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Frank Frazetta – Leben und Werk eines Glückspilzes und Genies (9)

Frank Frazetta - Leben und WerkFrank Frazetta
Leben und Werk eines Glückspilzes und Genies
9. Stil und Geschwindigkeit und Einfluss

Sicherlich hat sich Frazettas Stil seit seinen ersten Titelbilder für ACE erheblich geändert. Waren seine ersten Arbeiten noch sehr detailverliebt und von zarten Wasserfarben unterlegt (und wirkten diese noch wie colorierte Tuschezeichnungen), so entwickelte er mit Beginn seiner Conan-Arbeiten und den Covern für Warren einen weitaus malerischen Stil.

 

Anfang der 70er streift er auch seine eher traditionelle Farbpalette ab und kleidet vor allem die neuen Burroughs-Arbeiten expressionistische Farbgewänder, was seinen Arbeiten eine ganz neue Qualität verleiht.

Seine Sicht über Hyperrealismus und die ihm nachfolgende Generation brachte Frazetta mit folgendem Statement auf den Punkt:
„Ich liebe technischen Schnickschnack. Aber ich mag es nicht sie zu malen. Ich bin mehr an Leuten interessiert, am menschlichen Drama. Es ist eine Falle, wenn ein Künstler sich keinen Raum zur Interpretation läßt. Klar könnte ich hier sitzen und superakkurate Weltraum-Anzüge oder Maschinen oder Knarren mailen – und das ist es, worauf der Betrachter seinen Fokus richten würde, nicht auf die Menschen oder die Situation."
Hier beginnen viele der jungen Typen ihre Kurs zu verlieren. Sie reinterpretieren die Welt nicht durch ihr Artwork, sie fügen nichts Originelles hinzu, sie versuchen alles so wirklichkeitsgetreu abzubilden, dass das Publikum nicht länger eingebunden ist. Es heißt nehmen oder bleiben lassen und dabei bleibt die Vorstellungskraft zu Hause. Ohne diese Einbindung des Betrachters, was bleibt das schon? Ich glaube nicht, dass dabei viel bleibt!“

Laut Frazetta fertigte der Künstler seine Bilder innerhalb weniger Tage, manche gar innerhalb eines Tages an. Dies gab ihm den Ruf von legendärer Geschwindigkeit.

Tarzan Die folgende Anekdote untermauerte diesen Ruf:
„Das Jungle Tales of Tarzan-Bild ist schlecht. Ich malte es und City of Gold und Lion Man  alle an einem einzigen Wochenende – so so sehen sie auch wirklich aus. Und das waren keine zwei ganze Tage durchgängigen Malens. Ich habe nebenbei noch gefaulenzt. Ich glaube, dass ich mich nicht mehr als zwei oder drei Stunden jedem Bild gewidmet habe – alle drei sind schrecklich, aber zum Teufel, man malt keine drei Gemälde über ein Wochenende, besonders dann nicht, wenn sie 30 Jahre später wieder auftauchen und in einem Buch gezeigt werden.“
Eine andere nette Geschichte zeigt wieder einmal Frazettas Ego als auch seine Überlegenheit gegenüber seinen gleichfalls zeichnenden Kumpels:
„Eine Gruppe von uns mietete dann und wann eine Halle und ein Akt-Model. Al Williamson, Krenkel, Angelo Torres, vielleicht zusammen ein Dutzend von uns.
Und der Zweck war, ein paar Minuten für jede Pose zu verwenden, dann würde das Model die Position verändern und man würde neu anfangen. Und schon bald standen all die Jungs hinter mir und betrachteten meine Skizze. <Wie machst Du das, Frank? Wie bist Du so schnell? Wie kannst Du so viele Details in ein paar Minuten einfangen?> Die Antwort war allzu offensichtlich und ist vielleicht einer der Gründe für meinen Erfolg: Ich kümmerte mich nicht darum was SIE taten, ich konzentrierte mich auf MEINE Kunst.“
Viele Fans (und Künstler) wollten auch wissen, welche Arbeitsutensilien Frazetta verwendete, vermuteten wohl dass er geradezu magische Pinsel und Leinwände benutzte um diese fantastischen Bilder zu produzieren.

Neanderthal Frazetta machte aber keinen Hehl daraus, dass er benutzte, was ihm gerade unter die Finger kam und zudem noch billig war.
„Eines Tages hatte ich für Warren einen Abgabetermin für Montag Morgen, und Sonntag nachts war ich bereit um loszulegen. Ich hatte kein verdammtes Stück Leinwand im Haus. Ich drehte durch. Kein Laden hatte mehr offen, Ellie ging weinend zu Bett. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich hatte mein Wort gegeben.
Plötzlich schaute ich auf den Fussboden, den wir gerade repariert hatten. Bingo!
Ich stemmte ein Stück Sperrholz heraus und malte Neanderthal darauf.
Ich war so aufgeregt, dass ich Ellie aus dem Bett holte um das Bild anzusehen.
Das Malen auf dem Sperrholz gab mir die Idee auf Masonit zu malen…“
Frazettas Bilder beeinflussten viele andere Künstler, die ihm nacheiferten und ihn zu ihrem unangefochtenen Vorbild kürten. Ken Kelly nahm er gar unter seine Fittiche und half ihm bei seinen ersten Bildern (die frühen Bilder Ken Kelly’s strotzen nur so von Anleihen Frazettas, hinsichtlich Anatomie und Bildaufbau und sind ästhetisch sicherlich weit höher anzusiedeln als seine späteren Arbeiten).

Mike Hoffmann ist sicherlich als reiner Frazetta-Epigone anzusehen.

Mark Schultz, Dave Stevens, Bernie Wrightson, Michael Kaluta und Jeff Jones wanderten auf den illustrativen Pfaden des Meisters und gestanden ihre uneingeschränkte Anerkennung.

Frank Frazetta und George Evans Auch jüngere Künstler wie Brom, Arthur Suydam oder Daarken zeigen Spuren von Frazettas unbestreitbaren Einfluss. Und auch Künstler, wie Phil Hale oder Tim Bradstreet, von denen man es eigentlich nie vermutete, bezeugen welch ungeheuren Einfluss Frazetta auf Ihr künstlerisches Schaffen hatte.

Mit Frazetta ist unzweifelhaft einer der Titanen der Fantasy-Illustration von uns gegangen, ein Unikum, ein Großmaul und Glückskind und vor allem ein grandioser Künstler. Sicherlich habe ich in diesem Band nicht alle Anekdoten, Lebensstationen und künstlerische Werke auflisten können. Wer mehr und weitergehende Informationen über Frazetta möchte, dem kann ich die oben erwähnten drei Bildbände von Underwood nur wärmstens empfehlen. Auch die DVD Painting with Fire bietet einen sehr schönen Einblick in Frazettas Leben und Schaffen.

 

Kommentare  

#1 Torshavn 2012-01-02 07:18
Ein sehr schöner Abschluß der Reihe.
Ein eigener Artikel über die Frazetta Nachfolger und Epigonen, allen voran Ken Kelly, wäre schön.
Vielen Dank für Deine gute Arbeit.
#2 Larandil 2012-01-02 09:57
Wow. Ich hatte ja keine Ahnung, was der Mann alles gemacht hat.
#3 Carn 2012-01-02 16:50
Im aktuellen Spectrum - Nr. 18 - ist ein Nachruf für Frazetta zu lesen, der nachdenklich macht.
Arnie Fenner läßt anklingen, dass die Heile Welt der Frazettas arge Sprünge aufgewiesen hat. Die Bilderbuchehe mit Ellie soll nicht so grandios gewesen sein, wie die Frazettas sie nach außen hin präsentierten. Ellie soll ihren Mann gar als 'schrecklichen Ehemann' und 'mittelmäßigen Vater' (aber 'grandiosen Großvater') bezeichnet haben (in einer schwachen Stunde). Von Scheidung soll einige Male die Rede gewesen sein und auch sein legendäres Selbstbewußtsein soll größtenteils als inszenierte Fassade gedient haben - Frazetta hatte wohl wie alle Künstler sein gesundes Maß an Selbstzweifeln. Es wäre mehr als interessant, wenn eine unanbhängige Biographie über Frazetta erscheinen würde, die ein Insider, der das Familienleben der Frazettas kannte, schreiben würde (und da gibts einige) - wenn man die Geldgier von Frank Jr. bedenkt, müßte so eine Bio nicht lange auf sich warten lassen.

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