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Professor Zamorra 1305 - Der Fluch von Saint-Cyriac

Professor Zamorra - Der Orden der Tausend

(Amulette-Zyklus, von Adrian Doyle)

1305 Der Fluch von Saint-Cyriac

fast wäre mir diese Geschichte durch die Lappen gegangen, wahrscheinlich war ich schon so auf den finalen Dreiteiler fixiert, dass ich sie einfach unbewusst links liegen gelassen habe. und das wäre echt schade gewesen, denn der Roman war, nun ja, traumhaft, ganz großes Kino, sozusagen...

habe ich schon mal erwähnt, dass ich den Erzählstil von Herrn Weinland sehr mag? unaufgeregt und doch spannend, gepflegtes und ungekünsteltes Deutsch. er schafft es immer wieder, in wenigen Worten Gefühle bei mir zu erzeugen. so beschreibt er zB das natürliche Sterben einer alten Frau in sehr beklemmender Weise (sie überlebt, weil sich ihr anwesender Enkel sich verzweifelt wünscht, sie möge eben nicht sterben). ok, einmal rutscht ihm ein "das müssen Sie sich ansehen" Klischee rein, es sei ihm nachgesehen. bei Filmen ärgert mich sowas normalerweise sehr. und einmal lässt er Zamorra seinem Ruf als Sofortumschalter gerecht werden - hallo, falsche Serie!

einmal fragt Zammy seine Nici, ob es denn für die Eröffnung des Dorfkinos einen Dresscode gibt, die witzelt dann "Weißer Anzug, Cowboystiefel, Cowboy-Hut bei den Herren, leger bei den Damen". da lächelt Herr Giesa auf Wolke 7...

auch das Storybuilding würde ich mit meisterhaft bewerten. es fängt harmlos an mit Henri Cailot, der sich aufgrund einer Erbschaft seinen Traum von der Errichtung eines Dorfkinos erfüllen kann. überhaupt werden Wünsche und Träume wahr im Dorf. so erlebt die Familie Curie, dass die geliebte Oma Madeleine unerwartet wieder von Totenbett aufsteht, weil es der verzweifelte Enkel Emile es so will. ganz so als hätten alle ein kleines Stück Dhyarra-Kristall in sich.

Nicole hingegen wird von eben jenem Wunschstein in dessen Inneres hineingezogen, und was zuerst wie das Paradies anmutet, entpuppt sich rasch als Hölle, aus der sie Zamorra nur mit Mühe befreien kann.

Cailot, und nur er, seine Frau sieht nichts davon, hat mehrere sehr real erscheinende Visionen - er sieht sein eigenes Grab, und sogar seine eigene Leiche, aber auch seine geliebten Suchtmittel (Whisky und Tabak), und geliebte Menschen, sein toter Onkel redet mit ihm.

bei der Eröffnungsfeier kommt es zur Katastrophe, der Projektor explodiert, Cailot geht in Flammen auf - Höllenfeuer, denn obwohl er brennt, verbrennt es ihn nicht. Zamorra kann den Spuk mit seinem Amulett beenden, doch kann er Cailot nicht mehr retten.

indes klagen immer mehr Dorfbewohner bei Pater Ralph über nächtliche Alpträume, in denen es stets um den Tod der Träumenden geht. schließlich träumt auch der gute Pfaffe von seinem Tod, und findet anderntags ausgerechnet in seiner Kirche, auf dem Altar einen Erdhaufen und ein Holzkreuz mit seinem Namen. Zamorra und Nicole treffen ein, und wie schon im Fall Cailot finden sie im Erdhaufen ein totes Ebenbild von Ralph.
die Lage in der Kirche eskaliert, als Nicole plötzlich ihren Kristall aktiviert - oder besser, er sie zwingt, ihn einzusetzen - und alle Dorfbewohner wie in Trance ebenfalls ins Gotteshaus strömen.

der Roman reflektiert auf Band 1191 "999", in dem Kelan alle (sic!) Einwohner des Dorfes Saint-Cyriac in der Kirche versammelt und tötet. Nicole schafft es dann, mithilfe ihres Dhyarra den Toten das Leben zurückzugeben, wobei der Kristall auch fast ausgebrannt wird. und genau das ist der Auslöser für unsere Geschichte hier, besser: das Verhalten des Kristalls. ja, bei Zamorra benehmen sich auch Gegenstände wie Menschen...

der Dhyarra hat damals den Tod der Dorfbewohner quasi in sich abgespeichert, und diese Malware, um in der IT-Sprache zu bleiben, hat angefangen, die Hardware, also den Kristall zu beschädigen. um das zu verhindern, will er die grausige Last wieder an die Dörfler zurückgeben - sie sollen ein zweites mal sterben! Nicole gelingt es aber, den Dhyarra so zu manipulieren, dass der den Tod nicht in die lebenden Menschen in der Kirche, sondern in die Leichname auf dem Friedhof ableitet.

originell die Ausgangslage, originell die Auflösung. diese Geschichte hat mir von vorn bis hinten sehr gut gefallen, im Gruselromanforum bekommt der Autor von mir dafür 5 von 6 möglichen Punkten.

das Titelbild ist wieder von Mario Heyer, es ist sehr stimmungsvoll, so stelle ich mir aber eher Bree aus dem Herrn der Ringe vor, oder vielleicht noch Hogsmeade aus Harry Potter. die Häuser in Saint-Cyriac sind, so hoffe ich für die Einwohner, nicht so schief und baufällig.

das Heft ist auch der Jubiläumsband zum 50. Seriengeburtstag, und hat somit ein paar Goodies:
- mehr oder weniger gelungene Zeichnungen
- eine Kurzgeschichte von Timothy Stahl
- die Autoren treffen sich bei Mostache zu Zamorras Tafelrunde und plaudern darüber, wie sie zu PZ gekommen sind, und was ihre erste Geschichte war
- Interviews von Fans, hier u.a. dem Ufo-Boten Uwe Zellner, Betreiber des feinen PZ-Online-Lexikons; dort findet sich auch die von Thilo Schwichtenberg erstellte Zusammenfassung der ersten 1000 Bände (unter der Rubrik Jubiläum).

für eine große Geburtstagsause wie zu John Sinclairs Fuffziger in Köln, oder selbst dem weit kleineren Jubiläums-Event für Dämonenkiller Dorian Hunter in Hamburg hat Zamorra aber offenbar zu wenig Leser...

Professor Zamorra
1305 Der Fluch von Saint-Cyriac

Autor: Adrian Doyle (Manfred Weinland)
Titelbild: Mario Heyer unter Verwendung von KI Software
Verlag: Bastei
Erscheinungsdatum: 01.06.2024

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