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Derrick und seine Fälle: Folge 160 - Mordträume

Derrick und seine FälleFolge 160
Mordträume

Der Psychologe Dr. med. Pfeifer befürchtet Schlimmes. Der Patient Max Binder, ein Ingenieur, wird, so erzählt er Derrick, seit dem Unfalltod seiner Frau von Träumen verfolgt, in denen er aus Rache Menschen umbringt. Dr. Pfeifer glaubt nun, dass Binder seine Träume irgendwann wahr macht. Beim Einblick in die Unfallakte stößt Derrick auf den Zeugen Stockey und auf einen Plan. (1)

SzenenfotoTäterjagd als Faszination
Diese Folge stellt aus meiner Sicht einen Wendepunkt in der Derrick-Reihe dar. Auch wenn das vielleicht von Regisseur und Autor weder so gedacht noch geplant war. Die Wendung bezieht sich auf die Titelfigur selbst. Derrick, der in den ersten ca. 30 Folgen als draufgängerischer Polizist den Verbrechern das Handwerk legte, hat danach zunehmend seine psychologische Ader entdeckt. Die Dialoge wurden zunächst handfest geführt und später dann, so um Folge 50 hinaus auch mal tiefgründiger. Hin- und wieder wurden Actionfolgen eingebaut, in denen auch mal Schüsse fielen. Hier nun wird Derrick zum Moralapostel. Nicht zum ersten Mal, aber doch deutlicher als zuvor. Er verteufelt das Verbrechen und ins Besondere den Mord. Gleichzeitig kann er nicht verhehlen, dass ihn das Thema fasziniert und die Jagd auf den Mörder für ihn Lebensaufgabe ist. Abscheu und Faszination gleichzeitig gegenüber dem Mord - das ist eine Facette, die der Figur Derrick im weiteren Verlauf der Reihe immer eindringlicher anhaften wird.

Hier versucht er einen Mann davon abzuhalten, eine furchtbare Rache zu üben. Das gelingt ihm letztlich sogar, so dass der Fall auf eine ganz andere Art und Weise als gelöst betrachtet werden kann.

Handlung
Die Handlung an sich gibt nicht viel her. Ein Mann (Matthieu Carriere) macht sich durch nächtliche München auf, den Menschen zu finden, der seine Frau überfahren hat und anschließend Fahrerflucht begann. Dieser Mensch, eine Frau, wird alsbald von ihm und dem einzigen Unfallzeugen ausfindig gemacht. Sie ist eine Prostituierte. Das Leben des Anderen bedeutet dem Rächer nichts mehr - er ist wie besessen.
Spannung sucht man leider vergebens. Einzig die Figur des Rachsüchtigen und seine Streifzüge durch die Nacht können dem Krimi ein klein wenig Attraktivität abgewinnen. Und trotz der atmosphärisch sehr dichten Erzählweise (dank Gero Ehrhardt) ist die gesamte Folge nur unter ferner liefen zu betrachten. Als Schlüsselfolge oder gar Wendepunkt hat sie nur für den aufmerksamen Zuschauer Bedeutung. Gero Ehrhardt führte übrigens zum dritten und letzten Mal Regie bei Derrick.


Darsteller: Horst Tappert (Stephan Derrick), Fritz Wepper (Inspektor Klein), Willy Schäfer, Matthieu Carriere, Jocelyne Boisseau, Karl Renar, Manfred Seipold, Constanze Engelbrecht und andere
Musik: Günther Rees, Titelmusik: Les Humphries, Regie: Gero Ehrhardt, Produzent: Helmut Ringelmann. Eine Produktion der Telenova Film- und Fernsehproduktion im Auftrag von ZDF, ORF, SRG. Erstsendung: 05.02.1988


(1) ZDF
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Kommentare  

#1 Luserke 2020-05-22 00:40
Eine ausgezeichnete Folge, die Spaß macht. Man kann nicht vorhersehen, wohin die Reise geht. Läuft es auf einen Mord hinaus, einem Selbstmord? Die Überraschung am Schluss - gelungen.
Gerne hätte ich noch ein, zwei weitere Mordtraum-Sequenzen gesehen, die dem Ganzen schließlich den Titel geben. Mathieu Carrière brilliert hier in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert scheint.
In dieser Episode fällt übrigens ein Zitat, das den Titel einer späteren Folge erklärt. Sinngemäß sagt Max Binder an einer Stelle, dass wir in einer Zeit leben, in der "der Mensch des Menschen Feind" ist.
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#2 G. Walt 2020-05-22 15:54
interessant Deine Anmerkung mit dem Satz. "Des Menschen Feind" ist Folge 189.
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#3 Luserke 2020-05-22 17:32
Ja, genau. 189 ist eine meiner Lieblingsfolgen: Ich habe lange darüber gerätselt, was der Titel eigentlich sagen will. Ob Reinecker den Menschen meint oder den Alkohol oder ganz was Anderes.
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#4 G. Walt 2020-05-22 21:19
@Luserke
wahrscheinlich Beides. Der Autor sprach gern in Metaphern, was sich nicht selten bei seinen Titeln wiederspiegelte. "Beziehung abgebrochen" war ja auch zweideutig. Beziehung abgebrochen zwischen Mann und Frau und zwischen Mann und Menschen.
"Ende eines Humoristen" - Das Ende durch Alter und sinken der Popularität und das Ende, weil er ein Mörder geworden war.
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#5 Luserke 2020-05-23 18:44
@G. Walt Leider gelang es mir nie, die Metapher "Toter Goldfisch" zu dechiffrieren...
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#6 G. Walt 2020-05-24 13:12
zitiere Luserke:
@G. Walt Leider gelang es mir nie, die Metapher "Toter Goldfisch" zu dechiffrieren...


mir auch nicht. Eines der größten ungelösten Derrick-Rätsel. ;-)
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