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Meyer, Kai: Schweigenetz

Kai Meyer - SchweigenetzSchweigenetz
von Kai Meyer
Bastei-Lübbe Taschenbuch
erschienen: Winter 2008 (Neuausgabe), 1994 (Originalausgabe)
383 Seiten, 7,97 €
ISBN: 978-3-404-15946-8

Verlagsgruppe Lübbe

Dass zwei Leser bezüglich eines Romans unterschiedlicher Meinung sein können, ist nichts Besonderes. Das geschieht andauernd.
 
Wenn aber ein einzelner Leser gegenüber einem ganz bestimmten Roman zwei unterschiedliche Anschauungen vorbringt, dann ist das schon ein wenig ungewöhnlich.
 
Dass es dennoch möglich ist, zeigt sich etwa dann, wenn ein großer Fan von Kai Meyer das Buch »Schweigenetz« liest, eines der Frühwerke des talentierten Bestsellerautors.

Im Zentrum von »Schweigenetz« steht der junge Journalist Carsten Worthmann, mit dessen Karriere es nach einem unglücklichen Zwischenfall seit einigen Monaten stetig bergab geht. Da macht ihm der Chef eines großen Verlagshauses ein ebenso überraschendes wie lukratives Angebot. Carsten soll Redakteur beim „Harzboten“ werden, einer Zeitung aus Ostdeutschland, die der Verlag vor kurzem erworben hat. Seine Aufgabe bestünde im Wesentlichen darin, die Zeitung auf Vordermann zu bringen und die Qualität des Lokalteils zu steigern.

Man schreibt das Jahr 1994. Die Wiedervereinigung liegt nicht einmal ein halbes Jahrzehnt zurück, und in weiten Teilen der Neuen Bundesländern herrschen, trotz intensiver Sanierungsmaßnahmen, noch immer kaum zumutbare Lebensbedingungen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Carsten alles andere als begeistert ist bei dem Gedanken, ausgerechnet in der Lokalredaktion eines ostdeutschen Käseblattes zu arbeiten. Doch er weiß, dass er eigentlich keine andere Wahl hat, und das Angebot, dass ihm gemacht wurde, ist einfach zu verlockend. Also schlägt er ein und zieht von Frankfurt ins Städtchen Tiefental.

Hätte er geahnt, was ihn hier erwartet, er wäre niemals auf die Offerte eingegangen. Innerhalb kürzester Zeit findet sich Carsten in einem Sumpf aus Mord, Geheimnissen und Verrat wieder, dessen Wurzeln tief in die deutsch-deutsche Geschichte zurückreichen. In seiner eigenen Vergangenheit findet der Journalist schließlich den Schlüssel zu einem Mysterium, das die Ursache für einen geheimen, aber nichtsdestotrotz mit unerbittlicher Härte geführten Kriegs ist. Und Carsten steht unvermittelt zwischen den Fronten...

»Schweigenetz« wurde von Kai Meyer bereits 1994 geschrieben und ist nun in neuer Auflage bei Bastei-Lübbe erschienen. Dass der Thriller schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, ändert aber nichts an der Faszination, die von ihm ausgeht. »Schweigenetz« ist einer jener Romane, der die Bezeichnung „Thriller“ mit Fug und Recht trägt.

Und doch ist es nicht ganz einfach, eine eindeutige Bewertung des Werks zu formulieren. Es gibt nämlich ein Element, das dafür sorgt, dass man den Roman aus zwei sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Dieses Element ist der Autor der Geschichte, Kai Meyer.


Rezension im Falle, dass der Name „Kai Meyer“ unbekannt ist: Rasant inszenierte Actionszenen, glaubwürdige Charaktere, eine fesselnde Story – »Schweigenetz« ist ein Thriller, wie er überzeugender nicht sein könnte. Freunde anspruchsvoller Spannungsliteratur werden an diesem Roman nicht vorbeikommen.

Beeindruckend: Der Plot des Romans. Das beginnt schon damit, dass das Buch bereits 1994 geschrieben wurde, die Story allerdings nichts an ihrer Originalität eingebüßt hat. Fernab jedweder ausgetretenen Pfade führt der Autor den Leser durch eine brillant durchdachte Story, die bis hin zum dramatischen Finale nicht im Geringsten enttäuscht. Dass so manche Enthüllung und überraschende Wendung für einiges an Spannung sorgt, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Nicht minder beeindruckend als die Story an sich ist auch die Art und Weise, wie sie erzählt wird. Je weiter die Handlung voranschreitet und je mehr der Leser die Hintergründe des Plots durchschaut, umso komplexer wird das Storytelling. Ist es zu Beginn noch die Perspektive Carstens, aus der man einen Großteil der Handlung mitverfolgen kann, so wird diese mit zunehmender Seitenzahl ergänzt durch eine Vielzahl anderer Blickwinkel, wodurch neue Geheimnisse gelüftet werden und für zusätzliche Spannung gesorgt wird.

Ebenfalls positiv anzumerken ist der Umgang des Autors mit dem Konzept von „Richtig und Falsch“. Gibt es überhaupt so etwas wie eine „gute“ und eine „böse“ Seite? Diese Frage ist zentral für die Romanhandlung und sorgt schnell dafür, dass nicht nur die Protagonisten, sondern auch der Leser nicht mehr weiß, was er nun glauben und wem er vertrauen soll.

Apropos Protagonisten. Auch in dieser Hinsicht gibt es nichts zu meckern. Die Figuren, ob sie nun auf Seiten der „Guten“ oder der „Bösen“ stehen, sind samt und sonders detailliert ausgearbeitet und vortrefflich gezeichnet. Sie würden auch im Rahmen einer weniger brillanten Handlung mehr als nur ihren Mann stehen.

Man könnte noch weitere Aspekte nennen, die die Stärke des Romans demonstrieren, doch auch so dürfte klar geworden sein: »Schweigenetz« ist ein packender Thriller, der rundum gelungen ist. Wer Spannung liebt und eine unverbrauchte, temporeiche Erzählung genießen möchte, der ist hier genau richtig.


Rezension im Falle, dass man ein Fan von Kai Meyer ist: Was in den vorangegangenen Abschnitten gesagt wurde, trifft alles zu. »Schweigenetz« ist zweifellos ein vorzüglicher Thriller, der sich nicht hinter den großen Namen des Genres zu verstecken braucht. Das Problem ist allerdings, dass das Buch aus der elektronischen Feder von Kai Meyer stammt. Im Hinblick auf das, was der Autor sonst geschrieben hat, fällt »Schweigenetz« einfach ab.

So gut Meyers frühes Werk auch sein mag, mit seinen späteren Romanen kann es schlichtweg nicht mithalten. Charaktere, Plot, Setting, Atmosphäre, all dies ist stimmig, doch im Vergleich mit dem, was man als Fan von Kai Meyer sonst so gewöhnt ist, wirkt es alles blass. Die Handlung von »Schweigenetz« ist erstklassig, doch bei weitem nicht so faszinierend wie etwa der unvergleichliche Plot von »HEX«. Die Charaktere sind durchdacht, doch mit den brillant charakterisierten Figuren aus der »Wellenläufer«-Trilogie oder dem Roman »Das Buch von Eden« können sie sich nicht wirklich messen.

Kurzum: Man merkt »Schweigenetz« an, dass es ein Frühwerk Meyers ist. Bei aller Genialität ist es nun mal einfach kein Vergleich zu den späteren Werken des Autors.


Gesamtfazit: »Schweigenetz« ist ein fantastischer, enorm gut geschriebener Thriller, der Fans von Spannungsliteratur einige äußerst unterhaltsame Stunden bereiten wird. Wer aber schon andere Bücher von Kai Meyer gelesen und diese gemocht hat, der sei gewarnt: Voll und ganz erfüllen kann das Buch die hohen Ansprüche, die man an den Autor hat, nämlich nicht.

Man tut daher gut daran, während der Lektüre den Namen des Schriftstellers einfach auszublenden und sich voll und ganz auf die fesselnde Handlung einzulassen. In diesem Fall darf man sich auf ein wirklich faszinierendes Stück Spannungsliteratur freuen.

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