Geschichten aus der Schattenwelt - Mumie, Katze und Gargoyle
Geschichten aus der Schattenwelt
Mumie, Katze und Gargoyle
Die Spielfilmvariante von „Geschichten aus der Schattenwelt“, die im Untertitel mit „mehr als ein Film!“ beworben wurde, ist alles andere als zimperlich geraten. Die Produzenten der Spelling Entertainment Company, die von 1983 bis 1988 in vier Staffeln 90 Episoden der Serie fürs Fernsehen realisiert hatten, wollten in der Kinoversion offensichtlich klotzen anstatt kleckern. Insbesondere in der Ausgestaltung manch blutiger Details ließ man sich nicht lumpen, weswegen der Film in Deutschland 25 Jahre lang trotz einer FSK-Freigabe „ab 18 Jahren“ auf dem Index der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz stand. Das führte u.a. dazu, dass etliche stark geschnittene Varianten des Films in Umlauf kamen, die dann mitunter auch bereits „ab 16 Jahren“ freigegeben waren. Seit 2016 ist die Indizierung aufgehoben. Bei Filmjuwelen ist „Geschichten aus der Schattenwelt“ nun zum ersten Mal überhaupt auf BluRay und 4KUHD erschienen, parallel wurde auch wieder eine DVD-Version veröffentlicht, und auf allen drei Medien liegt die ungeschnittene Original-Kinoversion vor. Die hatte 1990 John Harrison inszeniert und damit sein Langfilmdebüt abgeliefert. Für die gleichnamige Fernsehserie, die von George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“) als ausführendem Produzenten betreut worden war, hatte Harrison auch schon acht Episoden inszeniert. Romero schrieb beim Film gemeinsam mit Michael McDowell („Beetlejuice“) das Drehbuch, eine der Geschichten stammte ursprünglich aus der Feder von Stephen King („Friedhof der Kuscheltiere“), und alle drei hatten zuvor auch bereits einzelne Episoden der Fernsehserie verfasst. Trotz dieser zahlreichen renommierten Horrorgrößen ist das Gesamtergebnis etwas ernüchternd ausgefallen.
Der kleine Timmy (Matthew Lawrence) ist in die Fänge der skrupellosen Betty (Debbie Harry, Leadsängerin von „Blondie“) geraten, die den Jungen für ein Dinner am Abend als Hauptspeise zubereiten möchte. Während die Hexe in Gestalt einer adretten Hausfrau den Ofen vorheizt und die letzten Vorbereitungen trifft, versucht Timmy, sich mit einer List aus der Schlinge zu ziehen. Er liest Betty einzelne Geschichten aus einer Horrorsammlung vor, um sie abzulenken. Die erste handelt vom Studenten Bellingham (Steve Buscemi), der sich von einigen Kommilitonen hintergangen fühlt. Er hat einen Sarkophag mit einer Mumie gekauft, die er mittels eines alten Pergaments wieder zum Leben erweckt. Sie soll für ihn Rache an seinen Peinigern (Robert Sedgwick, Julianne Moore und Christian Slater) nehmen. In der zweiten Geschichte bittet der alte Drogan (William Hickey) den Auftragskiller Halston (David Johansen) darum, eine schwarze Katze aus dem Weg zu räumen. Seiner Meinung nach ist das Tier für den Tod seiner drei Mitbewohner verantwortlich. Auch Halston erkennt schnell, dass die Katze alles andere als gewöhnlich ist. Die abschließende Geschichte handelt vom Pakt eines erfolglosen Künstlers, Preston (James Remar), mit einem furchteinflößenden Gargoyle. Diese Kreatur hat vor Prestons Augen einen Menschen enthauptet und den Künstler nur verschont, wenn dieser schwört, keinem Menschen von der Begegnung mit dem Monster zu erzählen. Noch am selben Abend trifft Preston die reizende Carola (Rae Dawn Chong), in die er sich verliebt. Die beiden werden ein Paar und Prestons Karriere boomt. Wird er sein großes Geheimnis weiterhin für sich bewahren können?
Handwerklich sind sämtliche Geschichten aufwändig und überzeugend ausgeführt worden. Das Niveau der Geschichten und deren Originalität wechselt hingegen hin und her. Die Mumien-Geschichte nach Sir Arthur Conan Doyle ist inhaltlich zwar Standard, wurde aber mit viel Humor und einem originellen Schlussgag überzeugend umgesetzt. Stephen Kings Katzengeschichte ist hingegen recht mau geraten und auch nicht sonderlich spannend. Nur einige Ekeleffekte gegen Ende dürften den Genrefans munden. Besser ist dann wieder Michael McDowells „Lover’s Vow“ um den Pakt mit dem Gargoyle. Hier kommen die überzeugendsten Trickeffekte zum Einsatz, und auch die Geschichte selbst ist ungewöhnlich und unterhaltsam. Die Rahmenerzählung muss alles zusammenhalten und kann deshalb nur sporadisch eigene Akzente setzen. Für Genreliebhaber ist „Geschichten aus der Schattenwelt“ sicherlich nach wie vor einen Blick wert, für die namhaften Beteiligten markiert er allerdings nicht viel mehr als eine kleine Fingerübung.
Die neue Filmjuwelen-BluRay bietet ein weitgehend überzeugendes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1) und einen ebensolchen Ton (wahlweise auf Deutsch und Englisch jeweils im DTS HD Master Audio 2.0 und 5.1, optional mit deutschen Untertiteln oder englischen Untertiteln für Hörgeschädigte). Als Extras gibt es einen Audiokommentar des Filmwissenschaftlers Dr. Rolf Giesen, das „Große Making Of von Vier Gruselgeschichten“ (in sechs Teilen, zusammen 104 Minuten), ein „Hinter den Kulissen“-Feature (11 Minuten), den englischen und deutschen Originaltrailer, englische TV- und Radiospots, eine größere animierte Hinter-den-Kulissen-Fotogalerie sowie die deutsche Titelsequenz. Außerdem hat man online Zugriff auf ein 28seitiges Booklet zum Film von Dr. Rolf Giesen.




Kommentare
Jetzt frage ich nochmal (habe ich vor einiger Zeit schon mal): gibt oder gab es denn nicht jemanden hier, der mir mal mehr dazu sagen sagen kann. Vielleicht Jemand, der mit den Dingern aufgewachsen ist? Der Kumpel zieht sich so etwas einfach nur rein, der weiß nichts über Entstehung, Schauspieler usw.
Mich würde auch etwas über Filmfirmen wie Hammer oder so interessieren.
es gibt unter Garantie Kenner der Filmfirmen von Horror und Grusel, aber auch bereits jede Menge Artikel zB zu den Hammer Studios, zB www.zauberspiegel-online.de/index.php/phantastisches/gesehenes-mainmenu-150/39260-journey-to-the-unknown-die-fast-vergessenen-tv-anfaenge-von-hammer-productions.
Was genau würde dich denn interessieren?
Deshalb fragte ich, ob es z.b. bei euch jemanden gab oder gibt der da richtig Bescheid weiß. Ich kann mir vorstellen, dass die Autoren hier zum Teil auch schon älter sind und solche Filme vielleicht sogar noch früher im Kino gesehen haben.
Bin mal gespannt...