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Ronco. Der Geächtete - Band 5: Die Melodie des Todes

Ronco. Der Geächtete

Band 5: Die Melodie des Todes

 

Ronco kommt Eddy Wagner zur Hilfe, als der in Schwierigkeiten mit den Morgan-Brüdern gerät. Es kommt zu einer Schießerei, bei der Tiny Toby ums Leben kommt und Ronco sich fortan um Claudia kümmert. Zweimal versuchen Unbekannte sie zu entführen und Ronco beginnt zu ahnen, dass Claudias im Dunkeln liegende Herkunft etwas damit zu tun hat.

 

Ronco reist nach Hilltown, um seinem Freund Eddy Wagner zu helfen. Der hat Schwierigkeiten mit den Morgan-Brüdern, die sein jüngst gegründetes Fuhrunternehmen übernehmen wollen.

Die Morgans heuern Revolvermänner an, die Eddy unter Druck setzen und seine Tiere mit einem juristischen Trick festsetzen. Eddy kann einen Auftrag nicht übernehmen und ihm droht die Pleite.

Mit der Unterstützung Roncos gelingt es, die Tiere zu befreien und die Fracht nach Boswell zu bringen. Dort erfährt Ronco, dass die Morgans mit Tabor unter einer Decke stecken. Leider gelingt dem ehemaligen Zahlmeister von Fort Calhoun und wahrscheinlichen Verantwortlichen für das Massaker am Halcon Canyon die Flucht.

Auf dem Weg nach Hilltown kann Ronco einen Postkutschenüberfall verhindern, in dem auch Claudia, Big Bob und Tiny Toby verwickelt sind. Tiny Toby kommt bei einer Schießerei mit Morgans Männer ums Leben und Ronco kümmert sich um Claudia. Als sie auf dem Weg nach Boswell entführt wird, beginnt Ronco zu ahnen, dass Claudias Schicksal noch einige Überraschungen bereit hält.

Den fünften Band von Ronco schreibt Franz Glaser unter seinem gleichlautenden Pseudonym Frank Glaser. Er ist der erste neue Autor, der nach dem Weggang von Werner Gronwald einen Ronco-Roman schreibt.

Die Änderungen werden sofort sichtbar. Glaser schreibt eine komplette Geschichte über die gesamte Heftlänge, was dem Roman zugute kommt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen der Leser einen zerstückelten Roman vorgesetzt bekommt. Bei genauerer Betrachtung verlaufen in der Geschichte doch zwei Handlungsstränge die zumindest gut miteinander verwoben sind.

Zum einen ist da der Strang um Eddy und sein Fuhrunternehmen. Erwartungsgemäß gelingt es ihm und Ronco, seine Tiere zu befreien und nach Boswell zu reiten. Dort erfährt Ronco, dass der von ihm gesuchte Tabor mit den Morgan-Brüdern gemeinsame Sache macht. Hier trägt Glaser etwas dick auf, denn mit der Anwesenheit kommen zu viel Zufälle auf einmal zusammen. Es ist keine Überraschung, dass Tabor zum Ende entkommt, denn Ronco soll ja schließlich auch mit Band 6 noch der Geächtete sein.

Das Spannungslevel des Romans hält sich in Grenzen. Glaser nimmt einige Handlungselemente Gronwalds auf und führt sie weiter. Trotzdem gelingt ihm zumindest mit dem Abschnitt um die Morgan-Brüder nicht mehr als ein routiniert runter geschriebener Western.

Sehr viel mehr versprechender ist der Strang um Claudia. Der Leser erfährt, dass sie und deren Familie aus Europa stammen. Ihre Tante hatte einen Brief hinterlassen, der einige spärliche Informationen zu ihrer Herkunft enthält. Einer der Banditen, die zu Beginn des Romans die Kutsche überfallen haben, stammt aus Ungarn. Die Hinweise verdichten sich, dass es bestimmte Leute auf Claudia abgesehen haben, denn auf dem Weg nach Boswell kommt es zu einem erneuten Versuch, sie zu entführen.

Tiny Toby kommt bei der Schießerei mit den Morgan-Brüdern ums Leben und nimmt Ronco das Versprechen ab, Claudia zu beschützen. Nun holt der Autor ein Frauenbild aus der Kiste, das den Leser der Gegenwart nur mit dem Kopf schütteln lässt.

Claudia verliebt sich in Ronco und braucht natürlich den Schutz eines starken Mannes. Wie ein Wanderpokal wird sie weitergereicht, als Toby stirbt und sie nicht mehr beschützen kann. Nun ließe sich noch sagen, dass dieses Frauenbild in den 70er Jahren weit verbreitet war, als sie aber Riverside erreichen, kramt der Autor noch weiter in der Klischee-Kiste. Ronco kommt zu dem Entschluss, dass eine große Stadt nicht für eine schöne Frau geeignet ist. Sie wird im Planwagen versteckt, damit sie nicht den Blicken der lüsternen Männer ausgesetzt ist. Von Claudia kommt kein Wort des Widerstandes. Willig fügt sich die hilflose Frau den Anweisungen ihrer männlichen Beschützer. Da trieft der Kitsch nur so aus den Seiten und Leser eines Frauenbildes der 50er Jahre dürften sich angesprochen fühlen. Zumindest verschont der Autor den Leser mit einem histrionischen Geschrei Claudias.

Glaser legt einen Roman vor, der endlich mal über eine komplette Heftlänge verläuft. Trotzdem verfügt die Geschichte über einen seltsamen Aufbau, der das Lesen etwas ins Stocken bringt. Zu Beginn baut sich der Roman um die Morgans und Claudia gut auf. Die Ereignisse werden aus der Perspektive Roncos erzählt.

Mit dem Aufbruch nach Riverside werden die Geschehnisse auf dem Treck erzählt. Es kommt zu einem leichten erzählerischen Bruch, denn zunehmend geraten die Ereignisse um Claudia und deren Herkunft in den Blickpunkt. Auf den letzten Seiten erfährt Ronco von der Anwesenheit Tabors. Ronco begibt sich auf dessen Verfolgung. Seltsamerweise wechselt die Erzählperspektive nun auf Roncos Freund Vilasar, der im letzten Augenblick noch zum Cast hinzustößt. Dass die Perspektiven sich in einem Roman ändern, ist nicht ungewöhnlich. Trotzdem wirkt es in der vorliegenden Geschichte etwas ungleichmäßig, was in der Gesamtbetrachtung des Romans nur eine durchschnittlich gut geschriebene Geschichte zurücklässt.

 

Ronco. Der Geächtete
Band 5: Die Melodie des Todes
Erscheinungsdatum: 13.12.2025
Autor: Frank Glaser
Bastei Verlag

 

03/2026

 

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