Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Allüberall sah ich Apps blitzen - warum eigentlich?

In (Multi-)Medias Res - Die Multimedia-KolumneAllüberall sah ich Apps blitzen ...
... warum eigentlich?

Wieviele Apps auf den Friedhof der unbenutzten Apps landen möchte ich gar nicht wissen. Bei mir sind schon etliche wieder vom Smartphone verschwunden, die irgendwann mal sicherlich total wichtig waren, aber jetzt kaum noch eine Bedeutung fürs Leben haben. Man wird ja auch im Laufe der Zeit vorsichtiger - brauche ich wirklich die Stadtapp, in der ich Dinge tun kann, die ich auch per normaler Webseite tun kann? Eigentlich nicht.

Andererseits wird man auch immer mehr dazu gezwungen, Apps zu nutzen. Falls jemand mal mit DHL zu kämpfen hatte, der wird wissen, was ich meine.

Apps sind nützlich. Keine Frage. Sie versammeln auf einen Schlag alle Funktionen, die man so braucht. Oder auch nicht braucht. Zum Beispiel sehe ich es nicht unbedingt ein, warum ich zum Abholen von Paketen unbedingt eine App brauche. Eigentlich Tinnef. Vor allem, weil die App - wenn mal die Karte zum Abholen nicht im Kasten sein sollte - nun auch nicht weiterhilft. Aber ich brauche eine App, weil diese blöde Paketstation keinen Monitor mehr hat - den spart man dann ein - sondern sich mit Bluetooth mit dem Smartphone verbindet und irgendeine dämlichen Code haben möchte, den das Smartphone generiert. Falls ich mal kein Internet haben sollte oder kein Bluetooth - tja, Pech gehabt. Geht das Paket halt zurück an den Absender.

Jedes Mal beim Einkaufen in Supermärkten werde ich gefragt, ob ich entweder Punkte sammeln würde - nein - oder ob ich eine Kundenapp hätte. Wohlgemerkt: Nicht eine Kundenkarte, da sind die Supermärkte schon weit drüber. Eine Kundenapp! Zum Bezahlen! Und Punkte sammeln! Ich weigere mich da strikt, weil ich nicht weiß, was von meinen Daten am Ende bei denen auf den Servern landet. Früher gab es Papierkarten, in die man Dinge klebte oder die gestempelt wurden. Das sehe ich ja noch als nett an. Wobei ehrlich gesprochen das Punktesammeln nun auch nicht unbedingt super ist, weil die Prämien, die man bekommt, meistens auch so und billiger zu haben sind. Aber immerhin: Da wollte niemand meine Daten von mir haben. Keine Mail. Keine Telefonnummer. Keine Adresse. War das entspannend. 

Aber heute gibts neben Apple-Pay ja noch die LIDL-App, die Kaufland-App, die Netto-App, die ALDI-App - für jeden Discounter und jeden Supermarkt bräuchte ich eine eigene App zum Bezahlen. Was in aller Welt denken die denn, was ich auf dem Smartphone für Speicherplatz habe? 1 Terabyte? Und was ist eigentlich so falsch daran, Dinge mit gutem altem Bargeld zu bezahlen? Oder wenn mit Karte, dann mit der EC-Karte? Warum brauche ich für jeden Einkauf eine andere Scheiß-App? Wenn ich Stammkunde bei einem Discounter bin, habe ich die App des Discounters installiert und fertig. Prospekte kriege ich entweder noch auf Papier ins Haus oder ich gehe auf die Webseiten, wenn mich direkt was interessiert.

Was man auf keinen Fall machen sollte: Apps erlauben, einem Nachrichten zu schicken. Denn es ist ja nicht so, als ob die Apps dann tatsächlich immer nützliche Nachrichten schicken würden, von wegen. Da wirst du mit Dingen belästigt, die einfach nur Zeit kosten - nämlich die Zeit, in der du die Dinge wegklickst. Sonderangebote lasse ich mir allenfalls noch gefallen, aber zu lesen, dass der Supermarkt mal wieder total viel Geld in den Ausbau von Solardächern investiert hat … Ja. Schön für die Umwelt. Muss ich das unbedingt wissen? Nein. Ich brauche auch nicht darauf hingewiesen zu werden, welche tollen Werbespots es jetzt wieder gibt. Nein. Kochrezepte will ich auch nicht. Danke.

Dabei habe ich ja eigentlich nichts gegen Apps. Aber Apps sind unnütze, wenn sie - wie beim VRR übrigens - keinen Mehrwert leisten. Beim VRR erwarte ich einfach auch, dass  die App mir aufzeigt, wann es Verspätungen gibt. So kann ich vorher zu Hause einige Minuten länger verweilen und dann beruhigt zum Gleis gehen. Was macht die App nicht? Genau das. Sie zeigt Verspätungen nicht punktgenau an. Sondern irgendwie immer zu spät. Es kann doch kein Akt sein, einfach dem System beizubringen oder von Hand in das System einzutragen, wenn es einige Minuten später wird. Aber das schafft man ja nicht mal für die Anzeigen im Stadtverkehr. Mittlerweile ignoriere ich die einfach und hoffe, dass die App Recht hat. Ja, sicher, Ticketkauf online - super. Wenn es funktioniert. Neuerdings gibts ja auch dieses NRW-Easy-Einsteig-App, die den Preis per Kilometer berechnet und nicht nach Zonen. Ich glaube nicht, dass das billiger ist, aber ich habs noch nicht nachgerechnet.

Apps brauchen Mehrwerte. Sie müssen noch nicht mal sexy sein, aber wenn ich an meine Mails nur dann rankomme, wenn ich eine App installieren muss - tatsächlich im kirchlichen Bereich nicht unüblich - dann nutze ich die App. Nicht, dass ich sie sexy und super finden würde, aber ohne die geht es nicht. Denn sonst komme ich nicht an meine Mails. Ich verstehe zwar den Sicherheitsgedanken, der dahintersteckt, aber so richtig bequem ist das ja auch nicht. Zudem wird bei so etwas immer vorausgesetzt, dass man Internet hat. Ich kenne sage und schreibe Leute, die wirklich kein Internet zu Hause haben. Kein Smartphone. Gut, die werden auch keine Email-Adresse haben, aber um eine App zu benutzen, brauche ich ja Internet.

 

Jedenfalls: Kein Wunder, dass Apps auf dem Friedhof der unbenutzten Dinge landen. Wenn Sie obsolet sind, nicht das tun, was sie sollen oder einfach keinen Mehrwert haben. Vielleicht setzt sich das ja doch noch im nächsten Jahr irgendwie als Erkenntnis durch: Nur, weil es eine App gibt, braucht man sie nicht unbedingt. 

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.