Gert Fröbe Kultbox - Der sächsische Weltstar
Gert Fröbe Kultbox
Der sächsische Weltstar
Gert Fröbe stand noch am Beginn seiner Karriere, hatte erst eine Handvoll deutscher Filme gedreht, als er in „Entscheidung vor Morgengrauen“ von Anatole Litvak 1951 bereits in einem englischsprachigen Film mit von der Partie war. Zu seinen damaligen Co-Stars gehörten Richard Basehart, Oskar Werner und Hildegard Knef. Ebenfalls noch in den 1950er Jahren drehte er unter Victor Vicas die deutsch-französische Koproduktion „Das zweite Leben“ mit Michel Auclair und Simone Simon und „Vom Himmel gefallen“ mit Joseph Cotten. In den 1960er Jahren startete er dann so richtig durch, spielte in „Der längste Tag“ an der Seite von so ziemlich jedem internationalen Star jener Tage, in „Die Dreigroschenoper“ neben Sammy Davis jr., Lino Ventura und Curd Jürgens, und schließlich in der Titelrolle in „Goldfinger“. Dieser dritte James-Bond-Film gilt bis heute als einer der besten, nicht zuletzt auch aufgrund der diabolisch-zynischen Interpretation des Schurken durch Gert Fröbe. Weitere Fröbe-Highlights auf dem internationalen Parkett waren dann „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“, „Brennt Paris?“, „Spion zwischen zwei Fronten“ und „Ludwig II.“ Auch in den 1980er Jahren war er international noch gefragt und übernahm Rollen im jugoslawischen Film „Der Falke“ neben Franco Nero oder in „Der Regenschirmmörder“ neben dem französischen Starkomiker Pierre Richard. In seinen letzten Jahren vor der Kamera spielte Fröbe aber auch in einer Reihe deutscher Fernsehfilme, von denen Pidax nun drei in der „Gert Fröbe Kultbox“ erstmals auf DVD herausgebracht hat.
Den Auftakt macht dabei der 1984 entstandene „Alte Sünden rosten nicht“, der auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Maurus Pacher basiert. Fröbe ist darin als Konsul Otto Friedrich Heimann zu sehen, der zeitlebens Junggeselle geblieben ist und seine Erfüllung im Erfolg seiner Firma fand. Plötzlich steht mit Susan Smith (Marion Kracht) eine junge Frau in der Tür, die von ihm eine Bürgschaft für eine Aufenthaltsgenehmigung erbittet. Susan ist Kanadierin und Tochter eines Kindes, das Heimann ohne es zu wissen noch vor dem Zweiten Weltkrieg gezeugt hatte. Susan möchte ansonsten nichts von ihrem Großvater, doch bei diesem erwacht eine Fürsorglichkeit, die er bislang in seinem Leben vermisst hatte. Seine restliche Verwandtschaft, insbesondere die beiden Neffen Tom (Karl Friedrich) und Harry (Peter Schiff), sehen ihre Felle in der Firma aber bereits davonschwimmen, zumal sie die verwandtschaftlichen Verhältnisse nicht kennen und vermuten, dass Susan die junge Geliebte Heimanns ist. Der Fernsehfilm bietet dem deutschen Weltstar Gert Fröbe eine hübsche und sehr charmante Altersrolle. An seiner Seite agieren eine ganze Reihe weiterer renommierter Darsteller, denen es zusätzlich gelingt, die etwas seichte und auch recht sentimentale Geschichte aufzupeppen. Axel von Ambesser hat das Ganze mit Spielfreude und leisem Witz in Szene gesetzt, so dass es einem nicht langweilig wird und man die Doppeldeutigkeiten in den Dialogen goutieren kann.
Das Highlight der Box ist sicherlich der zwei Jahre früher entstandene „Der Garten“ nach einer Vorlage von Tim Aspinall. In der Reihe „Sonja Ziemann stellt vor: Liebesgeschichten“ war der Stoff 1967 schon einmal mit Edith Heerdegen und Alfred Schieske fürs deutsche Fernsehen adaptiert worden (nach seiner britischen Uraufführung im Jahr 1963). Hier spielt nun die ebenfalls international anerkannte Elisabeth Bergner (1897-1986; „Katharina die Große!“, „Der Todesschrei der Hexen“) in ihrer letzten Hauptrolle die Witwe Maudie Merriman, die nach dem Tod ihrer Schwester den letzten Lebenswillen zu verlieren droht. Da zieht der aus der Armee entlassene Ted Hayward (Gert Fröbe) in die Nachbarschaft und findet im verwilderten Garten der Merriman seine neue Lebensaufgabe. Durch seine beherzte und liebenswerte Art gelingt es dem Junggesellen, die aristokratisch-versnobte Witwe aus ihrer Reserve zu locken und deren Lebensgeister wieder zu wecken. Gemeinsam machen sich die beiden Senioren nun daran, den Garten wieder auf Vordermann zu bringen. Wolfgang Liebeneiner hat die symbolische Geschichte um zwei einsame alte Herzen auf subtile Weise umgesetzt. Aus seinen hervorragenden Hauptdarstellern holt er fantastische Schauspielleistungen heraus, sowohl Fröbe als auch Elisabeth Bergner agieren mit einer federleichten Natürlichkeit, die ihresgleichen sucht. Ein nach wie vor exzellent unterhaltender Film mit wunderbaren Dialogen und von einer kitschfreien Herzlichkeit.
Der dritte Film der Box heißt „Ein sturer Bock und andere Geschichten“ und entstand 1981 unter der Regie von Rolf von Sydow ebenfalls für das ZDF. Das rund einstündige Fernsehspecial besteht aus insgesamt vier kurzen Episoden, die allesamt um den Kieler Volksschauspieler Heinz Reincke (1925-2011) herum geschrieben wurden. Gert Fröbe ist hier lediglich in der vierten (und längsten) Episode „Ein sturer Bock“ als Gaststar mit dabei. Die ersten drei Kurzgeschichten sind mal mehr („Ein lahmer Gaul“), mal weniger („Ein dicker Fisch“, „Ein schwarzes Schaf“) amüsant, bieten dank Reinckes komödiantischem Talent aber alle ganz akzeptable Unterhaltung. Die Fröbe-Episode ist hier fraglos der Höhepunkt, da die beiden Stars als Antagonisten herrlich funktionieren. Fröbe spielt den sturen Regierungsbeamten Georg Kempe, der die jährliche Wartung eines Leuchtturms durchführen soll, der von Bruno Hofstetter (Reincke) das Jahr über betreut wird. Da sich Kempe als Paragrafenreiter entpuppt, der nichts von der Lockerheit seines Vorgängers an den Tag legt, stellt sich auch Hofstetter stur und schlägt den Inspekteur mit seinen eigenen Mitteln. Auch die weiteren Rollen des Fernsehspecials sind mit prominenten Fernsehgesichtern wie Uwe Dallmeier, Eva Maria Meineke und Christiane Maybach besetzt.
Insgesamt ist die „Gert Fröbe Kultbox“ eine lohnenswerte Ausgrabung des Labels Pidax, die Fröbe-Fans sicherlich nicht enttäuschen dürfte, zumal diese drei Fernsehfilme allesamt schon lange nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Alle drei Filme (Gesamtlaufzeit 252 Minuten) wurden auf eine DVD gepresst. Das Bild (im Vollbildformat 1,33:1) ist soweit in Ordnung, gelegentlich wirkt es ein wenig grobkörnig. Der deutsche Originalton liegt jeweils in Dolby Digital 2.0 vor und ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Extras sind keine vorhanden.



