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Eddington - Western mal anders

Eddington

Western mal anders

 

Beim letztjährigen Filmfestival von Cannes konkurrierte Ari Asters neuester Film „Eddington“ um die Goldene Palme, blieb am Ende aber ohne Auszeichnung. Ab 6. März ist seine thematisch überquellende Mischung aus Neo-Western, Komödie und Sozialdrama erstmals fürs Heimkino erhältlich. Zu Rezensionszwecken stand uns hier lediglich die DVD-Variante zur Verfügung, parallel wird auch eine BluRay veröffentlicht.

Als 2018 mit „Hereditary – Das Vermächtnis“ Ari Asters (geboren 1986 in New York City) erster Langfilm in die Kinos kam, dauerte es nicht lange, bis sich der originelle Horrorstreifen zu einem Geheimtipp und schließlich zu einem Blockbuster entwickelte. 10 Millionen Dollar hatte der Film gekostet, und schließlich das Neunfache an den Kinokassen wieder eingespielt. Asters zweiter Film „Midsommar“ war thematisch ganz ähnlich gelagert, konnte seine intensive Gruselatmosphäre in diesem Fall sogar in hellem Tageslicht entwickeln. Nicht ganz so erfolgreich wie der Vorgänger, konnte aber auch dieser Film ca. das Fünffache seiner Produktionskosten wieder einspielen. Gefolgt wurden die beiden astreinen Horrorfilme von einem Genremix, „Beau is Afraid“, für den Ari Aster für die Hauptrolle niemand Geringeren als Joaquin Phoenix gewinnen konnte. Der Oscar-Preisträger erhielt auch für diesen Film wieder etliche Nominierungen als bester Darsteller, u.a. für den renommierten Golden Globe. Phoenix war dann 2025 auch in Asters viertem Langfilm wieder in der Hauptrolle zu sehen. „Eddington“ ist abermals ein schwer zu klassifizierender Genremix, der während der Frühphase der Corona-Pandemie und dem ersten globalen Lockdown angesiedelt ist und vor diesem Hintergrund ein von Western inspiriertes Duell zwischen dem Bürgermeister und dem Sheriff einer kleinen US-Stadt entspinnt.

In Eddington im US-Bundesstaat New Mexico ticken die Uhren noch anders. In dem kleinen Städtchen kennt jeder noch jeden, man befindet sich irgendwo in der Wüste, fernab von anderen, größeren Städten. Als im Mai 2020 die Corona-Pandemie einen ersten Höhepunkt erreicht und die Bevölkerung aufgefordert ist, größere Menschenansammlungen zu vermeiden und Atemschutzmasken zu tragen, sieht Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) darin keine große Notwendigkeit, weil sowieso noch kein Covid-Fall in Eddington bekannt wurde. Außerdem leidet der Gesetzeshüter unter Asthma, weshalb ihm das Atmen unter der Maske schwerfällt. Deswegen gerät er wiederholt mit dem Bürgermeister Eddingtons, Ted Garcia (Pedro Pascal), aneinander, der auf das strikte Einhalten der Regeln pocht, zumal gerade seine Wiederwahl ansteht. Joes Ehefrau Louise (Emma Stone) ist psychisch labil, weil sie unter einem Trauma leidet, in das auch Ted Garcia verwickelt zu sein scheint. Mitten in die ohnehin schon aufgeheizte Situation fällt eine Nachrichtenmeldung, die auch in Eddington nicht folgenlos bleibt: In Minneapolis wurde der dunkelhäutige George Floyd von einem weißen Polizeibeamten erschossen, offensichtlich ohne von diesem direkt bedroht worden zu sein. Die „Black Lives Matter“-Bewegung erreicht auch die Einwohner Eddingtons, vor allem Garcias Sohn Eric (Matt Gomez Hidaka) und dessen Freund Brian (Cameron Mann) gehen mit Plakaten auf die Straße und demonstrieren gegen Polizeigewalt. Langsam droht die Situation zu eskalieren.

Es dauert eine ganze Weile, bis „Eddington“ richtig Fahrt aufnimmt. Die ersten anderthalb Stunden des knapp zweieinhalbstündigen Epos sind eher Sozialdrama als Genrefilm. Der Humor ist zwar auch hier schon dezent vorhanden, bleibt aber noch eher im Hintergrund. In der letzten Stunde ziehen sowohl die Spannung als auch die sarkastischen Gags deutlich an, was insgesamt den Unterhaltungswert steigert. Dennoch hat sich Ari Aster hier irgendwie zu viel vorgenommen: Corona-Pandemie, Rassismus, Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner, psychische Traumata und Verschwörungstheoretiker sind seine Themen, von denen jedes einzelne einen ganzen Film getragen hätte. Auf diese Weise zerfranst die Geschichte, die auch stilistisch uneinheitlich bleibt. Für Fans des stargespickten Ensembles aber sicherlich durchaus mal einen Blick wert. Die DVD wartet mit einem hervorragend abgemischten Sound (Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1, optional mit deutschen Untertiteln, auch für Hörgeschädigte) auf, dem man auch in dieser abgespeckten Form noch die Atmos-Klänge anmerkt. Das Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) ist okay, wobei es in den dunkleren Passagen schon etwas verwaschen wirkt. Als Extras gibt es Promo-Interviews mit Regisseur Ari Aster (5 Minuten), Emma Stone & Pedro Pascal & Austin Butler (4 Minuten), Joaquin Phoenix & Pedro Pascal (5 Minuten), ein Featurette zu den Dreharbeiten (2 Minuten) sowie den deutschen Kinotrailer des Films.

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