The Running Man - Gegen soziale Ungerechtigkeiten
The Running Man
Gegen soziale Ungerechtigkeiten
Mit der Erstverfilmung seines Stoffes von Paul Michael Glaser, die 1987 unter dem Titel „Running Man“ Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle präsentierte, war deren Verfasser Stephen King verständlicherweise nie so richtig glücklich. Mit seinem dystopischen und gesellschaftskritischen Roman hatte diese spektakuläre und auch moderat erfolgreiche Kinoversion (bei einem Budget von 27 Millionen Dollar spielte der Film rund 38 Millionen Dollar wieder ein) so gut wie nichts mehr gemeinsam. Aktuell werden etliche King-Frühwerke von Filmemachern wieder neu entdeckt und mit den Mitteln der Gegenwart zum ersten Mal verfilmt (wie „The Long Walk – Todesmarsch“, ebenfalls basierend auf einem unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichten King-Roman) oder in einer deutlich werkgetreueren oder aufwändigeren Variante (wie Andy Muschiettis „Es – Kapitel 1+2“ oder „The Stand“ als neue Miniserie). Da war es naheliegend, dass man sich auch noch einmal „Menschenjagd“ vornahm, der 1982 seiner Zeit ein gutes Stück voraus war und ironischerweise im Jahr 2025 spielt. Für die Neuverfilmung wurde Edgar Wright („Last Night in Soho“) verpflichtet, der in seiner Filmografie schon etliche Blockbuster und Publikumslieblinge vorweisen kann und sich bei seinem gemeinsam mit Michael Bacall verfassten Drehbuch auf die Fahnen geschrieben hatte, der King-Vorlage so treu wie möglich zu bleiben. Lediglich der nihilistische Schluss der Story war den beiden dann wohl doch zu heftig, weswegen sie hier eine Abänderung vornahmen und das Ganze auf publikumsfreundlichere Weise zu einem Happy Ending brachten.
Seit Jahren schon rackert sich Ben Richards (Glen Powell) in den unterschiedlichsten schweren Jobs ab und bringt es trotzdem auf keinen grünen Zweig. Auch seine Frau Sheila (Jayme Lawson) muss mit Kellnern zum Lebensunterhalt beitragen, weil man sich sonst die lebensnotwendigen Medikamente für die kranke zweijährige Tochter gar nicht leisten könnte. Um aus der Misere ein für alle Mal herauszukommen, meldet sich Ben beim staatlich betriebenen Fernsehsender als Teilnehmer einer Gameshow an, die mit üppigen Gewinnsummen an Neuen Dollars (deren Geldscheine das Konterfei von Arnold Schwarzenegger ziert) winkt. Eigentlich sollte es nicht gerade die Show „The Running Man“ sein, deren Teilnehmer die brutale Menschenjagd eigentlich nie überleben. Aber Fernsehleiter Dan Killian (Josh Brolin) überzeugt Ben trotzdem davon, genau in dieser Show mitzumachen. Zusammen mit zwei anderen Kandidaten startet Ben ins Rennen. 30 Tage muss er überleben, täglich einen Videobeweis davon abschicken. Währenddessen machen die brutalen Hunter um Evan McCone (Lee Pace) Jagd auf die Teilnehmer, unterstützt von einer aufgehetzten Bevölkerung, die ebenfalls Geld damit verdienen kann, indem sie den Aufenthaltsort der Gejagten verrät. Bens alter Freund Molie Jernigan (William H. Macy) hilft diesem mit einem neuen Ausweis und Verkleidungen. Auch Bradley (Daniel Ezra) und dessen Kumpel Elton Perrakis (Michael Cera) schlagen sich auf Bens Seite, um auf die sozialen Ungerechtigkeiten der Gegenwart hinzuweisen und den Staat und den Fernsehsender als manipulativ und kapitalistisch orientiert zu entlarven.
Diese Neuverfilmung von „The Running Man“ dürfte nun tatsächlich so geraten sein, wie sie sich Stephen King vorgestellt haben wird. Edgar Wrights Film entwirft ein realistisches Bild einer gar nicht allzu fernen Zukunft, in der die sozialen Unterschiede noch gravierender geworden sind und die Bevölkerung mit äußerst fragwürdigen Fernsehformaten gefügig gehalten wird. Glen Powell ist ein würdiger Nachfolger für Arnold Schwarzenegger, da er ebenfalls über genügend Charisma und Starpower verfügt und auch in den Action- und Nacktszenen eine äußerst ansprechende Figur abgibt. Über den abgeänderten Schluss kann man natürlich unterschiedlicher Ansicht sein, aber gerade in Zeiten wie diesen, in denen staatliche Willkür selbst in einem Land wie den USA an der Tagesordnung liegt, ist man als Zuschauer über jeden noch so kleinen Hoffnungsschimmer dankbar.
Die 4KUHD-Erstveröffentlichung ist technisch sehr gut ausgefallen, insbesondere das detailreiche Bild (im Widescreen-Format 2,39:1) weiß zu gefallen. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch dankenswerterweise in Dolby Atmos vor (ebenfalls enthalten sind Tonspuren auf Tschechisch, Spanisch, Italienisch und Ungarisch in Dolby Digital 5.1, Untertitel gibt es in all diesen Sprachen sowie auf Slowakisch und Türkisch) und überzeugt ebenfalls. Das umfangreiche Bonusmaterial beinhaltet einen Audiokommentar mit Wright, Powell und Drehbuchautor Michael Bacall, die Featurettes “Die Jagd beginnt” (12 Minuten), „Die Hunter und die Gejagten” (17 Minuten), „Willkommen bei The Running Man: Die Gestaltung der Welt“ (17 Minuten), “Überleben im Spiel: Der Dreh von The Running Man” (29 Minuten), “The Running Man: Die Werbespots” (zusammen 2 Minuten), “The Running Man. Die Show (FSK 18)” (zusammen 4 Minuten), “Die Runner – Eigene Aufnahmen” (zusammen 14 Minuten), “Weitere Shows des Networks” (zusammen 10 Minuten), “Der Apostel” (zusammen 4 Minuten), “Die besten Stunts” (2 Minuten), “Haar-, Make-Up- und Kostümtests” (26 Minuten), zehn geschnittene und erweiterte Szenen (zusammen 11 Minuten) sowie Trailer & Digital Spots.




Kommentare
Was mir in der letzten Zeit aufgefallen ist: Glen Powell scheint ja so etwas wie der neue Kino-Held zu sein. Man konnte auch schon lesen, dass er wohlmöglich Tom Cruise beeerben sollte. Das kann ich allerdings weniger glauben, weil sich Powell wohl kaum selber an ein Flugzeug hängen würde...ect..ect..
Regisseur Edgar Wright hat mit "Baby Driver" einen recht guten und profitablen Film hinbekommen. Er ist jedoch bei weitem kein Top-Regisseur, dem man bedenkenlos 110 Millionen USD anvertrauen sollte. Das auch angesichts der Tatsache, dass selbst der erste "Running Man" vor vierzig Jahren eher ein moderates Einspielergebnis hatte. Und damals war die Idee sogar noch originell, heute aber schon fast Alltag.