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Go West! - 11. Juli 2014

Go WestEine Reise in den ›Wilden Westen‹
11. Juli 2014

Jedes Jahr führe ich zwei kleine Reisegruppen durch den Westen der USA.

Dazu lege ich in Facebook ein Reisetagebuch an, das auch im Zauberspiegel erscheinen soll. Es geht zu legendären Orten des Wilden Westen auf den Spuren von Cowboys, Indianern und eines spannenden Stücks Geschichte. - Folgt mir ...


Go WestDer Custer State Park und die Pine Ridge Reservation
An Naturschönheiten hat South Dakota einiges zu bieten. Neben den zerklüfteten, rauen Badlands, bieten vor allem die Black Hills atemberaubende Ansichten. An ihrem Rand liegt der 1897 gegründete Custer State Park, der eine überwältigende Landschaft aber auch eine unglaublich vielfältige Tierwelt enthält. Er ist eine Region, die in weiten Teilen noch so unberührt ist wie vor 150 und 200 Jahren. Schroffe Berggipfel, bezaubernde Täler, wunderschöne Seen.

Hier gibt es Rotwild fast jeder Art, es gibt Mountain Goats und Pronghorns, und es gibt eine etwa 1500 Köpfe starke Bisonherde, die zu den gesündesten in freier Wildbahn zählt.

Einmal im Jahr findet ein Bison-Round-up statt. Es werden Tiere aussortiert und an Bisonrancher versteigert, auch an indianische Bisonrancher.

Der Park dehnt sich jedoch so weit aus, daß man durchaus Pech haben kann und auf dem langen “Wildlife Loop“, den man mit dem Auto abfährt, kaum ein Tier zu Gesicht bekommt – die Tiere entscheiden selbst, wo sie hingehen.

Ich bin so oft im Custer State Park gewesen, daß ich einige der bevorzugten Ecken bestimmter Tiere kenne. Aber als wir heute morgen ankamen, sah es zunächst so aus, als wäre das Gebiet ohne Leben.

In der ersten halben Stunde ließ sich kein Tiere blicken. Wir fuhren wie verschlungene Iron Mountain Road, auf der ich kaum rechts und links schauen konnte, weil die Haarnadelkurven und gewundenen Serpentinen vollste Aufmerksamkeit erforderten.

Dann öffneten sich plötzlich die grasigen Ebenen – und da waren sie: Eine der größten geschlossenen Bisonherden, die einem im Park begegnen kann.

Es war ein Erlebnis: Wir konnten bis auf 15 – 25 m an die Herde heran. Bullen beäugten uns zwar mißtrauisch, blieben aber friedlich, und das, obwohl Bisonkinder dabei waren.

Sie suhlten sich, einige junge Bullen kämpften miteinander, andere kreuzten die Straße und brachten jeden Verkehr zum Erliegen.

Es war ein Erlebnis, das keiner von uns so schnell vergessen wird.

Pronghorns gehören ebenfalls zu den seltenen Tieren im Custer State Park.

Im Park leben auch Wildesel: Als der Goldabbau in den Black Hills zurückging, ließen einige Minenbesitzer ihre Esel, die die Loren gezogen hatten, einfach frei. Sie verwilderten.

Heute stellen ihre Nachfahren eine eigene Spezie im Park dar.

Extrem selten zu sehen sind Mountain Goats in den Black Hills. Wir hatten das Glück, daß uns gleich zwei davon in der Nähe der Straße begegneten.

Atemberaubende Landschaften, und noch ein ferner Blick auf Mount Rushmore boten sich hinter jeder Kurve.

Go WestDie heutige Pine Ridge Reservation ist der Rest der sogenannten „Great Sioux Reservation“, die nach dem zweiten Vertrag von Fort Laramie 1868 entstand. Sie war das Resultat von „Red Clouds Krieg“, den die US-Armee blamabel verlor.

Durch den Goldrausch von Montana 1862 war es nötig geworden, die Boom-Region mit Waren zu versorgen. Die meisten Trecks liefen über den Bozeman Trail, aber dieser durchschnitt das Land der Sioux, das ihnen als unverletzlich garantiert worden war.

Als die Armee begann, mehrere Forts zum Schutz der Warentransporte zu errichten, erklärte Red Cloud dem weißen Mann den Krieg.

Neben der Belagerung von Fort Phil Kearny war das sogenannte Fetterman-Massaker, bei dem die Sioux unter Führung des jungen Crazy Horse ein 82 Mann starkes Armee-Kommando vernichteten, die spektakulärste Aktion.

Am Ende räumte die Armee ihre Posten; die Indianer brannten sie nieder. Red Cloud ritt als Sieger nach Fort Laramie und „berührte die Feder“.

Die Indianeragentur der Großen Sioux Reservation wurde in Fort Robinson im heutigen Nebraska eingerichtet. Der Frieden hielt nur wenige Jahre. Nachdem in den Black Hills 1874 enorme Mengen Gold entdeckt worden waren, brach ein Streit aus, der bis heute nicht beendet ist und 1876 in der Niederlage der 7. Kavallerie am Little Big Horn seinen Höhepunkt hatte.

Red Cloud aber führte keinen Krieg mehr. Er lehnte den Widerstand von Sitting Bull und Crazy Horse ab; er hatte sich arrangiert. Er war mehrfach in Washington gewesen und hatte erkannt, daß der weiße Mann stärker war.

Die Reservation wurde im Laufe der Zeit verkleinert. Pine Ridge gehört heute zu den ärmsten Regionen der USA; die Infrastruktur ist sehr schwach, die Arbeitslosigkeit hoch – trotz eines erfolgreichen Spielkasinos, das durch ein großes Hotel erweitert wurde.

Auf Pine Ridge fand – am Wounded Knee – im Dezember 1890 das letzte große Massaker der Indianerkriege statt, als die Armee 200 Männer, Frauen und Kinder niedermetzelte.

Politisch sind die Oglala-Lakota leider zutiefst uneins. Es gibt bis heute Gräben zwischen der Red Cloud Familie und ihren Anhängern und den Nachkommen der Crazy Horse-Gruppe. Es gibt Uneinigkeit über den Umgang mit dem Wounded Knee-Gelände – das dem Stamm gar nicht gehört – und über die Frage, wie mit den Black Hills umgegangen werden soll.

Die Regierung hatte vor Jahrzehnten eine finanzielle Entschädigung für die Wegnahme dieser als heilig angesehenen Berge geboten – diese auf einem Treuhandkonto liegende Summe ist inzwischen auf ca. 300 Millionen Dollar angewachsen.

Ein Teil des Stammes würde das Geld gern nehmen, ein anderer lehnt das strikt ab. Eine Einigung ist bisher nicht in Sicht.

Wer von Norden nach Pine Ridge fährt, sieht fast als erste Ansiedlung das "Prairie Wind Casino und Hotel". Es ist täglich geöffnet, 24 Stunden - rund um die Uhr. Neben Poker und Blackjack kann man sein Glück hier an 250 Spielautomaten versuchen. Es gibt auch ein Restaurant.

Das Kasino schafft Arbeitsplätze und bringt der Reservation viel Geld.

Auf Pine Ridge liegt die Holy Rosary Mission, eine Jesuiten-Mission, zu der neben einer Kirche auch eine Schule mit ausgezeichnetem Ruf und ein „Heritage Center“ (Museum und Galerie) gehört.

Mission und Schule wurden 1888 auf Bitten von Red Cloud gegründet, der zum katholischen Glauben übergetreten war.

Anfang Januar 1891 fanden die Überlebenden des Wounded Knee Massakers in der Mission Aufnahme und Versorgung.

Die Schule vermittelte nicht nur allgemeine Bildung, sondern auch handwerkliche Fähigkeiten, die für die Gründung von Farmen nötig waren.

1937 nahm die Red Cloud High School ihren Betrieb auf.

Heute bemüht sich die Mission darum, die beiden Kulturen – Lakota und Weiße – miteinander zu verbinden; sie legt Wert auf die Feststellung, keinen „Kulturimperialismus“ betreiben – das war einmal anders –, sondern dem Volk der Lakota dienen zu wollen.

Soweit man das als Besucher beurteilen kann, wird die Mission diesem Anspruch gerecht. Im Museum, das von dem unvergessenen Brother Simon eingerichtet wurde, liegen einige ausgewählte traditionelle historische Stücke, aber auch viele Arbeiten heutiger indianischer Künstler, die zu verkaufen sind.

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