemachten Fantasy-Magazins Österreichs, FAUN, das kurze Fantasy-Texte und Illustrationen bringt, habe ich mich gefreut, den Herausgeber Roland Reichart-Mückstein persönlich kennenzulernen. der Übersetzer und engagierte Sprachenlehrer kam dabei sehr sympathisch rüber, und auch ein wenig nerdig. vor allem die handgemachten Sammelmappen haben es mir angetan, die sind nämlich aus Stoff genäht, und halten mit einem cleveren System die eigentlichen Hefte zusammen. leider steigt er gerade auf genormte Kartonformat um, um so größer die Freude darüber, dass ich ihm noch eine alte Stoffsammelmappe abluchsen konnte...

 

"Blut, Sex und Heavy Metal" ist das Motto der Autorin Daisy Swan, in jedem Buch von ihr kommt mindestens eines dieser drei Elemente vor. obwohl sie das erste mal auf der Fantasy-Con war, fühlte es sich für sie wie ein Klassentreffen an, zu dem die halbe Szene gekommen ist. wir haben uns auch nett unterhalten, so von zugewanderter Floridsdorferin zu weggewandertem Floridsdorfer. der Klappentext zu ihrer Gothic Horror Romance "Das Nachtkasterl" hörte sich... nunja, glitschig an, das Buch musste ich unbedingt haben. es stand auch auf der Shortlist zum diesjährigen Phantastikpreis, und es steht jetzt mit persönlicher Widmung bei mir im Regal.

 

diese Standreihe war überhaupt gespickt mit interessanten Autorinnen - ja, rein weiblicher Plural. vom Autorinnenkollektiv Wiener Schrei(b)salon - Eleanor Bardilac, Nora Bendzko, Katharina Brunmayr, E. V. Ring, Anna Zabini - hat mich insbesondere die dystopische SF-Reihe "Maschinenmacht" von E. V. Ring angesprochen - ein neuer SUB für meinen eLeser… ob ihr Pseudonym vom Evie Ring inspiriert wurde, einem smart wearable, das Frauen verspricht, Gesundheitsdaten wie Zyklus, Schlaf und Stimmung zu erfassen?

 

viele AutorInnen verwenden ein Pseudonym, weil sie entweder neben der Schriftstellerei noch einen "bürgerlichen Beruf" ausüben (müssen), oder weil sie sich als queer, neurodivergent etc. outen, und das Pseudo den Menschen hinter der Künstlerin schützen soll. da findet mensch dann selbst im Impressum nicht den Klarnamen, sondern den eines Rechtsanwalts oder Agenten. Marlene von Hagen zB nutzt ein Pseudo, weil sie eben keine hauptberufliche Schriftstellerin ist. sie hat mich mit ihrer nunmehr erblondeten Erscheinung zunächst verwirrt, ich hatte sie mal auf einem der monatlichen Perry-Rhodan-Stammtische in Wien getroffen, da war sie noch brünett. ich hatte die Selfpublisherin ja zunächst als Autorin bei den Perry Rhodan Miniserien auf dem Schirm. gerade kreative Menschen sollte man nicht in Schubladen stecken, im Internet wird sie dem Sub-Genre Dark Fantasy zugeordnet, sie selbst sagt, dass es in ihren Geschichten um Freundschaft, Zusammenhalt "und auch ein bisschen um die Liebe" geht.

 

ebenfalls aus der Perry-Rhodan-Ecke (Miniserien und NEO), kannte ich schon die Jacqueline Mayerhofer, sie hat mir ihren PR NEO Band 358 "Schwarzmarkt Terra" (Staffel: Imprint) signiert. auch sie durfte ich schon ein paar Male treffen, sei es in Wien auf oben schon erwähntem Stammtisch, sei es in Garching, dem PR Hochamt. ich hatte mal in eine Leseprobe von "Our Mechanical Hearts" reingeschnuppert, bin aber irgendwie nicht warm geworden damit - obschon mich ja Cyberpunk als Subgenre durchaus anspricht. am Verkaufsstand hatte sie mich rasch mit einem cleveren Trick am Haken: sie hatte einige Bücher einfach in Packpapier eingeschlagen, so dass man weder Cover noch Titel sehen konnte; und auf das Packpapier hatte sie dann ein paar Schlagworte geschrieben, in meinem Fall "Gedächtnisverlust, sadistischer Irrer, Slow Burn, Geister & ganz viel Blut". musste ich natürlich kaufen! dahinter versteckt sich übrigens der Mystery-Thriller Mondschatten...

 

gleich daneben Marlene hatte C. Gina Riot ihren schönen Stand, ihr richtiger und durchaus bodenständiger Name ist leicht herauszufinden. das besondere Merkmal ihrer Bücher liegt darin, dass sie alle in der selben Welt angesiedelt sind, der Erdenwelt, und dennoch unabhängig voneinander gelesen werden können. hier konnte ich bei den "Bestien von Haygenhast" nicht widerstehen. bei dem Titel musste ich an Mervyn Peakes Gormenghast denken. besonders schön fand ich ihre Sondereditionen, mit farbigen Motiven, die auf dem Buchschnitt angebracht sind. das scheint ein Trend im Fantasy-Genre zu sein, zumindest ist mir das bei mehreren Ausstellern auf der Con aufgefallen. zuckrig-süß, wie die Buchleserin schreibt? vielleicht, ich fand das einfach schön.

 

ein weiteres Highlight war das Gespräch mit Heinz Praßl vom Team J.H. Praßl. das J steht für Judith, seit der Scheidung heißt sie allerdings nicht mehr Praßl sondern Raith. hat er mir so erzählt, und steht auch so auf Wikipedia, ich verrate also nix Intimes hier... er war jahrelang Pen&Paper Spielleiter, und hat daraus über die Jahre hinweg die Saga "Chroniken von Chaos und Ordnung" entwickelt. 7 Bände sind draußen, 2 weitere werden folgen, dann ist definitiv Schluss - sagt er. warum? weil er von Beginn weg auf ein bestimmtes Ende hinarbeitet, und wenn dieses erreicht ist, ist eben Ende Gelände. fand ich sehr konsequent. der sympathische Steirer - überhaupt die grüne Mark stark vertreten hier auf der Con! - gab mir eine Einführung in die Welt der Rollenspiele in der Fantasy. dazu gleich mehr... angesprochen hat mich auch die Tagline "Die neue österreichische Härte", und das war durchaus musikalisch gemeint, es gibt auch eine eigene Playlist zu dem High-Fantasy-Epos von der österr. Doom Metal Band Dark Nativity.

wieder stellte sich dieses Gefühl ein - mein Leben wird nicht ausreichen, um all das zu lesen, was ich gerne lesen möchte. andererseits wird mir bis zu meinem Lebensende nie der Lesestoff ausgehen...

Höhepunkt am Samstag Abend war schließlich die Verleihung des Österreichischen Phantastikpreises. 

danach gab es noch ein entspanntes Zusammenstehen (und Bierchen trinken) u.a. mit Gernot "Paul von Cyriel" Florian, ein großer Live-Action-Rollen-Spieler vor dem Herrn (er macht das seit über 30 Jahren), und ein sehr lebendiger Evangelist des Themas, Georg Honold, den ich natürlich von der Villa Fantastica kannte, er saß in der diesjährigen Jury für den Phantastikpreis, die unvergleichliche Claudia Rapp, weit Gereiste nicht nur in Sachen Science Fiction, und aktuell schwer im Einsatz für die Ausrichtung des nächsten Metropol Con Berlin, ein Multimedia-Event für Science Fiction, Fantasy & Horror, und vielen anderen und lieben nerdigen Menschen von der Fantasy-Schmiede.

erwähnt sei bei der Gelegenheit Matthias Steiner und sein Big Rocks Catering, der uns mit (auch veganen ♥️) Viktualien und Getränken, und obendrein mit viel Humor versorgte.


zum Bericht über die Preisverleihung klickt ihr hier, für den Bericht vom Sonntag hier.

Fantasy-Con Wien 2026 Teil 2 - die Preisverleihung
Fantasy-Con Wien 2026 Teil 3 - Spiel & Spaß

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