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... Sam Llewellyn über Scilly, Arthus und Lyonesse

Sam Llewellyn... Sam Llewellyn ...
... über Scilly, Arthus und Lyonesse

to the English version Beim Betreten der Welt von "The Well Between the Worlds", wird  man - für eine erstaunlich lange Zeit - wenig Ähnlichkeit mit dem finden, was uns in Bezug auf die Arthus-Sage vertraut scheint. Aber genau die ist das Zentrum vieler Interviews mit Sam Llewellyn und auch seinem Buch. Stattdessen findet man einen interessanten und spannenden Fantasy-Roman, der einige vorhersehbare und genug überraschende Wendungen bietet. 

Dies wird durch den Einsatz von Maschinen in einem Fantasy-Roman betont und einen historisch legendären (im wahrsten Sinne des Wortes) Hintergrund.

Sam Llewellyn entpuppte sich als eine sehr netter und interessanter Interview-Partner - leider wird er nicht auf der Buchmesse sein, sonst hätten wir das Interview bestimmt in Frankfurt fortgesetzt.

Zauberspiegel: Eine schwierige Frage gleich zu Beginn - wer ist Sam Llewellyn - was sollen Leser über dich wissen?
Sam Llewellyn: Ich habe mein Leben als Schriftsteller und Geschichtenerzähler
verbracht. Ich glaube, dass Erzählen von Geschichten ist Gipfel der menschlichen Leistung ist, und dass die Existenz der Menschheit auf der Erde eine Geschichte ist. Eine Geschichte, die ein glückliches Ende verdient. Ich lebe mit meiner Familie in einem alten Haus im entlegenen walisischen Marschland in Großbritannien. Ich besitze ein Fahrrad mit Elektromotor, eine fünfzig Jahre alte Gitarre und ein paar Boote, mit denen ich jedes Jahr im Nordatlantik  segeln gehe.

Cover - The Well Between the WorldsZauberspiegel: Sam, in mehreren Interviews erwähnst du den Hintergrund des Buches, die Geschichte dieses geheimnisvollen Lyonesse, dem verlorenen Land. Die Legende von Arthur (oder Idris) ist in vielen westlichen Ländern allgemein bekannt, und man kann sich nicht mit englischer Mythologie beschäftigen, ohne in Kontakt mit Arthur und der Sage zu kommen. Warum ist diese Geschichte so besonders?
Sam Llewellyn: Es gibt viele verschiedene Versionen des Arthur Geschichte. Einige von ihnen sind über die Pilgerfahrt des Lebens, wie bei Malory. Einige von ihnen sind fast Slapstick, wie in der Tristan und Isolde-Version, die im Alt-Französischen Béroul Fragment überliefert ist. Und einige von ihnen haben sich mit keltischen Märchen vermischt, wie in der Mabinogion, der großen Sammlung der walisischen Geschichten. Die Mabinogion, nebenbei bemerkt, hat das Rote Buch der Hergest als eine ihrer wichtigsten Quellen. Gefunden wurde es in der Bibliothek eines uralten und Spukhaus gefunden, nur etwa fünf Kilometer von meinem eigenen entfernt. Und es gibt einen besondere Arthurversion auf den Scillys, die ich weiter unten erklären werde. In der Tat glaube ich nicht, dass ein Schriftsteller auf der westlichen Seite von Großbritannien, oder auch Europa, es vermeiden kann, sich mit Themen um Arthur zu beschäftigen.
Die wichtigsten Ideen in Arthur sind die Schlacht des Guten gegen das Böse, und die enge Verbundenheit der beiden - in vielen Varianten ist Mordred Arthur's Halbbruder, eine Suche, die Erforschung des Schicksals, und die Macht des Königs, Erster unter Gleichen, Monster und Ungerechtigkeit zu besiegen, und das Los der Menschheit zu verbessern.

 Zauberspiegel: Du hast geschrieben, dass du auf Scilly, einer Inselgruppe südwestlich von Land's End in Cornwall geboren wurdest. Bitte erzähl uns mehr über diesen Ort.
Sam Llewellyn: Es ist wie du sagst. Diese kleinen Brocken aus Granit sitzen fünfzig Kilometer weit im blauen Atlantik, weit wilder als die wildeste Küste von Cornwall. Sie sind die Inseln jenseits des Sonnenuntergangs, wohin man die Körper der Großen in der Antike für die Beerdigung brachte. Es gibt nichts als Meer zwischen ihnen und Amerika.
The Well Between the WorldsSie sind ein harter, zäher Ort, aber dabei paradox. Das Klima der Inseln ist wärmer als sonst irgendwo auf den britischen Inseln, Frost ist hier fast unbekannt. Vor 175 Jahren hat ein Vorfahrevon mir einen Garten angelegt und in ihm Bäume und Sträucher gepflanzt, die er von Schiffen aus Südamerika, Afrika, Australien und dem Osten bekam. Es ist ein bemerkenswerter Ort, und regt in hohem Maß zum Träumen an (Link: http://www.igpoty.com/competition02/winners/2_Overall/Overall_XL.jpg). Die Inseln sind mit Menhiren und Grabhügeln aus der Vorgeschichte bedeckt. Mauern aus gigantischen Steinen ziehen sich unter dem glasklaren Wasser von Insel zu Insel. Als Kind wurde mir gesagt, dass dies die Begrenzungsmauern von Lyonesse waren. Lyonesse ist das britische Atlantis, ein grünes und geheimnisvolles Land, das sich vor dem Beginn der Zeiten westlich von Land's End in Cornwall spannte. Die Isles of Scilly waren die Berge von Lyonesse und der einzige Teil, der nach seinem Untergang über Wasser blieb.
 
Zauberspiegel: Jede Sage enthält einen Kern an Geschichte. Was ist - deiner Meinung nach - der historische Kern der Arthus-Sage?
Sam Llewellyn: Es gibt Modeströmungen im Erzählen von Arthusgeschichten. Vor kurzem gab es den Trend, ihn als einen übriggebliebenen Römer darzustellen, der gegen alle Arten eindringender Barabaren kämpfte.  Meine Großtanten Gwen und Babs von den Scillys jedoch sagten mir immer, das sei alles Unsinn, und Arthur (der damals Idris hieß, die keltische Version des Namens) habe in Lyonesse gelebt. Sie erklärten, dass hatte ich in einem Zimmer mit Blick auf den See geboren wurde, aus dem sich das Schwert erhoben hatte, und die St. Michael's Mount hatte seinen Palast wurde. Einer der Gründe dafür, dass ich schrieb diese Bücher ist arm zu nehmen Arthur aus dem Gefängnis der Geschichte und ihn zu befreien, indem er ihn zurück in ein Land der Früh-Legenden, voller ursprünglichem Gut und Böse.
 
Zauberspiegel: Ich nehme an, du hast einige Hintergrundistudien über Arthur angestellt. Für Menschen, die sich für ein gutes und gut verständliches Buch über die Hintergründe zu Arthur interessieren - was würdest du unseren Lesern empfehlen?
Sam Llewellyn: Malory, die Morte d'Arthur, ist gut, aber schwierig, da es in einer archaischen Sprache geschrieben ist. Kevin Crossley-Holland ist ein ausgezeichneter Schriftsteller, der die nackte Geschichte von Arthur mit Gusto erzählt. T.H.White "The Once and Future King" ist brillant und fast schrullig. Und eine Übersetzung der Mabinogion will überraschend und vielleicht erhellend sein.
 
Zauberspiegel: Immer wenn ich an Cornwall denke, denke ich an Poldark (breites Grinsen), keltisches Leben, Kultur und Geschichte. Ich denke an die "little People", Kelpies etc. Ist dies tatsächlich cornish? Oder wollen wir einen historischen und kulturellen Fehler, wenn wir Schottland, Irland und Cornwall vermischen?
Sam Llewellyn: Poldark, eh? Sehr wahr, sehr achtzehntes Jahrhundert, ein großartiges Beispiel jener Art des Geschichtenerzählens, das ich liebe. Aber wir müssen noch viel weiter zurück. St Michael's Mount ist jetzt eine Insel im Meer. Aber der alte cornishe Name bedeutet "der Fels im Wald." Und es gibt in der Tat einen versteinerten Wald unten in Mount's Bay. Das Problem ist: In der durch die Geschichte allgemein akzeptierte Version hat das Meer den Wald überschwemmt, bevor es Menschen gab um dies zu beschreiben ...
An der Oberfläche sind die verschiedenen Kulturen des keltischen Gürtels sehr unterschiedlich. Aber es gibt enge Verbindungen zwischen Schottland, Irland, Wales, Cornwall (und der Bretagne in Frankreich). Sie teilen sich eine Art des Fußballspiels, eine Form von Ringen, Ähnlichkeiten der Sprache, Ähnlichkeiten be Musik, eine enge Verbindung mit anderen Welten und ihre Bewohnern, den "kleinen Leuten", und seit den ältesten Zeiten zäumen sie ihre Pferden mit der freundlicheren Trense statt der harten Kandarre. Vor allem haben sie ein gemeinsames Erbe der Legenden (obwohl, soweit ich weiß, Kelpies Schottisch sind) (Anmerkung der Redaktion: Da hat er Recht!)

Monster aus "The Well between the Worlds"Zauberspiegel: Eine der zentralen Ideen des Buchs sind die Maschinen. Bedienen von Maschinen ist eine seltene Idee in einem Fantasy-Roman. Wird mehr auf die technischen Hintergründe der Maschinen und die Brunnen eingegangen? Warum hast du die "Reinheit der Phantasie", wo man kaum über hoch entwickelte technische Geräte verfügt. verlassen? (wie z.B. auch der "Ring der Zeit", wo das erste Fantasy-Automobil auftaucht - worüber man bei der Herausgeberschaft durchaus geteilter Meinung ist Laughing. Auf den ersten Blick war ich von der Idee, Maschinen in einen Fantasy-Roman einzubauen etwas enttäuscht. Oder ist es vielmehr so, dass du nicht dein Buch in erster Linie gar nicht als Fantasy-Roman bezeichnet haben möchtest?
Sam Llewellyn: Ich bin nicht sicher, ob ich für mich die Phantasie ein Genre mit Regeln ist. Was mich betrifft, ist ein Fantasy-Roman ein Buch in eine fremde Welt gesetzt, die vom Autor erfunden wurde. Einer der Gründe, warum ich den Herrn der Ringe immer geliebt habe ist, dass es mein geheimes Verlangen nach einem Leben in einer Vor-Industriellen Welt befriedigte (obwohl ich vermute, dass Mordor voll von Maschinen war). Einer der Gründe, aus denen ich Terry Pratchett bewundere ist, dass die Scheibenwelt eine so glänzend verzerrte Version unserer eigenen ist. Als ich Lyonesse entwickelt habe, hatte ich versucht herauszuarbeiten warum das Land vom Untergang bedroht war. Bei einem Blick auf die Welt, in der wir jetzt leben, war es nicht schwer zu sehen, wo die Schuld daran lag, und das machte Maschinen - natürlich nicht in der Art wie wir sie kennen - unvermeidlich.

Zauberspiegel: Scholastic empfiehlt dieses Buch für das Alter ab 11. Ich bin mehr daran interessiert welche Art von Lesern du ansprechen möchtest. Welche Art von Leser sollte dieses Buch lesen?
Sam Llewellyn: Ich weiß, was du mit dem Lesealter meinst. Ich habe versucht den Verlag davon zu überzeugen, es jedem im Alter von 10-110 zu empfehlen, aber sie wollten das nicht. Was die Art von Leser bedeutet, nun ja, eine schwierige Frage. Wer Abenteuergeschichten mag, natürlich. Wer sehen will, wie Gut über Böse siegt. Wer gerne in ein eigentümliches Universum hinweggetragen werden möchte, wo sie für sich selbst denken können, und wo ihre Gedanken von Monstern aus einer anderen Welt mitgehört werden können ... also eigentlich jeder.
 
Zauberspiegel: Du hast geschrieben, dass es einen 2. Band über die Monsters of Lyonesse geben wird. In welchen Ländern wird es veröffentlicht werden, und besteht die Chance, dass wir es auf Deutsch lesen können?
Sam Llewellyn: "Darksolstice", Band 2, wird in den USA im Februar veröffentlicht werden, in England im April. Es gibt keinen deutschen Verleger - noch nicht, aber wir leben ja schließlich in Hoffnung!
 
Zauberspiegel: Gibst du uns die Gelegenheit, den ersten Satz aus Band 2 zu lesen?
Sam Llewellyn: Der erste Satz von "Darksolstice" lautet:

Bei Tagesanbruch des fünfzehnten Tag nachdem er ans Ufer von Ar Mor gespült worden war, begann Idris Limpets wieder zu träumen. Ein Ding, mit Flügeln aus Leder war hinter ihm durch das bittere Wasser geflogen. Er wachte schreiend auf.

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