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Die Terranauten: Ein Blick über den Tellerrand 3: Der Film

Die  Terranauten Der Film
Ein Blick über den Tellerrand - Zum Dritten

Die komplette Terranautenheftserie sowie die Taschenbücher und das Themenrisszeichnungsjournal liegen mir für die Besprechungen vor. Eigentlich bin ich also für die vierzehntägige Besprechungsreihe gut gerüstet. Dennoch schaue ich regelmäßig bei Ebay vorbei, um auch nach den Terranauten zu suchen - man weiß ja nie, was hier so alles angeboten wird, und natürlich will ich auch wissen, was meine Serie unabhängig vom Romanpreiskatalog in der Realität der harten Währung tatsächlich wert ist.

Und manchmal findet sich dann bei Ebay auch eine Überraschung. Zum Beispiel ein Plakat zu dem Film "Die Terranauten".

Terranauten The Core - Der Innere Kern
Der unter dem Titel "Die Terranauten" angekündigte amerikanische Film "The Core" wurde letztlich unter "The Core - Der Innere Kern" 2003 ins deutsche Kino gebracht und auch mit diesem Titel als DVD veröffentlicht. Das ursprüngliche Teaser-Plakat mit dem alten Titel gibt es nach wie vor zu kaufen.

Die Handlung:
Weltweit kommt es immer öfter zu merkwürdigen Geschehnissen: Vögel drehen durch, scheinen ihren Orientierungssinn verloren zu haben, Todesfälle auf engem Raum, weil die Herzschrittmacher versagen, der Flugverkehr wird gestört (am Beispiel eines Space-Shuttles gezeigt), ungewöhnlich statische Entladungen, Superstürme ...

Der wissenschaftler Dr. Joshua Keyes gelangt zu dem Ergebnis, dass das Magnetfeld der Erde gestört ist und der Planet innerhalb eines Jahres seinen natürlichen Schutzschirm verlieren wird. Der Erdkern aus flüssigem Eisen hat auf unerklärliche Weise aufgehört, sich zu drehen. Kurz: Die Welt steht vor ihrem Untergang.

Die amerikanische Regierung will dies nicht hinnehmen und das Unmögliche wagen: Ein Team in das Erdinnere schicken, um mit dem Einsatz von Nuklearwaffen die Rotation des Erdkernes wieder in Gang zu setzen.

Dank Dr. Ed Brazzelton, der mit einem Laser-Ultraschall-Bohrer und dem Baumaterial "Unobtainium" die Voraussetzungen für den Bau eines geeigneten Fahrzeuges schafft, scheint eine Rettung möglich zu sein. Sofern auch die Gefahren in der Tiefe bewältigt werden!
"Wenn wir in den Weltraum fliegen können, können wir das sicher auch!?"
"Der Weltraum ist leicht - der ist nämlich leer!"
Wie der obige Dialog aus dem Film bereits erahnen lässt, beginnen für das zusammengewürfelte Team (deren Mitglieder sich Terranauten nennen) nach dem Start sehr schnell die Probleme: Riesige Hohlkörper, ebenfalls große Diamanten, technische Probleme aufgrund des unter Zeitdruck erfolgten Baus und nicht zu letzt eine falsche Prognose über die Gegebenheit des Erdinnern bedrohen nicht nur die Crew, sondern lassen auch die Rettung der Erde oft in weite Ferne gleiten.

Der Film ist Popcornkino in Reinkultur, das die Betrachter zweifelsohne in ihren Meinungen spalten wird. Kann man die Naturgesetze "Naturgesetze" sein lassen und den kurzweiligen Film genießen, oder wird bei jeder Szene das große Bauchweh kommen? Beide Schlüsse lassen sich begründen, beide möglichen "Fazite" wären dem Film gegenüber fair, während sich ein Kompromiss diesmal nicht finden lassen wird.

Die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie, sie 'leben' ihre Rollen. Es macht Spaß, den Figuren zu folgen, man findet alle sympathisch, wenn sie es auch untereinander nicht unbedingt tun (was dem Zuschauer - ich gebs zu - ebenfalls Spaß bereitet). Obwohl viele Klischees bedient, ja liebevoll zelebriert werden, ist keine der Figuren eine solche. Sie dürfen ihre kleinen Fehler und Macken haben, die sie sympathisch machen, sie dürfen die Handlungen durchführen, die man als Katastrophen- und SF-Film-Kenner erwartet - und doch funktioniert genau dieses Zusammenspiel der Charaktere erstklassig und hebt diesen Film weit aus der Masse der Genrefilme heraus.

Nicht zuletzt: Obwohl ich die Klischees bei den Charakteren bereits angesprochen habe, belässt der Film es nicht dabei. Die Handlungsträgerklischees bleiben auf einem Level, der für solch einen Film prinzipiell einfach sein muss, und oft genug werden dann die Erwartungshaltungen des Zuschauers auf positive Weise durchbrochen, in dem die Figuren über ihre Schatten springen und nachvollziehbar anders als erwartet reagieren. Eine Gradwanderung der Schauspieler und des Regisseurs, die den ganzen Film über gelingt und das oft Unrealistische in der Handlung über das Agieren der Charaktere wett macht.

Die tricktechnische Seite weis ebenfalls fast durchgehend zu überzeugen. Die auftauchenden Probleme werden optisch schlüssig dargestellt, und wenn man sie nicht großartig hinterfrägt, bleibt es ein Augenschmaus, der wirklich beeindruckend ist. Anders wie jeder vorherige SF-Weltraum-Film kann "The Core" nicht die langjährig anerzogene Gewohnheitshaltung des Betrachters voraussetzen, sondern muss sich das Erdinnere als Terrain selbst erarbeiten. Schwerstarbeit, die wirklich gelungen ist; die verschiedenen Szenarios wurden phantasievoll umgesetzt und das Gefühl, Neuland zu betreten und zu entdecken, überträgt sich auf den Zuschauer.
Einzig bei der Szene, in der auf den Hohlkörper im Innern gestoßen wird, hat man den Eindruck, dass sich plötzlich die Schwerkraftverhältnisse ändern und aus dem geradlinigen Absturz dann eine relativ sanfte Bruchlandung wird.

Die Handlung als solche ist trotz der Überraschungen im Inneren natürlich vorhersehbar: Die beginnende Katastrophe wird ausgiebig vorbereitet - Lob dafür, dass das Verhalten der Vögel zwar ängstigt, aber durchaus deutlich wird, dass es nicht bösartig geschieht! - , der Rettungsplan quasi aus dem Nichts gezaubert, das Fahrzeug cineastisch angenehm erbaut und das Terranauten-Team kurzweilig geschult, wobei zumindest am Simulator mehrere Bruchlandungen miterlebt werden können.

Obwohl filmtechnisch wirklich neues Terrain mit dem Weg in die Erde erschlossen wird (verschieden Jules-Verne-Adapationen lasse ich jetzt einfach mal nicht gelten!), auf den Handlungsverlauf trifft dies nicht zu. Wer die Katastrophenfilme der 60er Jahre gemocht hat, sie heute aber als antiquiert ansieht, wird von "The Core - Der innere Kern" angenehm überrascht werden, denn die altbewährten Genremechanismen wurden sehr gelungen in die neuere Filmtechnikära übertragen.

Mit dem Aufbruch ins Innere erst nach einer Stunde lässt sich der Film nur scheinbar viel Zeit, denn die Katastrophe wird genau so gut vorbereitet wie die Charaktere eingeführt werden. Und bereits kurz nach dem Aufbruch beginnt das Sterben ... Fast überraschend erwischt es eine der Figuren relativ früh. Gerade bei diesen Sequenzen spielt der Film seine Trumpfkarte "Charaktere" aus. Obwohl bei jedem Katastrophenfilm der Tod der Begleiter ist, geschieht es hier abrupt, man rechnet fast nicht damit, eben weil die Figuren so gut eingeführt wurden.

Einziges Manko des Films (wenn man sich denn Gesetzmäßigkeiten zum trotz dafür entschieden hat, ihn zu mögen) sind die glücklichen Umstände, die zwar für die Haupthandlung ohne Belang sind, sie aber erst ermöglichen: Dr. Brazzelton hat sowohl das Baumaterial wie auch den Laser entwickelt, ohne bis zum Einsetzen der Handlung großartig Nutzen daraus gezogen zu haben. Auch die Konstruktion des Gefährts, das so geplant wurde, dass einzelne Elemente bei einem Hüllenbruch abgeworfen werden können, ist zu sehr auf die spätere Handlung gemünzt. Und unabhängig davon, dass das Fahrzeug zum Schluss ein Element weniger hat als wie benötigt (ein Filmfehler, der einfach übergangen wird und inhaltlich auch keine Auswirkungen hat) wird auch irgendwie automatisch davon ausgegangen, dass es das letzte Element als erstes erwischt. Was wäre, wenn gleich das zweite beschädigt worden wäre?

Fazit: Ein Film, der spalten wird: Man kann ihn lieben, man kann ihn hassen.
Mir hat "The Core - Der innere Kern" großen Spaß gemacht. Eine kurzweilige Handlung, ein interessantes Terrain, liebevoll gezeichnete Charaktere und eine Darstellung der Naturgesetze, die man besser wie so oft bei SF-Themen nicht hinterfragen sollte.
Für mich Popcorn-Kino der Extra-Klasse!

Dialog beim Abholen des noch nicht informierten Dr. Keyes:

Kleine Zitate grosser Leute
Regierungsbeamter: "Ihre Sicherheitsstufe ist eine Priorität höher als unsere, Sir!"
Dr. Joshua Keyes: "Ich habe eine Sicherheitsstufe?"
Regierungsbeamter: "Wir sollen Sie nur zu Ihrem Flugzeug bringen!"
Dr. Joshua Keyes: "Ich habe ein Flugzeug?"


The Core The Core - Der innere Kern
(The Core)

Dr. Joshua "Josh" Keyes - Aaron Eckhart
Major Rebecca "Beck" Childs - Hilary Swank
Dr. Conrad Zimsky - Stanley Tucci
Dr. Ed Brazzelton - Delroy Lindo
Dr. Serge Leveque - Tchéky Karyo
Commander Robert Iverson - Bruce Greenwood
Theodor Donald "Rat" Finch - D.J. Qualis
General Thomas Purcell - Richard Jenkins
Stickley - Alfred Woodard

Regie: Jon Amiel
Drehbuch: Cooper Layne & John Rogers
Produktion: David Foster, Cooper Layne, Sean Bailey
Kamera: John Lindley
Schnitt: Terry Rawlings
Musik: Christopher Young

Paramount Pictures

Länge: 137 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

USA, 2003

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