In brightest day, in blackest night - Green Lantern auf dem Bildschirm 10.02 - Lanterns Staffel 1 Episode 2
In brightest day, in blackest night
Green Lantern auf dem Bildschirm 10.02
Lanterns Staffel 1 Episode 2
Die Handlung verbleibt in dieser Folge komplett im Jahr 2016. Hal Jordan und John Stewart ermitteln weiterhin in Ruchville und weitere Rätsel tun sich auf. John soll Johns Laterne aus Coast City holen und dabei gerät er an einige als Mensch getarnte Außerirdische, die auf der Suche nach einem Manhunter sind. Die Manhunter waren künstliche Wesen, die die Guardians vor der Gründung des Green Lantern Corps geschaffen haben.
Hal ermittelt derweil weiter in Rushville und stößt auf eine Technologie, mit der Außerirdische identifiziert werden können. Der Rancher William Macon sowie mehrere Einwohner der Stadt scheinen in die mysteriösen Ereignisse verwickelt zu sein. Als Hal durch einen Schuss verwundet wird, wird es zunehmend offensichtlicher, dass hinter dem Mordfall sehr viel mehr steckt als ein übliches Verbrechen. Hal sucht seinen alten Gefährten Sinestro auf, der in einem Gefängnis auf einem fremden Planeten inhaftiert ist. Von ihm erhofft er sich Informationen über den Manhunter, der sich auf der Erde verborgen hat.
Nach und nach werden zentrale Bestandteile des Green-Lantern-Mythos in die Handlung eingewoben. So erfährt der Zuschauer mehr über die Guardians und die Manhunter, bevor Hal gegen Ende der Folge erstmals seine Lantern-Uniform überstreift und sich in den Weltraum aufmacht. Der Zuschauer bekommt die Möglichkeit, sich langsam mit der komplexen Materie Green Lanterns auseinander zu setzen. Allerdings greifen die Macher hier auf einen fragwürdigen Stil zurück. Ein Großteil des Ausbaus der Serie wird nicht durch erlebbare Szenen dargestellt. Die Informationen werden in teils langen Dialogen vermittelt, die den Fluss der Handlung mitunter etwas stocken lassen. Dabei wäre es durchaus reizvoll gewesen, die Guardians oder auch die Manhunter mal in Aktion zu sehen. So fühlt sich Lanterns mittlerweile wie ein Verschwörungsdrama an, in dem der Zuschauer nach und weitere Puzzleteile erhält. Kenner der Vorlage werden mit diesen Informationen und den eingestreuten Eastereggs einiges anfangen können. Es ist allerdings zu befürchten, dass, wenn Lanterns diesem zurückhaltenden Stil bis zum Ende der Staffel treu bleibt, das anfängliche Interesse der Zuschauer nachlässt. Lanterns wird kein Erfolg, wenn sich die Serie darauf beschränkt, hartgesottene DC-Fans mit kleinen Anspielungen bei Laune zu halten. Der gewöhnliche Serienzuschauer möchte abgeholt werden und wird keine Lust haben, sich in die komplexe Comicgeschichte durch langwierige Internetrecherchen einzuarbeiten.
Während die Handlung langsam voranschreitet, bleibt eine Stärke nach wie vor die Charakterentwicklung von Hal und John. Kyle Chandler spielt Hal weiterhin als einen müden, alten Veteranen, der seiner Aufgabe als Green Lanern nach wie vor nachgeht. Sinnbild seiner Haltung ist die Verschmutzung seiner Uniform, die er zum Ende der Folge erstmals überstreift. John hingegen wirkt sehr viel kontrollierter und geradliniger. Bei einer Übungseinheit mit dem Ring erschafft er einen Schmetterling, der manifestiert bleibt, als John den Ring längst wieder an Hal zurückgegeben hat. Nun wird erkennbar, dass John etwas kann, was Hal nicht kann. In der Schlusssequenz erkundigt sich Sinestro nach John und spätestens jetzt deutet vieles darauf hin, dass John über Fähigkeiten verfügt, die selbst Hal überraschen dürften.
Im Kinofilm von 2011 hat Mark Strong Sinestro gespielt. Seine Darstellung der Renegate-Green-Lantern gehört zu den wenigen Lichtblicken des Films, der auch Comicfans bis heute begeistert. Nun übernimmt der dänische Schauspieler Ulrich Thomsen die Rolle des ewigen Widersachers. Der Zuschauer bekommt ihn nur kurz zu sehen, aber trotzdem kann Thomsen eine bedrückende Atmosphäre erzeugen. Sinestro ist zwar in einer Zelle eingesperrt, scheint die Situation aber dennoch vollkommen unter Kontrolle zu haben.
Lanterns ist eine aus acht Folgen bestehende Serie, die horizontal erzählt wird. Damit reiht sich sie sich in zahlreiche Streamingformate ein, deren einzelne Episoden weniger für sich alleinstehen, sondern eine gemeinsame, fortlaufende Geschichte bilden. Nach Abschluss der Staffel dürfte Lanterns daher eher wie ein in acht Kapitel unterteilter Film wirken, als wie eine klassische episodische Serie. Die zweite Episode erweitert die Mytholgie und entwickelt die Charaktere weiter. Im wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus fallen die langsame Inszenierung und die ruhige Erzählweise hingegen stärker ins Gewicht. Sie könnte daher weniger befriedigend wirken, als sähe der Zuschauer sie später im Gesamtzusammenhang der Staffel.
So entsteht eine paradoxe Situation: Die Folge liefert zahlreiche Informationen und Hinweise auf die weitere Entwicklung von Lanterns, während beim Gelegenheitszuschauer gleichzeitig der Eindruck entstehen könnte, dass eigentlich gar nicht so viel passiert.
08/2026



