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Nix nur Kunst - Dog Soldiers

Dog SoldiersNix nur Kunst
Die Dog Soldiers der Cheyenne

Als die Hieroglyphen entschlüsselt wurden war allen klar, dass dies eine Schrift ist und die Ägypter unter den Pharaonen eine Hochkultur waren. Nicht allen Völkern traut man zu, dass Wissen mehr als nur mündlich überliefert wird, selbst wenn es belastbare Hinweise darauf gibt. Und so galten die Zeichnungen der Cheyenne (auf Tierhäuten und später auch auf Papier) als ›Native Art‹. Aber das stimmt so nicht und das Geheimnis wurde gelöst.


Dog SoldiersEs gab diese Bilder und es war im Grunde bekannt, dass sich hinter den Zeichnungen mehr verbarg als nur ein künstlerischer Ausdruck. Doch im Grunde war man weitgehend zufrieden mit der Ansicht, das seien eben nur Bilder. Aber dann kam der Moment, in dem einer dieser Autoren etwas entdeckte, dass aus dieser Kunst die Dokumentation historischer Ereignisse macht.

»Die Dog Soldiers der Cheyenne« dokumentiert diesen Vorgang. Das Buch, in der Druckversion des Verlags für Amerikanistik, leider vergriffen, liegt nun wieder als eBook vor. Der Semitarius Verlag zeichnet dafür verantwortlich. Darin wird die äußerst spannende Geschichte nachgezeichnet wie 107 Zeichnungen, die mehr oder minder als Kunst der Cheyenne (Native Art) galten.

Andrew Masich und Dietmar KueglerSo dauerte es fast ins 21. Jahrhundert hin bis einer der Autoren dieses Buches Andrew Masich ein besonderes Gewehr erkannte. Er machte sich daran, dieses Gewehr zu finden und las zu diesem Zweck Tagesberichte und andere Aufzeichnungen zu studieren. So konnte der diese Bilder dann Ereignissen zuordnen. Statt Native Art konnte er zeigen, dass diese 107 Zeichnungen eine präzise Dokumentation war.

Was wir hier also vor uns haben ist aber nicht die vollständigen wissenschaftliche Dokumentation, sondern die reich bebilderte Übersetzung der Volksausgabe dieser Spurensuche. Aber diese hat es ebenso in sich und ist zudem spannend geschrieben. Leider macht diese Sisyphusarbeit dann auch mehr als deutlich, dass da viel Wissen verlorenen gegangen ist, denn diese Bebilderungen bedürfen einer Erläuterung. Es ist dann eben doch keine Schrift. Sie bedürfen der Erklärung bzw. Erzählung oder eben Quellen, die helfen das Ereignis durch Vergleiche zu entschlüsseln.

Die Cheyenne hatten eben doch keine Kultur wie die Ägypter,a ber sie hatten eine. Und der weiße europäische Eroberer hat das nicht richtig erkannt. Aber immer hatte die Arbeit von Masich und Halaas dann doch Folgen, die bis in die aktuelle Tagespolitik hineinreichen. Mit Hilfe der Arbeit der beiden Wissenschaftler wurde die Sichtweise auf das Massaker von Sand Creek neu bewertet.

Das ist spannende Lektüre, wie auch das Gespräch mit
... Dietmar Kuegler über Ledger Books, Zeichnungen und die Folgen sehr deutlich aufzeigt. Darin erzählt er auch (viel besser als ich es könnte was Ledger Books sind und warum demzufolge diese Zeichnungen auf liniertem Papier entstanden.

Ich kann diese Lektüre nur empfehlen. Wer sich für Geschichte, für Spurensuche und das Entschlüsseln interessiert, der wird auf faszinierende weise bedient. Aber es ist auch ein Lehrbeispiel dafür, wie stark das Wort Kultur in Schablonen gepackt ist und wie Maßstäbe falsch gesteckt werden und man sich erst den Ballast abwerfen muss, um dann zu erkennen, dass es mehr als eine Ausdrucksform gibt und eine Schriftsprache nicht alles ist. »Die Dog Soldiers der Cheyenne« ist in mehr als nur einer Hinsicht ein Lehrstück. Auch der Kulturchauvinismus ist ein Teil davon und diesen sollte man immer im Auge behalten.

Dog SoldiersDas eBook wird folgendermaßen angekündigt:

Am 29. November 1864 griffen Colorado-Freiwillige unter dem Kommando von Colonel John Chivington ein Lager von Cheyenne-Indianern am Sand Creek im Südosten Colorados an, über denen, zum Zeichen ihrer Friedfertigkeit, das Sternenbanner wehte. Es kam zu einem der grauenvollsten Massaker der Indianerkriege, bei dem über 160 Männer, Frauen und Kinder auf die bestialischste Weise umgebracht wurden.
Das Ereignis löste bereits wenig später eine Untersuchung der amerikanischen Regierung aus; trotzdem kamen die Verantwortlichen aus formalen Gründen ohne Bestrafung davon. Die Folge war ein Rachefeldzug der Kriegerelite der Cheyenne, der „Dog Soldiers“, die Wagenzüge, Siedlungen und Militärposten und -patrouillen angriffen.
Dieser Krieg, in dem die Cheyenne immer wieder ihre Überlegenheit in der Guerillakriegführung bewiesen, endete erst im Juli 1869, als es der 5. US-Kavallerie unter Major Eugene Carr und einer Einheit Pawnee-Scouts gelang, das Dorf des Häuptlings Tall Bull aufzuspüren und bei Summit Springs zu besiegen.
In dem Lager wurde eine Kladde mit 107 Zeichnungen gefunden, ein sogenanntes „Ledger Book“. In solchen Kladden, die aus dem Bestand der Armee oder von Kaufläden stammten, pflegten indianische Krieger ihre Taten mit einfachen Zeichnungen festzuhalten.
Lange Zeit fälschlich als „primitive Kunst“ unterschätzt und nicht beachtet, gelang es dem Autorenteam David Halaas und Andrew Masich in den 1990er Jahren diese Piktografien als dokumentarisch nachzuweisen.
Nach eingehenden Untersuchungen gelang es ihnen, den „Code zu knacken“. Sie konnten alle 107 Zeichnungen eindeutig historisch belegten Ereignissen zuordnen und auch die Personen, die in den Zeichnungen gezeigt wurden, identifizieren.
Die Ledgerbuch-Piktografien erwiesen sich als „Berichte“ aus indianischer Sicht. Sie zeigten die Kriegstaten einzelner Krieger in ganz bestimmten Auseinandersetzungen, und sie stellten sich als ebenso exakt dar wie die schriftlichen Protokolle von Armeeschreibern oder andere Aufzeichnungen.
Dr. David Halaas und Dietmar KueglerDie Entschlüsselungen der Ledgerbuch-Zeichnungen als detaillierten indianischen Schriftersatz lösten eine Sensation aus und brachten den Autoren hohe Anerkennungen ein.
Die hier vorliegende Publikation stellt einen Auszug aus dem Gesamtwerk der Dog-Soldier-Piktographien dar, eingebettet in historische Beschreibungen des Umfelds und des Hintergrundes, vor dem diese Zeichnungen entstanden.
Die Autoren gaben mit ihrer Arbeit den Dog Soldiers der Cheyenne ihre Geschichte zurück. Zugleich lösten sie eine heftige Debatte um das schändliche Massaker am Sand Creek aus, die dazu führte, dass der Schauplatz des Ereignisses im Jahr 2000 von US-Präsident Bill Clinton zum Nationalmonument erhoben wurde.
Dr. David Halaas ist bis zum heutigen Tag Beauftragter der Cheyenne für die Interpretation des Sand Creek und Vermittler für die Verhandlungen mit dem Nationalpark-Service.

 

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