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Überzeugte Demokraten

SternengeflüsterÜberzeugte Demokraten

Dana Frost stand zu Beginn der Staffel vor einer schwer lösbaren Aufgabe. Die Crews der Sternenfaust II und III fanden sich vereint auf der Sternenfaust III und zu allem Überfluss in einer anderen Galaxis wieder. Das bot natürlich viel Konfliktpotenzial, das unter anderem durch Ankündigung einer demokratischen Vertretung gemindert werden konnte. Nun ist der Senat der Sternenfaust zum ersten Mal aufgetaucht. Es zeigt sich: Die Crew glaubt an die Mission und ist bereit, alles dafür zu geben.

Vor allem die Sternenfaust-II-Besatzung musste einen großen Schock verarbeiten. Sie hatten gerade erlebt, wie ihre Galaxis vernichtet worden ist. Das unterscheidet diese Menschen nicht von der Besatzung der Sternenfaust III. Doch die Besatzung der zweiten Sternenfaust musste zudem noch den Wechsel auf ein anderes Schiff und den Kontakt mit einer anderen Zeitlinie verkraften. Dort hatte man bereits etwas Zeit, um sich auf die Wanagi und Kad'Chie einzustellen. In der alternativen Zeitlinie tauchten die Kad'Chie nur kurz auf, dann war die Galaxis bereits zerstört.

Dennoch blieb nichts anderes übrig, als Dana Frost zu folgen. Sie bot die einzige Erklärung für den Aufenthalt in der Andromeda-Galaxis. Und ihre rollenspielartige Aufgabe der Suche nach zwölf Akoluthoren war die einzige Möglichkeit, eine sinnvolle Aufgabe zu finden. Trotzdem verwundert es nicht, dass immer wieder Spannungen zwischen den beiden Besatzungen erwähnt wurden.

Dana Frost kündigte sehr zeitig die Wahl zu einem Senat an. Damit sollte ihr Vorgehen demokratisch legitimiert werden, sie wollte das Wohl der Menschheit und der gesamten Milchstraße nicht allein von ihren Entscheidungen abhängig machen. Das ist zunächst eine gute Idee. Denn damit bot sich allen Crewmitgliedern die Möglichkeit, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Auch Menschen aus der alternativen Zeitlinie hatten so die Aussicht auf eine Vertretung gegenüber der Schiffsleitung.

Die Ankündigung verwundert allerdings auch ein wenig, weil die Solaren Welten bisher nicht als Hort der Demokratie erschienen. Sicher, es wurden bereits viele Geschichten um Präsidentschaftswahlen erzählt. Aber der Hohe Rat, das beschlussfassende Gremium der Solaren Welten, ist winzig. Ein einzelnes Mitglied repräsentiert viel zu viele Menschen, als dass man wirklich von Repräsentation sprechen könnte. Außerdem war die Verquickung von Wirtschaft, Militär und Politik immer so eng, dass das System eher wie eine autoritär gelenkte Demokratie aussah.

Aus beiden Crews wurde Frost kritisiert. Sie wolle sich ja nur aus der Verantwortung ziehen. Auch das deutet auf wenig gelebte demokratische Tradition innerhalb der Solaren Welten hin. Wenn viele sich eher eine Führerin als einen Senat vorstellen können, ist das bedenklich.

Die größte Bedrohung durch den Senat schien der Abbruch der Mission zu sein. Statt weiterhin in einer riesigen Galaxis nach zwölf Amuletten zu suchen und auf einen merkwürdigen Kosmischen Appell zu hoffen, könnte die Crew der Verlockung erliegen, sich einfach einen schönen Planeten zum Siedeln auszusuchen.

NukleusIm letzten Band der Reihe „Nukleus“ zeigte sich nun, dass dafür keine Gefahr besteht. Die Senatswahlen haben zwar eine komplizierte Zusammensetzung hervorgebracht, da sowohl Außerirdische (Shesha'a) als auch xenophobe Vertreter gewählt wurden. Die erste Bewährungsprobe des Senates zeigte aber: Egal, welchem Spektrum in der Crew die Vertreter angehören, sie stehen hinter der Mission, die Dana Frost vorgegeben hat.

Das liegt vermutlich in erster Linie daran, dass bereits mehr als die Hälfte der Akoluthoren gefunden wurde. Obwohl es immer wieder Phasen des Leerlaufs gab, überwogen doch die Erfolgsmomente. Zudem gab es bisher verhältnismäßig geringe Verluste – zumindest im Vergleich zu den Abenteuern in der Milchstraße. Das dürfte die Akzeptanz der Mission sehr erhöht haben.

In „Nukleus“ stößt die Crew jedoch auf ein Akoluthorum, das für das Überleben des besitzenden Volkes immens wichtig ist. Es sieht so aus, als würde das gesamte Volk sterben, wenn das Akoluthorum entfernt wird. Die Schilderung der Senatsdiskussion ist ein kleines Highlight der Serie: Nach langem Überlegen und Abwägen und in namentlicher Abstimmung entscheidet sich der Senat knapp dafür, das Akoluthorum zu entwenden.

Das ist eine grausame Entscheidung, die bei Dana Frost nicht auf Zustimmung stößt. Sie weigert sich, die Befehle auszuführen und wird ihres Amtes enthoben. Überraschenderweise (weil die Serie sonst ja gerne mal Planeten vernichtet) gelingt es danach, das Akoluthorum zu entfernen, ohne das Volk zu vernichten. Dana Frost wird wieder eingesetzt.

Durch diese Entscheidung, die Dana zu Recht nicht akzeptiert hat, zeigt sich einerseits die Schwäche des Systems. Kann Dana eine Entscheidung nicht akzeptieren, bricht die komplette Schiffshierarchie zusammen. Denn man kann es sich eigentlich nicht leisten, die Mission ohne Dana durchzuführen. Insofern ist der Senat keine richtige demokratische Vertretung, da ohne Dana die Mission wahrscheinlich scheitern würde. Andererseits kann Dana nun auch nicht mehr einfach gegen den Senat agieren. Im schlimmsten Fall würde sie aus ihrer Kabine oder einer Arrestzelle erleben, wie die Mission um sie herum scheitert. So gut demokratische Legitimation also auch ist, hier zeigt sich, dass sie für die Mission einige Probleme bereitet.

Die Entscheidung des Senats zeigt aber auch, dass man sich der Mission mittlerweile komplett verschrieben hat. Es gibt kaum Stimmen, die an der Sinnhaftigkeit der Akoluthorensuche zweifeln. Dabei offenbart Dana zum Ende selbst ihre Zweifel. Denn wenn die Milchstraße wieder hergestellt würde, warteten dort immer noch die Kad'Chie und die Wanagie, die in der Lage sind, alle Völker dort zu zerstören. Im schlimmsten Fall ist die Andromeda-Mission damit nur eine Hilfsmission für die Kad'Chie und die Wanagie.

Der Senat bedenkt solche Fragen nicht. Was zählt, ist die Mission. Das führt zu einer fürchterlichen Entscheidung, ist aber ein gutes Zeichen. Denn es zeigt, dass Dana Frost die Crew beider Schiffe davon überzeugt hat, dass sie das Richtige tun.


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