Die Legende vom Tränenvogel - Bd 4 Die Suche nach dem König
Die Legende vom Tränenvogel - Bd 4 Die Suche nach dem König
Das Kriegsglück hat sich dank der Entdeckung zweier Gottheiten zu Gunsten der Nordvölker gewendet, und sie sind in das Kernland der Nagas eingedrungen. Nachdem sie die Inkarnation der Leki-Gottheit gefunden haben, sind die Abenteurer auf der Suche nach der Gottheit der Menschen, die ihnen dabei helfen soll, sich gegen die Armee der Nagas durchzusetzen, die noch immer die Göttin, die keine Fußspuren hinterlässt, in ihrer Gefangenschaft haben.
Der Krieg hat das Land zerstört, auch Städte der Nagas sind betroffen, und die Frage stellt sich, was passieren wird, wenn es Kaygon Draka, Lekon Tinahan und Bihyung nicht gelingen sollte, den Gott der Menschen (der Gott, der nirgendwo existiert) zu finden, und die gebündelte Kraft der dann drei Götter gegen die Macht der Nagas einzusetzen.
Das vierte Buch der Serie bildet auch gleichzeitig ihren Abschluss.
"Die Mittagssonne brannte auf Hatengrazu herunter und verschluckte die Schatten der Stadt. Aus ihrer Mitte ragte der Herztrurm wie ein merkwürdiges Gewächs mit dem Selbstvertrauen einer jungen Knospe und der Erhabenheit eines uralten Baums aus grauer Vorzeit heraus. Daneben wirkten die wunderschönen Bäume rund um die Stadt wie schmächtiges Buschwerk".
Wie auch schon in Band 3 macht Lee Young-Do auch in Band 4 wieder deutlich, wie sinnlos Kriege die Schönheit der Welt und das Leben der Geschöpfe zerstören, auch wenn Krieg, wie immer wieder durchscheint, scheinbar unausweichlich ist.
Die großpolitischen Interessen der einzelnen agierenden Figuren sind immer verbunden mit zutiefst persönlichen Motiven, die unter der sichtbaren Schicht der Entscheidungen liegen und entweder mit den offen zur Schau getragenen Handlungsgründen übereinstimmen, oder ihnen tragischer Weise entgegenstehen (müssen).
In dem vierten Band wird die Gruppe der agierenden Figuren noch größer und für mich tendenziell schon leicht unüberschaubar. Teilweise hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr zu wissen, wer eigentlich wer war und mit welchen Motiven die Figur handelt. Das empfand ich als echten Nachteil des Buches, denn ich war immer wieder an dem Punkt, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, um wen es sich dabei eigentlich handelte.
Die Wendungen, welche die Geschichte im Verlauf des vierten Bandes nimmt, machen das Buch sehr spannend und entwickelten sich so ganz anders, als ich es erwartet hatte. Nicht nur einmal hatte ich einen Aha-Effekt und entdeckte, dass ich Lee Young-Do "auf den Leim gegangen" war mit meinen Erwartungen hinsichtlich der weiteren Handlung.
Ich fühlte mich an ein paar wenigen Stellen um eine "logische" Lösung betrogen, wenn Lee Young-Do statt eine nachvollziehbare Auflösung der Situation, in der sich seine Protagonisten bewegten, plötzlich übernatürliche/fantastische Elemente einsetzte, wie zum Beispiel der Moment um Kaygon Draka im Herzturm. Ja, es ist Fantasy, und übernatürliche Geschehnisse gehören dazu, aber manche Male hatte ich eher das Gefühl eines "Deus ex Machina", wo die Übernatürlichkeit dazu dient, eine verfahrene Erzählsituation zu lösen. Diesen Eindruck hatte ich in den anderen Bänden nicht.
Vielleicht hat dies auch mit der Tatsache zu tun, dass "Die Legende vom Tränenvogel" sich eben nicht in der westlichen Fantasy bewegt oder diese imitiert, sondern sich in der koreanischen Denk- und Fabelwelt bewegt.
Es ist, alles in allem, eine wirklich besondere Leseerfahrung, und ich würde mich wirklich freuen, wenn es die angeblich 2025 in Südkorea erschienene Fortsetzung auch auf Deutsch geben würde. Das würde mich sehr interessieren.