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Seemannsgarn an Land - »Käpt’n Senkstakes Abenteuer«

Käpt’n Senkstakes AbenteuerSeemannsgarn an Land
»Käpt’n Senkstakes Abenteuer«

Der in Bremen geborene Hans-Joachim Kulenkampff (1921-1998) ist auch heute noch zahlreichen Fernsehzuschauern bekannt, zählte er doch von den 1960er bis in die 1980er Jahre zu den großen Legenden der deutschen Samstagabendunterhaltung. Immer wieder versuchte sich Moderator „Kuli“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wurde, aber auch als Schauspieler – mit eher gemischtem Erfolg.

Käpt’n Senkstakes AbenteuerNach wie vor am beliebtesten dürften seine Schauspielauftritte an der Seite Heinz Erhardts („Immer die Radfahrer“, „Drei Mann in einem Boot“) sein, aber auch seine Titelrolle in der Kinoklamotte „Dr. med Fabian – Lachen ist die beste Medizin“ erfreut sich dank zahlreicher Wiederholungen einiger Popularität. Mit der Rolle des Käpt’n Senkstake wurde Hans-Joachim Kulenkampff Anfang der 1970er Jahre sogar eine Paraderolle regelrecht auf den Leib geschrieben. In drei Fernsehfilmen, die innerhalb eines halben Jahres 1974 in der ARD ihre Erstausstrahlung erfuhren, spielte er darin den Bremer Kapitän Senkstake, der noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges die Weltmeere bereist und gemeinsam mit seinem Leichtmatrosen Bruno (Frithjof Vierock) die tollsten Abenteuer erlebt – allesamt übrigens an Land, denn vom Schiff Senkstakes sehen wir in den drei abendfüllenden Filmen, die Rolf Olsen inszenierte, insgesamt herzlich wenig.

Käpt’n Senkstakes AbenteuerGleich der erste Beitrag „Ay, ay, Sheriff“ beginnt mit dem Untergang des Kahnes, was zur Folge hat, dass Senkstake (Hans-Joachim Kulenkampff) und Bruno an der amerikanischen Küste an Land gehen. Dort treffen sie direkt auf gefährlich anmutende Indianer und werden Zeuge eines brutalen Postkutschenüberfalls. Als es sie dann nach Bloody-Town verschlägt, sind die Einwohner erleichtert, dass wieder einmal unwissende Fremde bei ihnen auftauchen. Schnell ernennen sie Senkstake zum Sheriff des Ortes, weil es sich der gefürchtete Bandenchef Black Jack (Erik Schumann) zur Gewohnheit gemacht hat, jeden Mittwoch den derzeit amtierenden Sheriff des Städtchens zu erschießen. Senkstake stehen schwierige Zeiten bevor. In „Das Spukschloß von Baskermore“ macht das ungleiche Gespann in Schottland seinen Landgang, um schon nach wenigen Augenblicken auf die aparte Polly Lobster (Gracia Maria Kaus) und ihren jüngeren Bruder Donald (Peter Buchner) zu treffen. Die beiden haben das Titel gebende Schloss geerbt, auf dem es allerdings spuken soll. Zur Unterstützung der hilflosen Erben begleiten sie die beiden Seemänner und müssen feststellen, dass der sinistre Butler Patrick (Eddi Arent) und seine Komplizin Phyllis (Gusti Wolf) alles dafür tun, um die unerwünschten Erben aus dem Schloss wieder zu vertreiben. Der dritte und letzte Film der Reihe trägt den Titel „Ehrenhäuptling der Watubas“ und ist in der kaiserlichen Kolonie Deutsch-Ostafrika (dem heutigen Ruanda) angesiedelt. Senkstake und sein Assistent Bruno eilen darin der jungen Sylvia Königsfeld (Astrid Jacob) zu Hilfe, deren Onkel Lorenz (Ralf Wolter) von einem Sklavenjäger (Raimund Harmstorf) entführt worden ist. Fälschlicherweise werden Senkstake und Bruno von einem Geistlichen (Rolf Olsen) und dem vor Ort stationierten deutschen Major von Treptow-Teltow (Karl Lieffen) für die Sklavenhändler gehalten und von Schwester Ludburga (Brigitte Mira) mittels eines Schlafmittels außer Gefecht gesetzt. Wieder einmal ist Senkstakes Einfallsreichtum gefragt, um aus der brenzligen Situation herauszufinden und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Käpt’n Senkstakes AbenteuerWer die Regiearbeiten des Österreichers Rolf Olsen (1919-1998; „Unsere tollen Tanten“, „Das Go-Go-Girl vom Blow-Up“ oder „Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon“) kennt, der weiß, dass es dem Filmemacher nicht um ein hohes Niveau oder das Absahnen von Preisen auf Filmfestivals ging – mitunter hat er auf diese Tatsache sogar selbstironisch im Vorspann seiner Filme hingewiesen! Deswegen kann man die drei Beiträge zu „Käpt’n Senkstakes Abenteuern“ auch höchstens aufgrund ihres Trashfaktors und des damit verbundenen albern-skurrilen Humors auch heute noch genießen. Slapstickgags, Zeitrafferaufnahmen und inszenatorische Unzulänglichkeiten sind an der Tagesordnung, aber die oftmals sehr gut besetzten Nebenrollen entschädigen für so manchen Patzer. Dass die drei Filme an Originallocations entstanden, macht sie darüber hinaus auch heute noch interessant und ungewöhnlich. Hans-Joachim Kulenkampffs schauspielerisches Talent hält sich arg in Grenzen, aber er ist sich auch für keine Blödelei zu schade und schlüpft, bei Olsens Filmen ohnehin unvermeidbar, auch einmal in Frauenklamotten, um sein Publikum zu amüsieren. Die DVD-Erstveröffentlichung präsentiert die drei jeweils ca. 75minütigen Filme auf zwei Scheiben im seinerzeit üblichen Fernseh-Vollbildformat (1,33:1) und mit dem deutschen Ton in Dolby Digital 2.0 Stereo. Abgesehen von gelegentlichen Filmstreifen und kürzeren Fehlstellen im Material geht die technische Qualität soweit in Ordnung. Bonusmaterial ist keines vorhanden.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-01-17 14:59
Kann ich mich gut erinnern - "Senkstake" lief meines Wissens Samstags um 20:15. Ich würde mir die DVD glatt zulegen - schon rein aus nostalgischen Gründen. Damals war ich vorallem auf "Das Spukschloss von Baskermore" gespannt, aber dann fand ich den Teil doch ziemlich enttäuschend. Wer sich die drei Teile heute reinziehen will, wird natürlich mit einer geradezu banal einfach gestrickten Erzählweise konfrontiert - man sich halt vorbehaltlos drauf einlassen können.

Naja, nicht nur Kuhlenkampff konnte als Schauspieler kaum Punkte sammeln - das gilt ebenso für seinen Co-Star Frithjof Vierrock, der hier auch nichts anderes bringt als in seinen sonstigen TV-Slapstick-Einlagen.

Wie gesagt, wenn die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden..und man sich auf abstruse TV-Nostalgie einlassen möchte (wie meiner einer eben..) - dann kann das schon ein bisserl Spass bringen..
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#2 Harantor 2019-01-17 16:28
Ich war damals zehn und leicht zu erheitern, aber von Senkstake fand ich den Western gerade noch erträglich. Aber schon die beiden Folgeabenteuer erschreckten mich so, dass ich keinen der Filme wiedersehen wollte. Nicht wirklich.
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#3 Thomas Mühlbauer 2019-01-17 18:21
Über Jahre ist mir aus der Kindheit "Das Spukschloß von Baskermore" wegen der Kutschfahrt durch das Moor in Erinnerung geblieben. Vor einigen Jahren hatte ich mir eine alte VHR-Kassette gekauft, um den Film nochmals zu sehen. Ganz großer Fehler!
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