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Mel Brooks‘ jüngerer Schüler - »Drei Fremdenlegionäre« – Remastered Edition

Drei FremdenlegionäreMel Brooks‘ jüngerer Schüler
»Drei Fremdenlegionäre« – Remastered Edition

Mel Brooks hatte in den 1970er Jahren mitgeholfen, die Filmgenreparodie zum Kassenschlager zu machen. Mit „Frankenstein junior“ oder „Höhenkoller“ schuf er Filme, die noch heute Kult sind. Auch einige seiner Darsteller traten dabei in seine Fußstapfen, so z. B. der englische Komiker Marty Feldman, dessen Regiedebüt „Drei Fremdenlegionäre“ nun in remasterter Qualität auf DVD erschienen ist.

Drei FremdenlegionäreWie viele andere der größten Komikgenies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Mel Brooks, Woody Allen) hatte auch Marty Feldman (1933-1982) seine Laufbahn hinter den Kulissen, als Autor begonnen. Bereits in den 50er Jahren gehörten seine Skripts für Radio- und Fernsehserien zu den beliebtesten in Großbritannien und ebneten Feldman schließlich den Weg vor die Kameras. Als er mit Mitte 30 in „At Last the 1948 Show“ neben den zukünftigen Monty-Python-Mitgliedern Graham Chapman und John Cleese das erste Mal als Darsteller in Erscheinung trat, wurde aus ihm innerhalb kürzester Zeit auch einer der erfolgreichsten Komiker seines Landes. Sein charakteristisches Äußeres mit den auffälligen Basedow-Augen hatte sicherlich seinen Anteil daran. In den 70er Jahren schließlich konnte Feldman auch im internationalen Film Fuß fassen und verbuchte mit den Genre-Parodien von Mel Brooks („Frankenstein junior“, „Silent Movie“) sensationelle Erfolge. Diese führten schon bald dazu, dass ihm Universal Pictures mit „Drei Fremdenlegionäre“ die Möglichkeit boten, als sein eigener Regisseur-Autor-Hauptdarsteller eine eigene Filmfarce für ein Millionenbudget auf die Beine zu stellen.

Drei FremdenlegionäreDa ihm seine auf dem Wochenbett verstorbene Frau nur eine Tochter schenken konnte, entschließt sich Sir Hector Geste (Trevor Howard) für die Adoption eines heldenhaften Nachkommen. Dessen von der Natur nicht ganz so vorteilhaft bedachten Zwillingsbruder gibt’s noch kostenlos dazu. Einige Jahre später sind aus Beau (Michael York) und Digby (Marty Feldman) junge Männer geworden. Mit der Ankunft ihrer neuen Stiefmutter, der sinnlich-lasziven Lady Flavia (Ann-Margret), verschwindet plötzlich der größte Schatz der Geste-Familie, der Blauwassersaphir. Der Schuldige Beau flieht in die Fremdenlegion nach Marokko, während Digby die Verantwortung auf sich nimmt und ins Gefängnis wandert. Da Flavia aber unbedingt herausfinden möchte, wo sich der Edelstein befindet, ermöglicht sie Digby die Flucht und heftet sich an dessen Fersen. In der gleißenden Hitze des Wüstenstaates kommt es zu einem Wiedersehen der Zwillingsbrüder, die sich vor Ort vom sadistischen einbeinigen Sergeant Markov (Sir Peter Ustinov) und dessen dekadenten Vorgesetzten General Pecheur (Henry Gibson) schikanieren lassen müssen.

Drei FremdenlegionäreDie herrliche Persiflage veralbert nicht nur die oftmals verfilmte Legionärsgeschichte (deswegen der Originaltitel „The Last Remake of Beau Geste“), sondern macht sich über den gesamten Filmrummel lustig. Der teilweise sogar schon etwas überladen wirkende Film schießt die Gags wie die Schüsse eines Maschinengewehrs heraus, weswegen einem beim ersten Sehen mit Leichtigkeit welche entgehen dürften. Aber Regiedebütant Marty Feldman lässt auch immer wieder seine Liebe zum Kino und den Filmklassikern durchschimmern, weswegen es Schwarz-Weiß- und Stummfilmpassagen gibt oder Digby in der Fata-Morgana-Zone einen Dialog mit dem 1961 verstorbenen Gary Cooper führen kann (diese Technik perfektionierte Carl Reiner zusammen mit Steve Martin fünf Jahre später in der Film-noir-Parodie „Tote tragen keine Karos“). Die DVD-Wiederveröffentlichung des Films in remasterter Qualität ist nun wesentlich professioneller ausgefallen als die Erstveröffentlichung im Label Morisel aus dem Jahr 2014. Die Pidax-DVD weist ein wesentlich ansprechenderes Artwork auf, und auch das Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) und der Ton (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0) sind nun überzeugender ausgefallen. Hinzu kommt noch eine kleine animierte Fotogalerie, die sich nun im Bonusmaterial findet.

Kommentare  

#1 Cartwing 2022-04-23 12:44
Interessanter Beitrag und wieder was gelernt.
Ich wusste weder, dass Feldman auch Regie führte, noch, dass er so jung gestorben ist.

In meiner Kindheit fand ich ihn irgendwie unheimlich...
#2 Frank Brenner 2022-04-23 13:10
zitiere Cartwing:
Interessanter Beitrag und wieder was gelernt.
Ich wusste weder, dass Feldman auch Regie führte, noch, dass er so jung gestorben ist.

In meiner Kindheit fand ich ihn irgendwie unheimlich...

Wenn Du mit dem Humor von Mel Brooks (oder Zucker-Abrahams-Zucker) etwas anfangen kannst, solltest Du Dir "Drei Fremdenlegionäre" unbedingt mal ansehen. Ist für ein Regiedebüt sehr gelungen. Feldmans zweiter und letzter Film als Regisseur, "Dreist und gottesfürchtig" (In God We Tru$t) ist leider etwas zäh.
#3 Friedhelm 2022-04-23 16:25
Als "Oldie" (63) ist man ja mit Marty Feldman praktisch "aufgewachsen. Seine erste Regiearbeit habe ich damals noch im Kino gesehen.

Es lässt sich natürlich kaum übersehen, dass Feldman (ähnlich wie Kollege Gene Wilder "Sherlock Holmes cleverer Bruder,1975") mit seinem Regie-Erstling nichts anderes gemacht hat, als Mel Brooks zu kopieren. Wer damit klar kommt, der wird sicherlich seinen Spass haben.

Was seine zweite Regiearbeit betrifft, so ist es natürlich durchaus möglich, dass hier die "helfende Hand des Mr. Brooks gefehlt hat. Aber der ist ja mit seinen Produktionen irgendwann auch "ins Leere gelaufen".

Zitat:
In meiner Kindheit fand ich ihn irgendwie unheimlich...
@Cartwing: Klar, und das lag ganz sicher an seinen Augen, die aufgrund der Basedowschen Krankheit hervortraten. Dabei bildet der Körper Abwehrstoffe gegen die eigene Schilddrüse..

Naja, und "die Augen" sind dann halt sein Markenzeichen geworden.

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