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In der Gewalt von Gangstern - »Stunden der Angst«

Stunden der AngstIn der Gewalt von Gangstern
»Stunden der Angst«

Die bekannteste Version von Joseph Hayes‘ Theaterstück „The Desperate Hours“ ist sicherlich die 1955 von William Wyler gedrehte Fassung „An einem Tag wie jeder andere“, in der Humphrey Bogart als skrupelloser Ausbrecher glänzte. Neun Jahre später gab das ZDF ein deutsches Fernsehremake in Auftrag, das unter der Regie von Ludwig Cremer unter dem Titel „Stunden der Angst“ ebenfalls zu überzeugen verstand.

Stunden der AngstAuch diese Version sollte nicht die letzte bleiben, 1967 drehten auch die Amerikaner eine Fernsehfassung, in der George Segal in die Rolle des Glenn Griffin schlüpfte. 1970 und 1974 entstanden indische Remakes des Stoffes, bevor schließlich 1990 mit Michael Ciminos „24 Stunden in seiner Gewalt“ (https://www.zauberspiegel-online.de/index.php/krimi-thriller-mainmenu-12/gesehenes-mainmenu-160/33986-der-eiskalte-mickey-rourke-24-stunden-in-seiner-gewalt) eine modernisierte Variante mit Mickey Rourke und Sir Anthony Hopkins folgte, die allerdings weder an die Wyler- noch an die Cremer-Fassung heranreichte. Ludwig Cremer (1909-1982) war als Fernsehregisseur bereits ein alter Hase, der in den sechs Jahren zuvor schon achtzehn Fernsehfilme verantwortet hatte, also im Schnitt drei pro Jahr. Trotz dieser Umtriebigkeit befinden sich darunter Klassiker wie „Der Besuch der alten Dame“ mit Elisabeth Flickenschildt, „Hexenjagd“ nach Arthur Miller oder „Unsere kleine Stadt“ nach Thornton Wilder. Als einziges Manko könnte man Cremers Filmen vielleicht vorwerfen, dass er die Theaterursprünge der Stücke nur selten verschleiern konnte und seine Fernsehfassungen deswegen häufig wie abgefilmte Theaterinszenierungen aussehen.  

Stunden der AngstAn einem Tag wie jeder andere ist im Hause der Familie Hilliard plötzlich alles anders. Während Vater Dan (Hans Caninenberg) und die erwachsene Tochter Cindy (Barbara Witow) arbeiten gegangen sind und sich der zehnjährige Sohn Ralphie (Rolf Löffler) mit seinen Pfadfinderfreunden trifft, erhält Mutter Ellinor (Alice Treff) im feinen Einfamilienhaus Besuch von drei zwielichtigen Gestalten. Glenn Griffin (Hanns Lothar), dessen Bruder Hank (Karl Lieffen) und der tumbe Klotz Samuel Robish (Paul Dättel) sind gemeinsam aus dem Gefängnis ausgebrochen. Glenn ist auf der Suche nach Sheriff Bard (Horst Naumann), der ihn einst ins Kittchen brachte und bei der Überführung im Gesicht verwundete, wo der Gangster nun von einer Narbe verunstaltet ist. Glenn hat Rache geschworen und sich bewusst in einem edlen Viertel verschanzt, wo man die Ausbrecher sicherlich am allerwenigsten vermutet. Die drei Verbrecher wollen das Hilliard-Haus als Unterschlupf nutzen, bis ihnen von einer Komplizin Geld zur Verfügung gestellt wird. Als die restlichen Familienmitglieder nach Hause kommen, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als zu kooperieren, weil die geladenen Pistolen stets auf einen der Hilliards gerichtet sind. Derweil setzen Sheriff Bard und seine Kollegen Lieutenant Fredericks (Willi Rose) und Tom Winston (Bum Krüger) alles daran, den Aufenthaltsort der Geflüchteten in Erfahrung zu bringen, um diese unschädlich zu machen.

Stunden der AngstAuch dieser Ludwig-Cremer-Film kann seine Bühnenherkunft nicht verleugnen, zumal er komplett im Studio ohne Außenaufnahmen gedreht wurde. Aber Joseph Hayes‘ Vorlage ist stark genug, um das Interesse des Publikums dennoch wachzuhalten. Insbesondere die psychologisch sehr unterschiedlich angelegten drei Gangster verleihen der Geschichte Tiefgang, die somit weit über simple Schwarz-Weiß-Dramaturgie hinausgeht. Auch die namhafte Darstellerriege trägt natürlich maßgeblich dazu bei, dass „Stunden der Angst“ auch heute noch ohne Durchhänger zu unterhalten versteht.

Die DVD-Erstveröffentlichung weist ein gutes Schwarz-Weiß-Bild (im Vollbildformat 1,33:1) und einen stets sauberen und gut zu verstehenden deutschen Originalton (Deutsch in Dolby Digital 2.0) auf. Bonusmaterial ist nicht vorhanden.

Kommentare  

#1 Friedhelm 2021-07-25 11:13
Ich habe das Original mit Bogey und Frederic March in meinem Archiv. Ist für mich immer noch die beste Verfilmung - mit der von Cimino konnte ich "nicht richtig warm werden". Nun bin ich allerdings auch kein ubedingter Mickey Rourke-Fan. Für mich ist halt Humphrey Bogart Griffin, und es gibt ja auch immer wieder Filme, die kein Remake nötig haben. Ich denke, dieser ist einer davon.

Die deutsche Fassung kenne ich tatsächlich noch nicht.
#2 Laurin 2021-07-27 16:36
Die deutsche Version kenne ich auch nicht, dafür aber die geniale Version mit Humphrey Bogart. Die 1990er Version mit Mickey Rourke kenne ich zwar auch (irgendwann mal gesehen und meines Wissen her auch damals ein typischer Flop), war für mich aber gegenüber der Bogart-Version durchaus zu Vernachlässigen.

Bin da eigentlich auch mit @Friedhelm einer Meinung, das die besagte Bogart-Version von 1955 kein Remake in welcher Form auch immer, nötig hat.

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