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Gejagt und in Ketten gelegt - Sadistischer Gefängnisalltag

Gejagt und in Ketten gelegt

Sadistischer Gefängnisalltag

 

1997 inszenierte das berüchtigte britische Regie-Enfant terrible Ken Russell für den US-amerikanischen Fernsehsender Showtime einen ungewöhnlichen Gefängnisfilm, der sich durch eine harte, zynische Weltanschauung auszeichnet. In den zentralen Rollen mit Bryan Brown, Dean Cain und Tia Carrere prominent besetzt, lief der Film hierzulande mehrfach auf ProSieben und erscheint bei „Pidax Film-Klassiker“ am 12. Februar erstmals auf DVD.

Seine größten Erfolge feierte der britische Regisseur Ken Russell (1927-2011) Mitte der 1970er Jahre, als er in kurzer Folge gleich mehrere Filme inszenierte, die in ihrer radikalen und kompromisslosen Ausrichtung schnell zu Klassikern wurden: „Mahler“, „Tommy“, „Lisztomania“ und „Valentino“ prägten das Image Russells über Jahrzehnte hinweg. Mit diesen biografischen Filmen jenseits der Konventionen und mit der Rock-Oper „Tommy“, die er in Zusammenarbeit mit der Rockgruppe The Who entwickelte (deren Leadsänger Roger Daltrey später dann auch als Franz Liszt für Ken Russell vor der Kamera stehen sollte), machte sich der Filmemacher international einen Namen. In den 1980er Jahren wandte er sich verstärkt auch dem neu aufgekommenen Genre des Musikvideos zu und inszenierte Clips für Superstars wie Elton John („Nikita“), Cliff Richard („She’s So Beautiful“) oder Sarah Brightman und Steve Harley („The Phantom of the Opera“). Parallel entstanden aber noch weitere sehenswerte Kinofilme, die Russells Faszination für morbide und „kranke“ Geschichten manifestierten: „Gothic“ um die Entstehungsnacht des Gruselromans „Frankenstein“ oder die Bram-Stoker-Adaption „Der Biss der Schlangenfrau“. In den 1990er Jahren inszenierte Ken Russell überwiegend für das Fernsehen, darunter auch interessante Neuinterpretationen von Klassikern wie „Lady Chatterley“ mit Joely Richardson und Sean Bean oder „Die Schatzinsel“ mit Hetty Baynes als „Long Jane Silver“ (!). In dieselbe Zeit fällt auch der Showtime-Film „Gejagt und in Ketten gelegt“ mit dem seinerzeit als Superman aus der Serie „Lois und Clark“ bekannten Dean Cain in der Hauptrolle.

Julian Taylor (Dean Cain) ist aufgrund von mehrmaligen gewalttätigen Auseinandersetzungen in eine Strafanstalt eingewiesen worden. Dort führt der aus Australien stammende Captain Robert Brown (Bryan Brown) ein äußerst hartes und fragwürdiges Regiment. Er hat eine ganze Reihe von Hunden abgerichtet, um mögliche Gefängnisausbrecher auf dem weitläufigen Gelände zu verfolgen und zur Strecke zu bringen. Taylor wird den „Dogboys“ (so auch der Originaltitel des Films) zugewiesen, die sich um die Tiere und deren Ställe kümmern müssen. Miguel (Von Flores) ist als „Top Dog“ der „Dogboys“ der Rädelsführer der Einheit und beginnt auch, Taylor zu drangsalieren. Der findet einen Freund in seinem Mitgefangenen Willy B (Richard Chevolleau). Wie sich kurze Zeit später herausstellt, ist Willy B ein Undercover-Agent von Staatsanwältin Jennifer Dern (Tia Carrere), der zu Ohren gekommen ist, dass es in Direktor Wakefields (Ken James) Gefängnis nicht immer sehr gesetzestreu zugeht und insbesondere Captain Brown Dreck am Stecken zu haben scheint. Gerade, als Willy B erste Beweise in der Hand hält, wird er von einem der Hunde zerfleischt. Da er bei seinem letzten Gespräch mit Dern angedeutet hatte, dass Julian Taylor anders als die anderen Gefangenen sei und man ihm vertrauen könne, wendet sich die Staatsanwältin nun an ihn, um die geheimen Machenschaften ans Licht zu bringen.

Ken Russell inszeniert einen Gefängnisfilm! Was auf den ersten Blick äußerst reizvoll und ungewöhnlich klingt, ist am Ende dann doch nicht ganz so provokativ und perfide, wie man sich vielleicht hätte vorstellen können. Nicht etwa, dass die menschenverachtende Brutalität, mit der Bryan Brown mit Killerhunden Jagd auf Gefängnisinsassen macht, harmlose Unterhaltungskost wäre. Doch das Enfant Terrible scheint sich im Alter den Konventionen des Genres doch ein wenig gebeugt zu haben. Spannend ist der Film aber allemal, insbesondere in der zweiten Hälfte, wenn die ganze Tragweite offensichtlich wird und man gemeinsam mit den Protagonisten um deren Überleben bangt. Die DVD-Erstveröffentlichung bietet ein gutes Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets gut verständlichen Ton, wahlweise auf Deutsch in Dolby Digital 2.0 oder in der englischen Originalfassung (ebenfalls in Dolby Digital 2.0, aber hier zusätzlich auch noch im 5.1-Sound). Untertitel oder Extras sind keine vorhanden.

Kommentare  

#1 Andy 2026-02-01 12:23
Von Kenn Russel kenne ich bisher nur Der Höllentrip - den habe ich vor kurzem bei einem Freund auf DVD gesehen. Und der hat mir erzählt, dass Russel auch einen Dracula-Film drehen wollte, ähnlich wie Luc Besson.

Der hat mir auch erzählt, dass daraus nicht wurde, weil es schon den Film von Francis Coppola gab. Hast du dazu auch eine Information?
#2 Frank Brenner 2026-02-01 14:17
Hi Andy,

"Der Höllentrip" ist natürlich auch einer seiner Klassiker. Aber von der geplanten "Dracula"-Adaption wusste ich bislang noch nichts...
#3 matthias 2026-02-01 17:52
zitiere Andy:
Von Kenn Russel kenne ich bisher nur ...


Wer ist KENN RUSSEL ?
#4 Andy 2026-02-01 19:05
Matthias, ziehst du dich jetzt wirklich daran hoch, dass ich ein N zuviel eingetippt habe? Wenn du aber Ken Russel evtl. wirklich nicht kennst, kannst du den nachfolgenden Kommentar natürlich vergessen.

So ein Fehler kann ja durchaus mal vorkommen, oder ist DIR noch nie einer bei deinen Texten unterlaufen? Du darfst jedenfalls davon ausgehen, dass ich KEN ansonsten auch nur mit einem N schreibe.

Hoffe, dass es auf diesem Niveau nicht weiter weitergeht. Ich meine, falls du irgendwann nochmal etwas anzumerken hast.
#5 Andy 2026-02-01 19:23
Frank Brenner der Film von Ken Russel war wohl als weiterer einer kurzen Dracula-Welle geplant, die durch Francis Coppolas Film ausgelöst wurde.

Der Film sollte wohl einen starken erotischen Touch haben und nicht im alten England spielen sondern in der Gegenwart.
#6 matthias 2026-02-03 00:07
Andy, der Regisseur dieses Films heißt KEN RUSSELL mit einem "N" und mit 2 "L"
#7 Torsten Pech 2026-02-03 00:37
zitiere matthias:
Andy, der Regisseur dieses Films heißt KEN RUSSELL mit einem "N" und mit 2 "L"

Man kann es auch echt übertreiben.

@Andy: Alles gut, ich lese deine Kommentare gern. So, wie sie sind.
#8 Mainstream 2026-02-03 09:55
Beitrag vom Kommentator gelöscht
#9 Andy 2026-02-03 17:45
@Torsten Pech, ich war nur etwas erstaunt, dass ein solcher Flüchtigkeitsfehler (und mehr war es ja nicht) bei einem User solche Reaktionen hervorruft. Und dann schreibt er nochmal, um mir meinen Fehler zu erklären. Wohlgemerkt, nachdem ich den Fehler bereits eingeräumt habe

Aber gut, wir wollen das nicht weiter ausbreiten. Matthias ist hoffentlich ein Einzelfall.
#10 Andy 2026-02-05 16:35
@Matthias, das fehlende L ist mir jetzt auch aufgefallen. Ändert aber nichts daran, dass dein erster Kommentar schon sehr überheblich rüberkam. So etwas ist mir irgendwie zuwider. Und ich hoffe wirklich, dass du auch "anders kannst"...
#11 matthias 2026-02-05 18:48
Du verstehst halt keinen Spaß
#12 Ringo Hienstorfer 2026-02-06 10:33
Zum Thema passend ist diese Platte hier:

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