Todesstille - Überlebenskampf auf hoher See
Todesstille
Überlebenskampf auf hoher See
1963 veröffentlichte der US-amerikanische Schriftsteller Charles Williams (1909-1975; „Auf Liebe und Tod“) seinen Thriller „Dead Calm“, der in Deutschland zunächst als „Tödliche Flaute“ übersetzt in den Buchhandel kam. Orson Welles („Der dritte Mann“, „Citizen Kane“) fasste bereits 1968 den Entschluss, den Roman als „The Deep“ für die Leinwand zu adaptieren. Die Hauptrollen hatte er mit sich selbst, Jeanne Moreau und Laurence Harvey äußerst publikumswirksam besetzt. Dennoch blieb der Film am Ende unvollendet und erblickte erst 2007 das Licht der Öffentlichkeit, als er im Filmmuseum München in einer rekonstruierten Fassung zugänglich gemacht wurde. Auch das New Yorker Museum of Modern Art führte dann 2015 ein Screening durch, doch ein größeres Publikum hat der Film bislang nicht erreicht. Anders der rund 20 Jahre später entstandene Film „Todesstille“, den der Australier Phillip Noyce rund um das Great Barrier Reef in seiner Heimat in Szene gesetzt hatte. Für die Hauptrolle konnte er mit Nicole Kidman eine Australierin gewinnen, die unmittelbar vor ihrem großen internationalen Durchbruch stand. Dieser Film brachte ihr die Hauptrolle in „Days of Thunder – Tage des Donners“ an der Seite von Tom Cruise ein, was ihren beruflichen und privaten Werdegang massiv beeinflussen sollte. Sam Neill („Possession“) war bereits ein Star, und der Amerikaner Billy Zane sollte danach ebenfalls in Hollywood groß durchstarten.
Das Leben von Rae (Nicole Kidman) und John Ingram (Sam Neill) ist aus dem Gleichgewicht geraten, weil ihr kleiner Sohn bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. In der größten Trauerphase beschließt das Ehepaar, einen Segelausflug zu unternehmen, um sich wieder näher zu kommen und die schwere Zeit gemeinsam zu meistern. Mitten auf hoher See nähert sich ihrem Schiff eines Tages ein Rettungsboot, das der junge Hughie Warriner (Billy Zane) steuert. Er erklärt den Ingrams, dass er mit fünf weiteren Besatzungsmitgliedern an Bord eines Schoners war, und alle anderen vor zehn Tagen einer Lebensmittelvergiftung zum Opfer gefallen sind. Da der Schoner Leck geschlagen ist, konnte sich Hughie gerade noch rechtzeitig auf Ingrams Boot retten. John kommen die Erklärungen des Schiffbrüchigen ein wenig merkwürdig vor, erst recht, als er einige der Unterlagen und das Logbuch Warriners studiert, das dieser von Bord retten konnte. Er beschließt, selbst auf das andere Boot zu rudern und die Situation dort mit eigenen Augen zu begutachten. Als Hughie entdeckt, dass Ingram davongerudert ist, zwingt er Rae, das eigene Boot in Bewegung zu setzen und John zurückzulassen. Der Schiffbrüchige entpuppt sich als unberechenbarer Psychopath, und Rae setzt alles daran, das Boot umkehren zu lassen und ihren Mann wieder einzusammeln. Der ist mittlerweile durch einen Unfall an Bord von Hughies Boot unter Deck eingeschlossen, wo das Wasser unaufhaltsam eindringt.
Mit recht simplen Mitteln, einem überschaubaren Setting und lediglich drei Hauptfiguren gelingt es Phillip Noyce mit „Todesstille“, eine atemlose Spannung zu generieren. Billy Zane pendelt gekonnt zwischen attraktivem Verführer und unkalkulierbarem Geisteskranken, der die physische Bedrohung regelrecht spürbar macht. Auch Nicole Kidman und Sam Neill gehen mit vollem Körpereinsatz an ihre fordernden Rollen heran und dienen dem Publikum als bemitleidenswerte Identifikationsfiguren. Keine Minute zu lang, zündet Noyce hier ein perfektes Adrenalinfeuerwerk, das stets glaubwürdig bleibt und den harten Überlebenskampf auf hoher See bis in die letzte Einstellung am Köcheln hält. Zu Rezensionszwecken stand lediglich die DVD der Edition zur Verfügung. Diese bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 2,40:1) und einen angemessenen Ton (Deutsch und Englisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit deutschen und englischen Untertiteln). Als Extras gibt es den deutschen und englischen Trailer zum Film, einen Trailer From Hell mit Francis Galluppi (2 Minuten) sowie eine umfangreiche Bildergalerie mit internationalem Werbematerial (rund 100 Motive). Die Mediabook-Veröffentlichung enthält darüber hinaus auch noch ein Booklet.



