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Auf einen Kaffee

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneKaffeepausengeschichten
Ein Selbstversuch

Verlage verlegen Bücher!

So einfach ist das! Wirklich?

Ab und an gibt es auch interessante Konzepte und neue Ideen. Ein solches Konzept hat jetzt der Textlustverlag entwickelt.


Kaffeepausengeschichten"Kaffeepausengeschichten" bietet für kleines Geld Miniromane für jeweils eine halbe bis Dreiviertelstunde.

Pro Band werden zwei Geschichten angeboten "zum Abtauchen und entspannen". Dazu gibt es dann noch ein "Rezept" für den kultigen Lesegenuß. Klingt erstmal interessant und innovativ.


Hier nun mein entsprechender Selbstversuch!

Tja und schon bei der ersten Geschichte wurde es schwierig! Da heißt es im Rezept für den kultigen Lesegenuss: "Wo lesen? In einem Straßencafé mit Blick auf einen Dom oder auf eine Kirche". Wo in aller Welt finde ich an der Küste einen Dom oder ein Straßencafé mit Blick auf eine Kirche? Und weiter heißt es: "Wann lesen? Bei Sonnenuntergang". Beim bekanntermaßen rauhen Küstenklima kann man schlecht bei Sonnenuntergang draußen sitzen. Was tun? Warten bis zum Sommer?

Zum Glück gibt es noch die zweite Geschichte. Dort lautet das Rezept: "Im Garten oder einem öffentlichen Park unter einer Tanne" lesen. Als Zeitpunkt wird die Stunde vor der Dämmerung empfohlen. Gut, das ist zu machen. Als weitere Zutaten benötige ich "einen Krug voll naturreinen Traubensaft, so rot wie Blut, einen Trinkbecher aus alter Zeit und eine Semmel ohne Belag." Also auf zum Kauf ins Einkaufscenter. Traubensaft ist kein Problem, mit der Semmel gerate ich aber etwas ins Schleudern. Das ist doch so eine Art Brötchen oder? Mein Bäcker weiß Rat und versorgt mich mit dem passenden Nahrungsmittel. Frohgemut geht es am Abend in den Garten unter die Tanne.

Es ist schon ein besonderes Lesegefühl. Durch die Vorbereitungen hat sich eine entsprechende Erwartungshaltung aufgebaut. Nur selten gelingt es sonst, sich so auf eine Geschichte einzulassen. Aber ich muß gestehen, die Geschichte um den Vampir zieht mich so in den Bann, dass Traubensaft und Semmel unberührt vor mir stehen bzw. liegen bleiben.

Die beiden Geschichten stammen aus der Feder von Angela Mackert, die auch als Herausgeberin fungiert. Sie wird folgendermaßen vorgestellt: "Nach einer Karriere als Geschäftsführerin erfüllte sie sich ihren Lebenstraum und gründete eine eigene Schule für Astrologie und Tarot. Die Expertin für Esoterik veröffentlicht gefragte Fachbücher und Fernlehrgänge. Ihre Geschichten und Fantasyromane sind von einem mystischen und geheimnisvollen Flair durchzogen".

In "Die Nacht des Gargoyle" geht es letztendlich um die Begegnung mit dem Tode. Die Geschichte ist dabei so geschickt formuliert, dass sie es dem Leser ermöglicht, sich selbst und Teile seiner eigenen Geschichte wiederzufinden. Man denke an die Ausführungen von Jacqueline Lichtenberg zu guten Romanen im Zauberspiegel.

"Meine Augen durchdringen die Sphären. Meine Nase wittert Wesen, die sich zwischen Himmel und Erde Zutritt in diese Welt verschaffen. Meine Ohren hören ihr Wispern und meine Zunge schmeckt die Absicht, mit der sie kommen. Die dunklen Geister meiden mich. Ich bin für sie gefährlich, denn durch meinen Körper fließen die Wasser der Schamajim, die sie in den Schlund ihrer Hölle zurückbefördern. Wenn sie können, gehen sie mir aus dem Weg. Mir ist das einerlei. Ich bin, was ich bin, ein Gargoyle." (S.13)

"Begegnung mit einem Vampir" lässt mich als Leser dagegen am Ende eher ratlos zurück.

"Der Mond stieg auf und die Nacht legte sich wie Blei über den Wald. Die Konturen der Bäume verschmolzen zu einer unheimlich wirkenden Masse. Am Eingang zur Höhle raschelte es. Stefans Hände krallten sich an den Baumstamm. Ein Mann in schwarzem Umhang trat vor den Felsen. Als er den Kopf wandte, erblickte Stefan ein Gesicht, das im Sternenlicht wie Alabaster schimmerte. Ein altersloses Gesicht. Die hohe Stirn, die Wangenknochen und das markante Kinn ließen es ausgesprochen männlich erscheinen. Der Ausdruck darin war jedoch überraschend sanft. Er verlieh den Gesichtszügen atemberaubende Schönheit. (S.38)

Beide Geschichten sind so geschrieben, dass man sie am liebsten in einem Zuge durchliest. Sie lassen Raum für eigene Überlegungen und Interpretationen. Der Verlag ordnet sie unter "Fantasy" ein. Zumindest die Story um den Vampir könnte aber auch unter dem Label Grusel laufen.

KaffeepausengeschichtenFazit: Wer Lust auf etwas Besonderes hat und neugierig auf ungewohnte Leseabenteuer ist, der sollte beruhigt einmal zu den Kaffeepausengeschichten greifen. Dort ist inzwischen auch schon der Band zwei erschienen.

Kaffeepausengeschichten Bd.1
Angela Mackert (Hrsg.)
enthält:
"Die Nacht des Gargoyle" u. "Begegnung mit einem Vampir" von Angela Mackert
60 Seiten
Euro 3,95
textlustverlag 2011



Kommentare  

#1 Kerstin 2012-06-24 17:42
Also, bei dem Titel hätte ich jetzt eher Schnulzenromane erwartet.

Da es auch bei uns kein Straßencafé mit Kirchblick gibt und in meinem Garten Obstbäume, aber keine Tannen stehen, bin ich jetzt aber sehr im Zweifel, ob ich das überhaupt angemessen lesen könnte.
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