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Hannah und ihre Schwestern - Verliebt in die Schwägerin

Hannah und ihre Schwestern

Verliebt in die Schwägerin

 

Woody Allens Privatleben ist kompliziert und hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu beigetragen, dass auch sein künstlerisches Schaffen unter einem anderen Blickwinkel betrachtet wird. Einer seiner großen Erfolge der 1980er Jahre war „Hannah und ihre Schwestern“, der im doppelten Sinne ein echter Familienfilm wurde. Nun ist er bei One Gate erstmals auf BluRay erschienen.

Der New Yorker Intellektuelle, Hypochonder, Komiker und Filmemacher Woody Allen (Jahrgang 1935) begann 1980 seine Beziehung mit Mia Farrow (geboren 1945 als Tochter der Filmschauspielerin Maureen O’Sullivan und des Regisseurs John Farrow), die sich kurz davor von ihrem Ehemann, dem Komponisten André Previn, getrennt hatte, mit dem zusammen sie sechs Kinder hatte, drei davon leiblich, drei adoptiert. In Mia Farrows gemeinsamer Zeit mit Woody Allen kamen drei weitere Kinder hinzu, ein leiblicher Sohn und zwei weitere Adoptivkinder. Allein das hätte schon für gehörige Verwirrung und Komplikationen sorgen können, wurde Anfang der 1990er Jahre aber durch die Tatsache verschärft, dass Allen mit der 35 Jahre jüngeren Soon-Yi Previn, einer der Adoptivtöchter von Farrow mit Previn, eine Affäre begann (seit 1997 sind die beiden sogar verheiratet und haben zwei Kinder). Der öffentlich ausgefochtene Rosenkrieg führte auch zum Ende der professionellen Zusammenarbeit von Farrow und Allen, die in ihrer gemeinsamen Zeit dreizehn Kinofilme miteinander gedreht hatten. Einer der erfolgreichsten davon war sicherlich „Hannah und ihre Schwestern“, der 1986 in die Kinos kam und schließlich mit drei Oscars ausgezeichnet wurde. Woody Allen erhielt einen für das beste Originaldrehbuch, darüber hinaus führte er wieder einmal zwei seiner Darsteller zum Oscar-Sieg, Sir Michael Caine und Dianne Wiest. Der Film selbst behandelt nicht nur das komplizierte Familienleben dreier Schwestern, sondern vereint vor der Kamera neben Allen und Farrow auch noch Farrows Mutter Maureen O’Sullivan und vier der Kinder des Prominentenpaares.

Wieder einmal ist die große Familie von Hannah (Mia Farrow) zum Erntedankfest zusammengekommen. Ihre Eltern Norma (Maureen O’Sullivan) und Evan (Lloyd Nolan) feiern ebenso mit wie Hannahs Schwestern Lee (Barbara Hershey) und Holly (Dianne Wiest), ihre Kinder und weitere Freunde und Verwandte. Hannahs Ehemann Elliot (Sir Michael Caine) schwärmt insgeheim schon seit längerem für seine Schwägerin Lee, deren Partner Frederick (Max von Sydow) zu Hause geblieben ist, weil er als introvertierter Künstler große Menschenmengen verabscheut. Elliot beginnt, Lee etwas offensiver anzuflirten, so dass seiner Schwägerin diese Gefühle nicht mehr verborgen bleiben. Hannahs erster Ehemann Mickey (Woody Allen) hat derweil Hörprobleme, weswegen der Hypochonder mal wieder bei seinem Arzt vorspricht. Der ist zunächst zwar genervt von Mickeys Ängsten, die sich schon allzu oft als unbegründet herausgestellt haben, findet dann aber doch Hinweise, die auch auf einen Hirntumor hindeuten könnten. Deshalb schickt er Mickey ins Krankenhaus, wo weitere Untersuchungen durchgeführt werden sollen. Single Holly lernt kurz danach bei einer gemeinsamen Catering-Aktion mit ihrer besten Freundin April (Carrie Fisher) den Architekten David (Sam Waterston) kennen, bei dem sie sich Hoffnungen auf mehr zu machen beginnt. Zwar führt er sie tatsächlich in die Oper aus, zeigt aber ein ähnliches Interesse auch für April.

Woody Allens vierzehnter eigener Kinofilm als Regisseur wurde nicht nur mehrfach ausgezeichnet, sondern von Publikum und Kritik generell äußerst positiv aufgenommen. In Interviews zeigte sich der Filmemacher dennoch missverstanden: „Die Leute sagen mir: Der Film ist so positiv, so lebensbejahend. Und ich frage mich: Was habe ich nur falsch gemacht!“ Nichtsdestotrotz ist „Hannah und ihre Schwestern“ ein sehr subtiler und sensibler Woody-Allen-Film mit hervorragenden Darstellern und exzellenten Filmszenen, die teilweise an Charlie Chaplin erinnern. Der American Way of Life wird vorzüglich dargestellt, wenngleich auch die Zitate von Allens Vorbilds Anton Tschechow („Drei Schwestern“ aus dem Jahr 1901) dabei nicht verlorengehen und seine Einflüsse spürbar werden. Obwohl es sich auch hier im Kern wieder um ein dialoglastiges Kammerspiel handelt, ist es Kameramann Carlo di Palma geglückt, in den Außenaufnahmen Locations aus dem von Woody Allen so geliebten New York einzufangen, die man bislang kaum in anderen Filmen aus dem Big Apple gesehen hat. Mit 40 Jahren Abstand ist der Film dadurch auch zu einem Zeitzeugnis der Metropole und der Familie Allen geworden. Die BluRay-Erstveröffentlichung bietet ein ganz gutes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1), bei dem das Filmkorn mitunter noch erkennbar ist. Wie bei Allen-Filmen üblich, liegt der Ton (Deutsch und Englisch) lediglich im DTS HD Master Audio 2.0 Mono vor, optional kann man deutsche Untertitel zuschalten. Bonusmaterial ist keines vorhanden.

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