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Der Luftpirat und Matthias - Band 2 Ein Kampf um Millionen

Der Luftpirat und MatthiasBand 2 –
Ein Kampf um Millionen

Was Innovation und abstruse Ideen betraf, reichte vor dem 1. Weltkrieg keine Serie an  »Der Luftpirat« heran, nach Einschätzung vieler Experten die erste Science-Fiction-Reihe der Welt überhaupt. Erschienen sind um 1910 genau 165 Abenteuer, die in einem Format herauskamen, das zwischen dem heutigen A5 und A4 angesiedelt war. Ich unternehme nun eine Lesereise und berichte über die Abenteuer des Luftpiraten. Folgt mir auf diesem Weg ...


Ein Kampf um MillionenBand 2 – Ein Kampf um Millionen 
Schauplatz:
Planet Erde. Auf dem Schiff im Pazifik – Eine Bergbausiedlung in Australien

Bevors losgeht, für die Fans der Serie (oder diejenige, dies werden wollen) gute Nachrichten aus dem Hause Ehrig, das den Neudruck betreut und herausgibt – bei mir trudelte noch einmal per email die ausdrückliche Versicherung ein, dass trotz aller Schweirigkeiten der Vergangenheit das Projekt bis zum letzten Heft (165) fertig gestellt wird. Wir halten momentan bei Heft 100, die nächsten 5 sollen im Sommer erscheinen. Inzwischen sind Druck- Schnitttechnik verbessert worden, die Hefte im 90er Bereich sind eleganter zugeschnitten. Aufgrund der neuen Möglichkeiten, das Druckbild der extrem verbrauchten Originalhefte zu verbessern, erwägt der Verlag sogar, einige frühere Hefte ein zweites Mal nachzudrucken. Trotzdem kommt niemand um die Lektüre der alten deutschen Schrift herum, wie bei vielen Heft-Nachdrucken des Ganzbiller-Verlags. Naja, der Spaß ist es wert.

Nun aber zu Heft 2:

Inhalt:
Ein randvoll mit Geld und und Gold beladenes Handelsschiff schippert in Begleitung eines Militärkreuzers durch den Pazifik. Die Besatzungen sind unruhig. Überfälle aus der Luft auf Geldtransporte haben sich gehäuft. Der Angreifer: Der mysteriöse Luftpirat in seinem lenkbaren Luftschiff! Auch diesmal schießt das Fahrzeug herab – und es kommt schnell zum Gefecht mit dem Kriegsschiff. Da es sich aber um ein nur schlampig hochgerüstetes Handelsschiff handelt, dessen Konstruktion den Rückstoß der Kanonen nicht übersteht und der Luftpirat auch mit narkotisierenden Giftgasbomben angreift, wird es schnell vernichtet. Kapitän Mors zwingt das Handelsschiff zur Herausgabe sämtlicher Schätze. Zwar versuchen einige Tollkühne, unter die Goldfässer auch ein Dynamitfass mit Zeitzünder zu schmuggeln, doch Mors durchschaut den Trick (in diesem Heft ist er erstaunlich aufmerksam in diesen Dingen) und tobt. Er verprügelt den Kapitän des Schiffes und schüchtert die Mannschaft so ein, dass sie meutert und entgegen aller  Befehle dem Luftpiraten die komplette Ladung ausliefert, aus Angst, versenkt zu werden.-

Beim Transport handelte es sich um Gelder, die aus Goldminen in Australien stammen. Da der Luftpirat anscheinend genauestens über den Transport Beschied wusste, geht der australische Geheimdienst davon aus, dass er auch Spione vor Ort in den Minen besitzt. Tatsächlich ermittelt die Polizei, dass Unbekannte Hilfsmaßnahmen für arbeitslose Bergarbeiter organisieren – an den Behörden vorbei. Nicht nur das – mysteriöse Spender versorgen Arbeiter mit großen Summen, wenn sie die Siedlung verlassen wollen. Schon bald ist klar, dass nur der Luftpirat hinter diesen Aktionen stecken kann. Ein talentierter Geheimdienstler ohne Namen erklärt sich bereit, bei der nächsten Geldverteilung an Arme in der australischen Wüste in James-Bond-Manier nach der Landung des Luftschiffs eine kleine Bombe im Fahrwerk des Luftschiffs zu deponieren, um dann das manövrierunfähige Schiff stürmen zu lassen. Die Sache mit der Bombe klappt – der Agent bringt sie unbemerkt an. Doch dann bedient er versehentlich einen Hebel – und bringt das Vehikel zum Fliegen! Nach einem dramatischem Kampf in der Luft mit Kapitän Mors kann der Kapitän den Agenten überwältigen und die Höllenmaschine unschädlich machen. Diesmal lässt er allerdings Gnade walten und verschont den Geheimdienstler – setzt ihn aber als Gaudi einige tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt aus.     

Kommentar:
Gleich das zweite Heft verblüfft durch flüssigen Schreibstil und spannende Erzählweise, die auch noch nach 100 Jahren fesselt. Hier war ein Profiautor am Werk.

Wie Marianne Ehrig in ihrem Nachwort schreibt, erkennt man verschiedene Autoren nicht nur an ihrem Stil, sondern auch an ihrer politischen Haltung - amüsant, dass hier sowohl rassistisch-ultrakonservative wie linksliberale Schriftsteller mitgearbeitet haben. Nachdem beim letzten Mal kein gutes Haar an der russischen Revolution gelassen wurde, wimmelt es hier von Attacken gegen geldgierige Kapitalisten. Besonders beeindruckend liest sich, mit welcher Wärme der Autor über die ausgebeuteten Bergarbeiter in Australien schreibt, mit (für ein Romanheft) eigentlich überflüssigen Details, etwa der Beschreibung, wie Gruben unzureichend gesichert wurden, die Familien der Grubenunglücksopfer im Elend verkommen etc.

Auch wenn, abgesehen vom überlegenen Luftschiff, hier SF-Elemente nicht im Vordergrund stehen, wird zum ersten Mal eine wichtige Waffe des Kapitän Mors erwähnt, die immer wieder zum Einsatz kommt: Giftgas. Zwar ist es kein tödliches, sondern nur lähmendes Gift, das da in kleinen Rauchkugeln vom Luftschiff abgeworfen wird, aber doch so aggressiv, dass es ganze Regimenter für lange Zeit kampfunfähig machen kann.

Trotz der schlüssigen und flotten Erzählform gibt es doch am Ende eine recht dämliche Wendung. Sehr unwahrscheinlich, dass ein wichtiger Steuer-Hebel so auf dem Luftschiff herumsteht, dass Unbefugte oder Idioten damit jeden in Gefahr bringen können. Doch genauso ist es:

„Der Spion wollte rasch von der Galerie herabspringen und die Flucht ergreifen. Er suchte nach einer Stütze, und da griff er nach einer kleinen Eisenstange. Aber was war das, die Stange gab ja nach – und im selben Moment vernahm er ein Sausen, ein Brausen – die Maschine begann plötzlich zu arbeiten...“

Ups... Hoppla! Dabei weiß doch jeder SF-Kenner: Nix anfassen auf fremden Schiffen, das kann immer nach hinten losgehen! (Oder in diesem Fall – nach oben...)    

Die lustigsten Sätze
Eine Passage hab ich nun schon im Kommentar verbraten. Aber sonst ist das Heft eben auch recht gut geschrieben. An den Kampfszenen muß der Autor vielleicht noch ein bißchen arbeiten. Metallene Kampfmaschinen verhalten sich vermutlich nicht so wie eingeölte Sumo-Ringer.

„Eine (Granate) hat getroffen!“ schrie plötzlich einer der Männer, die neben dem Kapitän standen und mit ihren kalten, grauen Augen, die Hände in den Taschen, den Vorgang verfolgten. „Ja, und sie ist abgeglitscht!“ brummte der Kapitän, „ich hab es auch gesehen. Das muß ein ganz merkwürdiges Metall sein. Möglicherweise ist es auch mit einer dicken Fettlage bestrichen.“

Das Cover:
Übertreibt es diesmal. Wir sehen Luftpirat und Agent, am Luftschiff hängend, miteinander kämpfen. Mors hat nur noch einen Fuß und eine Hand am Relinggitter, der Rest hängt in der Luft. Und der Bösewicht, bewaffnet mit Riesen-Dolch, klammert mit seinem ganzen Gewicht am linken Arm des Luftpiraten – den der so locker ausgestreckt hält, als hielte er einen Spatzen in der Faust!
Dramatische Cover sind ja gut und schön – Aber was zu viel ist, ist zu viel.

Besonderheiten der Reprint-Ausgabe:
Eine interessante und kluge Spekulation über verschiedene Autorenstile von Marianne Sydow-Ehrig.

Übersicht:

  • Band 3:  Kapitän Mors in Indien (23. Juni)
  • Band 4:  Der Luftpirat im Diamantenlande (7. Juli)

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