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Der Klagenfurter Kneipen-Krimi: Die Schreibarbeiten

Klagenfurter Kneipen KrimisAutor Roland Zingerle
... und seine Schreibarbeiten

1973 in Wien geboren, übersiedelte Roland Zingerle mit seiner Familie 1978 als kleines Kind nach Treibach in Kärnten. Sein Vater Gunter, ein Akademiker, hat dem angehenden Schriftsteller – dessen Aussagen zufolge – einen umfassenden Sprachschatz und die Liebe zu Büchern mit auf den Lebensweg gegeben. Schon in jungen Jahren hat der spätere Verleger „als Gefangener der Handlung“ sehr viel gelesen und wurde von seinem Vater bei seinen eigenen Schreibversuchen ermutigt und unterstützt.

 

Roland Zingerles A5-Jugendromane Ab dem 8. Lebensjahr verfasste Roland Zingerle neben eher reputierlichen Kurzgeschichten, die im Unterricht vorgetragen wurden und einem Theaterstück für Weihnachten, das an der Schule aufgeführt wurde, auch altersgemäße „Spannungsliteratur“: Phantasien, gemischt mit z.T. selbst erlebten Abenteuern von Kinderbanden sowie adaptierte Ideen aus Filmen oder der Lektüre, die ihn damals faszinierte.

Daraus entwickelten sich eigene kleine Heftreihen, großteils im A5-Format gestaltet, mit Namen wie „Morddolch“, „Heinrich und seine Freunde“ oder ,„Der Superpilot“ – Mini-Serien, die es z.T. auf über 40 Erzählungen brachten, jeweils etwa vier Seiten lang.

1.) Eine turbulente Adoleszenz
a.) Zingerle, der bereits im Alter von 5 Jahren lesen und mit 6 Jahren schreiben lernte, äußerte als Achtjähriger erstmals den Wunsch, Autor zu werden. Bestärkt durch Familienmitglieder, wie etwa seine Tante Eva, die dieses Hobby mit ihm teilten, ist seine intensive Beschäftigung mit der Belletristik seither nicht abgerissen.

Einen besonderen Stellenwert in Zingerles Schaffen nahmen von anfang an poetische Werke ein, mit denen der zukünftige Germanistik- und Publizistik-Student bzw. heutige freiberuflicheTexter schon als Volksschüler sein soziales Umfeld in Reimform karikierte.

Der längst vergriffene Lyrikband Im Laufe der Jahrzehnte hat der Schöpfer der vergnüglichen Heftromanserie „Klagenfurter Kneipen-Krimi“ (2006–2011) über 1000 Gedichte ausgearbeitet, teils humorvoller, teils ernsthafter Natur, auch Liebeslyrik, gereimt und modern.
Als kleines Beispiel für letztere Spielart folgt hier das Poem „Am Ende“ aus dem Jahre 1995:

Am Ende angekommen
sitzen wir da und stellen
fast ohnmächtig
fest,
dass wir weitergehen müssen,
obwohl wir stehen bleiben wollen,
weil wir so zufrieden sind,
am Ende.

Nur zur Dialekt- und zur experimentellen Poesie fand MMag. Zingerle bis heute keinen Zugang.

1993 stellte der damals Zwanzigjährige in einem Copyshop ein Gedichthefchen mit dem Titel „Einhalb“ in einer Auflage von 100 Stück her, um den Band im Kreise seiner Verwandten und Bekannten zu verkaufen.

Roland Zingerle:
In meiner Jugend habe ich mir mit Gedichten den Schmerz von der Seele geschrieben – heute verfasse ich zwei bis acht lyrische Werke pro Jahr, wenn mich etwas bewegt, das keinen anderen Ausdruck zulässt.
Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, eine Auswahl meiner Gedichte kommerziell zu veröffentlichen, aber gerade die Lyrik ist diesbezüglich ein schwieriges Feld.

b.) Die im Zitat erwähnten Seelenschmerzen seiner Kindheit bzw. Pubertät wurzeln laut Zingerles Homepage in jugendlicher Zerrissenheit, zu der u.a. Raufhändel mit Altersgenossen, Einzelgängertum, Gewaltphantasien, das Ausloten von Grenzen, Launenhaftigkeit und Jähzorn gehörten.
Emotionale Ausnahmezustände, die er heute „nicht einmal einem Feind“ wünschen würde.

Roland Zingerle In diesen Zeiten der inneren und äußeren Kämpfe in Treibach, später an den Gymnasien in Althofen und St. Veit an der Glan begleiteten Zingerle musikalisch seine damaligen Lieblingsbands Manowar, Black Sabbath, Metallica, AC/DC und die Toten Hosen.

Anmerkung: Auch Austro-Pop, Klassik bzw. Poprock-Interpreten wie Queen, Genesis oder Elton John zählten zu Zingerles Favoriten. Auf Schlagermusik allerdings, die in den Klagenfurter Kneipen-Krimis wiederholt angesprochen wird, reagiert der Publizist mit allergischen Symptomen…
Ich wurde gefragt, ob unter Literaten deren „schwierige Kindheit“ zum üblichen Teil der Selbststilisierung gehöre, also weitgehend Koketterie sei.
Das ist natürlich möglich, doch ich glaube, dass bei vielen Autoren ein Kausalzusammenhang zwischen einem gewissen Maß an innerer Unausgeglichenheit und Kreativität besteht. Kreativität ist eine Kraft, die hier einen Ausgleich schaffen kann, immerhin ist Schreiben bis zu einem gewissen Grad immer auch Psychotherapie. Ich kann gar nicht sagen, wie viele persönliche Probleme ich z. B. in meine Kneipen-Krimis habe einfließen lassen, aber ich denke mindestens eines pro Heft.
Die Phase seiner stürmischen Selbstsuche fand 1996 ihr Ende, als Roland Zingerle mit seiner heutigen Frau Elke zusammenkam, deren Ruhe, Sanftmut und Geduld als Gegenpol in der Beziehung für den nötigen Ausgleich sorgten.

Die Klagenfurter Kneipenkrimis 2.) Der innerer Antrieb
a.) Zur Motivation, 2006 seine eigene Groschenheftserie, den „Klagenfurter Kneipen-Krimi“ ins Leben zu rufen, nennt der ursprünglich als Ein-Mann-Verleger auftretende Zingerle folgende Aspekte:
  • Mein Kernmotiv war die Erfüllung meines Lebenstraumes, mich als Schriftsteller selbständig zu machen und von dieser Beschäftigung leben zu können. Das zu schreiben, was mir Spaß macht.
  • Um mich quasi selbst zu finanzieren, wurde wiederum die Entwicklung der „Interfkition“, also der Einbau von Werbekunden in die Krimihandlung, zwingend notwendig – eine bis dato quasi unbekannte Geschäftsmöglichkeit, die ich mit den Romanen austesten wollte.
  • Weiters hatte ich von Anfang an im Sinn, ehestmöglich bei einem Verlag unterzukommen, um mit dessen Vertriebsmöglichkeiten an ein größeres Publikum zu gelangen.
Seine davor als Referent beim Kärntner Bildungswerk gewonnenen Kenntnisse der Öffentlichkeitsarbeit sollten in Verbindung mit den Ressourcen eines allfälligen Partnerverlages, der über die nötige Absatz-Infrastruktur verfügte, die Werbewirkung der Publikation nach außen hin vergrößern.

Nicht zu Roland Zingerles Beweggründen seine Heftreihe zu starten, zählte die Hoffnung, sich mit einem „Vorzeige“-Produkt als unabhängiger Texter zu etablieren – als reines Liebhaber-Projekt will der Germanist den Kneipen-Krimi nicht verstanden wissen.
Auch die zusätzliche Aussicht, durch volksnahe, populäre Kriminalromane gewissermaßen lokale Berühmtheit zu erlangen, spielte in der Planung keine Rolle, da Narzissmus keine Triebfeder in seinem Schaffen sei.

MMag. Zingerle schildert seine grundsätzliche Einstellung Krimis gegenüber wie folgt:
Die Leserinnen und Leser von Kriminalromanen kennen bereits alle denkbaren literarischen Bluttaten. Wenn ich also einen Mord geschehen lasse, egal wie brutal, so regt das mein Publikum nur bedingt auf, da dergleichen im Privatleben kaum vorkommt, d. h. die emotionale Distanz stimmt.
Als Schriftsteller sind Sie dabei Gott in ihrem eigenen Werk – und Sie müssen nicht immer lieb sein! Es ist höchst vergnüglich, wenn man auf völlig unblutige Art am Computer unangenehme Dinge – oder noch unangenehmere Personen – die einen belasten, loswerden kann, indem man sie einfach verschwinden lässt
.
b.) Durch seine konstanten dichterischen Aktivitäten von Kindesalter an trainiert, hatte sich die Qualität von Roland Zingerles Schreibstil stetig verbessert. Weitere einschlägige professionelle Erfahrungen sammelte der Klagenfurter auch neben dem Studium als freier Mitarbeiter bei zwei Zeitungen.
Der Aufgabe, seine eigene Pulpserie zu produzieren, fühlte er sich daher selbstverständlich gewachsen.

MMag. Zingerle, für den das Niveau der schriftstellerischen Ausdrucksform insbesonders von der Übung abhängt, die ein Literat im Laufe seines Lebens anhäuft, hat sich zusätzlich zu seinen praktischen Bemühungen auch theoretische Grundlagen über Schreibcoaching-Fachlektüre angeeignet und konnte im Frühjahr 2006 als Romancier beruflich neu beginnen.
Was mich aber konkret zum Schreiben treibt, ist eine Art periodisch wiederkehrender „Fanatismus“. Dieser Drang ist vergleichbar mit einer bestimmten Höhe des Blutzuckerspiegels, dessen Wert durch entsprechende Nahrung beständig nach oben korrigiert werden muss. Da die Autorentätigkeit Einsamkeit und Durchhaltevermögen verlangt, bekommt nur derjenige die ausreichende Übung, der mit der dazu nötigen Hingabe geboren wurde.
3.) Wie entsteht ein typischer Klagenfurter Kneipen-Krimi?
a.) Ausgehend von einem zündenden Grundgedanken konzipierte Zingerle die Haupthandlung des jeweils nächsten Heftromans. Darin eingebettet wurden diverse Nebengeschehnisse, die entweder aus davon unabhängigen Einfällen stammten oder die aus der zentralen Storyline extrahiert wurden.
Der Notizblock ist immer dabei Anschließend ließ Zingerle den Stoff eine Woche lang ruhen, um sich bewußt davon ablenken zu können.

Anmerkung: Seine neu aufglimmende Ideen hält der Publizist, der Notizblock und Kugelschreiber stets bei sich trägt, auch am iPad oder über die Diktierfunktion auf seinem Mobiltelefon fest. Die Vermerke überträgt Roland Zingerle bei passender Gelegenheit in die dafür vorbereiteten Dateien seines PCs, die u.a. Verzeichnisse für Figuren, für Dialoge, für „Actionelemente“, alternative Erzählkonzepte, für Gags, schnittige Titel u.a.m. enthalten.

Nach Ablauf der einwöchentlichen Pause machte sich der Autor daran, die einzelnen Szenen zu entwickeln, weitere Personen und Wendungen zu ersinnen und in der Nachprüfung sicherzustellen, dass eine durchgehend stimmige innere Systematik in der Geschichte vorhanden war.
Am meisten Spaß hatte ich immer beim Entwerfen des Plots, da hier noch völlig uneingeschränkt sämtliche kreative Optionen offenstanden.
Im weiteren Arbeitsprozess wird man dann zunehmend von den Gesetzen der Handlungslogik eingeengt und kann nur innerhalb des davor selbst gesetzten inhaltlichen Rahmens frei improvisieren.
b.) Nachdem die Materie einige weitere Tage „abgesessen“ war, verfeinerte Zingerle den Aufbau bis ins Detail, um hinterher die Kapitel einzuteilen. Der Feinplanung folgte dann meist unmittelbar im Anschluss die Reinschrift, die in der Regel eine Arbeitswoche in Anspruch nahm.

Spezielle Textverarbeitungs- oder Layoutprogramme für seine Romanhefte nutzte der Germanist nicht. Die Exposés verfertigte Roland Zingerle ohnehin direkt auf Papier, da er beim Schreiben mit der Hand langsamer als mit der Tastatur vorgehe, was ihm während der Verschriftlichung mehr Zeit lasse, seine Gedanken zu ordnen.

Komplikationen gab es bisweilen in der Schlussetappe der Ausgestaltung seiner Krimi-Erzählungen:
Die Reinschriften waren durchwegs schwere Geburten. In diesen Zeiten habe ich wenig und unruhig geschlafen und war in der Endphase ziemlich ungeduldig und unleidlich.
Nach einigen Tagen des Abkühlens ging ich dann noch einmal korrigierend über den gesamten Text drüber. Das war immer der schlimmste Arbeitsschritt: Zu dem Zeitpunkt hatte ich denn Stoff schon so oft durchgekaut, dass ich jeden Satz hätte kotzen können – und dennoch wollte ich fast jeden noch einmal umformulieren!

Sofern es erforderlich war, kam es zunächst noch zu sonstigen, eigenen Abänderungen in der Story - danach gelangte das Manuskript zur Lektorin des „Heyn“-Verlages, bis das Korrekturspiel in die nächste Runde ging.
Nach der Beseitigigung aller Unstimmigkeiten stand der Drucklegung des neuen Klagenfurter Kneipen-Krimis – ab Band Nr. 3 unter der Regie von „Johannes Heyn“ durchgeführt –  nichts mehr im Wege.

Bildquellen:
Alle Abbildungen © MMag. Roland Zingerle, außer:
Das Foto unter Punkt 1b = Copyright Wolfgang Wagner
Die Fotografie unter Punkt 3 © Just, Klagenfurt
 

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