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Olaf Ittenbach und seine Filme

Olaf IttenbachOlaf Ittenbach und seine Filme

Olaf Ittenbach wurde 1969 in Fürstenfeldbruck geboren und wird vor allem in Fan-Kreisen als der "Deutsche Splatter-Papst" angesehen. Diesen Ruf hat sich der gelernte Zahntechniker auch mehr als verdient und durch sehr viel Ehrgeiz, Fleiss und vor allem Talent errungen.

Mit seinen Fähigkeiten im Bezug auf Splatter- und Gore Effekte verzückt er die Herzen eines jeden Horrorfans und hat doch leider nie den ganz großen Durchbruch geschafft.


Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Olaf Ittenbach mit seinem ersten eigenen Film Black Past , der Film erschien 1989 und war natürlich eine reine Amateur-Produktion. Das bezieht sich aber keinesfalls auf die gezeigten Splatterszenen, die schon in diesem Erstlingswerk sehr hochwertig sind und Maßstäbe setzten.

Als Darsteller fungierten zu der Zeit hauptsächlich Freunde von Olaf, denn an "richtige" Schauspieler war auch aus rein finanziellen Gründen noch nicht zu denken. Eigentlich sollte dieser Film auch nie groß rauskommen, doch mehr durch Zufall gelang er zu dem Magazin Splatting Image und wurde so innerhalb kurzer Zeit in Fankreisen berühmt.

Die Erstversion des Films wurde natürlich bundesweit beschlagnahmt und es erschien eine auf knapp 67 Minuten geschrumpfte Version. Erst im Jahre 2000 erschien ein Director' Cut mit einer Laufzeit von 83 Minuten. Die Produktionskosten des Films lagen 1989 übrigens bei knapp 10.00 DM, die fast ausschließlich für die Spezialeffekte verwendet wurden.

Black PastDurch den überraschend großen Erfolg seines Debutfilms war Ittenbach in der Lage, 1992 seinen zweiten Film Burning Moon  rauszubringen, den er aus den Gewinnen von Black Past finanzieren konnte. Hier betrugen die Produktionskosten mittlerweile schon knapp 50.000 D M, wodurch auch viel mehr Geld in die Effekte gesteckt werden konnte. Auch bei dieser Produktion gibt es in dem Bezug überhaupt nichts zu meckern, vor allem, wenn man in der zweiten Episode des Films an die berühmte Höllenszene denkt, die jeden Splatterfan in Verzückung geraten lässt.Allerdings finde ich, das der Film storytechnisch doch etwas sehr schwachbrüstig daherkommt und als Gesamtwerk zu den schlechteren Werken von Ittenbach zu zählen ist. Bei der Fangemeinde allgemein erhielt der Film einen sehr starken Zuspruch. Es war schon selbstverständlich, das auch dieser zweite Streich von Olaf beschlagnahmt wurde und um den Film auf VHS erscheinen zu lassen, mussten damals Kürzungen von 12 Minuten vorgenommen werden. Allerdings hatten die späteren Veröffentlichungen auf DVD dann wieder die Originallauflänge.

Premutos, der gefallene Engel5 Jahre mussten die Fans dann warten, bis 1997 endlich mit Premutos, der gefallene Engel  der nächste Film erschien und der hat es wirklich in sich. Nicht umsonst wird dieser Streifen sehr oft als deutsche Antwort auf Peter Jackson' Braindead bezeichnet und das auch vollkommen zu recht. Denn in diesem Film wird gesplattert, das jedem Fan das Herz im Leibe lacht. In Expertenkreisen fielen die Kritiken zwar eher schlecht aus, im Lexikon des internationalen Films ist beispielsweise zu lesen: "Der Horrorfilm - Versuch eines Amateurs setzte mehr auf blutige Effekte, als auf eine durchdachte Story"und "Es ist ertaunlich, das die home made Produktion um eine Geschichte mit mehreren Epochen einen Vertriebsweg fand". Nun sind diese Kritiken den echten Ittenbach - Fans wohl ziemlich egal, denn der Film hat einfach einen extrem hohen Unterhaltungswert, was allein schon durch den teilweise grotesk wirkenden Humor entsteht, den der Film beinhaltet.Natürlich ist Premutos kein Streifen mit einer vollkommen ausgefeilten und genialen Story, doch merkt man hier schon sehr stark das Bestreben Ittenbach's, seine Filme nicht nur auf die Effekte zu reduzieren.

RiverplayRiverplay , der im Jahr 2000 erschien, war ein sehr wegweisender Film für Ittenbach, denn er gilt als Bindeglied zwischen Olaf's Schaffen im Amateur - Bereichund den folgenden professionellen Werken. Bei vielen Film kam der Film allerdings nicht so gut an, was sicherlich in erster Linie darin begründet ist, das es sich hier in Sachen Härte und Effekten um den harmlosesten Film des Splatter - Papstes handelt. Trotzde, oder gerade deshalb finde ich, das wir es hier mit einem seiner besten Filme zu tun haben. Denn mit Riverplay ist man hier wirklich neue Wege gegangen, statt einer gewohnten Splatterorgie bekam der Fan hier ein sehr gut in Szene gesetztes psychisches Katz - und Mausspiel zu sehen, das eine sehr starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Natürlich ist dieses Werk eher vollkommen untypisch für Ittenbach, aber deswegen keineswegs schlechter als die bisherigen Filme. Hier wurde ein Wagnis eingegangen und der Mut zur Veränderung gezeigt, was auch einen gewissen Reifeprozess andeutet, der sich vollzogen hat.

Legion Of The DeadIm Jahr 2001 erschien dann Legion of the Dead , der von sehr vielen Leuten als der schwächste Film von Ittenbach bezeichnet wird. Dabei kann ich das gar nicht nachvollziehen, denn wenn man genau hinschaut, hat der Film doch eine ganze Menge Ähnlichkeit mit einem modernen Klassiker Namens From Dusk till Dawn , der ja mittlerweile schon längst Kultstatus genießt. Komischerweise sind aber die Kritiken für Legion of the Dead meist negativ, aber das ist natürlich auch reine Geschmackssache. Doch die hier vorhandene Mixtur aus Horror und skurilem Humor, garniert mit wirklich, wie für Olaf üblich, tollen Splatteszenen finde ich persönlich doch mehr als gelungen. Das aber selbstverständlich nur im ungeschnittenen Director's Cut und nicht in einer der verstümmelten Versionen. Für diesen Film stand übrigens ein Budget von 2.000.000 DM zur Verfügung, nur einmal, um aufzuzeigen, wie sich die Verhältnisse geändert haben.

Nur 2 Jahre später, also 2003, erschien mit Beyond the Limits  einer derstorytechnisch besten, wenn nicht sogar der beste Film von Ittenbach. Allein die Idee, den Film in 2 verschiedenen Zeitepochen spielen zu lassen, war grandios. Spielte die erste Hälfte des Films noch in der Gegenwart, so ging man in der zweiten Filmhälfte in die vergangenheit zurück. Auch der hier gezeigte Härtegrad ist extrem hoch angesiedelt, aber nicht nur das, auch dieQualität der Effekte wirkt hier noch professioneller, als sie in den andere, früheren Werken sowieso schon war. Hier kommt nun auch ein wirllich excellenter Story - Plot hinzu, der sehr gut in Szene gesetzt wurde und den Zuschauer zu fessekn vermag. Neben Riverplay ist es hier eigentlich erst das zweite Mal der Fall, das man nicht nur speziell auf Splatter / Gore Effekte achtet, sondern auch von der Geschichte vollkommen fasziniert wird.

 

Garden of LoveGarden of Love  , der 2003 erschien, war für Olaf vor allem in privater Hinsicht ein extrem wichtiger Film, da er in dieser Zeit seine Frau Martina kennenlernte, die er auch schon ein Jahr später heiratete. So ist Garden of Love auch sein letztes Werk, in dem Martina keine Hauptrolle spielte. Dieser Film ist mein persönlicher Liebling von Olaf, da er als Gesamtwerk eine sehr starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Zwar schwächelt der Film etwas bei den Dialogen und auch die Story hat kleine Schwächen, aber dafür bewegt man sich bei den Effekten auf einem extrem hohen Level. Atmosphärisch herrscht hier jedenfalls die größte Dichte, die wohl je in einem Ittenbachfilm gemessen wurde.

2006 erschien der von den Fans so sehnsüchtig erwartete Chain Reaction , doch nach Sichtung des Films wich bei vielen Leuten die Begeisterung und Enttäuschung machte sich breit, da der Streifen die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Das liegt sicher in erster Linie darin begründet, das die vorhandenen Splatter / Gore Einlagen, die natürlich wieder erstklassig sind, leider etwas unglücklich über den Film verteilt wurden. Einmal nämlich noch ziemlich am Anfang des Films und dann erst wieder ziemlich kurz vor dem Ende. Der lange Zwischenteil hingegen ist mit teilweise überflüssigen Dialogen und nicht gerade tollen darstellerischen Leistungen gespickt. Dieses hätte man sicherlich etwas besser handhaben können. Dennoch ist Chain Reaction kein schlechter Film, vielleicht war auch einfach die Erwartungshaltung zu groß.

Ittenbach's FamilienradgeberNun kommen wir zu einem der wohl umstrittensten Werke des Herrn Ittenbach, nämlich zu Ittenbach's Familienradgeber , der auch 2006 erschien. Hier kehrte er wieder zu seinen Wurzeln der Amateur - Produktionen zurück und ist so ganz nebenbei ein meiner Meinung nach ziemlich großes Risiko eingegangen, denn das dieser Film nicht den Nerv aller Fans treffen sollte, stand eigentlich von Anfang an fest.Viele Kritiker, aber auch viele Fans haben sich darüber aufgeregt, das hier vor allem die Gewalt an Kindern verherrlicht wird und das dies jenseits des guten Geschmacks ist. Aber mal ganz ehrlich, wenn man diesen Film als das sieht, was er ist, nämlich eine herrlich, bitterböse Satire auf das Familienleben, dann müsste selbst der größte Kritiker auch lachen können. Jedenfalls hat Olaf einmal mehr unter Beweis gestellt, das er auch jederzeit bereit ist, ein Risiko einzugehen und das finde ich sehr gut.

Nun sind wir in der Gegenwart angelangt und befinden uns beim bislang letzten Film Dard Divorce, bei dem ich nur jedem empfehlen kann, sich diesen Film lediglich ungeschnitten anzusehen. Bei diesem Werk verhält es sich wirklich so, das die Effekte den Film unheimlich aufwerten, da Story und Darsteller doch eher etwas schwach wirken. Dafür ist der Härtegrad hier schon fast atemberaubend, da hat sich Olaf fast selbst übertroffen. Aber dieser Film zeigt auch gnadenlos die schwäche des Meisters auf, er hat es leider nur selten geschafft, sein herausragendes Talent für Effekte in Einklang zu bringen mit einer tollen und interessanten Story, guten Darstellern und einer tollen Atmosphäre.

Seine überragenden Fähigkeiten im Bereich der Splatter / Gore Effekte durfte er ja auch schon in wirklichen Groß - Produktionen wie zum Beispiel  Uwe Boll's Bloodrayne, oder auch in Seed unter Beweis stellen und das hat auch mit Sicherheit seine Berechtigung. So bleibt zu hoffen, das wir noch einige Ittenbach Werke zu sehen bekommen, ein neues Projekt soll ja schon in Arbeit sein.

 

Marc Jozefiak

 

 

 

 

 

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