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Der Fall Rohrbach - Indizien gegen eine Ehefrau

Der Fall Rohrbach

Indizien gegen eine Ehefrau

 

Ein sensationeller Mordprozess erregte Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Auch in die Justizgeschichte ist „Der Fall Rohrbach“ im Laufe der Zeit eingegangen. 1963 griff Erfolgsregisseur Robert A. Stemmle den Prozess in einem semi-dokumentarischen Dreiteiler für das ZDF wieder auf, und Pidax hat die nach wie vor sehenswerte Umsetzung nun auf DVD veröffentlicht.

Für Robert A. Stemmle (1903-1974) war es nicht ungewöhnlich, dass er sich medial mit berühmten juristischen Prozessen, und dabei auch gerne mit Fehlurteilen, auseinandersetzte. In den 1930er Jahren hatte der Autor und Regisseur mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle seine ersten Spielfilme („So ein Flegel“, „Heinz im Mond“) inszeniert, drehte ab der Nachkriegszeit aber zunehmend ernstere und gehaltvollere Filme, von denen beispielsweise „Berliner Ballade“ zu einem Klassiker über die Trümmerjahre wurde und Hauptdarsteller Gert Fröbe zum Star machte. Als sich Stemmle ab den 1960er Jahren dann primär dem Fernsehen zuwandte, griff er mit „Affäre Blum“ auch direkt 1962 einen Justizskandal auf, der sich während der Weimarer Republik abspielte und bei dem einem unschuldigen jüdischen Fabrikanten ein Mordfall angehängt werden sollte. Schon kurz danach beschäftigte sich der Regisseur dann mit „Der Fall Rohrbach“ eines zur Entstehungszeit noch hochaktuellen juristischen Fehlurteils. Weiter ging es 1964 mit dem Zweiteiler „Der Fall Jakubowski – Rekonstruktion eines Justizirrtums“, und auch noch am Ende seiner professionellen Karriere widmete sich Stemmle in den Fernsehserien „Recht oder Unrecht“ und „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ dem deutschen Justizsystem.

Im Aasee bei Münster wird der Torso einer Leiche gefunden, der man die Gliedmaßen und den Kopf abgetrennt hat. Lediglich anhand eines Namensvermerks im Gürtel kann man den Toten als Anstreicher Hermann Rohrbach (Joachim Boldt) identifizieren. Dessen Ehefrau Maria (Anita Höfer) bleibt erstaunlich gelassen, als ihr die Polizei vom Fund der Leichenteile berichtet. Die Frau hat eine eher zwielichtige Vergangenheit, und zahlreiche ihrer Nachbarn und Bekannten wissen von ihrer Gewaltbereitschaft zu berichten, schon als Jugendliche war sie zudem straffällig geworden. Die Ermittler um Hauptkommissar Tandler (Paul Glawion) sammeln etliche Indizien, die dafür sprechen, dass Maria Rohrbach ihren von ihr entfremdeten Ehemann kaltblütig ermordet, zerstückelt und zur Seite geschafft hat. 1958 wird unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Hürtinger (Eduard Wandrey) ein Schwurgerichtsprozess gegen Maria Rohrbach eröffnet. Diese wird von Rechtsanwalt Dr. Horn (Harry Riebauer) verteidigt, der fest an die Unschuld seiner Mandantin glaubt, da diese auch stets behauptet, nichts mit dem Tod ihres Mannes zu tun gehabt zu haben. Staatsanwalt Dr. Baum (Hermann Kiessner) lädt etliche Belastungszeugen vor, darunter auch Marias einstmals beste Freundin Brigitte Roester (Eva Christian), die gewaltige Vorwürfe gegen die Angeklagte erhebt…

In diesem knapp vierstündigen Dreiteiler rekonstruiert Robert A. Stemmle den seinerzeit sensationellen Prozess, zu dem es bereits zu Vorverurteilungen in der Öffentlichkeit gekommen war. Die Verhöre und Prozessaussagen werden anhand von Originaldokumenten sehr präzise nachgestellt, dabei werden immer wieder Probleme in der Strafprozessordnung offensichtlich, auf die der Verteidiger hinweist und die erst im weiteren Verlauf zu einer Rechtserneuerung führten, die teilweise über einhundert Jahre alte Gesetze reformierten. Das private Schicksal Maria Rohrbachs wird publikumswirksam in den Mittelpunkt gerückt, aber Stemmles Inszenierung wird niemals sentimental und ist insgesamt sehr darum bemüht, Gerechtigkeit walten zu lassen. Der bis in die Nebenrollen überzeugend besetzte Dreiteiler hat über mehr als sechzig Jahre hinweg nichts von seiner Faszination eingebüßt. Auch wenn man heute die schlagzeilenträchtigen Meldungen der Presse nicht mehr präsent haben und den Fall selbst kaum mehr kennen dürfte, zieht er das Publikum doch schnell in seinen Bann und bietet als spannungsreiche Kriminalunterhaltung nach wie vor Kurzweil und Niveau. Die DVD-Erstveröffentlichung der insgesamt 231minütigen Miniserie erfolgt bei „Pidax Serien-Klassiker“ auf zwei Scheiben. Diese weisen ein durchschnittliches Bild (im Vollbildformat 1,33:1) auf, das noch etliche Verschmutzungen, Laufstreifen und Aktmarker enthält. Der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist stets gut zu verstehen und nicht weiter zu beanstanden. Extras sind keine mit aufgespielt.

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