... Gernot Nepimach über Filme, Rezepte und den Selbstverlag
... Gernot Nepimach über Filme, Rezepte und den Selbstverlag
Hallo, ich danke für die Gelegenheit! Naja, ein bisschen was findet man schon. Ich bin präpensionärer Labormediziner im Zentrallabor des LKH Mistelbach und ein großer Hundeliebhaber. Außerdem Liebe ich Filme und bin insgesamt ein sehr neugieriger Mensch, daher interessiert mich u.a. auch, wie man gewisse Speisen zubereitet und vor allem, wie sie schmecken.
Das mischen und „brauen“ hat ja irgendwie auch mit meinem Beruf zu tun… Im Ernst, kochen ist eine sehr schöpferische Tätigkeit. Du nimmst etwas beinahe ungenießbares z-.B. rohe Kartoffeln – und machst mit mehr oder weniger viel Aufwand etwas Köstliches daraus.
Zu dem Ganzen bin ich eigentlich über den Kugelgrill und ein Forum im www (grillsportverein.de) gekommen, wo es immer wieder Themen-Threads gab und wir auch einen gemacht haben über Grillen in allen Ländern (211) der Welt. Zunächst war das nur eine digitale Geschichte mit miesen Fotos. Aber die Resonanz und der Tenor ein Buch daraus zu machen, wurde immer größer. Ein Kollege, Markus Sogl, hatte dann auch das entsprechende Layout-know how. Nachdem unsere „Tellerbilder“ immer besser wurden, haben wir uns dann tatsächlich dazu entschlossen.
Leider hatte Markus beim dritten Buch keine Zeit mehr, aber wir haben eine ebenbürtige Nachfolgerin gefunden, Susi Begh.
Weil die Standardantwort der Verlage lautet „Kochbücher gibt’s wie Sand am Meer. Kein Interesse.“ Und weil man im Eigenverlag die absolute Kontrolle hat. Die Bücher sind genau so, wie WIR sie wollten. Somit gab es keine Alternative. Das Ganze ist ja ein Hobby und Hobbies kosten Geld. Alleine die Zutaten – die meisten Gerichte klappen ja nicht beim ersten Mal so wie erwartet/gewünscht. Oder die Fotos gefallen uns nicht. Da heißt es dann zurück zum Start. Alleine die Zutaten haben Einiges gekostet… wenn man dann noch die Margen des Verlages dazu nimmt, wird es unfinanzierbar. Der Eigenverlag passt schon, wir machen immer eine Auflage von 1000 Stück und wenns vorbei ist ists vorbei. Unsere Homepage findet man übrigens auf www.nepimach.at.
Also meine Frau hab ich ja nicht suchen müssen… und nachdem sie kocht wie eine Göttin und mit der Zeit auch hervorragend fotografiert hat, war es ja wohl klar, dass sie mit ins Boot muss. Beim Layout war es so, dass bei den ersten beiden Büchern mein Kollege Markus „gezaubert“ hat. Bei den LINSENGERICHTEN sprang Susi für ihn es. Eine sehr kreative junge Dame, die ihre Aufgabe – wir haben für dieses Buch zum ersten Mal Hochformat fotografiert – mit Bravour gelöst hat.
Ja, den Titel bereuen wir mittlerweile, hahaha! Reflexartig kommt die Antwort: „Ich ess keine Linsen…“ Wie bei den beiden anderen Büchern (Globale Erwärmung und Beefke) lieben wir auch hier das Wortspiel. Tatsächlich findet sich in den LINSENGERICHTEN nicht ein Rezept mit Linsen, der Titel bezieht sich nämlich auf die Kameralinse . Die LINSENGERICHTE enthalten Rezepte aus 140 Kinofilmen! Auf den rechten Seiten wird grob der Inhalt des Filmes oder der entsprechenden Szene besprochen, links die Zubereitung des entsprechenden Gerichts, das im Film vor kommt oder ihm den Namen gibt. Oder beides.
Das Ganze hat eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Ein paar Filme waren ja klar, die Croissants bei „Frühstück bei Tiffany“ oder das Orgasmussandwich bei „Harry und Sally“. Da war das was und das wie leicht zu finden. Irgendwann haben wir begonnen bei Filmen – wir haben ein Heimkino – genau auf Essbares zu achten… Eigentlich wollte ich bei 100 aufhören, aber dann kommt wieder ein Film, den wir gerne drinnen gehabt hätten. Und dann gibt es ja auch Speisen, die ich gerne drinnen gehabt hätte. Da muss man dann schauen, ob es einen Film gibt, wo die drin vorkommt. So geschehen z.B. beim Pulled Pork Sandwich bei „the Mule“. Bei 140 haben wir dann die Reißleine gezogen.
Erstens, im Film muss etwas Wohlschmeckendes vorkommen, es ist ja ein Kochbuch. Also gute Filme mit guten Essen, aber auch schlechte Filme mit gutem Essen. Keine guten Filme mit schlechtem Essen und schon gar nicht Möglichkeit vier. Ein Beispiel: Papa ante Portas von Loriot. Die „Birne Helene“ wird im Film mehrmals serviert, als Running Gag aber immer falsch… Also machten wir sie so, wie sie tatsächlich gehört. Natürlich nehmen wir das Rezept, das uns am besten zusagt, wenn es mehrere Optionen gibt. Und das Ganze muss dann so fotografiert werden, dass man die Szene oder den Film erkennt. Und das alles, ohne das Copyright zu streifen. Das war immer wieder eine Challenge, fördert aber die Kreativität.
Nein! Wie gesagt, „schlechte Filme mit gutem Essen…“. Bei ein paar Filmen – viele sind es ja nicht – haben wir uns die Szene im Internet angesehen oder auf Wikipedia durchgelesen.
So nahe wie möglich. Allerdings haben wir Tabus: Keine Stopfleber, kein Störkaviar, Fleisch aus nachhaltiger Zucht, so viel wie möglich regional. Wir haben aus der Sharkfin-Soup in „alle Mörder sind schon da“ eine FALSCHE Haifischflossensuppe gemacht, bei „es muss nicht immer Kaviar sein“ nehmen wir Forellenkaviar… Allerdings, wenn es nur heißt „Pralinen“ oder „Schokobombe“, toben wir uns nach unserem Gutdünken aus. Und wir legen Wert darauf, dass die Zubereitung mit normalen Küchengeräten möglich ist.
Begonnen hab ich damit, aber Eva wurde immer besser. Das endete in einem Wettstreit mit viel Potential für schiefen Haussegen. Alle Fotos entstanden bei uns daheim mit einer simplen Canon Spiegelreflex und 2 Blitzen. Im Buch sieht man ein „Making of“ mit unserem „Atelier“, ein Holzgestell mit Endlos-Tischtuch. „Photoshop“-Postproduktion sind eigentlich nur die Farbverläufe im Hintergrund.
Zeitrahmen? Gelegentlich hinstellen-fotografieren-fertig. Meist mehrere Anläufe, wenn die Vorstellung nicht mit der Realität zur Deckung gebracht werden kann. Für das blöde Sandwich in „Whats up, Tiger.Lily“ haben wir fast 200 Fotos gebraucht, bis uns eines gefallen hat. Wäre das Ding nicht so köstlich, hätte ich aufgegeben…
Von Eva weiß ich, es sind die Pecan-Tassies aus „Magnolien aus Stahl“. Schöner Film und einfach zu machende, köstliche Mehlspeise. Bei Susi vermutlich die Scotch Empire Bisquits aus „Merida – Legend der Highlands“, weil das Tellerbild durch das Reinkopieren des Hintergrundbildes die Seite sensationell verbesserte. Ich bevorzuge das Pulled Pork Sandwich aus „the Mule“ mit Clint Eastwood. Wie gesagt bin ich ja der Grillchef und der Film ist sehr empfehlenswert.
Nachdem Bilder mehr als Worte sagen, zeigen wir doch einfach die entsprechenden Seiten her, oder?
Alle guten Dinge sind drei… So ein Buch dauert 3-4 Jahre, bis man es in Händen hält. Ich geh nächstes Jahr in Pension und ich glaube nicht, dass wir ein besseres Buch als die LINSENGERICHTE zusammenbringen würden, wir haben uns ja von Buch zu Buch gesteigert und verbessert. Mehr ist als Laie und Autodidakt ist IMHO nicht möglich. Wenn die letzten noch vorhandenen etwa 100 Bücher weg sind, sperrt der Eigenverlag zu.




