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Comics aus der Grabbelkiste: Der ewige Krieg

Comics aus der Grabbelkiste

Der ewige Krieg

Von Joe Haldeman und Marvano

Im Jahr 2010 entbrennt ein Krieg zwischen der Menschheit und der außerirdischen Spezies der Tauren. William Mandella wird zum Militärdienst eingezogen und muss sich im Kampf gegen einen Feind behaupten, von dem die Menschen zunächst weder wissen, wie er aussieht oder wie er kämpft. Doch die Tauren sind nicht sein einziger Gegner, denn auch die Zeit arbeitet gegen ihn. Aufgrund der relativistischen Zeitdilatation vergeht für ihn während seiner Reisen durchs All deutlich weniger Zeit, als auf der Erde. Als er nach seinem ersten Einsatz zurückkehrt, sind dort bereits Jahrzehnte vergangen. Die Gesellschaft hat sich so grundlegend verändert, dass Mandella seine eigene Heimat kaum wiedererkennt.

 

Im Jahr 1974 veröffentlicht Joe Haldeman seinen Roman „Der ewige Krieg“, in dem er seine Erfahrungen als Soldat im Vietnamkrieg verarbeitet. Er transferiert seine realen Kriegserlebnisse in den Weltraum und schildert die Erlebnisse des Soldaten William Mandella, der im Jahr 2010 zum Militärdienst eingezogen wird, um im Krieg gegen die Tauren zu kämpfen. Der Roman ist mehrfach ausgezeichnet worden und gilt heute als ein Klassiker des Genres.

Er ist bekannt für seine kritische Auseinandersetzung mit Krieg und militärischen Strukturen. Ein zentraler Bestandteil liegt in der Beschreibung der Entfremdung des einzelnen Soldaten, wenn er nach dem Krieg in die Heimat zurückkehrt. Haldeman selbst diente ab 1967 als Pionier in der US-Army und kehrte 1969 nach einer schweren Verwundung in die USA zurück. Die Erfahrungen der Entfremdung waren ihm ein besonderes Anliegen, denn die traumatisierenden Erfahrungen erschwerten eine Rückkehr in ein normales Leben. Im Roman greift Haldeman auf einen Trick zurück, der die Entfremdung ganz besonders in den Mittelpunkt rückt. Nach der Relativitätstheorie von Albert Einstein bewegen sich die Raumschiffe im Weltraum mit hoher Geschwindigkeit, so dass dort lediglich ein paar Tage verstreichen, während die Zeit auf der Erde um einige Jahre fortgeschritten ist. Für Mandella vergeht die Zeit im Weltraum daher wesentlich langsamer, als auf der Erde. Das macht die Entfremdung buchstäblich messbar, denn nach seinem ersten Einsatz sind Freunde und Angehörige alt geworden, während er selbst kaum älter geworden ist.

Ab dem Jahr 1988 erschien die dreiteilige Comicadaption in Frankreich, die ab dem Jahr 1991 in deutscher Übersetzung beim Carlsen Verlag vorlag. Unterstützung erhält er von dem belgischen Zeichner Mark van Oppen, der die Bände unter seinem Künstlernamen Marvano gestaltet. Die Comics sind eine nahezu werkgetreue Adaption des Romans, nimmt jedoch einige notwendige Kürzungen und Verdichtungen vor, um den Charakter des Mediums zu erhalten. Und so entsteht ein spannender Comicroman, von dem man nicht vermuten würde, dass er nicht für genau dieses Medium erschaffen wurde.

Der Comic ist in drei Teile gegliedert, zwischen denen jeweils größere Zeitsprünge stattfinden. Haldeman orientiert sich dabei im Wesentlichen an der Struktur seines Romans, der hingegen in vier Teile unterteilt ist. Im ersten Band wird Mandella zum Militärdienst eingezogen und in den Einsatz in den Krieg gegen die Tauren geschickt.

Auf dem Planeten Aleph kommt es zum ersten Zusammenstoß der beiden Konfliktparteien. Der erste Vorstoß erinnert an ein Kommandounternehmen einer amerikanischen Einheit im Dschungel Vietnams. Die Einheit wird von Landebooten abgesetzt und der Feind bleibt unsichtbar. Zu diesem Zeitpunkt weiß die Menschheit weder, wie die Tauren aussehen, noch wie sie kämpfen. Die Ängste der Soldaten münden in eine brutale Auseinandersetzung, in der die Menschen die Tauren nahezu völlig niedermetzeln. Nur eine kleine Einheit des Feindes entkommt, denn die Tauren sind diese Art des Kämpfens nicht gewohnt. Damit haben die Menschen selbst die Maßstäbe gesetzt, nach denen dieser Krieg in den nächsten Jahrhunderten verlaufen wird.

Im zweiten Band dauern die Kämpfe an und auf der Erde sind 26 Jahre vergangen, als Mandella in die Heimat zurückkehrt. Die Gesellschaften auf der Erde haben sich weiterentwickelt und er findet sich dort nicht mehr zurecht. Seine Familie und Freunde befinden sich im fortgeschrittenen Alter und er findet keine Anknüpfungspunkte. Sein einziger Halt ist seine Kameradin Marygay, mit der er im Weltraum viel Zeit verbracht hat, so dass sie sich schließlich ineinander verliebt haben. Gemeinsam beschließen sie, dem Zivilleben auf Erde den Rücken zu kehren und sich für einen neuen Fronteinsatz zu verpflichten. Doch dann kommt das böse Erwachen. Sie werden unterschiedlichen Einheiten zugeteilt und durch die Zeitdilatation werden sich beide im Weltraum in unterschiedlichen Zeiten bewegen.

Der dritte Band setzt im Jahr 2471 ein und der Krieg wird fortgesetzt, von dem schon niemand mehr weiß, von wem und warum er eigentlich mal begonnen wurde. Und dies ist wahrscheinlich eine der zentralen Botschaften der Geschichte. Das Thema ist zeitlos und wiederholt sich bei nahezu allen Kriegen, die es jemals gegeben hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Nah-Ost-Konflikt, der nun schon über mehrere Jahrhunderte anhält.

Neue Rekruten werden Mandellas Einheit zugeteilt, und die gesellschaftlichen und persönlichen Veränderungen unter den Menschen werden immer augenscheinlicher. Längst sind künstliche Menschen und Klone Realität geworden.

Im Jahr 3177 Erdzeit erfährt Mandellas Einheit schließlich vom Ende des Krieges. Tatsächlich wurde der Konflikt bereits 221 Jahre zuvor beendet. Aufgrund der relativistischen Zeitdilatation und der enormen Entfernungen im Weltraum erreicht diese Nachricht Mandella und seine Kameraden jedoch erst mehr als zwei Jahrhunderte später. Für sie endet damit ein Krieg, der aus Sicht der übrigen Menschheit längst beendet ist. Dieser extreme zeitliche Abstand unterstreicht noch einmal Mandellas Entfremdung. Er hat für eine Gesellschaft gekämpft, die in ihrer ursprünglichen Form längst nicht mehr existiert. Und darin liegt eine weitere Stärke der Geschichte. Ein Schrecken am Krieg liegt darin, dass Menschen dort kämpfen und sterben. Der weitaus größere Schrecken liegt wahrscheinlich darin, dass niemand mehr weiß, warum überhaupt noch gekämpft wird.

Den heimkehrenden Veteranen werden Planeten angeboten, auf denen sie sich niederlassen und ein neues Leben beginnen können. Mandella erhält von Marygay eine Nachricht aus der Vergangenheit, dass sie zu ihm zurückfinden will. Nun müssen die beiden durch Weltraumflüge die Zeitlinien so abgleichen, dass sie zu einem Zeitpunkt aufeinandertreffen. Die Zeitdilatation, die Mandella während des Krieges immer weiter von seiner vertrauten Welt und schließlich auch von Marygay getrennt hat, führt am Ende dazu, dass sie wieder zueinander finden.

Marvano verleiht dem Comic mit seinen Zeichnungen eine eigene Note. Sein Stil steht in der Tradition der großen europäischen Science-Fiction-Comics, wie sie von Jean Giraud oder anderen realistischen Comiczeichnern in den 70er und 80er Jahren etabliert worden sind. Die Weltraumszenen erinnern an filmische Vorbilder wie 2001 und die technischen Motive bei den Raumschiffen und Waffen könnten auch aus Kampfstern Galactica stammen. Die Zukunft wirkt nicht so bunt und überladen, wie in einer Space Opera. Die Ausrüstungsgegenstände wirken kalt und realistisch und spiegeln die Härte des Konfliktes wider. Optisch mag der Leser zunächst Militäry-SF vermuten und tatsächlich ist der Leser nahe am Kampfgeschehen dabei. Die Kämpfe sind hingegen kein Selbstzweck, sondern lassen den Leser die Sinnlosigkeit des Krieges aus nächster Nähe miterleben.

Der ewige Krieg ist ab 1991 in drei Ausgaben im Softcover beim Carlsen Verlag erschienen. Je nach Zustand sind die Alben für 5,00-8,00 € je Exemplar zu bekommen. Aufmerksame Sucher könnten sich den kompletten Mehrteiler für 15,00€ zusammenstellen. Mehr als 25,00 sollte man allerdings nicht ausgeben. Im Jahr 2011 hat Carlsen eine Gesamtausgabe aufgelegt, für die der Leser 45,00 – 50,00€ hinlegen muss. Eine Neuauflage haben die Comics bis heute nicht erhalten.

 

Der ewige Krieg

Autor: Joe Haldeman
Zeichner: Mark van Oppen (Marvano)

Band 1: Die Tauren
Erstveröffentlichung: Februar 1991

Band 2: Rückkehr in die Zukunft
Erstveröffentlichung: August 1991

Band 3: Index
Erstveröffentlichung: Februar 1992

Edition Comic Art im Carlsen Verlag

 

08/2026

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