Der Astronaut - Project Hail Mary - Ungewöhnliche Freundschaft
Der Astronaut – Project Hail Mary
Ungewöhnliche Freundschaft
Mit bombastischen Szenarien kennen sich Phil Lord und Christopher Miller nur allzu gut aus. Bereits ihr erster großer Kinofilm, „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, der 2009 anlief, war eine äußerst turbulente und höchst amüsante Parodie auf gängige Katastrophenfilme und die damit verbundenen Hollywood-Klischees. Damals lief noch alles voll digital ab beim Regie-Duo Lord/Miller, und auch bei „The Lego Movie“ im Jahr 2014 blieb es den perfekten Digitalkreationen treu. Nebenbei inszenierten die beiden mit „21 Jump Street“ und deren Fortsetzung Realfilme, die der Kultserie aus den 1980er Jahren Tribut zollten und trotz eines eher infantilen Humors ebenfalls die Kinokassen klingeln ließen. Auf den ersten Blick wirkt es sonderbar, dass Lord und Miller nun die Inszenierung von „Der Astronaut – Project Hail Mary“ übernommen hatten, der Verfilmung eines Science-Fiction-Romans von Andy Weir, dessen Buchvorlage „Der Marsianer“ 2015 von keinem Geringeren als Sir Ridley Scott auf die große Leinwand gebracht wurde. Hier wie da ging es um den Kampf eines einzelnen Mannes fernab jeglicher Zivilisation in den unendlichen Weiten des Alls, aber bei „Project Hail Mary“ kommen auch etliche humorvolle Zwischentöne hinzu, weswegen Phil Lord und Christopher Miller doch nicht so ungeeignet erscheinen, den erstmals 2021 erschienenen Roman in große Kinobilder zu verwandeln.
In nicht allzu ferner Zukunft wird die Menschheit von einer globalen Katastrophe bedroht. Schwarze Partikel scheinen die Sonne zu verdunkeln, weshalb in den nächsten Jahrzehnten die Temperatur auf der Erde signifikant zu fallen droht, weswegen es zu Nahrungsmittelknappheit kommen wird und einige Milliarden Menschen zu verhungern drohen. Ein von Nationen unabhängiges Wissenschaftsteam unter Leitung von Eva Stratt (Sandra Hüller) sucht fieberhaft nach geeigneten Personen, die durch ihr Wissen dazu beitragen könnten, diese Katastrophe abzuwehren. Einer von ihnen ist der Schullehrer Dr. Ryland Grace (Ryan Gosling), der in seiner Doktorarbeit eine These aufstellte, die eher für Schmunzeln sorgte. Nun scheinen seine Ansichten gar nicht mehr so verkehrt zu sein, weshalb er damit betraut wird, die dunklen Partikel zu untersuchen. Als man entdeckt, dass diese so ziemlich jeden Planeten im Sonnensystem befallen haben, einer jedoch davor gefeit ist, wird ein Team ins All geschickt, um vor Ort Untersuchungen durchzuführen. Die Handlung des Films setzt bei Erreichen des Zielortes ein, als Ryland aus dem künstlichen Koma erwacht und erkennen muss, dass er der einzige Überlebende der Mission ist. Die weit bedeutendere Erkenntnis erhält er kurz darauf, als er entdeckt, dass in der Umlaufbahn des Planeten ein weiteres Raumschiff kreist, das offensichtlich nicht von der Erde gestartet ist. Langsam versucht Ryland, mit der außerirdischen Lebensform Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam dem Ziel näher zu kommen und eine Lösung für das lebensbedrohende Problem zu finden.
Es gibt die unterschiedlichsten Alienfilme, allein Steven Spielberg hat im Laufe seiner Karriere in diesem Genre vier ganz verschiedene Geschichten erzählt, zuletzt in „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“. Andy Weirs Idee über die Begegnung zweier unterschiedlicher Spezies schlägt einen originellen Weg ein, der irgendwo zwischen „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „Arrival“ angesiedelt ist, allerdings in den Weiten des Alls spielt. Was die Geschichte darüber hinaus von den meisten anderen Genrevertretern unterscheidet, ist der knuffige Humor, der immer wieder durchschimmert. Schon im Roman angelegt, hilft dieser auch in der Filmversion dabei, die recht komplexe und nicht gerade leicht verdauliche Story publikumswirksam und locker zu präsentieren. Ryan Goslings Charme und der überzeugend animierte Außerirdische lassen einen jedenfalls zweieinhalb Stunden an der kurzweiligen Geschichte dranbleiben, die vielleicht nicht immer ganz glaubwürdig konstruiert ist, aber dennoch zu unterhalten versteht. Das Bild der 4KUHD (im Widescreen-Format 2,39:1) ist gut ausgefallen, doch man sieht mitunter deutlich das Filmkorn, weil die Macher den komplett digital gedrehten Film anschließend bewusst auf 35mm-Film ausdruckten, um diesen Effekt zu erzielen und dadurch allzu glatte Bilder zu vermeiden. Der Ton liegt leider mal wieder nur in der englischen Originalausgabe in Dolby Atmos vor, die deutsche Fassung immerhin noch im DTS HD Master Audio 5.1, Spanisch, Italienisch und Japanisch werden lediglich in Dolby Digital 5.1 angeboten (optional gibt es Untertitel in diesen fünf Sprachen). Als Extra ist auch eine normale BluRay des Films beigefügt, und das Bonusmaterial besteht aus einem Audiokommentar von Phil Lord und Christopher Miller, fünf geschnittenen Szenen (zusammen 10 Minuten) sowie dem Special „Der liebste Eridianer der Erde“ (8 Minuten).



