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Haupt-, Neben- und Witzfiguren im Klagenfurter Kneipen-Krimi

Klagenfurter Kneipen KrimisHaupt-, Neben- und Witzfiguren ...
... im Klagenfurter Kneipen-Krimi

Alle 19 Kneipen-Krimi-Heftromane sind von einer humorvollen Grundstimmung getragen, in der auch hochgradig groteske Einfälle ihren Platz gefunden haben. Grundsätzlich sei jedoch angemerkt, dass die Erzählungen trotz bisweilen bizarrer Ereignisse niemals ins völlig Skurrile oder gar Abstruse überkippen und neben den heiter-ironischen auch stets erschütternd-dramatische Inhalte in den Vordergrund rücken.

 

Autor Roland Zingerle Der meist sehr tragische Background der an den geschilderten Mordtaten beteiligten Personen oder andere düster-menschliche Schicksale werden vom Autor der Serie, Roland Zingerle nicht verblödelt oder ins Lächerliche gezogen.

MMag. Zingerle schreibt mir zu diesem Thema:
Tragik und Komik liegen ja erstaunlich nahe beieinander und ein ernst gemeinter Krimi kommt ohne traurige Elemente einfach nicht aus. Im Kneipen-Krimi-Konzept ist der Tod „echt“ und nicht Anlass für makabre Späße. Das war mir auch wichtig, um die sonst durchwegs amüsante Handlung in einem quasi-realistischen Rahmen zu halten. Ich wollte mit den „todernsten“ Gemütslagen der Gefahr vorbeugen, irgendwann in den Klamauk abzurutschen.
„Geblödelt“ wird allerdings dann, wenn die gelegentlich recht schusseligen Laiendetektive Hubert Pogatschnig und Ludwig Melischnig in Aktion treten.

Hobbyermittler Pogatschnig, aber auch seine Freundin in den Stories ab der Heftnummer 8, Kontrollinspektorin Christiane Schulz feiern beide nicht zufällig ihren Geburtstag am 11. 11, zu Faschingsbeginn…


1.) Der „neue“ Melischnig und sein Schwarm Bettina Ogris

So einen Bier-Tanklastwagen würde Melischnig gerne steuern dürfen Die anfangs vom Verfasser nur locker skizzierten zentralen Charaktere – der als Gastronomie-Handelsvertreter beschäftigte Möchtegern-Sherlock Holmes Hubert Pogatschnig und der Bierlieferant Ludwig Melischnig, sowie deren Konkurrent und Widerpart, Gruppeninspektor Leopold Ogris von der Klagenfurter Kriminalpolizei – gewinnen Roman für Roman deutlich an Statur.

Aus der anfänglichen Feindschaft von Schnüfflern und Kommissar entwickelt sich später ein echtes Vertrauensverhältnis und am Ende beinahe so etwas wie Freundschaft.
Insbesondere der zu Beginn als strunzdummes, verfressenes Riesenbaby porträtierte Ludwig Melischnig wandelt sich nach den ersten Abenteuern von einer zweidimensionalen „Karikatur“ zu einem richtigen Menschen: Zu einer profilierten Persönlichkeit, in die man sich später einfühlen kann und die als ein „armer Tropf“ mit tragikomischem Einschlag zu ergreifen vermag.

Der selbstgenügsame Hüne Melischnig, der 2006 im ersten Roman 22 Jahre alt ist, könnte seinem anspruchslosen Naturell entsprechend vollauf glücklich sein, wenn da nicht sein leidiges Problem mit den mehrfach kläglich gescheiterten Lkw-Führerscheinprüfungen wäre.

Roland Zingerle:
Andere Menschen mögen hochtrabende Lebensziele haben – Assistent Ludwig will nur vollwertiger Bierführer werden und dazu braucht er die Lkw-Lenkerberechtigung. Und obwohl dieses Ziel nahezu lachhaft erscheint, schafft es Melischnig nicht und nicht, es zu erreichen. Er hat so viel Angst vor dem Durchfallen bei den Prüfungen, dass er sich ständig selbst im Wege steht – und genau deshalb wiederholt versagt.
Der leicht ablenkbare Ludwig, der am liebsten Gulasch und flüssiges Brot verzehrt und den oft tagelang – offenbar nur ihn allein faszinierende – Binsenweisheiten beschäftigen, erhält mit Bettina Ogris, der Tochter des angehenden Chefinspektors Leopold Ogris alsbald eine (platonische) Gefährtin.
Das etwas blasse, graue Mäuschen Bettina und der sich oft tränenreich dem Jammer über seine fehlende Lastwagen-Fahrlizenz hingebende Ludwig bilden ein wahrlich seltsames Pärchen:

Die Studentin passt in ihrer ruhigen, bieder-braven Art zwar als Wesensverwandte zum herzensgut-unverdorbenen Bierführer-Gehilfen Melischnig – ihre Zuneigung, ja sogar Liebe zu dem Tölpel muss aber letztlich als ein Gag, als eine überzeichnete Pointe gewertet werden:
Aufgrund der Charaktere von Bettina und Ludwig erschien mir eine 0-8-15-Beziehung nicht glaubhaft, eine rein körperliche Affäre noch viel weniger. Auf die beiden passt am ehesten das Bild des Drachen, der die Jungfrau beschützt – eine völlig reine, unschuldige Freundschaft. Irgendwie wollen beide mehr, aber keiner weiß, wie er es angreifen soll.

2.) Das zweite Paar: Heike Ogris und Hubert Pogatschnig
a.) Bettinas kecke Schwester Heike, die sichtbar Gefallen an dem viel älteren Hubert Pogatschnig findet, sollte das Verhältnis der unerschrockenen „Zwei für die Gerechtigkeit“ (= Melischnig und Pogatschnig) zu Gruppeninspektor Ogris noch delikater machen:
Nachdem zwischen Ogris und dem von ihm verachteten „Deppen-Duo“ eine ständige Rivalität herrschte, musste immer wieder etwas passieren, das diese Gegnerschaft noch vertiefte – Verwicklungen, die den Konflikt zusätzlich verschärften. Daher auch die immer wiederkehrende Koketterie zwischen den Hobby-Kriminalisten und den Ogris-Töchtern: Die brachte den bislang rein beruflichen Konflikt auch noch auf eine persönliche Ebene.
Weil Heikes jugendliche Schwärmerei für Hubert laut Zingerle auf Dauer nicht funktionierte, schickte ihr Schöpfer die jüngere der zwei Ogris-Geschwister 2008 zum Studium nach Wien.

Mit Hubert Pogatschnig bleibt Heike in E-Mail-Kontakt und wird dabei von ihrem (alt-)väterlichen Bekannten mit ungebetenen Ratschlägen und belehrenden Hinweisen eingedeckt, wie optimale Detektivarbeit abzulaufen habe…
 
  • Roland Zingerles Schattenriss Anmerkung zum Autorenbild: Von Zingerle höchstselbst gestaltet wurden die in den Klagenfurter Kneipen-Krimis abgedruckten Schattenrisse der vier Hauptpersonen. (Sowie ein Huhn als schräge Illustration am Ende des ersten Romanheftes „Die Leiche im Lendkanal“).

Als Vorbilder für diese Schattenrisse (z.T. im Artikel „Die Anfänge“ reproduziert) dienten Ottfried Fischer als Hubert Pogatschnig, Robert De Niro als Leopold Ogris, Kylie Minogue als Christiane Schulz und ein Anonymus als Ludwig Melischnig. 

b.) Den schmerbäuchige Brillenträger Hubert Pogatschnig führte der Schriftsteller bezüglich Charakter und Erscheinungsbild als nicht gerade perfekte Pulp-„Siegertype“ ein: Mit der betont unheroischen Darstellung des Halbglatzenträgers sollte nach Mitteilung des Publizisten ganz bewußt ein Alltagsmensch zur besseren Identifikation für die Leser(innen) in den Mittelpunkt der Geschichten rücken.

Auch die gängigen „Haudegen“-Klischees im Krimi-Heftroman wollte Zingerle konterkarieren und mit Pogatschnigs rechthaberischer Eigenart und dessen ungeschicktem Gebaren zusätzlichen Humor in die Serie bringen.
Mir war wichtig, dass der geniale Kern der Figur in einer drolligen Schale steckt und dass Hubert kein 100-prozentiger Held wird. Schon sein Name stempelt Pogatschnig zum kärntnerischen 0-8-15-Normalo. Und freilich: Für Spaß sollte er schon auch sorgen …
Der pedantisch-überkorrekte Hubert geht in vielen Episoden als Verlierer vom Platz, zahlt immer wieder drauf und hat bei den Frauen nur in Ausnahmefällen Glück.

Dass Zingerle mit der harschen Behandlung des Schnüfflers dessen Sympathiewerte als „Verlierer“ steigern wollte, weist der Germanist aber von sich:
Zugegeben, im „dicken Zwilling“ und in „Tage wie dieser“ nehme ich den Kerl hart ran, allerdings kriegt Pogatschnig dafür auch wunderbare Wiedergutmachungen. Huberts Freundin Christiane Schulz ist die Personifizierung der perfekten Frau und sie war so vernarrt in ihn, dass sie sich jahrelang eine Beziehung im Geheimen gefallen ließ, inklusive permanenter Scherereien mit dem selbsternannten Kripo-Helfer.
Obendrein läuft Pogatschnig als Ermittler Chefinspektor Leopold Ogris im Großteil der Hefte den Rang ab.
Huberts Versuche, stolz vor der Kärntner Öffentlichkeit zu reüssieren, will der Klagenfurter nicht als selbstironische Anspielungen auf seine eigenen, spektakulären Lesepräsentationen verstanden wissen:
Natürlich bin auch ich eine „Rampensau“ und es ist immer schön, wenn ich mich selbst aus der Zeitung lächeln sehe, aber ich kann auch gut ohne öffentliche Auftritte leben. Pogatschnig ist da anders: Er giert danach, weil er damit einen Komplex befriedigt. Einsätze in den Medien verschaffen ihm die Möglichkeit, über sein Durchschnittsleben hinauszuwachsen und es all jenen zu zeigen, von denen er glaubt, dass sie auf ihn herabblicken.
Der Schriftsteller hat seine eigene Persönlichkeit – „zumindest nicht bewusst“ – nie mittels einer Romanfigur in Szene gesetzt. Wiedererkennbare individuelle Eigenschaften seiner selbst traten nur bei den Unternehmungen des  interfiktiven „Roland Zingerle“ an den Tag; ausgenommen sein Erscheinen im Prequel (Band 0), den seine Co-Autoren für ihn inszenierten.


Häuserzeile in Klagenfurt-Waidmannsdorf 3.) „Hubsi“ und der "Kommissar“
a.) Ebenfalls nur in Heft 0  („Ausgekegelt!“) wird auch näher auf Pogatschnigs berufliche Tätigkeiten als Vertreter für den Gastronomie-Großhandel eingegangen – ein zeitlich nicht verplanter Job, der es ihm ermöglicht, Mußestunden für seine kriminalistischen Nachforschungen abzuzweigen.

In Band Nr. 9 („Die weiße Witwe“) wechselt der 36-jährige Hubert den Broterwerb, wird Bierführer und dabei direkter Vorgesetzter seines Kumpels Ludwig Melischnig.
Ab hier gehen die Freunde als „Schmalspur-Trucker“ gemeinsam auf Zustellfahrten – selbstverständlich mit Pogatschnig am Steuer des Bier-Lkws.

  • Anm. zum Bild: Ein bestimmtes Wohnhaus Pogatschnigs hat Zingerle weder in den Geschichten, noch für sich selbst definiert. In den Romanen ist lediglich zu erfahren, dass Hubert in einem Häuserblock im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf lebt, vergleichbar dem hier gezeigten.

Während über Ludwig Melischnigs Wohnverhältnisse in den Erzählungen keinerlei detaillierte Angaben gemacht werden, wird das Appartement seines Kollegen mehrfach zum zentralen Handlungsort und einmal auch Ziel eines Überfalls durchgeknallter Sektierer.

Für weitaus größere Aufregung bei Pogatschnig sorgen jedoch jene Zeitgenossen, die den streitbaren Brauerei-Angestellten als „Hubsi“ ansprechen – ein Reizwort, mit dem sein Zwillingsbruder den jungen Hubert über die gesamte Kindheit hinweg aufgezogen hat. Dieses „Kosewort" bringt auch noch den erwachsenen Hubert bei jeder Verwendung zum Explodieren.

b.) Der eigentliche Vorname von Huberts titelsüchtigem Widersacher Leopold Ogris könnte „Gruppeninspektor“ bzw. in den höheren Nummern „Chefinspektor“ lauten. Ogris ist ein umsichtiger, zuverlässiger, intelligenter und ernsthafter Mensch, ein „Heroe“ im klassischen Sinne, der aber auch als knallhart und übertrieben hierachiebewußt beschrieben wird.

Im Gegensatz zu manch anderem Akteur in den Stories sorgt der am Ende der Heftserie 52 Jahre alt gewordene Familienvater in seinen Kapiteln weder freiwillig noch unfreiwillig für Heiterkeit.
Der sehr leicht zu verärgernde, manchmal cholerisch aufbrausende Kommissar wird von MMag. Zingerle auf folgende Weise charakterisiert:
Ogris ist sozusagen das moralische Gewissen im Kneipen-Krimi. Viel stärker als die Hobbydetektive fühlt er sich an die Buchstaben des Gesetzes gebunden, kann also nicht so schalten und walten, wie er es insgeheim vielleicht oft gerne möchte. Der Chefinspektor muss daher auch immer wieder zurückstecken; er hat aber den Vorteil, dass er aufgrund seines Lebenslaufes ziemlich abgebrüht ist, wodurch er Schwierigkeiten besser zu handhaben weiß.
  • Anmerkung: „Kommissar“ ist in Österreich – im Gegensatz zu den Amtstiteln der Polizei in Deutschland – kein Dienstgrad der Exekutive und wird hier nur als „Funktionsbezeichnung“ verwendet.

4.) Mehr als nur Statisten
a.) Besonders angetan haben es Zingerle originelle Serien-Nebenfiguren der etwas merkwürdigen Sorte: Z.B. der mysteriöse Klagenfurter Kanalmensch „Feuerbacher“; diverse zwielichtige Ärzte (mit Namen wie Dr. Jordan oder Dr. Sandmann) bzw. ein Psychiater mit unheimlichen Gaben namens Dr. Frank N. Stein.
Hinzu kam ein (von seiner Lebensgefährtin in die Hefthandlung eingekaufter) „interfiktiver Romangast “, dem es ähnlich wie Neo in „Matrix“ gelingt, sich seine Umwelt nach Gutdünken selbst zurecht zu programmieren (!)

Erinnerungswürdig sind zudem ein aufschneiderischer Kleinkrimineller, der behauptet, in Südamerika jahrelang von Nazis gefangengehalten worden zu sein; ein hochmotivierter, halbkomischer Schulkomiker, eine raffiniert-durchtriebene Schatzjägerin – oder als mehrfach wiederkehrende „Type“: Ein extrem tollpatschiger Elektriker und Unglücksrabe namens Günther Brandhuber:
Für dessen holprige Auftritte schuf Roland Zingerle einen spezifischen, flotteren Erzählduktus, um die blitzschnell ablaufenden „Slapstick“-Ereignisse stilistisch gleichwertig wiedergeben zu können.
Von den Nebenfiguren ist mir der geborene Pechvogel Brandhuber, der nichtsdestotrotz die positivste Einstellung hat, die man sich nur vorstellen kann, besonders ans Herz gewachsen.
Die Schatzsucherin Barbara Stromberger sollte ebenfalls als sporadisch wiederkehrende Akteurin eingesetzt werden: Eine Journalistin, die als Kärntner Version einer abgespeckten Lara Croft mit undurchsichtigen Motiven in einer quasi-erotischen Beziehung zu Hubert Pogatschnig steht.
Der Unterschlupf des „Feuerbachers“ Die Wurzeln des „Feuerbachers“, dem Schemen, der urbanen Legende, dem Mann, der in der Klagenfurter Hauptabwasser-Kanalleitung, dem „Feuerbach“ haust, liegen in einer abgewandelten Idee MMag. Zingerles begründet, eine Geschichte zu erzählen, in der sich ein Gentleman in einem Vollrausch so daneben benimmt, dass er danach aus Scham für immer die Stadt verlässt.

  • Anmerkung: Das Foto zeigt die Pumpstation, in welcher der von Pogatschnig gejagte Kanalmensch im Roman „Die weiße Witwe“ übernachtet.

Die oben genannten und weitere Mitwirkende, wie z.B. auch „Sandrine“, die etwas abgehobene Schlagersängerin (aus: „Cape Wörth“), die viel zu schnell zum Star wurde und dadurch den Bezug zur Realität verloren hat, waren dabei allesamt frei erfunden:
Um es klarzustellen: Bis auf Kontrollinspektorin Christiane Schulz und sämtliche „Interfiktionsgäste“ beruht kein Kneipen-Krimi-Charakter, einschließlich der Protagonisten, auf tatsächlich existierenden Personen.
Manche Namen meiner Figuren habe ich mir jedoch von lebenden Bekannten ausgeborgt – aber das ist persönlich!
b.) Womit wir beim Thema „Eigennamen“, genauer gesagt: Den „sprechenden“ Beinamen von Nebenpersonen angekommen wären, die viele Rollen im Klagenfurter Kneipen-Krimi auszeichnen:
* So tragen z.B. die fiesen „Sadovnik“-Zwillinge das Sadistische bereits im Aptronym.
* Mit der Benennung von „Martin List“ sollte offenbar der „listige“ Charakter des Landespolitikers herausgestrichen werden.

* Der ESA-Raumfahrt-Technologieprofessor Picard aus „Cape Wörth“ erinnert nicht zufällig an „Captain Picard“ aus Star Trek.
* Die „Huss“-Familie, Inhaberin eines evangelischen Buchverlages, verdankt ihren Nachnamen offensichtlich dem böhmischen Kirchenreformer Jan Hus, Wegbereiter des Protestantismus.

Dass der Autor bei der Namensgebung von Hubert Pogatschnig bewußt auf die unfeinen Silben „Po“ und „Gatsch“ (= Dreck, Schlamm) zurückgegriffen habe, bestreitet Roland Zingerle aber: „Pogatschnig“ sei in Kärnten ein zwar nicht alltäglicher, aber dennoch nicht unüblicher Name.

  • Anmerkung: Bereits Karl Kraus hatte 1922 in seinem Weltkriegsdrama „Die letzten Tage der Menschheit“ einen „Pogatschnigg“ präsentiert – auch hier in einer Rolle der eher lächerlichen Art.

Das Klagenfurter Rathaus 5.) Spießgesellen im Klagenfurter Rathaus
a.) Humoristische Verfremdungen bei der Namenszuteilung durch den Autor lassen sich auch bei einigen nicht wirklich fiktiven Kärntner Lokalpolitikern nachweisen:
Aus Vizebürgermeister Albert Gunzer wurde im Kneipen-Krimi „Siegfried Schlunza“; Stadträtin Andrea Wulz verkam zu „Angelika Wurst“; Vizebürgermeister Walter Zwick trat im 8. Roman („Beton“) als „Gustav Kneif“ in Erscheinung und hinter der erfundenen Vizebürgermeisterin „Denise-Christine Trettenbreiner-Palaschke“ verbirgt sich die Mandatarin Maria-Luise Mathiaschitz-Tschabuschnig.

Mit der Benennung des Oppositionellen Stefan Schweiger im Politthriller „Beton“ sollte wohl über den Gegensatz der Worte „schweigen“ und „petzen“ auf den BZÖ-Abgeordneten Stefan Petzner angespielt werden.

  • Anmerkung: Welche Klarnamen sich hinter Heftpolitikern wie „Jana Wadl“, „Alois Biermann“, „Andreas Stranzer“ u. ä. Gestalten verbergen, konnte ich als Nicht-Kärntner leider nicht ausrecherchieren.

Dass in Roland Zingerles Geschichten „wiedererkennbare“ regionale Amtsträger derart geballt ihr Fett abkriegen durften (siehe auch: Die Einleitung zur Titelliste), ist ein absolutes Novum in der deutschsprachigen Trivialliteratur. Der Schriftsteller hatte diesbezüglich auch keine einschränkenden Verlagsvorgaben zu beachten und auch keinerlei Beißhemmungen, wie die Kneipen-Krimis Nummer 6, 8, 16 und 18 beweisen:
Die harsche Kritik an den Regierenden ist genau das, was die Leute lesen wollen – und die Politiker verdient haben! Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, dass ich die scheinheiligen Herrschaften nicht viel öfter in die Mangel genommen habe.
Wobei die mitunter unfähigen, korrupten oder schlicht machtbesessenen Romanakteure nicht nur die schlechten Seiten ihrer Pedants aus der Wirklichkeit abbekommen haben, sondern auch die schlechten Eigenschaften der Volksvertreter aus den anderen politischen Lagern – je nachdem, was ich gerade gebraucht habe.
b.) Für besonderen kommunalen Wirbel sorgte in Klagenfurt die Austragung von drei Spielen der Fußball-Europameisterschaften (in Österreich und der Schweiz) im Juni 2008: Die damalige VP-geführte Stadtregierung war im Vorfeld des Turniers mit erstaunlich wirtschaftsfeindlichen Maßnahmen ins Kreuzfeuer der Kritik der Klagenfurter Klein- und Mittelunternehmer (= Zingerles Hauptinserenten) geraten.
Wobei MMag. Zingerle – als inoffizieller "Stadtchronist“ – die chaotischen Vorkommnisse in der Landesmetropole in seinr „Beton“-Erzählung en detail dokumentierte:
Die Kärntner Medien hatten den Bürgern im Vorfeld der EM eine solche Angst vor randalierenden Hooligans aus Deutschland, Polen und Kroatien; vor Überfällen, Einbrüchen und Vergewaltigungen eingejagt, dass in der Fanzone gähnende Leere herrschte. Die überforderten Stadtväter gaben letzten Endes Essens- und Getränkegutscheine aus, damit sich die eigene Bevölkerung auf die Straße traute.
Ich habe das politisch-ökonomische Boykott-Geschehen in Band 8 als mögliches Szenario angesehen, als unorthodoxe Möglichkeit der gegen die Obrigkeit rebellierenden, in die Defensive gedrängten Kaufleute, um ihren Forderungen mittels Bestreikung der EM Geltung zu verschaffen.
In der Realität waren die Klagenfurter Ladenbesitzer jedoch nicht so tapfer wie ihre literarischen Ebenbilder: Im Gegensatz zu den Schilderungen in „Beton“ kam es zu keinen Gegenmaßnahmen der Unternehmer(innen) und die mittelständische Wirtschaft fand sich letztlich mit den von der Stadt aufoktroyierten, geschäftsschädigenden Zwangsbestimmungen während der Europameisterschaften ab.

Die ganz Klagenfurt stark aufwühlenden Begebnisse des Jahres 2008 hatten Zingerle auch an der Verwirklichung eines weiteren Projekts arbeiten lassen, mit dem er ebenfalls die politischen Zustände vor Ort auf satirische Weise offenzulegen versuchte:
Aus Anlass der Fußball-EM wollte ich gemeinsam mit einem Zeichner einen Krimi-Comic mit „Interfiktionsmöglichkeit“ herstellen lassen. Das Konzept scheiterte dann aber wie so oft an der Finanzierbarkeit, da die Produktion von Bildgeschichten extrem teuer ist und ein adäquater Werbekunde nicht gefunden werden konnte. Schade eigentlich, das hätte ich auch noch gerne ausprobiert.

Bildquellen:
Alle Fotos © MMag. Roland Zingerle
Zingerles Schattenriss = Copyright Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt


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