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Vom Ex-Planeten zum Exoplaneten (Teil 6)

1Vom Ex-Planeten zum Exoplaneten
(Teil 6)

Es sind schon viele Überlegungen angestellt worden, ob wohl jenseits der Erde noch Leben möglich sei. Natürlich stand das Sonnensystem selbst dabei besonders im Fokus, sind die einzelnen Objekte hier doch relativ gut beobachtbar, und im Notfall auch mit der uns jetzt schon zur Verfügung stehenden Technik zu erreichen. Gut, von Personenflügen zum Neptun sollten wir vorerst noch die Finger lassen.

Bei Luyten 726-8 (= Gliese 65) handelt es sich um ein Doppelsternsystem im Sternbild Walfisch, das etwa 8,7 Lichtjahre von uns entfernt liegt. Beide Himmelskörper sind Rote Zwerge und Flaresterne mit 0,1 Sonnenmassen.

Da ihre Größe der von Proxima Centauri vergleichbar ist, könnte auch eine mögliche habitable Zone im Abstand von vielleicht 0,03 AE angenommen werden. Die beiden Gestirne kreisen in einer Distanz von 2,1 bis 8,8 AE umeinander, also dürfte der Orbit eines hypothetischen Planeten sogar stabil sein. Doch gelten die selben Einschränkungen, die schon für einen möglichen Trabanten Proxima Centauris beschrieben worden sind.

Auch Ross 154 im Sternbild Schütze ist ein Roter Zwerg und Flare- Stern mit 0,17 Sonnenmassen, einem 0,24- fachen Sonnenradius und einer Oberflächentemperatur von nur 2700 K. Seine Distanz zu uns beträgt bereits 9,7 Lichtjahre, und die Lebensbedingungen auf einem eventuellen planetaren Begleiter wären ähnlich schlecht wie im Falle von Proxima Centauri.

Nach all den Roten Zwergen (und natürlich Sirius) kommen wir nun zu einer kleinen Legende unter unseren stellaren Nachbarn, nämlich zu Epsilon Eridani. Niemand Geringeres als die Raumstation Babylon 5 ist hier positioniert worden, im Orbit um einen hypothetischen dritten Planeten des Systems. Und in den Romanen zur Star Trek- Reihe gilt der Stern laut Autorin Margret Wonder Bonano sogar als Sonne des Planeten Vulkan (Die Mehrzahl ihrer Kollegen favorisiert freilich einen anderen Stern).

Was hat dieses 10,5 Lichtjahre im Sternbild Eridanus gelegene Gestirn an sich, das es für die Kreativen so interessant macht? Nun, Epsilon Eridani ist sonnenähnlich, und anders als Alpha Centauri kein Doppelstern. Er ist zwar nur unwesentlich kleiner (0,85- fache Masse) als unsere Sonne, doch besitzt er gerade mal 28% ihrer Helligkeit. Sein ungewöhnlich variables Spektrum deutet auf einen geringen Anteil an Elementen hin, die schwerer sind als Helium.

Desweiteren ist er ein ungewöhnlich junger Stern. Sein Alter wird auf eine halbe bis ganze Milliarde Jahre geschätzt; er dürfte also in einer Ära entstanden sein, in der es auf der Erde immerhin schon mehrzelliges Leben gegeben haben mag. Tatsächlich ist er noch von einer Staubscheibe voller Asteroiden und Kometen umgeben, wie sie auch für die Frühzeit des Sonnensystems angenommen wird. Im Abstand von 35 AE weist sie jedoch eine Lücke auf, die darauf hindeutet, daß hier ein Planet seine Bahn zieht, und alles in seinem Weg weggeräumt hat. Im Jahre 2000 schließlich ist er gefunden worden: Bei Epsilon Eridani B handelt es sich um einen Gasriesen von 1,2 +/- 0,33- facher Jupitermasse.

Nicht gesichert ist die Existenz eines weiteren Trabanten, Epsilon Eridani C, der seinen Stern in einem Abstand von 40AE umkreisen soll. Für ihn wird eine geringe Masse angenommen, so daß er durchaus erdähnlich sein könnte. Doch allein sein gewaltiger Abstand zum Zentralgestirn (als Umlaufzeit werden 280 Jahre angenommen) dürften dort klimatische Verhältnisse wie auf dem Zwergplaneten Pluto herrschen (oder wahlweise Orcus, Varuna, Quaoar, Haumea, Makemake, Eris oder Sedna).

Ohnehin ist Epsilon Eridani viel zu jung, als daß man dort mit der Entstehung von höherem Leben rechnen könnte. Eine verstärkte Aufmerksamkeit von Seiten der SETI- Programmes hat zu keinen Hinweis auf Aktivitäten intelligenter Lebensformen geführt.

Mit Lacaille 9352, der sich mit einem Abstand von knapp 10,7 Lichtjahren im Sternbild Südlicher Fisch befindet, haben wir wieder einen Roten Zwerg, dessen Durchmesser nicht ganz halb so groß ist wie derjenige der Sonne.

Ähnlich unauffällig ist auch Ross 128, ein Flarestern und Roter Zwerg, der sich in einer Distanz von 10,9 Lichtjahren im Sternbild Jungfrau befindet.

11,08 Lichtjahre in Richtung des Sternbildes Wassermann befindet sich ein Mehrfachsystem aus gleich drei Roten Zwergen, Luyten 789-6 (bzw. EZ Aquarii) genannt.

Zwei Rote Zwerge kreisen dagegen im Sternbild Drache umeinander, in einer Entfernung von circa 11,3 Lichtjahren. Sie werden als Struve 2398 (bzw. als Epsilon 2398 und Gliese 725) in den Katalogen geführt.

Um ein Doppelsternsystem handelt es sich auch bei Prokyon, der sich in gut 11,4 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Kleiner Hund befindet. Wie im Falle von Sirius, wird hier wieder ein Hauptreihenstern (Prokyon A) von einem Weißen Zwerg (Prokyon B) begleitet. Prokyon A hat die anderthalbfache Masse und den 1,86- fachen Radius der Sonne, sowie eine Oberflächentemperatur von 6650 K. Er fällt damit in die Kategorie der Unterriesen, von denen angenommen wird, daß sie sich am Ende der Hauptreihen- Phase befinden, und ihr Vorrat an Wasserstoff nahezu aufgebraucht ist. Prokyon B verfügt immerhin noch über 60% der Sonnenmasse, ist aber sogar kleiner als Sirius B (oder der Planet Erde), und verfügt über eine Oberflächentemperatur von 10.100 K. Die Umlaufzeit beträgt 41 Jahre.

Nicht nur in dieser Hinsicht sind sich die beiden Doppelgestirne aus dem Großen und dem Kleinen Hund ähnlich. Denn was sich in Bezug auf Lebensdauer und explosiver Vergangenheit zu Sirius sagen läßt, trifft auch auf Prokyon zu: Mit einem Alter von 1,7 Milliarden Jahren ist er zu jung, als daß sich in seinem Umfeld höheres Leben hätte entwickeln können.

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