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Der Fall Kaspar Hauser - Vom Findelkind zum Erbprinzen

Der Fall Kaspar Hauser

Vom Findelkind zum Erbprinzen

 

Eine der schillerndsten Figuren des 19. Jahrhunderts, die europaweit für Aufsehen sorgte, war das Findelkind Kaspar Hauser, das abgeschottet von der Außenwelt aufgewachsen war und bald schon zum angeblich vertauschten badischen Erbprinzen erklärt wurde. An der Theorie schieden sich die Geister der Gelehrten, Robert A. Stemmles Dreiteiler aus dem Jahr 1966 macht daraus eine historische Kriminalgeschichte und ist jetzt auf DVD erschienen.

Kaspar Hausers Lebensdaten werden von ca. 1812 bis 1833 angegeben, und die Schriften des Nürnberger Obergerichtspräsidenten Anselm von Feuerbach haben dessen Fall seinerzeit europaweit bekanntgemacht. Dazu hat nicht nur die Tatsache beigetragen, dass die Lebensumstände Hausers in jungen Jahren als erbärmlich eingestuft wurden, weswegen Feuerbach seinem Buch den Untertitel „Verbrechen am Seelenleben eines Menschen“ gab. Auch die vermeintliche Verwandtschaft Hausers mit dem badischen Großherzogtum hat seinerzeit die Gemüter erregt und dessen Fall über die Grenzen Deutschlands hinaus publik gemacht. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gab es unzählige künstlerische Aufarbeitungen des Falles Kaspar Hauser. Allein Kurd E. Heynes Hörspiel „Kaspar Hauser, das Rätsel seiner Zeit“ wurde in den 1950er Jahren viermal adaptiert. Seit den 1920er Jahren war Hausers Schicksal Grundlage für die unterschiedlichsten Theaterstücke, ab 1915 thematisierte man dieses auch in Film und Fernsehen. 1956 entstand mit Michael Landon in der Titelrolle sogar das 30minütige Fernsehspiel „Mystery of Caspar Hauser“ für die CBS-Reihe „Telephone Time“. Am bekanntesten ist heute vielleicht Peter Sehrs Kinofilm aus dem Jahr 1993 mit André Eisermann. All diese Interpretationen, einschließlich des nun auf DVD erschienenen Dreiteilers „Der Fall Kaspar Hauser“ von Robert A. Stemmle, entstanden vor der Genanalyse von Hausers Blut, die eine adlige Abstammung des Mannes 1996 endgültig widerlegte.

An einem Tag im Jahr 1828 irrt ein junger Mann, der auf den Namen Kaspar Hauser (Wilfried Gössler) hört, in den Straßen Nürnbergs umher. Ein ihm anvertrautes Schreiben stellt den Kontakt zu Rittmeister von Wessenig (Wolfram Schaerf) her, was den vermutlich sechzehnjährigen Knaben schließlich in Kontakt mit dem Obergerichtspräsidenten Anselm von Feuerbach (Wilhelm Borchert) bringt. Dieser bemüht sich darum, Kaspar Hauser die Welt und den menschlichen Geist näherzubringen, denn bisher war dieser wohl in einem Verlies abgeschottet von der Außenwelt aufgewachsen und der deutschen Sprache nur eingeschränkt mächtig. Professor Daumer (Friedrich Siemers) ist der erste, der Hauser in seine Obhut nimmt und aus diesem in kürzester Zeit einen gebildeten und höflichen jungen Mann macht. Als schließlich aber das Gerücht die Runde macht, bei Hauser könne es sich um den angeblich als Baby verstorbenen badischen Thronfolger handeln, gerät dieser in tödliche Gefahr. Ein Anschlag auf Kaspar wird im Hause Daumers verübt, weswegen man diesen fortan bei Kaufmann Biberbach (Arthur Binder) unterbringt. Neben Feuerbach ist insbesondere der Nürnberger Bürgermeister Binder (Herbert A. Knippenberg) darum bemüht, Licht ins Dunkel um Kaspar Hausers wahre Herkunft zu bringen. Aus England reist schließlich Lord Stanhope (Dieter Ranspach) an, der Gefallen an Hauser findet und diesen mit regelmäßigen Geldzuwendungen unterstützt. Könnte ein Umzug ins Vereinigte Königreich Kaspar Hausers Leben schützen?

Ähnlich wie bei dem unlängst ebenfalls von Pidax aus den Archiven geholten historischen Kriminalspiel „Der Fall Rohrbach“ ist es Robert A. Stemmle auch hier wieder gelungen, einen spannenden realen Fall minutiös nachzuerzählen, indem er sich in seinem Drehbuch auf Originalakten und Berichte von Zeitgenossen stützte. Ohne am Ende eine eindeutige Lösung oder Erklärung zu liefern, hat er den damaligen Wissensstand kurzweilig und in Ausstattung und Dialog zeitgemäß zusammengefasst und in drei knapp spielfilmlangen Folgen (Gesamtlaufzeit 210 Minuten) nacherzählt. Titeldarsteller Wilfried Gössler, der lediglich in einer kurzen Zeitspanne in den 1960er Jahren vor der Kamera stand, erweist sich dabei als Idealbesetzung für den immer undurchschaubarer werdenden Protagonisten, in sämtlichen Nebenrollen ist die Crème de la Crème damaliger deutscher Bühnen- und Fernsehdarsteller versammelt, was Fans dieser frühen Fernsehspiele wieder schätzen dürften. Das Bild der DVD-Erstveröffentlichung (im Vollbildformat 1,33:1) ist eher durchschnittlich, weil es etliche Bewegungsunschärfen und teilweise Kompressionsartefakte aufweist. Der deutsche Originalton (in Dolby Digital 2.0) ist durchweg gut zu verstehen und entspricht den Möglichkeiten zur Entstehungszeit. Bonusmaterial hat man nicht mit aufgespielt.

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