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Leben im Ghetto - Ein Stück Himmel - Die Miniserie nach Janina Davids Autobiographie

Ein Stück HimmelLeben im Ghetto
Ein Stück Himmel

1939 - Janina Dawidowicz ist 10 Jahre alt, als der Krieg über sie und ihre Familie hereinbricht. Der Einmarsch der Deutschen in Polen während des 2. Weltkrieges zwingt das polnisch-jüdische Mädchen aus bürgerlichen Verhältnissen und ihre Familie zur Flucht. Sie lassen die Kleinstadt nahe der deutschen Grenze hinter sich und ziehen nach Warschau. Was sie anfangs für ein Abenteuer hält, wird bald bitterer Ernst. Im überfüllten Warschauer Ghetto herrschen Epidemien und Hungersnot und die Deportationen beginnen.


Ein Stück HimmelIhre Eltern versuchen Janina eine halbwegs normale Kindheit zu bieten und lassen sie schließlich aus den Ghetto hinausschmuggeln. Unter falscher Identität überlebt sie so den Krieg in einer Klosterschule auf dem Land.

Wer sich diesen 8-Teiler jemals zu Gemüte geführt hat, der wird erahnen wie schonungslos und grausam der Krieg war. Und man wird wahr haben, dass dies alles wirklich gewesen ist. Denn hier erzählt ein ehemaliges Kind. Der Krieg aus Sicht eines Teenagers. Zur Handlung:

Die polnische Grenze liegt nur 100 km von Kalisz entfernt. Dort beginnt Deutschland. Janina Davidowicz ist neun. Man schreibt das Jahr 1939. Die deutschen überfallen Polen und der Einmarsch deutscher Truppen ist unaufhaltsam. Die Familie flieht zu Bekannten nach Warschau. "Möglichst weit nach Osten", sagt der Vater. Dieser wird bald zur polnischen Armee berufen. Mutter und Tochter Dawidowicz erleben die Bombenangriffe.

Als Deportationen beginnen entziehen Janina und ihre Mutter sich diesen erneut durch Flucht. Sie kommen in der alten Mühle von Janinas Großvater unter. Danach gehen sie ins jüdische Viertel von Warschau. Hier kommen sie bei der Familie Gold unter.

Da schreibt Janinas Vater aus Russland und bittet seine Familie zu ihm zu kommen. Doch Janinas Mutter glaubt, daß sie in Warschau derzeit sicherer sind. Bevor die Falle des Warschauer Ghettos zuschnappt kehrt der Vater aus Russland zurück.

Im Ghetto werden die Menschen abgeschottet. Janina erlebt wie die Menschen um sie herum nach und nach ihre Würde verlieren. Sie leiden unter Verrohrung, Hunger und Krankheiten. Eltern jüdischer Kinder organisieren heimlich Schulstunden, obwohl sie wissen, deswegen mit dem Tod bestraft werden zu können. Hilfe für die Dawidowicz´ kommt von Familie Grabowski. Reiche Polen, die Janinas Vater Marek noch aus Kalisz kennt. Sie laden Janina gelegntlich zu sich ein. Streifzüge außerhalb des Ghettos. Die Beziehungen der Familie Grabowski machen es möglich. Da Janinas Vater bei der Ghetto-Polizei tätig ist, ist seine Familie vorübergehend sicher, obwohl sich die Zustände im Ghetto weiter verschlimmern und der Zustrom ungeahnte Ausmaße annimmt. Janina erlebt währenddessen ein schönes Weihnachtsfest bei den Grabowskis.

Dann jedoch kommt die SS und das Ghetto wird "gesäubert". Es ist der Beginn der sogenannten Endlösung. Im einst überfüllten Warschauer Ghetto herrscht nun gespenstische Stille. Von den Abtransporten ist auch Familie Dawidowicz bisher verschont geblieben. Doch der Kampf geht weiter. Juden erhalten fortan eine Nummer, die sie vor dem sicheren Abtransport retten soll. Marek schafft es auch für seine Eltern so eine Nummer zu ergattern, doch der Großvater kommt  zu spät. Bald darauf werden Janinas Großeltern deportiert. Sie wird nie wieder von Ihnen hören. Die Situation spitzt sich weiter zu. Marek weiß, das dem Ghetto ein Aufstand droht. Den sicheren Tod vor Augen erheben sich die Juden gegen ihre Peiniger. Marek beschließt Janina langfristig bei den Grabowskis unterzubringen. Getarnt als Arbeiterin verlässt sie das Ghetto. Der Abschied von ihren Eltern wid für das mittlerweile 12jährige Mädchen ein Abschied für immer.

Bei den Grabowskis kriselt die Ehe. Frau Grabowski lässt sich vermehrt mit deutschen Offizieren ein. Sie scheint auch bereit zu sein Janina zu verraten. Herr Grabowski verschafft dem Mädchen falsche Papiere. Unter dem dem Namen Danuta Makowska kommt sie in einem reichen Kloster unter. Dort begegnen ihr zunächst Misstrauen und strenge Sitten. Doch sie kann sich behaupten und gewinnt das Vertrauen der anderen Mädchen. Herr Grabowski wird bald von der Gestapo verhört. Janina muss erneut fliehen. Diesmal in ein ärmliches Kloster in der Stadt. Hier erfährt Janina Zusammenhalt und Geborgenheit. Marek schreibt ihr einen Brief, den ihr Herr Grabowski weiter leitet. Aufgegeben wurd eer in Lublin, einer Stadt, nahe dem KZ  Majdanek. Von ihrer Mutter erfährt sie nichts, nur dass sie offenbar vom Vater getrennt wurde.

Als die russischen Truppen Monate später der Stadt Warschau immer näher kommen, gewinnt der Widerstand in Polen neue Nahrung. Ein Stoss deutscher Soldaten hilft den Klosterschülern die Stadt zu verlassen. Es geht aufs Land. Hier erlebt Janina mit den anderen Kindern die letzten Tage des Krieges. Als alles vorüber ist, sagt sie allen ihren richtigen Namen und erfährt auch, dass viele der anderen Mädchen ebenfalls Jüdinnin sind. Und obwohl Janina inzwischen dem Katholozismus übergetreten ist, um ihr Ingognito voll auszuleben, hat sie ihre Wurzeln nicht vergessen und sucht verzweifelt nach ihren Eltern. Sie findet nur ihren Onkel, der ihre Entscheidung sich taufen zu lassen, verteufelt. "Die Christen waren es, die uns umgebracht haben".

In der Bibliothek von Warschau trifft Janina einen Mann, der davon erzählt, dass er mit ihrem Vater im KZ Majdanek war. Sie konnten fliehen, doch ihr Vater war zu schwach und bleib zurück. Er solle Janina Grüße ausrichten und das er sie liebt. Er war sich sicher Janina würde überleben.

Janina Dwidowicz nennt sich heute David. Sie ist Übersetzerin und Autorin von Romanen und Hörspielen für die BBC. Sie lebt in London. Für die Aufzeichnungen aus ihrer Kindheit wählte sie 1959 nicht ihre Muttersprache polnisch, sondern englisch.

"Ich fand heraus, daß Dinge, die ich in einer Sprache nicht sagen, oft in der anderen schreiben konnte, weil sie durch den Vorgang des Übersetzens nicht mehr so bedrückend waren und das Unerträgliche sich auf diese Weise aussprechen ließ." (1)

1978 galt der US-Mehrteiler "Holokaust" als der ultimative Film, der die Schrecken des Krieges und die Vernichtung der Juden am eindrucksvollsten wiedergab. Doch dieser Film mit Meryl Streep ist nichts gegen "Ein Stück Himmel". Erzählt wird aus der Sicht eines Kindes. Die eindrucksvolle Kameraführung läßt ein bedrückendes Bild von einer fremden Welt entstehen, die grausam und fast surreal ist. Es gibt keine Darstellung von Gaskammern, keine Erschießungsszenen und keine Leichen in den Ghettos zu sehen. Hier berichtet ein Kind, dessen Eltern sich bemühten, alles Schreckliche von ihm fernzuhalten. Entsprechend schnörkellos, aber genauso schonugslos kommt diese Biographie daher, in die man sich dank der grandiosen Hauptdarstellein Dana Vávrova sehr gut hineinversetzen kann.

Das Drehbuch verfasst Leo Lehmann, jemand der selbst im Ghetto lebte, und Janina vom Sehen her kannte. Er war ein paar Jahre älter als sie selbst. Für die Verfilmung ihres Buches trat er an sie heran und bewegte sie zur Mitarbeit. Dabei war es eine qäulende Tortur für sie in das Land zurückkehren, in dem sie so viel Leid erfahren hat. Polen. Doch es war wie ein letzter und entgültiger Abschied.

Die Leidensgeschichte von Janina ist nur eine von vielen Kriegsschicksalen. Auch das weiß Janina. Darum hatte sie lange Zeit gezögert, sie überhaupt niederzuschreiben und tat es erst 15 Jahre nach Kriegsende. Ihr Onkel nahm sie dann mit nach Paris. Dort lebte sie zwei Jahre. Sie studierte in Australien und kehrte nach Europa zurück.

Die DVD von Studio Hamburg bietet nicht nur die komplette 8teilige Serie, die bereits 1982 die Fernsehzuschauer fesselte, sondern liefert dazu auch ein sehr umfangreiches Booklet mit Janinas Vita, historischen Daten und vieles mehr. Es lohnt sich dieses außerordendliche geschichtliche Dokument zu besitzen. Neben dem Buch von Janina David. Die Fortsetzungen "Ein Stück Erde" und "Ein Stück Fremde" stellten nur ein kommerzielles Nachkleckern da. Sie entsprangen zwar auch der Feder von Frau David, fehlen jedoch zu Recht auf dieser DVD, da sie zeitlich auch einige Jahre nach den Kriegserlebnissen spielen. Wer sich für Janinas weiteres Leben interessiert, der muss allerdings auf eine DVD-Veröffentlichung dieser Werke noch warten.

In "Ein Stück Himmel" spielen ferner Peter Bongartz (als Janinas Vater), aviva Joel (Janinas Mutter) sowie Anja Jaenicke, Viktoria Brahms und Sabi Dorr (Janinas Onkel). Hauptdarstellerin Dana Vavrova verstarb 2009 an Krebs.
Ein Stück Himmel
Ein Stück Himmel
mit Dana Vávrová, Peter Bongartz, Aviva Joel, Emil Stöhr, Evelyne Ker, Deborah Cohen, John Verea, Michel Weinstadt, Anita Lochner, Ulli Philipp, Helena Rosenkranz, Viktoria Brahms, Anja Jaenicke, Michaela Geuer u.a.
Regie: Franz Peter Wirth
FSK: ab 12 Jahren
Erschienen bei: Studio Hamburg Distribution & Marketing
Produktionsjahr: 1980-1981
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Mono
Bildformat: 4:3
Bonusmaterial: 'Wiederbegegnungen' Janina Davids Reise in die Vergangenheit mit Peter Gatter (ca. 45 Minuten)
Autor / Drehbuch: Leo Lehmann nach der Autobiografie von Janina David
Anzahl der Disc: 3

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