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#49 Nichts als Vampire

As Time Goes By# 49: Nichts als Vampire

Und noch einmal das Zaubertrio (wie redaktionsintern Zauberspiegel, -stern und –schrift genannt wurden, wobei das Copyright für diesen Begriff bei Petra Köhpcke liegt). Wie sie überhaupt viele griffige Spitznamen und Umschreibungen für uns fand. Ihr Wortschatz war umfangreicher als ihr Standardkommentar meiner Unternehmungen ("popelig") vermuten ließ.

Ich kreiste und gebar eine Idee. Eine Idee, die ich über die Jahre hinweg verflucht habe. Ich sagte mir: Warum machen wir nicht am Ende eines jeden Jahres eine Themenausgabe? Alle drei Zines bearbeiten ein einziges Thema, egal ob mit Zeichnungen, Stories, Artikeln oder Rezis. Quasi ein Schwerpunktmagazin. Etwas ergötzliches eben. Etwas, was vor uns im Horrorfandom keiner gemacht hat.

Man muss nicht jeden Einfall umsetzen, nicht wirklich. Manches sollte man besser auf einem Friedhof tief und fest verbuddeln. Aber wir waren jung, wir waren dumm und alle fanden die Idee erstmal toll ... Wenn sich etwas zuerst mal toll anhört, sollte man noch mal, um es mit Loriot zu sagen, ganz genau hinhören. Und auch mal einen zweiten Blick wagen. Abwägen und prüfen und nicht immer spontan losrennen.

Schon Ende 1986 habe ich gesagt. Wir machen diese Themenausgabe aller Magazine und wir beginnen mit dem populärsten Thema des Horror überhaupt: den Vampiren. Auch um meinen Kumpel Dieter "Ober-Guru" Hoven zu erklären, was Vampire denn mit Erotik zu tun haben, aber er war schon gafia, bevor die Magazine erschienen. Ich hörte nichts mehr von ihm, bis zu diesem Veteranentreffen in Meerbusch. Dann sollten Werwölfe und alles mögliche folgen. Da nie was folgte, kann sich der geneigte Leser nun denken, daß zwischen der schönen Theorie und der schnöden Praxis eine Kluft auftat, die uns klüger und weiser werden ließ.

Die Arbeit war letztlich die Hölle. Jeder unserer Rubriken, jede Story, jede Zeichnung: Alles voller Vampire und nichts anderes als diese Blutsauger. Mann, was haben wir uns mit diesen Vampiren befasst.

Die Spanne reichte von Vampirmythen, Gesetzen des Landes Preußen zum Thema Vampirismus, Rechtsgrundlagen, der (Vampir-)Fledermaus (Petra hatte großmütig die "Mythen und Wirklichkeiten" an mich abgetreten), über die Figur in Comic (Volker konnte aus dem Vollen schöpfen), Film (Norbert war groß in Fahrt), Heft (oh ja, gerade da), Buch (von der Gothic Novel bis hin zu den moderen Königen des Horrors gab es jede Menge von ihnen), SF (ja, auch da gibt es sie) & Fantasy (natürlich auch da), sogar in der ungeliebten Rubrik "Animus et Anima" (Frauen und Männerrollen im Phantastischen) und in der "Kunst der Hände" (Handwerk und Kunst, konnte man über sie berichten).

In die laufenden Fantasyserien (Die Legende des Manonreiters und Tochter der Flamme) wurden Vampire von Petra und mir hineingeschrieben. Die Stories brachten Lustiges und Ernstes über die Blutsauger. #

Rezensionen waren in dieser Nummer nicht aktuell, sondern präsentierten einen Querschnitt dessen was über Vampire von "Varney, the Vampire" und Dracula bis hin zum modernen Film, Heft und Comic erschienen war.

Überall Vampire. Kurioses war auch dabei. Norbert trug Hunderte von Filmtiteln zusammen. Der Kurioseste dabei war "The Lemon Grave Yard Kids Meets The Green Grashopper And The Vampire Lady From Outer Space", ein US-Film aus den sechziger Jahren (über den ich gern wüsste und den ich unbedingt mal sehen will).

Yakup Yalcinkaya lieferte ohne Ende Zeichnungen. Jörg Ropers malte (dicke) Vampire in Bermudashorts und Hawaiihemd (ein besonderer Wunsch Petra Köhpckes), ein Vampirgebiß im Wasserglas, Blutsauger, die sich über Godzilla im Fernsehen ärgerten du viele kleine Dinge mehr.

Da sah man sie die ganze Bandbreite des Vampirmythos. Großartig. Es gibt sie überall. Von der Oper bis zum Trashfilm. Nicht totzukriegen.

Nachdem diese Ausgabe inhaltlich gefüllt und durchaus auf positives Leserecho gestoßen war, fragten wir von der Redaktion und die Mitarbeiter uns selbst: War es das wert?

Nein!

Das war das einhellige und kategorische Urteil. Keiner wollte mehr derart geballt mit einem Thema jonglieren. Ich konnte mir ne ganze Zeit nichts mit Vampiren ansehen oder darüber lesen. Das hats nicht gebracht. Schon die Erwähnung des Wortes trieb hektische rote Flecken in die Gesichter der Redakteure.

Aber es war eine Erfahrung, hat eine gewisse Zeit sogar Spaß gemacht und war eine neue Perle in unserem Schaffen, aber der Preis war einfach zu hoch. Eine erschöpfte Redaktion, ein müder Herausgeber, genervte Zeichner und angefressene Autoren. Das wollten wir wirklich nicht wiederholen.

Was sich aber auch zeigte: Kaum ein anderes der großen Themen des Phantastischen ist derart verbreitet wie Vampire, als wir noch mal grübelten. Bei den anderen hätten wir Probleme mit dem Material bekommen. Also ließen wie de jährliche Themenausgabe fallen wie eine heiße Kartoffel und irgendwann zeigte dann auch mal wieder ein Vampir sein Gebiss im Zauberspiegel ...


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