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Der nackte Killer - »10 to Midnight«

10 to MidnightDer nackte Killer
»10 to Midnight«

Man könnte Charles Bronson in der zweiten Hälfte seiner Filmkarriere als Vater der Selbstjustiz bezeichnen. Der aus Pennsylvania stammende Schauspieler litauischer Abstammung war aufgrund seines rauen Äußeren schon immer für grobschlächtige Charaktere prädestiniert, doch erst durch Michael Winners „Ein Mann sieht rot“ aus dem Jahr 1974 spielte Selbstjustiz in Bronsons Filme schließlich eine zentrale Rolle.

10 to MidnightDas ist auch in „10 to Midnight“ aus dem Jahr 1983 nicht anders.

Die hiesigen Kino- und Fernsehzuschauer dürften den Film wahrscheinlich eher als „Ein Mann wie Dynamit“ kennen, einem Titel, der ganz bewusst eine Analogie zu „Ein Mann sieht rot“, „Ein Mann räumt auf“, „Ein Mann wird zur Bestie“ oder „Der Mann ohne Gnade – Death Wish II“ herstellte. Auch die deutschen Titel von Bronsons Filmen „Ein Mann geht über Leichen“, „Das Gesetz bin ich“, „Ein stahlharter Mann“ oder „Der Tag der Abrechnung“ lassen keinen Zweifel aufkommen, dass es hier stets rau und häufig überaus gewalttätig zugeht. Der Mime spielte Architekten, Melonenfarmer, Kriminalschriftsteller oder Cops, die mit den Unzulänglichkeiten der Gesetzgebung konfrontiert werden und im Angesicht dessen das Gesetz selbst in die Hand nehmen, um sich ihre eigene Gerechtigkeit herbeizuführen. Vor ein ähnliches Dilemma wird in „10 to Midnight“ auch wieder Bronsons Polizei-Lieutenant gestellt, der „vergessen muss, was legal ist, um zu tun, was richtig ist.“

10 to MidnightEin irrer Killer hat schon mehrere junge Mädchen brutal mit dem Messer ermordet. Eine von ihnen war eine Schulfreundin von Laurie Kessler (Lisa Eilbacher), der Tochter von Lieutenant Leo Kessler (Charles Bronson). Dementsprechend schwer fällt dem Kriminalbeamten der Besuch bei Betty Johnsons Eltern, die er aus Lauries Schultagen ebenfalls noch persönlich kennt. Zusammen mit seinem jungen Kollegen Detective Paul McAnn (Andrew Stevens) wird Kessler schon bald auf einen jungen Mann aufmerksam, der einige der Opfer persönlich gekannt hat. Warren Stacy (Gene Davis) ist ein gutaussehender, aufgrund seiner Zurückhaltung aber auch unscheinbarer Büroangestellter, der schnell zum Hauptverdächtigen in dem Fall wird. Für den Abend der Ermordung von Betty Johnson und deren Freund hat er jedoch ein Alibi – denn er war im Kino und hat sich dort überaus auffällig benommen, so dass mehrere Personen seine Anwesenheit dort bezeugen können. Nur der Zuschauer kennt von Anfang an die ganze Wahrheit, denn Stacy hat sich während der Vorstellung klammheimlich über das Toilettenfenster aus dem Kino gemogelt, um seine Morde zu begehen und rechtzeitig vor Filmende seinen Platz wieder einzunehmen. Wird es Kessler dennoch gelingen, Stacy auf die Anklagebank zu bringen und somit weitere Morde zu verhindern?

10 to MidnightJ. Lee Thompson („Die Kanonen von Navarone“, „Ein Köder für die Bestie“) war ein versierter Action- und Spannungsregisseur, der mit Charles Bronson in den Jahren 1976 bis 1989 insgesamt neun Filme inszenierte. Hier waren die beiden schon ein eingespieltes Team, weswegen „10 to Midnight“ auf routinierte Weise das Porträt eines desillusionierten Polizisten entwirft, der mit einem Newcomer zusammengebracht wird, der sich noch streng am Gesetzbuch orientiert. Der eigentliche Clou des Films besteht in der charismatischen Zeichnung des psychopathischen Frauenmörders, der sich stets komplett entkleidet, bevor er zusticht. Gene Davis kann hier mehrfach seinen durchtrainierten Körper präsentieren und dürfte wahrscheinlich einer der erotischsten Killer der Filmgeschichte sein. Insgesamt ein gelungener Krimi, dessen Spannung im letzten Drittel noch einmal gehörig ansteigt. Nachdem der Film 2018 bei „Wicked-Vision Media“ bereits als limitiertes Mediabook erschienen war, hat das Label nun mit einer Single-BluRay im Steelbook nachgelegt, der Nr. 5 in der „Wicked Metal Collection“. Diese präsentiert den Film in ungeschnittener Fassung und mit exzellentem Bild (Widescreen-Format 1,85:1) sowie einem Ton, der dem damaligen Kinoerlebnis gerecht wird (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit deutschen und englischen Untertiteln). Das üppige Bonusmaterial setzt sich zusammen aus einem Audiokommentar der Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann, einem weiteren mit David Del Valle, dem Filmproduzenten Pancho Kohner und dem Castingleiter John Crowther (optional mit deutschen Untertiteln), einem isolierten Musik-Track, zwei englischen Originaltrailern, dem deutschen VHS-Vorspann, englischen Radiospots (2 Minuten) sowie einer über 150 Motive umfassenden animierten Galerie, die Artwork, internationale Aushangfotos, Promotionmaterial und ein Filmprogramm beinhaltet.


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