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Der Heftroman - Ronco 412 - Die Kinder der Hölle

Der Heftroman - ExposesDie Kinder der Hölle
(Exposé des Ronco-Romans 412)

Exposés von Heftromanserien gehören zu den Geheimnissen dieser Welt. Nur wenige von ihnen sind bisher in die Öffentlichkeit gelangt. Auch die Exposés der Westernserie »Ronco« waren bisher ›Terra incognita‹. Außerhalb des Autorenteams und der redaktionellen Mitarbeiter hat bisher nur der ZDF-Journalist Jörg Weigand Einblick erhalten. Doch nun steht eine Premiere an. Dietmar Kuegler überließ uns ein Exposé der Serie »Ronco«.

 

Der Zauberspiegel wird dieses Exposé zum ersten Mal der interessierten Öffentlichkeit präsentieren, um einen kurzen Blick hinter die Kulissen zu gewähren ...
 
Dafür sagen wir Danke, Herr Kuegler!

Das Exposé wurde kopiert, gescannt und von Uwe Schnabel mittels Texterkennung in den hier wiedergegebenen Text verwandelt. Das Exposé ist weder gekürzt noch bearbeitet.

Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

Horst von Allwörden
Die Kinder der HölleRONCO – Der Wells-Fargo-Mann
Exposé für Heft 412
Von Dietmar Kuegler
Autor: Krebs

Titel: Die Kinder der Hölle
(Ihre Heimat war der Schienenstrang - und sie kannten nichts als die Schlechtigkeit der Welt)

Mit diesem Roman beginnt ein neuer, 4 Romane umfassender Zyklus. Trotzdem sollte der Autor sich mit dem vorhergehenden Roman vertraut machen, in dem RONCO auf eine Spur seiner Vergangenheit stößt, da diese Frage auch in dieser Story immer wieder am Rande anklingen wird. RONCO ist nach den letzten Abenteuern endlich nach Prescott, seinem Hauptsitz, zu seiner Familie zurückgekehrt. Aber der Fund eines Medaillons, das des seinen haargenau gleicht, hat ihn doch tief aufgewühlt. Seitdem denkt er oft an seine Kindheit zurück und an die vielen offenen Fragen, die seine Herkunft betreffen, seine Eltern, die er nicht kennt, und evtl. Geschwister. Das Auftauchen eines zweiten Medaillons mit jenem Frauenbild, in dem er die Darstellung seiner Mutter vermutet, beweist, daß Angehörige von ihm überlebt haben müssen, als der Treck überfallen wurde, in dem er später als schreiendes Baby von Mönchen gefunden wurde. Vielleicht leben noch immer Angehörige... Diese Frage wird im RONCO von nun an immer mehr beschäftigen.

Beherrscht werden die Geschichten der nächsten 4 Romane aber von einer Halbwüchsigen-Bande von Tramps, einer straff organisierten Horde von verwahrlosten Kindern, die als Hobos - Eisenbahnlandstreicher -, als blinde Passagiere auf Prachtzügen durch das Land ziehen und betteln, rauben und plündern.

1) Carizo-Spring, eine Kleinstadt in den Ausläufern der Sierra Chasca, direkt auf der Grenze zwischen den US-Staaten New Mexico und Arizona. Die Eisenbahnlinie führt von Osten nach Westen durch den Ort. Eine rauhe, von zerklüfteten Bergen beherrschte Gegend. Von Osten kommend rollt ein Frachtzug in die Station ein. Die Sonne geht bereits unter. Ein Stückchen vor der Stadt springen von den hinteren Wagen des langsam rollenden Zuges kleine, schmächtige Gestalten und hasten auf die Stadt zu. Unweit der Bahnstation werden sie von zwei weiteren Gestalten erwartet. Es handelt sich bei diesen Gestalten um 12 - 15jährige Jungs, rauhe Gesellen in zerlumpter Kleidung, die fast nichts Kindliches mehr an sich haben. Abgerissen, mit kalten Augen - junge Wölfe. Sie stürmen durch Seitengassen, geführt von den beiden, die sie hier erwartet haben, zur Hauptstraße und hier zum Gebäude der „Carizo City Bank“. Dort befinden sich nur noch wenige Kunden in der Schalterhalle, als die Bande der jungen Tramps hereinstürmt. Vorher hat niemand auf sie geachtet. Schmutzige, herumlungernde Kinder werden nicht besonders registriert in diesen Tagen und in dieser Gegend. In der Bank aber ziehen  diese Jungs schwere Revolver unter ihren Lumpen hervor und überrumpeln das Bankpersonal. Angeführt werden die Jungs von einem stämmigen, ca. 16 Jahre alten Jungen, der präzise Anweisungen gibt. Keiner der Jungs verliert die Nerven. Sie handeln wie kaltblütige Profis und wissen offensichtlich genau über die Örtlichkeiten Bescheid. - Die Kindern rauben die Bank aus und stürmen genauso schnell, wie sie gekommen sind, auf die Straße zurück. Sie teilen sich und entwischen durch verschiedene Seitengassen, während in der Bank laut Alarm geschrien wird. Nach wenigen Minuten sind alle Jungs wieder in der Nähe der Bahnstation vereint und springen in der Dämmerung auf zwei gerade nach Westen abrollende Frachtzüge. Der stämmige Anführer ruft noch: "Treffpunkt, nächster Wassertank!". Dann sind sie auf und davon, bevor überhaupt jemand in der Stadt begriffen hat, was passiert ist. Es hat alles geklappt wie am Schnürchen.

2) RONCO ist die ersten Tage wieder in Prescott und hat etwas Ruhe, sich um Manuela und Jellico zu kümmern. Er hat die beiden auf einen Zweispänner gepackt und ist mit ihnen losgefahren, seinen alten Freund Feder Pokrowsko zu besuchen, der - wie er gehört hat - inzwischen in seiner neuen Wirkungsstätte eingetroffen ist: Eine kleine Überlandstation der Wells Fargo bei Montesuma Well, 70 - 80 Meilen östlich von Prescott. Dort wird Feder seine Pferde nur noch für die Wells Fargo züchten. (Siehe auch Exposé 407.)

Feder ist mit einigen wenigen Pferden, darunter auch WILDCAT, schon eingetroffen und hat sich im eingerichtet. LOBO und ein Cowboy der Braddock-Ranch treiben die restlichen Pferde des Russen von New Mexico aus hierher, sie werden in den nächsten 2 Wochen eintreffen. - Feder ist hocherfreut, RONCO, Manuela und Jellico zu sehen. Er arbeitet noch allein, wird sich aber bald einen Helfer anstellen müssen. RONCO staunt:

Fedor fertigt die Wells-Fargo-Kutschen ab, als habe er nie im Leben etwas anderes getan. Er scheint die neue Selbständigkeit zu genießen, der Wechsel von der Braddock-Ranch nach Arizona hat ihm offenbar keine Schwierigkeiten bereitet. - Wildcat gerät wieder ganz aus dem Häuschen, als RONCO vor ihm steht. Der Hengst überspringt glatt das Korral-Gatter und läuft RONCO entgegen, als der Wagen auf dem Hof hält. Obwohl RONCO in FOX einen guten Ersatz gefunden hat, weiß er doch, daß er ein Pferd wie den Rapphengst WILDCAT nie mehr haben wird. Aber das Alter Wildcats ließ ein abenteuerliches Leben nicht mehr zu, und als Deckhengst hat er sich hervorragend bewährt.

Diese Szene soll RONCO einmal richtig als Familienvater zeigen, abseits aller Gefahr und Bedrohung.

Fedor bemüht sich rührend um seinen Besuch, und Jellico hat keine Angst vor dem riesigen, furchterregenden Russen. - Während Manuela und Jellico sich auf dem Gelände der Station umsehen und Jellico auf WILDCAT reitet, setzt sich RONCO mit Fedor im Haus zusammen und zeigt ihm die beiden Medaillons. Er erzählt dem Russen seine Geschichte, redet von der Vergangenheit, von dem Wunsch, zu wissen, woher er stammt, wer seine Vorfahren sind. – Aber er ist unsicher geworden. Ist es wirklich nötig, die alten Geschichten aufzuwühlen? Immerhin ist es über 30 Jahre her,  daß er als kleines Kind von Mönchen gefunden wurde. Er braucht einen Rat.

Im dem Gespräch mit Fedor soll deutlich werden, wie sehr RONCO sich innerlich aufgewühlt fühlt, wie sehr ihn die Frage seiner Abkunft verfolgt.

Fedor, der nicht alle Einzelheiten von RONCOS Leben kennt, erzählt wehmütig von Rußland und meint dann, jeder Mensch solle seine Wurzeln kennen. In seinen einfachen Worten gibt er RONCO zu verstehen, daß die Herkunft und Vergangenheit eines jeden Menschen zu seinem Leben gehört. Und vielleicht wird Jellico einmal fragen, wer seine Großeltern waren, woher sein Vater kommt. Aber da RONCO schon so viel Bitteres erlebt hat, müsse er selbst entscheiden, ob er die alten Dinge ruhen läßt. Fedor rät, RONCO solle auch mit LOBO darüber sprechen und sich vor alles mit Manuela beraten. Aber RONCO spürt aus den Worten des Russen, das dieser der Meinung ist, er solle die Spur in die Vergangenheit weiter verfolgen. - RONCO, Manuela und Jellico bleiben über Nacht und brechen am nächsten Morgen wieder auf. Fedor dankt RONCO, der nur wehmütig wieder Abschied von WILDCAT nimmt. Insgesamt genommen aber hat ihm dieser Ausflug gutgetan.

Zum erstenmal seit langem hatte er endlich einmal Frieden, und er wünscht sich, daß es öfter so sein sollte.

3) Zur gleichen Zeit geschieht nur 5 Tagesritte östlich etwas, was bald in RONCOS Leben eingreifen wird: Durch das kleine Städtchen Log House führt die von New Mexico kommende Linie der "Atlantic-Pacific-Railroad", die ganz Nord-Arizona durchquert. Von Log House aus kann man in die Postkutsche umsteigen und ins Landesinnere fahren. Also hat hier die Wells Fargo - wie in vielen anderen Nestern an der Bahnlinie auch - eine Agentur. - Abseits der Mainstreet von Log House lungern an diesem Tag mehrere abgerissene und zerlumpte Kinder herum. Vor der Wells Fargo Agentur steht eine Kutsche mit 3 Passagieren. Der Wagen wird gerade abgefertigt, erhält ein neues Gespann, und unter dem Bock wird die Kiste mit den Wertbriefen festgezurrt. - Ein kleiner Junge von vielleicht 11/12 Jahren schlendert langsam auf die Agentur zu. Gerade treten der Kutscher und der Begleitmann heraus. Der Junge pirscht sich an die beiden ran und reißt unvermittelt dem völlig verdutzten Begleitmann die Winchester aus der Händen. Dann rennt er damit los. Beide Männer nehmen sofort schimpfend und rufend die Verfolgung auf. Der Junge aber flitzt mit dem Gewehr um einige Ecken. Und kaum haben sich Kutscher und Begleitmann ein Stück entfernt, sausen aus Gassen und Hofeingängen andere Jungs hervor. Darunter auch der stämmige Anführer der kleinen Tramps. Er springt auf den Kutschbock, begleitet von einem zweiten. Zwei andere nehmen auf dem Dach Platz. Dann rollt die Kutsche bereits aus der Stadt, während die überraschten Passagiere nur noch Protestschreie ausstoßen können, aber sich nicht wehren können. Ein Stück außerhalb von Log House, in der Nähe des Schienenstrangs, hält die Kutsche an. Weitere Jungs kommen herangeeilt und zerren die Passagiere aus der Kutsche, die kaum glauben was ihnen geschieht. Ein paar Jungs brechen die Wertkiste auf, andere räubern die Passagiere aus, die sofort begreifen, daß sie es nicht mit ein paar spielenden Kindern sondern mit hartgesottenen Räubern zu tun haben. - Kaum sind die Boys fertig, rollt aus der Stadt ein Zug mit einigen Frachtwaggons am Ende. Die Jungs lassen die Kutsche und die Passagiere stehen und eilen zum Bahndamm, wo sie geschickt auf den fahrenden Zug aufspringen und sich auf die Frachtwaggons verteilen. Schon nach einigen Meilen kommt ein Wassertank in Sicht, wo die Jungs abspringen und ihren Triumph feiern. Es wird deutlich: Die Jungs sind ausgekochte Eisenbahntramps, Sie kennen das Schienennetz genau und wissen, wie und wann die Züge verkehren, mit denen sie mitreisen können. Immer sind ein paar Jungs einzeln unterwegs, um in den Stationen entlang der Strecke zu spionieren und nach Raubmöglichkeiten Ausschau zu halten. Sie treffen sich an den Wassertanks auf freier Strecke mitten in den Prärien und sind straff organisiert. Dort hinterlassen sie auch jeweils für die anderen Nachrichten in Form von Markierungen, Messerschnitten, an den hölzernen Pfosten der Tanks. Hinter all ihren Bewegungen steckt ein ausgeklügeltes System, wie man es nur lernt, wenn man sein Leben als Tramp zubringt und somit in einer eigenen Welt lebt. Erschreckend daran ist nur, daß es sich noch um Halbwüchsige handelt.

4) RONCO ist wieder in Prescott. Hier ist es sofort mit seinem friedlichen Ausflug vorbei. Er wird bereits von Henry Duncan, dem Wells-Fargo-Agenten, händeringend erwartet. Die kurze Zeit der Ruhe ist vorbei. Duncan berichtet ihm, daß in Log House ein besonders tollkühner und dreister Kutschenüberfall stattgefunden habe. Nicht nur die Wertbriefe mit einem Inhalt von rund 5.000 Dollar seien gestohlen worden, auch die Passagiere sind bis aufs Hemd ausgeplündert worden. Und das Verrückte daran: Die Täter waren Kinder. - RONCO ist schockiert. Er will sich sofort darum kümmern und gleich aufbrechen. Vorher allerdings weiht er auch Duncan noch in sein Problem ein, das er seit dem Auftauchen des 2. Medaillons hat. Duncan rät ihm, die Sache nicht aus den Augen zu verlieren. RONCO berichtet ihm, daß dieses 2. Medaillon von einem Indianerhändler namens Calego in der Nähe von San Rafael, Mexiko verkauft worden ist. Duncan versichert ihm, er werde die Beziehungen der Wells Fargo nutzen, um RONCO in dieser Sache zu helfen. - RONCO begibt sich rasch zu seinem Haus, wo Manuela schon Marschproviant eingepackt hat. RONCO sattelt FOX. Und da Jellico gleich mit zur Schule soll, nimmt er seinen Sohn mit in den Sattel und reitet mit ihm nach Nordosten. Neben der Schule setzt er ihn ab und reitet rasch weiter, dreht sich aber immer wieder um seinen Sohn zuzuwinken. Er weiß, daß vor ihm Gefahr und Gewalt warten und er den Frieden, den er in den letzten Tagen so sehr genossen hat, jetzt wieder zurückläßt.

5) Im Schatten einiger riesiger Wassertanks an der Bahnlinie in der offenen Prärie lagern die halbwüchsigen Tramps. Sie sind jetzt fast alle zusammen. Rund 20 Mann. Auf den verschiedenen Frachtzügen sind sie angekommen und hier abgesprungen. Der Anführer ist auch da. Er wird "Railway Kid", oder einfach nur "Kid" genannt. Seinen richtigen Namen kennt niemand. Vor ihm wird die Beute der letzten Überfälle ausgebreitet. Die anderen scharen sich um ihn, und er beginnt mit der Verteilung. Dabei werden auch die Machtstrukturen in dieser Bande deutlich: Kid herrscht nahezu absolut. Seinem Wort unterwerfen sich alle. Es gibt zwar Diskussionen, aber wenn er die Entscheidung gefällt hat, gehorchen alle. Er hat 3 Unterführer, Blue, Lucky und Root. Er und seine Stellvertreter erhalten einen größeren Anteil als die anderen. - Kid lobt seine Kumpane. Es hat alles wie am Schnürchen geklappt. Deutlich wird hier, daß diese Kinder früher nur von Betteleien und kleineren Diebstählen gelebt haben, so wie die meisten Hobos. Aber Kid, die ohne Zweifel stärkste Persönlichkeit, hatte die Idee, zu Straftaten größeren Kalibers überzugehen. Mit Recht hat er vorausgesetzt, daß kein Mensch von Kindern solche Verbrechen erwartet, so daß der Überraschungseffekt ihnen immer beistehen wird. Außerdem sehen für die meisten Erwachsenen zerlumpte, herumtrampende Kinder alle gleich aus. Niemand kann sie richtig beschreiben. Und wenn die Unternehmungen gut geplant sind, sind sie praktisch nicht zu packen: Denn Frachtzüge verkehren immer, so daß sie jedesmal blitzschnell den Ort ihrer Tat verlassen können. - Die anderen Jungs waren erst gar nicht so begeistert von dieser Idee. Aber Kid hat sich durchgesetzt. Seit New Mexico arbeiten diese Bürschchen mit dieser Masche, und sie sind erfolgreich. Es gibt keinen mehr, der dagegen wäre. Es sind trotz ihres jugendlichen Alters ausgekochte Burschen. Allesamt Waisenkinder, irgendwann aus Waisenhäusern oder Pflegefamilien fortgelaufen und zum Tramp geworden. Die kreuz und quer durch das Land führenden Schienenwege sind ihre Heimat. Sie haben nie etwas anderes kennengelernt, als Kampf ums tägliche Dasein. Ihnen wurde nie etwas geschenkt. Was sie haben wollten, mußten sie sich nehmen, und ständig mußten sie sich gegen andere wehren. Diese Jungs kennen die Welt nur von der Schattenseite. Im Grunde sind sie bedauernswerte, aber sehr gefährliche Subjekte, die sich nicht viel Gedanken über ihre Taten machen. Hauptsache, sie haben ihren Vorteil. - Nach der Verteilung der Beute holen sie Tabak heraus, rauchen und lassen Schnapsflaschen kreisen, was einige nicht vertragen. Sie feiern - aber einige der erwachsenen Hobos, die in der Nähe lagern, halten sich von diesen Kindern fern, betrachten sie mit Argwohn und sogar mit etwas Furcht. Kid sagt, jetzt werde Arizona abgegrast, danach komme Nevada dran und dann gehe es von Kalifornien aus nordwärts nach Oregon.

6) RONCO erreicht Log House. Hier ist noch alles in heller Aufregung, aber unternommen hat niemand etwas. Dafür ist das alles viel zu unglaublich: Kinder als kaltblütige  Straßenräuber. In der Wells Fargo Agentur ist inzwischen eine Nachricht eingetroffen, in der von einem Bankraub in Carizo Spring die Rede ist. Auch hier waren Kinder am Werk. RONCO spricht mit dem Kutscher und den Begleitmann, die ihm die ganze Geschichte erzählen. Auch für RONCO ist das schwer faßbar: Nach diesem Bericht haben die Kinder gehandelt wie eiskalte Profis. Dabei kennt RONCO sich in Hobo-Kreisen aus. Er weiß, daß viele Kinder unter den Eisenbahntramps sind, und er denkt an seine eigene Kindheit zurück: Auch er war zeitweise ein Tramp und ist auch mit der Eisenbahn gezogen. Er weiß auch, daß viele dieser Tramps in den Bahnstationen betteln und stehlen, Taschendiebereien begehen - manchmal auch nur, um im Winter ein Bett im Gefängnis zu kriegen. Aber noch nie ist von schwerer Kriminalität dabei die Rede gewesen. Erst recht nicht im Zusammenhang mit den kindlichen Tramps. RONCO, der seine eigenen bitteren Erfahrungen hat, hat diese Kinder immer bedauert. Keine Eltern, kein Zuhause, keine Geborgenheit. Aber er weiß auch, daß die Eisenbahntramps eine Art Ehrenkodex haben, eigene Gesetze, die solche kriminellen Akte ausschließen. Umso unfaßbarer ist das alles. - Er begibt sich zur Bahnstation und fragt das Personal nach den Zügen jenes Tages aus, mit denen die Jungs gekommen, bzw. abgehauen sind. Er schätzt seine Erfolgschancen gering ein: Täglich fahren viele Züge hin und her, und die Hobos wechseln ihre Züge häufig, fahren binnen kurzer Zeit kreuz und quer durch große Gebiete und können mit der Bahn binnen 24 Stunden aus Arizona raus sein. Versuchen will er es trotzdem. Aber die Anhaltspunkte für eine Fahndung nach solchen Kindern sind minimal.

7) Währenddessen ist LOBO zusammen mit einem Cowboy der Braddock-Ranch von New Mexico aus unterwegs. Die beiden Männer treiben die Pferdeherde von Fedor, ca. 40 erstklassige Tiere, nordwestwärts durch Arizona in einer Kleinstadt namens Triplet, machen sie Rast. LOBO geht in die Stadt, um einzukaufen, die Vorräte zu ergänzen, während der Cowboy, Will Dickens, bei den Pferden bleibt. In der Stadt streichen zerlumpte Junge herum, die Passanten anbetteln. LOBO achtet nicht weiter darauf. Er betritt den General-Store und sieht hier einen Jungen, der sich sehr fingerfertig Bonbons und Kandis einsteckt. LOBO überlegt noch, ob er den Ladenbesitzer deshalb alarmieren soll, da schlüpft der Junge schon aus dem Geschäft und in der Tür reißt er einer alten Frau die Tasche aus den Händen. Das geht blitzschnell.

Aber L0B0 reagiert auch blitzschnell. Während die Frau schreiend auf einen Stuhl sinkt, ist LOBO auch schon hinter dem Jungen her und erwischt ihn auf der Straße noch. Dabei muß er feststellen, daß der Bursche - obwohl höchstens 13 Jahre alt - unglaublich gewandt und kräftig ist. Er tritt und schlägt um sich, versucht zu beißen und zu kratzen und schreit wie an Spieß. Er reißt sogar ein Messer unter seiner zerlumpten Kleidung hervor. LOBO sieht, aus einigen Gassen weitere Jungs heranlaufen, die aber plötzlich kehrt machen, als der Marshal von Triplet auftaucht. Weitere Bürger sind schnell da und schimpfen auf diese verwahrlosten Kinder, die wie ein Schwarm Aasvögel die Stadt überziehen. - Der Marshal bedankt sich bei LOBO, ebenso die bestohlene Frau, und nimmt den sich heftig sträubenden Jungen mit ins Jail. - LOBO erledigt seine Einkäufe. Er bemerkt dann, als er zu der Herde zurückkehrt daß ihm einige der zerlumpten Jungs in großem Abstand nachgehen. Aber er kümmert sich nicht weiter darum, zumal er sieht, daß mehrere Jungs an der nahen Bahnstation auf einen vorbeirollenden Zug springen. LOBO nimmt das nicht weiter ernst. Es sind eben Tramps.

8) R0NCO ist an der Bahnstrecke entlang westwärts geritten und stößt in der Prärie, ein Stück vor der Stadt Rains, die eine Art Knotenpunkt für die Eisenbahn und die dort zusammenstoßenden Postkutschenlinien ist, auf ein Hobo-Lager am Schienenstrang. RONCO steigt ab und spricht einige der zerlumpten Männer, die hier herumliegen, an. Er hatte früher schon Kontakt mit solchen Menschen und weiß, daß die meisten von ihnen zwar entwurzelt und  asozial sind, aber sie haben doch ein gewisses Ehrgefühl und ihren Stolz. Hobos sind in mancherlei Hinsicht die Aristokraten unter den Landstreichern. RONCO fragt nach den wilden Kindern, erzählt von Bank- und Posträubereien. Obwohl er das Gefühl hat, daß die Männer ihm etwas sagen könnten, daß einige genau wissen, von wem er spricht, sagen sie nichts. Sie wollen ihre Ruhe haben. Außerdem ist RONCO ein Außenstehender, dem nicht freiwillig etwas aus dem verschworenen Clan der Hobos erzählt wird. Auch die Tatsache, daß RONCO Tabak spendiert macht die Männer nicht gesprächiger. Sie sind ablehnend, geben teilweise keine Antwort, und plötzlich sieht RONCO sich mehreren Tramps gegenüber, die sich ihm drohend nähern. Er muß sich seiner Haut wehren und kann einigermaßen heil das Hobo-Lager verlassen und weiter in die Stadt reiten.

9) RONCO sieht sich in Rains um. Es gibt eine Wells Fargo Agentur hier. RONCO sucht sie auf, erzählt, wo er herkommt und empfiehlt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Bei seinen Weg durch die Stadt fallen ihm in der Nähe des Bahnhofs einige Jungs auf, die in abenteuerlichem Aufzug herumlungern,  Passanten an anpöbeln. Einige streichen auch um die örtliche Bank herum. RONCO beobachtet diese Kinder und sieht bei einem einen Revolver unter

dem Hemd. Es läuft Ihm kalt den Rücken runter. - In der Nähe der Bank schnappt er sich unvermittelt einen der Boys, hält ihn fest und fragt ihn, was er und seine Freunde hier treiben und ob er schon mal in Carizo Spring und in Log House war. Der Junge gibt nur freche Antworten. RONCO sieht, daß die anderen Jungs, die in der Nähe gewesen sind, sich eilig in Richtung Bahndamm entfernen. Als der Marshal von Rains auftaucht, ein Mann namens Olden, reißt der Junge sich los und haut ebenfalls ab.

10) RONCO weist sich als Wells-Fargo-Sicherheitsagent aus und nennt den Grund, warum er den Jungen festgehalten hat. Er berichtet von den Überfällen auf eine Bank und die Wells-Fargo-Kutsche und sagt, daß wahrscheinlich junge Hobos die Täter sind. Marshal Olden schimpft lautstark auf dieses "Gesindel", nennt die Jungs "Ratten" und sagt, daß diese Landstreicher eine Pest seien. Aber man kriegt die wenigsten zu packen. Die meisten lungern nur wenige Tage herum, halten sich meist außerhalb der Stadt auf und kommen nur zum Betteln und Stehlen in den Ort. - RONCO meint, diesen Jungs müßte geholfen werden. Sie hätten nie eine andere Welt kennengelernt, und bei manchen sei es sicher noch nicht zu spät, zu versuchen, sie auf den richtigen Weg zu bringen. Marshal Olden ist ein Mann, der über so etwas wenig nachdenkt. Er will Ordnung in seiner Stadt mehr interessiert ihn nicht. Und RONCOS Verdacht, daß diese Jungs mit den Überfällen in Zusammenhang stehen könnten und sich lebhaft für die "Union Bank" in Rains interessiert haben, löst bei ihm Beunruhigung aus. RONCO will sich weiter umsehen und umhören, und der Marshal will mit ihm in Verbindung bleiben und ein Auge auf die Bank haben.

11) Nur wenige Meilen von Rains entfernt versammelt hat Railway Kid seine Truppen um sich. RONCOS Vermutung ist nur zu richtig. Die Union Bank in Rains soll das nächste Opfer dieser Kinderbande sein. Kid läßt sich von den Jungs, die in der Stadt waren, Bericht erstatten: Größe der Bank, Zahl der Angestellten, Ausgänge, Fenster, Entfernung zum Stadtrand  und zum Bahndamm, Fahrpläne der Züge mit Frachtwagen, usw. Zwar wird von einem blonden Mann berichtet, der die Jungs von der Bank verjagt hat, aber das nimmt Kid nicht sonderlich ernst. - Außerdem ist da noch die Sache in Triplet: Dort hat so ein verdammtes Halbblut ein Mitglied der Bande in den Knast gebracht. Kid will wissen, was es damit auf sich hat. Er erfährt, daß das Halbblut mit einem Cowboy eine Pferdeherde bei sich hat. - Kid entscheidet sodann, was zu geschehen hat: Einen seiner Unterführer beauftragt er, mit ein paar Jungs nach Triplet zu fahren, den Gefangenen zu befreien, falls er nicht inzwischen schon wegen Landstreicherei aus der Stadt gewiesen worden ist, und dem Halbblut eines auszuwischen. Kid selbst will mit dem Rest der Bande nach Rains fahren und die Bank ausrauben. Er verteilt vorher genau die Rollen. Es gibt einige, die die Bank stürmen, andere, die in Seitengassen Wache stehen und notfalls Angreifer ablenken, usw.

12) RONCO war noch einmal draußen beim Hobo-Lager und kommt nachdenklich zurück: Kein einziger Hobo war mehr da.

Das ist ungewöhnlich. Normalerweise lungern vor jeder Bahnstation Tramps herum. Warum sind auf einmal alle verschwunden, warum ist von den einlaufenden Zügen keiner mehr abgesprungen, um in der Stadt zu betteln? RONCO unterrichtet den Marshal. Er vermutet, daß die erwachsenen Hobos die Kinder ebenfalls gesehen haben und ahnen, daß die hier einen Coup landen wollen. Sie haben sich frühzeitig aus dem Staub gemacht, um nicht in die Sache hineingezogen zu werden. - Der Marshal, der tagtäglich mit Landstreichern zu tun hat, stimmt RONCO zu. Das Verschwinden jeglicher Tramps aus der Umgebung der Stadt ist ein Zeichen. Zusammen mit RONCO sucht Marshal Olden die Union Bank auf. RONCO ist der Überzeugung, daß die Bande auf frischer Tat ertappt und gestellt werden muß, sonst kommt man nicht an sie heran, dafür sind diese Kinder viel zu beweglich. Wenn auch einzelne Mitglieder geschnappt werden, so ist der Rest mit der Eisenbahn sehr schnell weit weg und kann weitermachen. - Aber der Bankdirektor lacht nur über die Warnungen. Obwohl RONCO ihm die bisherigen Überfälle vorhält, winkt er spöttisch ab. Vor Kindern hat er keine Angst. Er spottet, daß er Marshal Olden und die Wells-Fargo-Männer bisher für härter gehalten hätte. Der Mann will nicht begreifen, ihm ist nicht zu helfen. RONCO und Olden beschließen dennoch, sich mit verschärfter Aufmerksamkeit um die Bank zu kümmern. RONCO will sich in der Nähe der Bahnstation postieren. Obwohl RONCO den Leichtsinn des Bankdirektors verflucht, kann er den Mann doch auch verstehen: Kinder als Bankräuber - ein unvorstellbarer Gedanke. Aber die Geschehnisse reden eine deutliche Sprache, und RONCO hat in seinen Leben schon so viel gesehen und erlebt, daß er nicht mehr leichtfertig über scheinbare Unmöglichkeiten hinweggeht.

13) RONCOS Verdacht bestätigt sich schnell: Mit einem Frachtzug in der Abenddämmerung sieht er die Kinder in die Stadt kommen. Er sieht, wie sie schon kurz vor Rains auf den Bahndamm springen und in kleinen Gruppen auf die Stadt zu hasten. RONCO wartet nicht. Er rennt los, um den Marshal zu alarmieren. Als er und Olden die Union Bank erreichen, sind die Jungs bereite eingedrungen, und dem Direkter sowie den Clerks ist das Lachen vergangen, als sie die jungen, harten Gesichter mit den kalten Augen sehen und die schweren Revolver in den kleinen Fäusten. – Als RONCO und 0lden sich der Bank nähern, tritt das Sicherheitssystem der Bande in Aktion. Schrille alle Pfiffe ertönen. RONCO und 0lden sehen Jungs davon flitzen. Als sie in die Bank eilen, stürmen ihnen bereits die Jungs, die dort den Überfall begannen haben, entgegen. RONCO kann sich einen schnappen, und auch Olden erwischt einen. Die anderen springen ohne zu zögern durch die geschlossenen Fenster. Einer, R0NCO nimmt an, daß es der Älteste ist, gibt sogar einen Schuß ab und verletzt einen der Clerks. Dann ist die Bande weg. Der Überfall ist gescheitert, aber nur zwei der Kinder sind gefaßt. Wenn der dumme Bankdirektor von Anfang an mitgespielt hätte, hätte die ganze Bande geschnappt werden können. - Die beiden festgenommenen Jungs wehren sich wie der Teufel. Sie werden von mehreren Männern festgehalten, während RONCO zur Bahnstation hastet. Aber er sieht nur noch, wie ein davon rollender Zug nach Westen die Jungs aufnimmt. - Obwohl er mit eigenen Augen gesehen hat, was geschehen ist, kann er es kaum fassen. Diese Kaltblütigkeit, diese Brutalität, diese wilde Entschlossenheit und Rücksichtslosigkeit - so schlimm hatte er sich das nicht vorgestellt. Und obwohl das so ist, kann er doch nicht ganz verdrängen, daß es eben doch Kinder sind. Was soll aus ihnen werden?

14) Ungefähr zur gleichen Zeit in Triplet: LOBO und Dickens, die hier gerastet haben, wollen am nächsten Morgen weiterziehen. Plötzlich tauchen von der Bahnstation her mehrere kleine Gestalten auf, und dann krachen Schüsse. Die Kugeln schlagen dicht bei der Pferdeherde in den Boden ein. Die Tiere geraten in Panik. LOBO und Dickens schrecken hoch, aber bevor sie das Feuer erwidern können, sind die Gestalten wieder verschwunden. LOBO sieht noch einige laufen. Sie verschwinden in Richtung Bahndamm. Er ahnt, was das zu bedeuten hat: Die Rache der kleinen Tramps, weil er einen der ihren gefangen hat. Zu mehr Überlegung ist keine Zeit. Er und Dickens müssen sich um die Pferde kümmern, die aus dem Seilkorral ausbrechen wollen. Einige schaffen es auch. LOBO und Dickens haben alle Mühe, die aufgeregten und aufgeschreckten Tiere wieder einzufangen, zu beruhigen und den Korral zu erneuern. Dabei wird eines der Tiere so sehr verletzt, daß es auf der Stelle getötet werden muß.

LOBO reitet danach zum Bahndamm, aber von den Jungs ist hier keine Spur mehr zu entdecken. Er fühlt sich innerlich auf gewühlt und von hilflosem Zorn erfüllt. Er, der keine Ahnung von den Vorfällen hat, die sich weiter nördlich ereignet haben, fragt sich, was das für Kinder sein mögen, die zu so etwas fähig sind. In dieser Nacht hält er abwechselnd mit Dickens Wache, aber es geschieht nichts.

15) An diesem Abend versuchen RONCO und Olden im Jail von Rains mit den beiden gefangenen Jungs zu sprechen. Sie sind in getrennte Zellen gesteckt worden, um sich nicht verabreden zu können. Aber das ist offenbar ohne Bedeutung. Die beiden Jungs, höchstens 13 und 14 Jahre alt, schweigen eisern. Sie nennen nicht mal ihre Namen. – RONCO ist erschrocken über die Kaltherzigkeit, die bei diesen beiden zum Ausdruck kommt. Kein Mitleid mit anderen, der niedergeschossene Bankclerk ist ihnen egal. - RONCO, der selbst eine harte Kindheit hat und, weiß, wie leicht man in diesem Land von der geraden Bahn abrutschen kann, versucht, den beiden Jungs Verständnis zu zeigen, ihnen zu verstehen zu geben, daß er sie nicht rückhaltlos verurteilt. Immerhin hat er als Kind auch schon Menschen getötet - denn er war Krieger der Apachen, er war Pony-Express-Reiter, er war Scout in Bürgerkrieg. Aber noch heute ist für ihn das Töten von Gegnern nur das allerletzte Mittel, und er fühlt sich danach meist sehr Übel. Aber für diese Kinder ist das Leben anderer offenbar nur einen Dreck wert .Sie sind bereit, ohne Grund, ohne Not Gewalt auszuüben. Und sie sind verstockt. Von neue keine Spur, und es ist sinnlos, sie zu befragen.

Marshal Olden ist nicht so verständnisvoll wie RONCO. Er droht den beiden Burschen Prügel an und geht auch sonst sehr rauh mit ihnen um. Das aber macht sie nur noch trotziger.

Auch Olden gibt schließlich auf. Was soll daraus werden? Die Bande wird weitermachen. Solange man nicht weiß, wer der Anführer ist, nach welchem System sie sich bewegt, ist gar nichts zu machen. Und dann müßte immer noch in die autonome Hobo-Gesellschaft eingedrungen werden, die von einem Schutzwall des Schweigens umgeben ist.

16) In der kommenden Nacht glüht neben dem Bahndamm in der Prärie ein kleines Feuer. Von den vorbeirollenden Zügen springen nach und nach die Kumpane von Kid, der sie bereits erwartet. Die Stimmung ist nicht sehr gut. Zwar ist die Racheaktion gegen das Halbblut gelaufen und man hat auch den in Triplet gefangenen Freund wieder freigekriegt, aber der Bankraub in Rains ist gescheitert. Und Schuld daran ist dieser blonde Mann, der schon vorher hinter den Jungs her geschnüffelt hat. Kid hat sich bei erwachsenen Hobos umgehört und weiß, daß er zur Wells Fargo gehört und seit der Sache in Log House auf der Spur der Bande reitet. Der Kerl ist gefährlich, aber Kid will sich nicht geschlagen geben. Er will Rache: Dieser Kerl muß ausgeschaltet werden. Die beiden gefangenen Freunde müssen befreit werden, und dann soll die Wells Fargo bluten. - Ein paar kritische Stimmen melden sich, man solle diese Gegend verlassen, fordert einer. Lieber woanders wieder zuschlagen oder eine Zeitlang Ruhe geben. -Davon will Kid nichts hören. Er ist besessen vor Wut über den jämmerlichen Ausgang in Rains. Und seit seinen Anfangserfolgen als Bandenboß fühlt er sich sehr stark. Kid bringt alle Kritiker zum Schweigen. Sie unterwerfen sich ihm, denn er hatte bis jetzt immer Glück und immer recht.

- Der Junge, der sich von LOBO hat‚ schnappen lassen, muß sich nun verantworten: In Kids Bande ist es nämlich eine Schmach, wenn jemand sich fangen läßt. Zunächst muß er beantworten, ob er irgendetwas verraten hat. Dann legen Kid und seine Stellvertreter die Strafe fest: Aus dem nächsten Raubzug erhält er keinen Anteil. Im übrigen muß er nach Rains zurück und das Gefängnis spionieren, in dem 2 Bandenmitglieder sitzen. Befreit werden alle, die geschnappt werden - aber bestraft werden sie dann für ihr "Versagen". Der Junge schluckt die Strafe widerspruchslos. Als der nächste Zug von Osten vorbeirollt, springt er auf.

17) Als am nächsten Morgen RONCO zu Marshal Olden geht, um noch einmal mit den beiden Jungs zu sprechen, bemerkt er vor dem Office plötzlich eine kleine Gestalt, die offenbar versucht, an den Jailtrakt des Gebäudes heranzukommen.

RONCO hastet hinaus und kriegt den Jungen um ein Haar. Aber der ergreift sofort die Flucht. RONCO rennt hinter ihm her. Es geht in wildem Tempo zur Bahnstation, aus der Stadt und an den Gleisanlagen entlang. Ein Zug rollt nach Osten. Der Junge rennt verzweifelt. RONCO hat schon stark aufgeholt. Da ist der Zug heran. Der Junge springt hoch, kann sich an einem der offenen Frachtwagen festhalten und hinaufziehen. - RONCO hat ihn beinahe gehabt, er zögert kurz, dann greift auch er eine Verstrebung an dem schneller rollenden Zug und springt auf. - In raschem Tempo entfernt sich der Zug von der Stadt. RONCO liegt keuchend auf eine der Frachtwaggons. Was nun? Vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, an diese teuflischen Jungs ranzukommen. Aber was wird ihm begegnen? Ein Zurück gibt es nicht mehr. Abspringen ist unmöglich. Der Zug rollt zu schnell. RONCO weiß, daß er ein großes Risiko eingegangen ist, auch wenn seine Gegner nur Kinder sind. Er hat gesehen, zu was sie fähig sind. Vor ihm liegt Ungewißheit, während der Zug westwärts rollt...

Ronco-Personenregister für Nr. 412 usf.
Railway-Kid, 16 Jahre. Richtiger Name unbekannt. Anführer der Kinder-Tramps am Schienenstrang.

Ein kaltblütiger, herrschsüchtiger, jähzorniger Bursche. Waisenkind wie alle Mitglieder seiner Bande. Irgendwann aus einem Waisenhaus in St. Louis weggelaufen.

Mittelgroß und stämmig. Für sein Alter sehr kräftig. Bartflaum auf Kinn und Wangen. Braunhaarig, grauäugig. Er ist gerissen, intelligent und voller Haß. Ein junger Wolf.

Blue, 14 Jahre, Unterführer von Kid. Mager, hochaufgeschossen, schmales Gesicht. Rötliches Haar, Sommersprossen. Sieht sehr verwildert aus. Seine Augen sind hell und sehr schmal. - Er ist bei mehreren Pflegeeltern gewesen und dort wie ein Sklave behandelt worden. Eines Tages ist er endgültig ausgerückt und hat nur die Gewißheit mitgenommen, daß er um alles kämpfen muß und daß Rücksicht Schwäche ist.

Lucky, 14 Jahre, Unterführer von Kid. Er sieht älter aus, hat ziemlich breite Schultern, ist aber hager wie ein Wolf. Schwarzes, lockiges Haar ‚das bis auf die Schultern hängt. Er hat breite Zahnlücken und ist ein Schläger und Messerstecher. Ebenfalls ein Waisenkind. Ein bösartiger Bursche, hinterhältig und skrupellos. Er würde seine eigene Mutter bestehlen und umbringen, wenn er eine hätte. Besonderen Haß hat er auf alle Kinder, die eine bessere Kindheit hatten als er. Er haßt alle, die in geordneten Verhältnissen leben, weil ihn dieses Glück nicht vergönnt war.

Root, 15 Jahre, Unterführer von Kid. Er ist der einzige, der ab und zu widerspricht und nicht immer mit Kid konform geht. Er ist ein besonnener Junge, der sich nie spontan entscheidet, sondern immer erst überlegt und abwägt. Aber auch er ist wurzellos und unversöhnlich gegenüber der Welt der Erwachsenen, in der für ihn als elternlosem Jungen, kein Platz war. Seine Nase ist gebrochen, denn er ist einmal von einem anfahrenden Zug gestürzt. Dunkelblondes Haar, strähnig.

Alle übrigen Angehörigen der Kinderbande können frei beschrieben werden. Eines sollte jedoch nach Möglichkeit berücksichtigt werden: Diese Kinder sind nicht von Natur aus böse. Sie haben wenig Chancen gehabt, sich anders zu entwickeln, und manche sind im Grunde ihres Herzens noch richtige Kinder, die anders leben würden man ihnen die Möglichkeit bieten würde. Die Chance der Rückkehr auf einen halbwegs geraden Weg, sollte bei den meisten nie ausgeschlossen werden. - Niemand soll uns vorwerfen, daß wir "Rockerbanden" verherrlichen. Daher immer den schlimmen Background hervor streichen an dem die Jungs schließlich unschuldig sind.

*

Nat Olden, 48 Jahre, Marshal von Rains. Ein harter Bursche, der erster Linie für Ordnung sorgen will und sich über die Täter wenig Gedanken macht. Ein Mann von einfacher Denkart, aber ehrlich. Er macht niemandem etwas vor.

6 Fuß groß, stämmig, stiernackig, brauner Schnauzbart, gelichtetes braunes Haar. Kantiger Schädel. Ein Mann, der Zuverlässigkeit ausstrahlt.

Poul Frampton, 40 Jahre, Wells-Fargo-Agent in Rains. Er tritt kaum in Erscheinung. Er soll nur beschrieben werden, damit es keine Überschneidungen gibt. - Mittelgroßer dicker Mann, immer schwitzend, immer etwas nervös, immer unter Streß. Glatzkopf, rötliches Gesicht, kleine, lebhafte Augen, glattrasiert. (Nicht mehr im Amt)

Will Dickens, 25 Jahre, Cowboy der Braddock-Ranch. Begleitet LOBO als Pferdetreiber. Mittelgroß stämmig, lederhäutig, struppiger, brauner Schnauzbart, braunes, lockiges Haar, krumme Beine. Ein schweigsamer Mann‚ der abends seine selbstgeschnitzte Maiskolbenpfeife raucht.

Ronco-Personenregister für Nr. 413 usf.

Train Joe, vielleicht 50 bis 60 Jahre alt. Hobo (Eisenbahntramp). Einer der "alten Sorte". Ein Mann für den die Eisenbahn die Heimat geworden ist, ein richtiger Tramp, der manchmal bettelt, aber nie Straftaten begeht. - Ein Mann, der die Bahnstrecken in ganz Amerika in- und auswendig kennt.

Mittelgroß, sehnig, braungebrannt, grauhaarig und graubärtig. Ein zerlumpter, abgerissener, nach Schweiß und Fusel stinkender Mann, aber gutmütig, freundlich und ohne jede Gewalt. Eine rote Knollennase ragt über seinem struppigen Bart hervor. Er hat kleine, listige Augen und eine kratzende Stimme.

Stan Hiker, 40 Jahre, Wells-Fargo-Agent von Cosaino Caves. Nur eine Nebenrolle. Mittelgroß, korpulent, Schnauzbart, dunkelhaarig. Ein Buchhaltertyp, an dem alles korrekt ist.

Bill Logan, 50 Jahre, Chef der Bahnstation von Cosaino Caves. Ebenfalls eine Nebenrolle. Hager, 6 Fuß groß, krummrückig, glattrasiert, faltiges, schmales Gesicht. Er sieht etwas leidend aus. Die dunkelblaue Uniform schlottert ihm um den Körper. Scharfe, schneidende Stimme. - Er wirkt unsympathischer als er ist. An sich ist er ein umgänglicher Mann.

Folk Douglas, 32 Jahre, ein Bremser der "Atlantic-&-Pacific- Railroad". Ein bulliger Mann von 6 Fuß Größe mit breiten Schultern, muskulösen Armen, mächtigem Brustkorb und säulenartigen Beinen. Er ist aber behende wie eine Katze, wenn er über die fahrenden Züge klettert. Er rühmt sich, so manchen Hobo vom Zug geworfen zu haben.

Sein Gesicht ist breit, von schwarzen Flecken gezeichnet (Kohlepartikel, die sich ihm bei einem Unfall auf einer Lok in die Haut gebrannt haben). Er ist kein angenehmer Mann, eher primitiv und gewalttätig. RONCO muß ihn davon abhalten, die Kinder zu töten, als er mit den Bremsern den Zug nach ihnen durchsucht. Nachdem 2 seiner Kollegen von den Kindern angeschossen werden, schwört er der Bande von Railway-Kid Rache.

Ronco-Personenregister für Nr. 414 usf.

Sarah Perkins, genannt "Mütter Sarah", 48 Jahre, ihre Rolle geht aus dem Exposé 414 hervor Eine vermögende Frau, die u.a. eine große Farm bei St. Louis besitzt, auf der sie Waisenkinder unterbringt, die dort ein echtes Zuhause finden und in dem Farmbetrieb arbeiten. Sie werden dort auf ein geregeltes Leben vorbereitet, aber nicht auf pastorale Weise oder gewalttätig wie in den gefängnisähnlichen Waisenhäusern, sondern mit einem Angebot von Geborgenheit und Liebe.

Mutter Sarah reist durch das ganze Land und sammelt die elternlosen Kinder ein, sie macht ihnen das Angebot, mitzukommen, zwingt aber niemanden. Ihre offene, couragierte Art ist überzeugend und sympathisch.

Sie ist eine Frau, die sich nicht einschüchtern läßt. Energisch, zielbewußt, durchsetzungsfähig, aber mit einem sehr großen Herzen am ausgestattet.

Sie ist mittelgroß und zierlich, hat ein schmales, ovales Gesicht und strahlt Natürlichkeit und Frische aus. Obwohl sie ihr braunes Haar zu einem Knoten gebunden trägt, wirkt sie nicht streng. Ihre braunen Augen sind lebhaft und spiegeln ihr Temperament wider. Sie kleidet sich in dezente Farbe aber nicht altjüngferlich. Eine lebenserfahrene Frau, die die Schattenseiten des Daseins kennt und verhindern will, das Menschen schon als Kinder auf einen falschen Weg geraten.
Die karte zum Roman
Wir hoffen, in Zukunft immer wieder mal ähnliche Schätze präsentieren zu können.

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