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Brauchts das? - Ars Gratia Artis

Brauchts das?Ars Gratia Artis 

Es ist das wohl berühmteste Logo der Welt. Zumindest, was die Filmwelt betrifft. Und es toppt sogar die „goldenen Titten Amerikas“, wie Stephen King liebevoll die zwei gelben Bögen nennt, die ein M bilden. Im Kino ist das besagte Logo der König der Löwen, genauer gesagt der Löwenkönig unter den Logos. Es ist das am häufigsten zitierte Studiologo, weil es mit seiner Hauptfigur und dem auf dem Banner prangenden Spruch geradezu danach schreit, kopiert zu werden.

Manchmal sind die Kopien gut, sehr oft aber leider auch überhaupt nicht originell. Der Hobbyfilmer setzt die Hauskatze hinter den bemalten Karton mit dem Loch in der Mitte, die Stimmung in der Familie steigt ins Unermessliche. Doch egal, wie lustig sich Papa dabei vorkam, seine verwackelten Bilder auf diese Weise aufzupeppen, er kam zu spät.

Die LöwenBereits 1961 brüllte Maus Jerry löwengleich für einen Tom-and-Jerry-Cartoon dem Publikum entgegen, und ab 1963 miaute Tom in der Cartoon-Serie anstelle des Löwens. Das alles beweist: Das Logo des Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer ist das bekannteste Film-Logo, und sein Löwe der berühmteste Löwe der Welt.

Doch halt, der berühmteste Löwe der Welt? Eigentlich sind es sogar sechs verschiedene Löwen in Personalunion. Und nein, Clarence ist nicht dabei, obwohl die Serie DAKTARI komischerweise auch von MGM produziert wurde. Und genau genommen ist da noch ein siebter Löwe, der aber weder Metro noch Mayer entsprungen ist. Es ist Slats, der in Dublin geboren worden sein soll.

Slats war der Löwe, der für die Goldwyn-Pictures-Corporation den Kopf herhalten musste und aus dem mit dem Schriftzug „Ars gratia artis“ verzierten Banner heraus ins Publikum blickte. Howard Dietz hatte das Logo für Goldwyn entworfen und dabei gleichzeitig seiner Universität gehuldigt. An der Columbia University wurden die Athleten Löwen genannt, und der Schlachtruf lautete „roar, lion, roar“. Genau genommen brüllte Slats gar nicht, sondern knurrte nur, was auch noch nicht von großer Bedeutung war, schließlich war der Film zu seiner Zeit noch stumm.

Wann genau Slats geboren wurde und wann das Goldwyn-Logo erstmals mit ihm eingesetzt wurde, kann an dieser Stelle nicht genannt werden, weil sich die verfügbaren Angaben widersprechen. Entweder wurde Slats 1915 oder 1919 geboren. Entweder in Dublin oder im Sudan. Entweder begann er 1916 oder 1917 seine Arbeit. Als die Goldwyn Pictures in Metro-Goldwyn-Mayer aufgingen, übernahm das neu formierte Studio das Logo samt Löwe, Motto und Schriftzug. Slats, der nicht nur von der Leinwand schaute, sondern auch auf Promo-Touren unterwegs war, tat seine Pflicht bis 1928. Er starb schon 1936.

Wegen der großen Ähnlichkeit wurde Jackie der Nachfolger von Slats. Jackie war ab 1928 vor allen schwarzweißen MGM-Produktionen zu sehen. Trotz Stummfilm war Jackie mancherorts via Grammophon mit dreimaligem lautem Knurren zu hören. Jackies Zeit dauerte bis 1956.

Coffee und Telly waren eigentlich nur für Testaufnahmen angetreten, als MGM mit dem Technicolor-Verfahren experimentierte. Die Testaufnahmen wurden dann aber tatsächlich verwendet. Von 1927 bis 1932 war Telly vor allen Technicolor-Farbfilmen zu sehen. Coffee übernahm von 32 bis 34. Das war auch der Zeitraum, in dem MGM noch mit dem Zwei-Streifen-Technicolor arbeitete.(Auch zu den Technicolor-Verfahren gibt es einen nicht zu verachtenden, höchst interessanten Artikel in der Brauchts-das-Reihe)

Als MGM 1934 auf Drei-Streifen-Technicolor umstellte (den Artikel nicht vergessen), filmte man auch einen neuen Vorspann. Ins Bild kam Tanner, der Löwe, der von 1934 bis 1956 alle Farbfilme ankündigte. Jackie knurrte währenddessen weiterhin vor allen Schwarzweißfilmen. Mit Ausnahme von WIZARD OF OZ, wo Anfang und Ende zwar eigentlich in einem sepiafarbenen Schwarzweiß waren, dennoch aber Tanner die Ehre zuteil kommen ließen. 1953 kam dann mit Cinemascope ein fast doppelt so breites Bildformat in die Kinos. Das Logo wurde hierzu angepasst, die Löwen aber nicht ersetzt. Tanner machte in Farbe, während Jackie in Schwarzweiß blieb.

Einen relativ kurzen Auftritt hatte George, der Hippie unter den MGM-Löwen. Mit seiner extrem langen Mähne erinnerte er fast ein wenig an Slats. Doch während Slats Mähne glatter nach unten ging, hatte man bei George den Eindruck, dass er gern die Krallen in die Steckdose steckte. George war endlich auch der erste Löwe in der Ahnenreihe, der richtig ins Mikro brüllen durfte. Häufig findet man zu diesem Löwen keine Namensangabe oder gar einen falschen Namen. Doch laut MGM-Historie war es offiziell George, und George durfte in Farbe und schwarzweiß seine Firma repräsentieren. Allerdings nur von 1956 bis 58. Und sein letztes Jahr musste er schließlich auch noch teilen.

Der älteste Löwe der Welt ist mittlerweile weit über 50 Jahre alt, aber das auch nur, weil er auf Film gebannt wurde. Er ist mit dem nicht sonderlich originellen Namen Leo gezeichnet. Leo wurde für das MGM-LOGO 1957 aufgenommen und teilte sich bis 1958 mit George die Leinwand in Farbe und schwarzweiß. Bis Leo von 58 an der alleinige Herrscher der Logos wurde. Und Leo brüllt bis heute, bei allen Filmen und in allen Tonformaten. Aber Leo vertritt nicht nur bei den Filmen würdig seine Firma.

Vor dem MGM-Grand in Las Vegas steht mit 50 Tonnen Gewicht und 14 Metern Höhe die größte Bronze-Statue der Vereinigten Staaten. Es ist ein Abbild von Leo, dem Löwen. Ein respektables Denkmal. Ob Jackie, Coffee, Telly, Tanner oder George, in der bald hundertjährigen Geschichte Metro-Goldwyn-Mayers wurde beim Logo immer von Leo, dem Löwen gesprochen. Wenn also vor dem MGM-Grand Leo, der Löwe wacht, dann muss es nicht zwangsläufig das Abbild des seit 1957 inthronisierten Leo sein. Aber es ist doch eine sehr rührende Annahme, die man einfach mal so stehen lassen kann.

Ein Weltunternehmen wie MGM und sein Löwe. Da kann die augenblickliche Finanzmisere des Studios noch so gravierend sein, es geht nichts über eine herzergreifende Tiergeschichte. Und alles nur, weil Howard Dietz nicht dem Film, sondern seiner Columbia University ein Denkmal setzen wollte. Das hatte in seiner Intention eigentlich nichts mit dem Bannerspruch, der Kunst um der Kunst willen, zu tun, wenn man so überlegt. Dann wechseln wir eben von „Ars gratia artis“ zu dem auch auf den Film übertragbaren Schlachtruf der Columbia: „Roar, lion, roar!“

Kommentare  

#1 Andrew P. Wolz 2010-11-22 10:06
Oh mein Gott, da musste ich soo alt werden, um endlich einmal alle MGM-Löwen auf einen Blick nebeneinander zu haben. Unfassbar, dass es so lange gedauert hat. Vielen Dank für diese tolle Idee!
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#2 Pisanelli 2010-11-22 10:20
Mir ist noch nie aufgefallen, dass es da verschiedene gab. Wieder was gelernt...
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#3 Mainstream 2010-11-23 07:59
-
Also mein persönlicher Favorit ist George. Der sieht
so aus, als würde er für eine Schulaufführung von
HAIR vorsingen.
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