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Spion wider Willen - »Es muss nicht immer Kaviar sein« und »Diesmal muss es Kaviar sein«

Es muss nicht immer Kaviar sein und Diesmal muss es Kaviar seinSpion wider Willen
»Es muss nicht immer Kaviar sein« und »Diesmal muss es Kaviar sein«

Zu Beginn seiner Karriere arbeitete der österreichische Schriftsteller Johannes Mario Simmel (1924-2009) als Reporter und Kulturredakteur, unter anderem für die in München erscheinende Illustrierte „Quick“. Dort veröffentlichte er 1960 auch den Fortsetzungsroman „Es muss nicht immer Kaviar sein“, der auf breites Interesse stieß und schon kurz danach publikumswirksam verfilmt wurde.

Es muss nicht immer Kaviar sein und Diesmal muss es Kaviar seinFür Simmel war es der Beginn seiner beispiellosen Erfolgskarriere.

„Es muss nicht immer Kaviar sein“ war als zweigeteilter Film ein ebenso großer Erfolg wie die gedruckte Vorlage, und ist längst zu einem Klassiker des deutschen Nachkriegskinos avanciert. Der Stoff war gut genug, um in den 1970er Jahren noch einmal neu aufgelegt zu werden, dieses Mal als dreizehnteilige Fernsehserie für das ZDF, in der Siegfried Rauch dann in die Rolle des ahnungslosen Geschäftsmannes und Hobbykochs Thomas Lieven schlüpfte, der während des Zweiten Weltkriegs mir nichts, dir nichts zum Doppel- und Dreifachagenten wird. Simmel selbst nahm anno 1960 den Erfolg der Romanvorlage zum Anlass, um sich fortan auf das Verfassen von Romanen zu fokussieren. „Liebe ist nur ein Wort“, „Lieb Vaterland magst ruhig sein“, „Alle Menschen werden Brüder“ oder „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ sollten in den kommenden Jahren noch folgen. Allesamt wurden diese später dann auch fürs Kino adaptiert, was die Reputation und die Bekanntheit Simmels nur weiter steigerte. Um die 73 Millionen Bücher sollte er schließlich verkaufen, was ihn schon zu Lebzeiten zu einem der erfolgreichsten und meistgelesenen deutschsprachigen Autoren werden ließ.

Es muss nicht immer Kaviar sein und Diesmal muss es Kaviar seinThomas Lieven (O.W. Fischer) ist ein kleiner Angestellter an einer Londoner Bank, Vater Deutscher, Mutter Engländerin. Eine explosive Mischung in den späten 1930er Jahren, als in England die Abneigung gegenüber Deutschland und seinem nationalsozialistischen Regime unter Adolf Hitler immer größer wird. Von seinem Chef erhält Lieven den delikaten Auftrag, wichtige Papiere persönlich nach Berlin zu bringen. Er kann nicht ahnen, dass er unfreiwillig zum Überbringer von Geheimdokumenten wird, die der Chef der Spionageabwehr, Loos (Viktor de Kowa), schon am Flughafen in Empfang nimmt. Aber auch Dr. Hofbauer (Wolfgang Reichmann) von der Gestapo hat Interesse an den Unterlagen, weswegen Lieven in Nazi-Deutschland bereits von den unterschiedlichsten Entscheidungsträgern in Beschlag genommen wird. Er soll nach Paris reisen und dort in den Besitz einer Liste französischer Spione gelangen, doch Lieven büchst erfolgreich nach London aus. Doch auch dort wartet mit Lovejoy (Karl Schönböck) bereits der Geheimdienst auf ihn, der ihn nun ebenfalls nach Paris entsendet, in seiner neuen Funktion als Doppelagent. Die Stadt der Liebe hält zahlreiche Begegnungen mit äußerst hübschen Damen für Lieven parat. Aber Vera (Eva Bartok), Chantal (Senta Berger) und Mimi (Geneviève Cluny) sind auch nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen…

Es muss nicht immer Kaviar sein und Diesmal muss es Kaviar seinNach Johannes Mario Simmels Erfolgsfortsetzungsroman hat Géza von Radványi einen recht verwirrenden Agentenulk gezimmert, bei dem so ziemlich jede handelnde Person verschiedene Identitäten hat und Doppelrollen spielt. Noch vor der James-Bond-Ära entstand so ein Agentenfilm, bei dem schöne Damen und adrette Locations das Erfolgsrezept der britischen Spionageserie vorwegnahmen. Auch wenn sich O.W. Fischer als passabler Slapstickkomiker entpuppt, ist der Film nicht besonders gut gealtert. „Diesmal muss es Kaviar sein“ hieß die bereits sechs Wochen nach dem ersten Film in hiesigen Kinos anlaufende Fortsetzung, die mit dem ersten Film in einem Aufwasch gedreht wurde und eigentlich zusammen als ein gut dreistündiger Film anzusehen ist. Der zweite Teil ist ähnlich verwirrend, bietet aber noch mehr Action und interessantere Locations, so dass man hier gut unterhalten wird, wenn man sich auf die komplizierten Figurenkonstellationen eingelassen hat. Die beiden Filmklassiker sind nun erstmals in remasterter Qualität im DVD-Set erhältlich. Das Schwarz-Weiß-Bild (im Widescreen-Format 1,66:1) ist dabei in der Tat von beeindruckender Schärfe und Makellosigkeit. Auch der deutsche Ton (in Dolby Digital 2.0) ist stets gut verständlich. Als Extras bietet die 2-DVD-Box jeweils den Original-Kinotrailer zu den beiden Filmen sowie die beiden verkleinerten Nachdrucke der jeweils achtseitigen „Illustrierten Film-Bühne“ (Nr. 5896 und Nr. 5925) zu den beiden Filmen als Booklet mit zahlreichen Fotos, ausführlichen Inhaltsangaben und Stab- und Besetzungscredits.

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