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Gordon Black - Aus der Sicht eines Lesers (Teil 2)

CoverGordon Black –
Aus der Sicht eines Lesers
(Teil 2)

Der erste Band der Serie „Der Spiegel des Grauens“ hatte mich in Euphorie versetzt. Natürlich verging dieser Zustand. Der Roman hatte mich gefesselt (wie auch alle weiteren Romane der Serie), doch der Sockel auf den ich sie zu heben im Begriff war, wäre zuviel des Guten.  Denn  es waren doch einfach  'nur' gute bis sehr gute unterhaltende Romane. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.  Sie waren  klasse, aber nicht  nobelpreiswürdig.


So klärte sich der Blick auf der Serie. Insofern war es ein Glück, dass die Romane im monatlichen Rhythmus erschienen...

Dennoch war es kein Wunder, das der Roman zu gut ankam. „Larry Brent“ lief vorwiegend mit Nachdrucken, das Ende von Macabros war absehbar, „John Sinclair“ wurde immer schlechter, „Tony Ballard“ stand kurz vor seiner positiven Entwicklung. Kurzum: Es erschienen nur wenige wirklich gute interessante Romane.

Gordon Black war insofern eine Überraschung – eine ausgesprochen positive... Ein Blick auf das erste Viertel der Serie das wird zeigen. Hier arbeiteten zwei sehr gute Heftautoren. Erfahren, darauf bedacht, die innere Logik des Romans zu bewahren.

Der Roman „Die Augen des Dämonen“ (Gordon Black Nr. 2) von Bryan Danger aka Wolfgang Rahn konnte mit dem hübnerschen Auftakt mithalten. Wolfgang Rahn war im Gegensatz zu Horst Hübner auch kein Anfänger was das Horrorgenre betraf. Rahn hatte im Mai 1976 ein hervorragendes mit „Diabolons grausiges Streicheln“ ein klasse Debüt im Silber-Grusel-Krimi gegeben. Neben zahlreichen Romanen dieser Reihe unter den Pseudonymen Marcos Mongo und Mortimer Mortmain (der Milton-Sharp-Serie) hatte er auch als Joe Dunhill an der Pabel-Reihe Vampir-Horror mitgewirkt. Allerdings wiesen sich hier die Koordinationsschwierigkeiten aus. Offensichtlich war Wolfgang Rahn unter der Voraussetzung an den Roman gegangen, dass Black ein Detektiv ist. Das Lektorat hat das nicht komplett getilgt, doch nicht soviel davon übrig gelassen, wie ich lange geglaubt habe. Erinnerung kann trügen.

Dennoch: Ein überzeugender zweiter Band.

Horst Hübner erklärt derartige Koordinationsschwierigkeiten so:

„Es gab sehr viele Gespräche mit Autoren, dass waren W. A. Hary, Otto Birner oder sonst jemand, die sind teilweise am Redakteur, in dem Fall war ich das, vorbeigeführt worden. Das ergab, dass viele Romane ganz individuell geprägt waren und wenig Rücksicht darauf genommen wurde, was andere Autoren in den Heften davor geschrieben hatten. Es war keine Kontinuität gegeben, weder in der Führung der Heldenfigur, noch im Ablauf der Geschichten. Es hatten bei Marken zu viele Leute etwas zu bestimmen. Diese haben sich auch ausbedungen, mit den Autoren selbst zu verhandeln und das ist den Serien, wie man heute weiß, gar nicht bekommen.
Das erklärt auch Widersprüche zwischen den Autoren, z. B., dass Gordon Black in Band 1 Anwalt und in Band 2 Detektiv war. So etwas hätte nicht passieren dürfen, es ist aber leider vorgekommen.“ Und weiter: „
Nein, es war bei Marken untersagt, die Autoren untereinander bekannt zu machen, damit sie sich austauschen konnten. (...) Aber vom Verlag aus wurde das nicht unterstützt, im Gegenteil, es wurde unterdrückt.“ (Horst Hübner – noch unveröffentlicht)

Die beiden Auftaktbände haben bewiesen, dass beide Autoren atmosphärisch dichte Romane schrieben. Das machte Spaß. Einziger Wermutstropfen war die mangelnde Koordination von Seiten des Verlags, so dass Details unterschiedlich geschildert wurden. So war Hübners Black „Geisterjäger“, Rahn nannte ihn „Dämonenbezwinger“. Auch in Beschreibung und Schilderung wichen sie in Nuancen (was letztlich bei mehreren Autoren immer passieren kann) voneinander ab. – Ein Umstand, der den Autoren nicht anzulasten ist. Eher dem Lektorat, das dafür verantwortlich zeichnet, diese Abweichungen nicht zu extrem werden zu lassen, bzw. zu glätten.

Gordon Black 3 - Friedhof der HexenDann kam wieder Horst Hübner zu Ehren. Er wandte sich einen der bekanntesten Ausfälle der Hexenverbrennungen zu: Den Hexen von Salem in Neuengland. In „Friedhof der Hexen“ Hübner zeichnet auf der einen Seite ein Bild des Hexenwahns, nutzt diesen auf der anderen Seite aber für eine übernatürliche Racheerzählung. Es gelingt ihm wieder, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Gordon Black 4 - Der MonstermacherDer nächste Roman, die Nr. 4 der Serie, war wieder von Wolfgang Rahn. „Der Monstermacher“ war kein Remake des Auftaktromans zu Dan Shocker’s Macabros. Rahn mischte zwei Klassiker der Schauerromantik. Zum einen Motive aus Dr. Jeckyll und Mr. Hyde von R. L. Stevenson und zum anderen Mary Shelleys Frankenstein. Der Monstermacher wird selbst zu seiner Kreatur.

Diese Variante war ungewöhnlich, zudem überzeugend geschildert, griff die Motive der Klassiker geschickt auf und kombinierte sie geschickt mit einer rasanten Heftromangeschichte, die es in sich hat und – das Markenzeichen der Serie – einer atmosphärisch dichten Schilderung.

Auch Rahn gelingt es erneut, den Leser zu fesseln.

Gordon Black 5 - Eine Braut für DraculaDie Nr. 5 der Serie, Eine Braut für Dracula von Horst Hübner, hat ein offenes Ende, das bis heute nicht geklärt ist. Dracula und einer seiner Bräute konnten gegen entkommen. Insgesamt zeigt Hübner einen innovativen Umgang mit der wohl bekanntesten Figur des Genres. Für die angekündigte Hörspielserie sollte man empfehlen, hier Horst Hübner zu überreden eins oder gleich mehrere Treatments für eine direkte Fortsetzung zu entwickeln, um exklusives Material für die Hörspielserie zu bekommen.

Schon diese dürren Sätze über die Romane des ersten Viertels der Serie dürften andeuten, dass durchaus Potential in den Romanen und den Autoren steckte, die trotz des Verlages eine hohe Qualität erreichte.

Die weiteren Romane zeigten eindeutig, dass in den Autoren Ideen steckten, selbst damals schon verbrauchten Themen, wieder Frische und neues Leben einzuhauchen.

Es machte Spaß die Serie zu kaufen und zu lesen. Handwerklich mehr als solide. Die Autoren entwickelten ihre Geschichten, hielten sich an die innere Logik ihres Kosmos und entwicktelten etwas, dass einen etwas längeren Atem von Seiten des Verlages verdient gehabt hätte, um sich zu entwickeln und sich zu etablieren. Immerhin boomte der Horror bei Zauberkreis und Bastei:

Horst Hübner zeichnet aber folgendes Bild über den Marken Verlag:

„Der Verleger Noster, der eigentlich kein Verleger, sondern Kaufmann war, hatte keine Geduld. Das war auch mit ein Grund für den Niedergang des Marken-Verlages. Aber da spielten auch viele andere wichtige Faktoren eine Rolle. Noster hatte nicht das Durchhaltevermögen eines Verlegers und man musste damals eine Heftreihe mindestens 30 – 40 Nummern lang draußen haben, um bei der Leserschaft überhaupt bekannt zu werden.
Und wenn Noster nach der Nummer 6 oder 7 keine Auflagensteigerung sah oder sich die Remittendenzahl, d.h. die zurückgegangenen und nicht verkauften Romane angesehen hat, war er schon gefrustet. Er hat immer nur den Profit gesehen und nicht bemerkt, dass ein Verleger auch Verpflichtungen und Durchhaltevermögen haben muss, damit sich Erfolg einstellte. Er hätte eine Serie lange genug draußen haben müssen, damit die Leserschaft diese kennen lernen und frequentieren kann.
“ (Horst Hübner – noch unveröffentlicht)

In der Tat dürfte der Verlag schon, nachdem die ersten (Verkaufs-)Zahlen vorlagen, Gordon Black eingestellt und damit der Serie keine große Chance gelassen  haben. Was folgte war MacKinsey, der sich in Sachen der Heldenfigur John Sinclair (dem Erfolgsmodell annäherte), aber noch schneller scheiterte.

Denn Gordon Black war insgesamt eine Serie, die im Vergleich mit dem ganzen Einheitswust hoch einzuschätzen ist. Wie ich das sehe, schildere ich dritten und abschließenden Teil meiner Sicht der Dinge in Sachen Gordon Black.

 

Fortsetzung hier ...

 

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