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FROM THE EARTH TO THE MOON: 14. November - Die Reise beginnt

From the Earth To The Moon - Again“We choose to go to the moon …we choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard.” –
John Fitzgerald Kennedy, 12. September 1962
FROM THE EARTH TO THE MOON
14. November - Die Reise beginnt

Die Landemodule hießen Spider und Snoopy, oder hören auf Namen wie Challenger und Antares. Ihre Reisen machten sie mit Gumdrop und Charlie Brown, oder America und Kitty Hawk. Es sollte eben etwas Ursprüngliches haben, etwas durch und durch Amerikanisches.


 So wie ihre prominentesten Helden Armstrong Collins und Aldrin hießen. Amerikaner mit Leib und Seele. Aber das ist vierzig Jahre her. Vierzig lange Jahre, die vieles aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwinden lassen. Die Landung amerikanischer Pioniere auf dem Erdtrabanten reduziert sich auf eine Phrase: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“

Conrad - Gordon - BeanEs ist viel berichtet worden über vierzig Jahre Mondlandung, an jenem 20. Juli, als sich der erste Stiefelabdruck eines Menschen in die Mondoberfläche prägte, welcher noch heute erhalten ist. Schade um die Pioniere Conrad, Gordon und Bean, die im Schatten der Ereignisse kaum noch in Erinnerung sind, als sie sich mit dem Yankee Clipper zum Mond aufmachten.

Natürlich war es seinerzeit noch ein außerordentliches Erlebnis, als Menschen aufbrachen, den Mond zu besuchen. Das Interesse der Öffentlichkeit nahm allerdings schneller ab, als man gedacht hatte, denn dem Otto-Normal-Amerikaner erschloss sich der Nutzen der Raumfahrt nicht wirklich. Erst der „gelungene Fehlschlag“ von Apollo 13 stieß die Menschen wieder darauf, dass da immer noch echtes Heldentum den Weg zu den Sternen begleitete. Und diese Helden waren Amerikaner.

Am publikumswirksamsten hat unbestritten die Howard-Grazer-Schmiede das Programm der Apollo-Missionen beleuchtet, auch wenn die Landung auf dem Mond selbst nicht stattfand. Angeregt durch den unglaublichen Erfolg des Films APOLLO 13, bei dem viele Szenen in Schwerelosigkeit gedreht wurden, taten sich Hauptdarsteller Tom Hanks, Regisseur Ron Howard und Produzent Brian Grazer für ein weiteres Projekt zusammen. Es hieß FROM THE EARTH TO THE MOON, und darin bekamen schließlich auch die Astronauten von Apollo 12 ihre verdiente Aufmerksamkeit.

Als Apollo 9 erfolgreich beendet war, gab man die Mannschaftsaufstellung für Apollo 12 bekannt. Apollo 11 war mit der geplanten Landung für den 20. Juli 1969 längst ausgemachte Sache. Gemini-Veteran Charles ‚Pete‘ Conrad sollte Kommandant sein, gefolgt von Richard Gordon als Pilot des Command-Modules und dem Weltraum-Neuling Alan Bean, der das Lunar-Module auf der Mondoberfläche landen sollte. Für letztere Aufgabe war eigentlich Clifton Williams eingeteilt, der allerdings während der Trainingsphase zwei Jahre zuvor bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war.

Aufnäher der Apollo 12-MissionClifton Williams wird von dem vierten Stern auf dem Missionsemblem vertreten. Die anderen drei Sterne symbolisieren natürlich die tatsächliche Mannschaft. Ferner ist ein amerikanischer Clipper auf dem Emblem zu sehen, der das Raumschiff darstellt, und es dominieren die Farben Blau und Gold. Es sind die traditionellen Farben der amerikanischen Marine, sie sollen andeuten, dass alle drei Astronauten dort ihren Dienst taten. Die Auswahl der einzelnen Mannschaften war bei der NASA keine wahllose Zusammenstellung und der angedachte Einsatz unterlag auf keinen Fall der Beliebigkeit.

Die Mannschaft Conrad, Gordon und Williams trainierte als Ersatzmannschaft für Apollo 9. Wäre diese Crew bei Apollo 9 zum Einsatz gekommen, hätten sie dabei den Mond nur umrundet. Andere wären nachgerutscht und hätten als Hauptmannschaft die Mondlandung von Apollo 12 übernommen. Kein Husten, kein Durchfall und nicht den Hauch einer Erkältung durfte eines der Crew-Mitglieder haben, sonst wäre die komplette Mannschaft umgehend gegen die Ersatzmannschaft ausgetauscht worden. Die NASA war in dieser Beziehung sehr strikt, weil während der Missionen nichts, aber auch wirklich nichts dem Zufall überlassen werden durfte. Und jede Mission hatte ihre ganz eigenen, ganz speziellen Anforderungen.

Dass Conrad und Gordon nach dem Ableben von Williams als Crew zusammenblieben und auch noch mit Bean die vereinbarte Mission fliegen durften, war so gesehen gegen das eigentliche Protokoll. Doch die Crew stand, hatte sich zusammengefunden und war bereit, sich auf die Reise zum Mond zu machen.

Der Traum einer fremden Welt. Ein Menschheitstraum, der am ehesten mit dem treuen Gefährten der Erde in Erfüllung zu bringen wäre. Der Mond, diese nackte, blasse Kugel regte die Gedanken der Philosophen genauso an wie die der Phantastiker. Robert Heinleins Roman ROCKET SHIP GALILEO gilt als Vorlage des 1950 entstandenen Streifens DESTINATION MOON – ENDSTATION MOND, der zwar die amerikanische Ideologie zweifelhaft hochhält, doch in der Filmhistorie einen besonderen Platz für sich in Anspruch nimmt. Man bezeichnet DESTINATION MOON als den ersten Film, der sich unter Berufung auf den damals vorherrschenden Wissenstand der Wissenschaft mit der Möglichkeit einer Mondlandung auseinandersetzt.

Destination MoonDESTINATION MOON greift mit einem Cartoon von Woody Woodpecker nicht nur späteren NASA-Gewohnheiten vor, die die komplizierten Sachverhalte der Raumfahrt mit kindlichen Animationsfilmen verständlich machten, sondern behandelt handlungstechnisch eine ähnliche Situation, wie sie der Apollo-13-Crew widerfahren ist.

Weil man so viel Wert auf akkurate Ausstattung und realitätsnahe Nachbildungen von Raketen und Weltraumbildern legte, und auch der wissenschaftliche Inhalt der Zeit angemessen korrekt wie möglich sein sollte, pries sich DESTINATION MOON mit der Schlagzeile: „Two years in the making!“ Dieses von George Pal aufwendig produzierte Spektakel erregte natürlich öffentliches Interesse. Ebenso wie das von Lippert Productions, die sich umgehend anschickten ROCKETSHIP X-M zu verfilmen.

In nur wenigen Tagen gedreht, schaffte es dieser halbherzig zusammengeschusterte ROCKETSHIP, noch vor DESTINATION in die Kinos zu kommen. Das Zuschauerinteresse an wissenschaftlich orientierten Handlungen war damit gedeckt, und DESTINATION verlor als patriotisches Hurra-Stück das Rennen zum Mond. Doch offen betrachtet hätte dieser Film dem Publikum auch nicht viel mehr beibringen können. Der Raketenantrieb wird mit thermonuklearem Rückstoßprinzip erklärt, eine deutliche Zusage an die Atomkraft. Zudem wird bei DESTINATION die Meinung proklamiert, dass Projekte dieser Art nur von Seiten der Privatwirtschaft zu finanzieren seien.

Doch der Wahrheit am nähesten kommt die Fiktion bei der Angst vor einer rivalisierenden Staatsmacht. Das Drehbuch von DESTINATION MOON erwähnt mit keinem Wort den damals noch in den Kinderschuhen steckenden Kalten Krieg, und die Sowjetunion wird ebenso wenig genannt. Dafür wird die Angst geschürt, dass der Erste auf dem Mond dort auch Atomwaffen stationieren könnte, und man sich gegen einen Angriff vom Mond nicht wehren könnte. Natürlich war das dramaturgischer Unsinn, doch dass Conrad, Gordon und Bean überhaupt zum Mond starten konnten, war eindeutig dem ständigen sowjetischen Vorsprung in der Eroberung des Weltraums zuzuschreiben.

Am 12. November 1969, zwei Tage vor dem Start von Apollo 12, entdeckte man ein Leck an den Treibstofftanks des Apollo-Raumschiffs. Kurzerhand musste die vorbereitete Apollo 13 ihren Tank abgegeben. Um 04:22 Uhr nachmittags, es war der 14. November 1969, zündete die gewaltige Saturn-V-Rakete ihre Triebwerke und brachte Apollo 12 auf den sicheren Weg zum Mond. Diese Sicherheit währte jedoch nur ganz kurze Zeit.

Der StartEin ordentlicher Regenschauer bedeckte das Kennedy Space Center. Keine kritische Situation für die Saturn-V oder Mission-Control. Dennoch blieben solche Situationen stets in der Verantwortung des Commanders, in diesem Fall Charles ‚Pete‘ Conrad. Die Crew war allerdings so ein ungewöhnlich zusammengewachsenes Team, dass Conrad Entscheidungen nicht alleine traf, sondern seine Kameraden einbezog. Das leichte Unwetter schreckte niemanden, man wollte endlich los. Man wollte zum Mond.

Die gewaltige Saturn-V-Rakete hatte ihre Triebwerke gezündet und brachte Apollo 12 auf den Weg zum Mond. Gerade, als man den Startturm passierte, exakt 36,5 Sekunden nach Lift-off, schlug ein Blitz in die Rakete. Alle Warnleuchten leuchteten auf. Zudem schaltete der Computer alle Brennstoffzellen ab, die Saturn-V operierte im Batterie-Betrieb. 52 Sekunden nach dem Lift-off zuckte ein zweiter Blitz durch die Rakete und alle Telemetriesonden funkten unverständliche Daten an Mission-Control. Ein Vorfall, für den in dieser Kombination verschiedener Faktoren keine Lösung bekannt war. Für Pete Conrad wurde es Zeit, er musste die Mission abbrechen.

Die mannschaftWährend sich die Astronauten in der Apollo intensiv beratschlagten und Commander Conrad meinte, „wenn die Triebwerke nicht zünden, werden wir zu einem Monument des Apollo-Programms,“ saß John Aron an einem Pult bei Mission-Control und machte den Vorschlag, die Besatzung sollte das ganze System auf Notstrom umschalten.

Der Schalter hieß SCE to AUX und keiner vom Bodenpersonal und auch nicht die zwei Veteranen an Bord hatten irgendeine Ahnung von diesem Schalter. Alan Beans fabelhaftes Gedächtnis rief ihm eine schon Wochen zurückliegende Situation vor Augen, in der ihm dieser Schalter aufgefallen war.

SCE to AUX brachte alle Systeme wieder auf ihren ursprünglichen Zustand zurück. Die Brennstoffzellen funktionierten wieder. Weder die Saturn, noch die Yankee Clipper und auch nicht die Intrepid erlitten einen bleibenden Schaden.

Nur Pete Conrad, wie man in der Dokumentation FAILURE IS NOT AN OPTION zu hören bekommt: Pete Conrad lachte, bis Apollo 12 in den Orbit eintrat. Es wurde eine der Crew angemessene lustige Reise, von der Erde zum Mond.
Bildquelle: NASA, alanbean.com, spacefacts.de

 
Die weiteren Folgen
Teil 2 am 19. November: Die Unerschrockene landet
Teil 3 am 20. November: Abschied nehmen
Teil 4 am 24. November: Mission accomplished

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