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Kleine Flohmarktfunde - NOSTALGIE PUR - EINE FRAGE, HERR PROFESSOR

Kleine FlohmarktfundeNOSTALGIE PUR -
EINE FRAGE, HERR PROFESSOR
 Heinz Haber antwortet seinen Lesern und Zuschauern

Der Mann ist eine Fernseh-Legende. Heinz Haber gehörte zu den wenigen ernsthaften Wissenschaftlern, die sich auch der breiten unwissenden Masse stellten und in einer durchaus verständlichen Sprache sein Wissen an diese weiterzugeben in der Lage war. Haber war Astronom und Physiker, aber er besass die Fähigkeit, sich anderen Wissensgebieten zu öffnen, was er in diesem Buch anschaulich unter Beweis stellte.

Eine Frage, Herr Professor von Prof. Heinz HaberDas vorliegende Taschenbuch ist die 1981 beim Ullstein Verlag erschienene Neuauflage eines Buches, das bereits 1978 bei der Deutschen Verlags Anstalt verlegt worden war. In diesem Band beschäftigte er sich mit einigen immer wieder auftauchenden Fragen seiner Leser- und Zuschauergemeinde. Der Titel ergab sich übrigens aus der Überschrift einer Kolumne, die er damals in der TV-Zeitschrift HÖR ZU hatte. Um sich eine Unmenge von Arbeit mit Antwortbriefen zu ersparen, sammelte er diese Fragen, um sie der Häufigkeit nach in seinem Buch abzuarbeiten. Herausgekommen ist dabei ein auch heute noch interessantes Buch, wenngleich einige Themen eher dem damaligen Zeitgeist entsprachen.

Während heutzutage alle Welt von der Erderwärmung durch Treibhausgase spricht, drohte vor 30 Jahren eine neue Eiszeit. Haber legt einer Leserin explizit auseinander, warum das so ist, woran es liegt. Interessant an dieser Geschichte ist vor allem, wie schnellebig die Zeit geworden ist. Die Probleme, die er anspricht, existieren heute im Grunde nicht mehr oder haben sich gar in das Gegenteil verkehrt. Das Problem der Umwelt, die wir Menschen in exzessiver und selbstmörderischer Weise zerstören, ist indes immer noch aktuell (oder gar aktueller denn je). Haber versteht es, die Vorgänge zwar wissenschaftlich, aber sehr verständlich näherzubringen. Aber selbst einem Mann wie ihm hat wohl damals niemand wirklich zugehört.

Professor Heinz HaberNett ist auch seine ehrliche und sehr unterhaltsame Auseinenandersetzung mit dem Pseudo-Wissenschaftler Erich von Däniken, dem er gleich zwei Kapitel widmet. Erinnert sich noch jemand an diesen Typen, der mit abenteuerlichen Theorien über ausserirdische Besucher, die in der Frühgeschichte der Menschheit auf unserem Planeten gelandet sein sollen, in den 70'er und 80'er Jahren Furore machte? Haber, der auch keinen Hehl aus seiner Abneigung macht, widerlegt äusserst stichhaltig die Theorien des Mannes. Er ist dennoch ehrlich genug zu erwähnen, dass er einmal an einem Abend sehr nett mit von Däniken geplaudert hat, dieser ihm allerdings während des Gesprächs deutlich machte, wie wenig er an einer rein wissenschaftlichen Erklärung seiner Behauptungen interessiert war.

Es gibt zeitlose „Probleme“ der Menschen. Es ist äusserst rührend, dass Haber sich nicht zu schade war, auch über die Wahrscheinlichkeit eines perfekten Lottosystems zu referieren oder zu erklären, warum im Sommer das Wetter manchmal gut und manchmal schlecht ist. Dabei bleibt er streng wissenschaftlich und genau das macht den Reiz aus, seine Antworten zu lesen. Er setzt dem Leser endlos das Wort „Wahrscheinlich“ auseinander um dann tatsächlich und glaubhaft darzulegen, dass man mit einer gewissen Beharrlichkeit durch das Zahlenlotto reich werden könnte, vorausgesetzt man wird einige Millionen Jahre alt.

Natürlich dürfen auch die Fragen nach UFO's und der Zeitreise nicht fehlen, die ja direkt in sein Fachgebiet fallen. Eben deshalb wird diesen Themen selbstverständlich der breiteste Raum gewidmet. Anhand der Einsteinschen Theorien entwickelt er ein Modell, nach dem Zeitreisen bedingt möglich sind, allerdings nicht in die Vergangenheit. Dabei erscheinen die Erklärungen Habers beinahe schon zu simpel – aber sie sind absolut plausibel. SF-Autoren sei übrigens einmal angeraten, sich das Kapitel über die Reisen in Raumschiffen mit Lichtgeschwindigkeit durchzulesen. Der Herr Professor macht in einfachster Form sehr deutlich, warum diese Art zu Reisen beinahe unmöglich ist. Dadurch erklärt er auch, warum er zwar an weiteres Leben irgendwo im Weltraum glaubt, aber nicht an die Besucher von fremden Sternen bei uns.

Und dennoch gibt es Zeitreisen in die Vergangenheit. Dieses Buch ist ein exzellentes Beispiel dafür. Obgleich es in vielerlei Hinsicht ein wissenschaftliches Buch ist, so enthält es doch sehr viel Zeitgeist und Erinnerungen an einen Mann, den ich als Jugendlicher gern mochte und den ich im Laufe der Zeit beinahe vergessen hatte. Und er entfacht meine Sympathie auf neue. Auffallend ist nämlich, dass er jeden seinen Leser ernst genommen hat, egal ob er nach dem Sommerwetter oder nach dem Leben auf anderen Planeten fragte. Beiden widmet er zumindest hier die gleiche Aufmerksamkeit.

Our Friend The Atom von Heinz HaberHEINZ HABER – DER FERNSEH-PROFESSOR
Haber wurde am 15. Mai 1913 in Mannheim geboren. Er studierte an verschiedenen Universitäten Physik, lehrt für kurze Zeit in Heidelberg und wechselte dann in die USA. Er arbeitete zunächst bei der Air Force, wo er mit einigen weiteren Wissenschaftlern 1948 die Weltraummedizin begründete. Mit seinem Bruder Fritz war er auch beteiligt an der Entwicklung des ersten Weltraumanzugs. Er lehrte danach an diversen Universitäten.

1956 trat er in die Medienwelt ein. Er wurde „Chief Science Consultant“ bei Walt Disney, für den er die TV-Serie OUR FRIEND THE ATOM moderierte. Auch das Buch zur Serie schrieb er. Er war zudem an der Entwicklung des „Futureland“ in Disneyland beteiligt. Ende der 50'er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück, wo er in den 60'er und 70'er Jahren zu einem der bekanntesten und beliebtesten TV-Moderatoren aufstieg. Serien wie UNSER BLAUER PLANET oder WAS SUCHT DER MENSCH IM WELTALL? waren Quotenrenner, denn zum ersten Mal wurde Wissenschaftliches in einer verständlichen Form dargeboten. Haber war Gründer der Zeitschrift BILD DER WISSENSCHAFT (die es heute noch gibt) und veröffentlichte mehr als 35 Bücher. In den 80'er Jahren zog er sich zurück und starb schliesslich am 13. Februar 1990 in Hamburg. In Dithmarschen wurde eine Strasse nach ihm benannt.

Seine Sendungen aus den 60'er Jahren laufen übrigens in schöner Regelmässigkeit in den „Space Nights“ auf Bayern 3.

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