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John Sinclair revisited - Das Finale

John Sinclair revisitedDas Finale

Nach 20 gelesenen und rezensierten John Sinclair – Heften wird es nun Zeit für eine Bilanz, einen Schlussstrich. Zwar soll nicht ausgeschlossen werden, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Sinclair – Rezensionen geben wird, allerdings hat sich für den Rezensenten nach diesen zwanzig Heften mehr als deutlich herausgestellt, dass er sich – bezogen auf seinen privaten Sinclair – Konsum – dann doch lieber wieder auf die alten Hefte beschränken wird, und selbst damit wird er noch eine Weile warten.

 

Es ist ja nicht so, dass er sich nicht amüsiert hätte, während dieser zwanzig Romane, dass er nicht hin und wieder sogar schallend gelacht und sich auf die Schenkel geklopft hätte, allerdings war dieses Lachen entweder ein Ausdruck schierer Fassungslosigkeit oder es bezog sich auf Komik die rein unfreiwilliger Natur war. Würde man an dieser Stelle noch eine Art „Best of“ der „kleinen Zitate“ bringen, so könnte man in etwa erahnen, wovon der Rezensent spricht.

Neben den Lachanfällen gab es allerdings auch Anlass für Frust und Ärger. Und auch wenn er schon nach nur zwei gelesenen Romanen bereits wusste, was er sich da aufgehalst hatte, änderte das nichts daran, dass dieser Ärger mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder aufkam. Ob es an der Gutgläubigkeit des Rezensenten lag oder einfach an seinen immer wieder aufflammenden nostalgischen Gefühlen und Erinnerungen an bessere Zeiten: Er fiel immer wieder auf denselben Trick herein, ließ sich von einem vielversprechenden Anfang zu guter Hoffnung verleiten, vielleicht nur ein einziges Mal einen brauchbaren Roman erwischt zu haben, nur ein einziges Mal nicht nach etwa 30 Seiten dem Drang widerstehen zu müssen, den Roman in die Ecke zu pfeffern.

Das mag jemand, der die Romane noch regelmäßig konsumiert und sich dabei vielleicht sogar amüsiert, nicht nachvollziehen können, aber es scheint tatsächlich so zu sein, dass man die Hefte ganz einfach nicht Wort für Wort, Zeile für Zeile und Seite für Seite lesen darf oder sollte (und das muss man ja auch nicht, wenn man nicht die Absicht hat sie zu rezensieren). Dass man sie besser nur überfliegt, querliest. Das Problem ist nur, dass einem selbst bei noch so oberflächlichem Lesen die zum Teil gravierenden Mängel nicht entgehen können. Wenn schon nicht die sprachlichen, so zumindest die inhaltlichen. Doch darauf will ich am Ende dieses Artikels noch ein letztes Mal näher eingehen. Schließlich gilt es noch, den abschließenden Band zu rezensieren. Die (vorerst) letzte Chance des Autors, mich doch noch einmal zu überzeugen, und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen. Und immerhin, es geht um etwas in diesem letzten Heft: Ein langjähriger Supergegner sieht seinem Ende entgegen.

Ob es sich um ein Ende mit Schrecken nach diesem Schrecken ohne Ende handelt, oder um einen würdigen, überzeugenden Abgang? Lest selbst…
 
Strigen-TerrorJOHN SINCLAIR Band 1634 - „Strigen-Terror“
Als das Vogelmädchen Carlotta in Stockholm von einer Blut-Eule angegriffen wird, wendet sich ihre Freundin und Beschützerin Maxine Wells an John Sinclair. Dieser hat die „Strigen“ natürlich nicht vergessen und macht sich zusammen mit Suko auf den Weg. In Stockholm erwarten ihn allerdings nicht nur die Strigen, auch ihr Anführer Strigus ist mit von der Partie…

Dass die „Strigen“ unter den Sinclair–Fans nicht nur Verehrer hatten, sondern es auch Leser gab, die mit den Blut-Eulen nicht viel anfangen konnten, wusste wohl auch der Autor. Zwar traten die Strigen in den vergangenen Jahren nicht mehr so oft in Erscheinung, dennoch war es nun an der Zeit, mit diesem Thema endgültig abzuschließen.

Auch von dem Vogelmädchen Carlotta mag man halten, was man will, sie in die Handlung mit einzubauen, bot sich hier aber zumindest an, obgleich sie am Ende eigentlich nicht viel mehr tut, als anwesend zu sein. Was allerdings das Verhalten dieser bei den Lesern sehr beliebten Figur betrifft, als es zu ersten Begegnungen mit dem Gegner kommt, so sorgt dieses schon recht bald dafür, dass man auf ein Wiedersehen doch lieber verzichtet hätte.

Das fängt schon damit an, dass wieder einmal, wie so oft in letzter Zeit, der Sorge Ausdruck verliehen wird, man könnte sich als „Zeugin“ in ernsthafter Gefahr befinden. Das hat Dark mittlerweile bis zum Exzess ausgereizt und wie schon in den früheren Romanen, so fragt man sich auch hier wieder, was denn die Figur nun bitte zu einem Zeugen macht, der beseitigt werden muss. Die Antwort: Sie kam der kleinen Insel, auf der sich die Blut-Eulen breit gemacht haben, zu nahe. Bei Dark scheint der Gegner immer großen Wert auf Geheimhaltung zu legen. Jeder noch so kleine Zombie, der entdeckt wird, macht sich sofort auf den Weg, um den Zeugen zu beseitigen…

Carlotta jedenfalls scheint dennoch nicht so richtig zu verstehen, warum sie von den Strigen angegriffen wurde, und vermutet mal, dass sie wohl etwas falsch gemacht haben muss…

Nachdem man also beschlossen hat, dass es wohl das Beste wäre, wenn das Vogelmädchen nicht mehr allein in der Gegend herumfliegt, da die Strigen es ja auf sie abgesehen haben, beschließt sie plötzlich, kaum dass Sinclair und Partner mit ihr die Insel erreicht haben (auf der es ja nun erst recht gefährlich werden könnte), nun doch einen Alleingang zu machen, fliegt munter drauflos, und gerät prompt in eine Falle…

Kurz zuvor durfte allerdings der Geisterjäger noch eine Runde mitfliegen und „besteigt“ das Vogelmädchen, wie der Reiter das Pferd. Oder war es umgekehrt? Das wusste der Autor auch nicht mehr so genau, wie der folgende Dialog zeigt:
„Dann steig mal auf, John.“
„Aber wiehern werde ich nicht.“
„Dann würde ich dich auch abwerfen.“
Natürlich vermutet man nun, dass auch der Anführer der Strigen, der Dämon Strigus sich eventuell auf der Insel befinden könnte, was der Rezensent allerdings lange Zeit bezweifelt hat. Aber dem Autor gelingt es, ihn diesbezüglich zu überraschen und nach einigem Hin und Her kommt es dann am Ende des Romans tatsächlich zu einer Begegnung und sogar zu einem Schlusskampf mit Strigus.

Und wieder kamen dem Rezensenten Zweifel (die sich diesmal aber als berechtigt herausstellen sollten), hat er in letzter Zeit doch schon mehr als einmal erleben müssen, wie schnell und mit welcher Leichtigkeit ein Oberbösewicht in der Sinclair – Serie zur Strecke gebracht wird.

Aber hier haben wir es ja immerhin mit einem Gegner zu tun, der sich schon seit Jahrzehnten in der Serie gehalten hat, wenn er auch selten auftauchte. Und was macht der Autor? Er lässt den großen Strigus wie erstarrt dastehen, kaum dass Suko seine Peitschte ausgefahren hat (Grund für die Starre: Er rechnete nicht mit dem Einsatz der Peitsche…), der Chinese braucht nur noch einmal ganz locker aus dem Handgelenk zuzuschlagen, und schon - man mag es glauben oder nicht - ist Strigus Geschichte…

Allmählich fragt man sich wirklich, wen Dark mit derart laschen Kämpfen (oder besser gesagt mit dem Beseitigen der Gegner) denn noch beeindrucken will. Was veranlasst ihn immer und immer wieder dazu, die Gegner einfach nur aufzustellen, wie Pappkameraden, um sie dann mal eben mit einem lässigen Fingerschnippen auszuschalten? Wie kann es sein, dass ein mächtiger Dämon nicht einmal den Ansatz einer Gegenwehr zeigt?

Vielleicht sollte der Autor sich mal das eine oder andere Rollenspiel anschauen (Zur Not tut‘s auch das eigene). Da würde er eines zumindest lernen: Je mächtiger ein Gegner ist, desto schwieriger sollte es sein, ihn zu besiegen. Eigentlich würde es sogar schon reichen, einfach mal einen alten Spiderman – Comic zur Hand zu nehmen. DAS waren noch Kämpfe…

Fazit: Auch der letzte der hier rezensierten Romane konnte nicht überzeugen. Kommt anfangs noch ein Hauch von Spannung auf, und im letzten Drittel gar die Hoffnung auf einen größeren Sieg, so macht der wieder mal einfallslose und viel zu unspektakuläre Showdown diese guten Ansätze wieder zunichte.   

"Kleine" Zitate "Grosser" Leute
Genau hinschauen…
„Sie ließen mich nicht mehr aus den Augen.“
„Hatten sie diese denn?“
Carlotta nickte.

(JS Band 1634 / S.9)

Anatomische Überraschung..
Die Frau hatte noch eine andere Hand.
Diese war jetzt zu sehen, und sie hielt etwas fest.

(JS Band 1634 / S.38)

Nicht zu verwechseln…
Die Frau hatte auch nichts von einer Strige an sich.
Sie war völlig normal…“

(JS Band 1634 / S.38)

Kommentare  

#1 Lobo 2010-01-05 00:57
Nach den zurückliegenden zwanzig JS-Romanen möchte ich dem Autor dieser Beitragsreihe herzlich danken.
Sehr amüsant, sehr ausgefeilt und für mich - als alten Sinclair-Fan - leider auch sehr ernüchternd.
Die guten Zeiten scheinen wirklich vorbei zu sein.

Also, danke für die "Mühe"! Auch wenn die Romane es wohl nicht waren, Deine Artikel waren es wert gelesen zu werden.
#2 Laurin 2010-01-05 00:59
Aha, John "besteigt" das Vogelmädchen (will jetzt wirklich einer wissen, was ich gerade denke :o ).
Man könnte bei der leichten "Dahinraffung" von Obergegnern faßt den Eindruck gewinnen, die Romane sollen wirklich Jugendgerecht-Steril enden!
Zumindest ist man nahe daran, daß die Gegner sich demnächst beim Anblick von John und Suko wie die Lemminge vom Teppichrand freiwillig in den Tod stürzen :lol: !
#3 Harantor 2010-01-05 01:57
Morgen kommt nochmal Stefans Versuch einer abschließenden Wertung seines zwanzigwöchigen erneuten Besuches der Sinclair-Serie. In der Folge sind wir uns einig, dass er zu besonderen Trilogien oder zu Jubiläumsbänden mal wieder "John Sinclair revisits"...
#4 joe p. 2010-01-05 13:15
Vielen Dank für die Artikelreihe. Es war immer sehr unterhaltsam, den von mancher Seite teils erbitterten, äh, engagierten Diskussionen zu folgen. Ich falle ab dieses Jahr als Käufer/Sammler von Sinclair-Erstdrucken aus. Aber dem Hause Bastei bleibe ich als Konsument von Jerry Cotton I und Jerry Cotton Classic erhalten.
#5 Cartwing 2010-01-05 18:20
Lobo: Auch ich bedanke mich. Trotz der Quälerei beim Lesen hat es Spaß gemacht, die Artikel zu schreiben.

Laurin: Das mit dem "Besteigen" habe ich jetzt ausnahmsweise mal nicht wörtlich übernommen, sonst wäre es sicher in der Zitat - Ecke gelandet.

Zum Thema Jugendschutz: Könnte man meinen, aber ich glaube eher, dass Dark sich nicht die Mühe macht, einen längeren, fordernden Kampf zu beschreiben. Denn eigentlich sind die Hefte heutzutage eher weniger jugendfrei, bzw. fließt mehr Blut, als zu Zeiten richtiger Kämpfe.

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