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Die Memoiren eines Pythons - »Eric Idle – Always Look on the Bright Side of Life«

Eric Idle – Always Look on the Bright Side of LifeDie Memoiren eines Pythons
»Eric Idle – Always Look on the Bright Side of Life«

Schreiben können sie, die Ex-Mitglieder der britischen Kult-Comedy-Truppe »Monty Python«.

So viel steht seit nunmehr knapp 50 Jahren fest, denn die Komiker waren damals auch schon für die absurd-schrägen Drehbücher ihrer Fernsehshow verantwortlich und schrieben später die legendären Kinofilme »Die Ritter der Kokosnuss« oder »Das Leben des Brian«.

Eric Idle – Always Look on the Bright Side of LifeIn den letzten Jahren haben die fünf noch verbliebenen Pythons ihr 70. Lebensjahr überschritten und sind nunmehr in einem Alter angekommen, in dem man sein eigenes Leben reflektieren und kritisch Bilanz ziehen, oder eben einfach auf humorvolle Weise in einer Art Autobiografie noch einmal Revue passieren lassen kann. Nach John Cleese („Wo war ich noch mal?“, 2015) und Terry Gilliam („Gilliamesque – Meine prä-posthumen Memoiren“, 2015) hat sich nun auch Eric Idle wieder an den Schreibtisch gesetzt und mit „Always Look on the Bright Side of Life“ eine „Art Autobiografie“ geschrieben, wie es süffisant im Untertitel heißt. Nimmt man die bereits 1980 veröffentlichten Memoiren des 1989 verstorbenen Graham Chapman („A Liar’s Autobiography“) und die in mehreren Bänden veröffentlichten Tagebücher Michael Palins hinzu, fehlen nun nur noch die Erinnerungen von Terry Jones, die diesen aber aufgrund seiner Demenzerkrankung selbst immer mehr verlassen und deswegen wohl nie erscheinen werden.

Eric Idle – Always Look on the Bright Side of LifeFür Eric Idle ist diese Autobiografie keineswegs der erste Vorstoß in die Gefilde der Buchautoren, schließlich hat er mit „Die Reise zum Mars“ und „The Writer’s Cut“ auch schon erfolgreich Romane herausgebracht. Deswegen verwundert es nicht, dass sich seine Memoiren äußerst vergnüglich und kurzweilig lesen, dass Idle stets weiß, wie man Spannung schürt, wie man Pointen setzt und wie man die Leserschaft staunend durch ein überaus ereignisreiches und verblüffendes Leben führt. Den frühen Jahren vor seiner Berühmtheit widmet der Autor nicht allzu viel Platz, was angenehm auffällt, weil es bei anderen Autobiografien schon allzu häufig passiert ist, dass die Kinder- und Jugendjahre voller Inbrunst wiedergegeben wurden, die Zeiten der Erfolge und der interessanten Begegnungen hingegen allzu knapp abgehandelt werden. Nicht so bei Idle, der wahrlich alle Größen der Popkultur gekannt zu haben scheint und deswegen von überaus bizarren, humorvollen und schlichtweg beeindruckenden Begegnungen berichten kann.

Eric Idle – Always Look on the Bright Side of LifeSchon kurz nach Start von „Monty Python’s Flying Circus“ freundete sich Eric Idle mit dem Ex-Beatle George Harrison an, der sich nicht nur als finanzieller Retter beim Dreh von „Das Leben des Brian“ erwies, sondern Idle auch mit anderen Prominenten bekannt machte – von den „Rolling Stones“-Mitgliedern Mick Jagger, Keith Richards und Ronnie Wood über die „Star Wars“-Darsteller Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill bis hin zu weiteren Ikonen wie Harry Nilsson, Paul Simon oder David Bowie. Mit viel Witz und gelegentlicher Selbstironie reflektiert Eric Idle, wie der Titel gebende Song „Always Look on the Bright Side of Life“ entstand, relativiert überzeugend die aus Kirchenkreisen stammende Kritik am Film „Das Leben des Brian“ und spricht voller Hingabe und Bewunderung von seiner zweiten Ehefrau Tania Kosevich, mit der er nun schon seit mehr als vierzig Jahren liiert ist. Übersetzer Uli Twelker hat sich übrigens große Mühe gegeben, die immer wieder eingestreuten Liedtexte, Gedichte und Titel geschickt ins Deutsche zu übertragen, so dass dabei sowohl die Gags als auch die Reime erhalten bleiben. Das gut 320 Seiten starke Buch ist darüber hinaus auch üppig mit Schwarz-Weiß-Fotos illustriert, mit denen sämtliche Karrierestationen des Schauspielers und Autors überzeugend bebildert werden – teilweise mit sehr seltenen und höchst interessanten Fotomotiven. Eine unverzichtbare Publikation für jeden echten Python-Fan!

Eric Idle – Always Look on the Bright Side of Life: Eine Art Autobiografie“ von Eric Idle, 324 Seiten, ISBN 978-3-85445-658-2, Hannibal Verlag Innsbruck, Österreich 2018

Frank Brenner

Kommentare  

#1 Martin Baresch 2018-11-11 13:50
Guter Beitrag, Frank! Und Idle hat natürlich völlig recht, wenn er schreibt: "Vielleicht sollte jeder mal für ein paar Tage gekreuzigt werden - das ermöglicht einem einfach einen guten Blick auf das Leben an sich."
- Als einer, der von den Pythons schwer beeinflusst ist, was schwarzen Humor, (Selbst-)ironie usw anbelangt, spukt mir v.a. dieser Satz immer mal wieder durch den Kopf, wenn wieder einer anfängt (auch im ZS), sich über die "drohende" Überfremdung Deutschlands zu sorgen - und kämpferisch hinzufügt: "Also, meine Stimme ist der AfD sicher!"
- Wie geschrieben, dann denk ich mir erstmal den obigen Satz. Danach fällt mir garstigerweise oft noch die eine oder andere Frage ein: Gab`s eigentlich je eine AfD-Demo, wenn wieder alle "Lügenmedien" darüber berichtet haben, dass katholische (mittlerweise weiß man auch von evangelischen) *deutsche* Pfarrer Kinder im Dutzend sexuell missbraucht haben und von "ihren" Bischöfen gedeckt, alternativ vorschnell in den Ruhestand versetzt wurden? Wo waren die Mahnwachen der Bernd Höckes? Wo die "Pfarrer raus!"-Hass-Tiraden vornehmlich fetter Männer und hässlicher alter Frauen? Wo war je eine Demo oder ein Aufruhr in den sozialen Medien, wenn wieder mal ein Super-Beschiss deutscher Banker bekannt wurde? Oder der Auto-Lobby? (Diesel-Gate)? Wo bleibt der Aufschrei mit gefletschten Zähnen und fliegendem Sabber darüber, dass - nicht nur - im reichen Deutschland die Reichen immer NOCH reicher und die Armen immer NOCH ärmer werden?
- Bei allem Mitgefühl für vergewaltigte Frauen und dem Entsetzen über schwanzgesteuerte Männer im Allgemeinen und syrische/afghanische im Besonderen ... hat je einer von denen, die der AfD nun so kämpferisch ihre Stimme "geben" wollen, um "deutsche Frauen" zu schützen, mal das Programm der AfD gelesen? Frauen - eine inzwischen v.a. im Osten Deutschlands zusehens seltener anzutreffende Spezies - zurück an den Herd! Und dann: Kinder bekommen. Natürlich möglichst viele, um den Bestand des teutschen Volkes zu sichern. Und was ist mit den Vorhaben der AfD, Sozialleistungen für die Ärmsten und Schwächsten in unserer deutschen Gesellschaft zu kürzen? Was mit den Foren, der Aufforderung, Lehrer direkt bei der AfD zu denunzieren, die sich kritisch in Sachen AfD äußern?
- Und muss ich nun befürchten, ebenfalls irgendwo gemeldet zu werden? Kommen Männer in schwarzen Ledermänteln des Nachts über die Steilklippen Mallorcas gehuscht, um mich diskret im Auftrag Alice Weidels (einer leider nicht bekennenden lesbischen Frau in der insgesamt doch eher homophob agierenden AfD) zum Stillschweigen zu bewegen? Und wie wird Alice Weidel zum Bestand des deutschen Volkes beitragen? Bibber.
- Wie geschrieben ... Nur so ein paar pythoneske Gedanken zum kämpferisch-heldenhaften "Abgeben" von Stimmen. Die Pythons hätten ihre Freude dran an dem, was zZt alles abgeht in Deutschland, den Niederlanden, Italia... und natürlich in ihrem Heimatland (Brexit!?) wären sie noch jünger. (Ich stelle mir die "Werft sie den Pären und Pestien"-Szene in "Das Leben des Brian" zu gerne statt mit Cesar mit dem GröFaZ Adolf vor).
- Und um den Stimmungspegel noch ein bisschen anzuheben, abschließend noch die heißblütig-begeisterte Erinnerung an 2014: an die (bislang) letzte Monty Python-Wiedervereinigung der fünf verbliebenen nur körperlich älteren Knaben in der Londoner 02-Arena! Zehn Mal (!!!) in Folge war sie ausverkauft. Ich war einer von denen, die ihnen huldigen durften, und es war ein Jungbrunnen, es war einziger langer LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE. Weil das Leben an sich und das Miteinander und der Humor zelebriert wurde. Weil Briten, Franzosen, Deutsche, Türken, Polen und-und-und diese Truppe - zu recht - abfeierten, deren anarchistischer Humor in dieser heutigen Zeit vor allem im miesepetrigen unzufriedenen reichen Deutschland so wahnsinnig fehlt, trotz Welkes "heute Show", Kalkofe, Nico Semsroth und ein paar anderen.
#2 Harantor 2018-11-11 14:15
Ich sags mal mit dem Film
Zitat:
" Matthias: Crucifixion's a doddle.
Centurion: ...Don't keep saying that. "

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